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Maligne Hyperthermie

3 Minuten Lesezeit

Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine seltene hereditäre Myopathie, die durch eine übermäßige Freisetzung von Calcium aus dem sarkoplasmatischen Retikulum der Skelettmuskulatur ausgelöst wird. Sie tritt in der Regel als Reaktion auf bestimmte Triggersubstanzen wie volatile Anästhetika sowie das Muskelrelaxans Succinylcholin auf. Klinisch äußert sich die maligne Hyperthermie durch eine erhöhte Muskelsteifigkeit, Hyperthermie, metabolische Azidose, erhöhte Atem- und Herzfrequenz sowie instabile Kreislaufverhältnisse, die unbehandelt lebensbedrohlich sein können.

  • Angeborener Gendefekt
    • Meist autosomal dominant vererbte Mutation des Ryanodin-Rezeptors)
  • Wichtige Trigger:
    • Volatile Anäs­the­ti­ka: Sevofluran, Desfluran, Isofluran, Halothan
    • Depolarisierendes Muskelrelaxans: Succinylcholin
 Achtung

Bei angeborenen Muskelerkrankungen kommt es häufiger zum Auftreten einer malignen Hyperthermie!

  • Frühzeichen:
    • Anstieg des endexspiratorischen CO2
    • Tachykardie
    • Muskelsteifigkeit → ein früher Hinweis kann ein Masseterspasmus direkt nach Gabe von Succinylcholin sein → erschwerte Mundöffnung
    • Temperaturanstieg→ Muskelkontraktionen → gesteigerter O2-Verbrauch → gesteigerte Wärme- und CO2-Produktion
  • Spätzeichen
    • Hyperthermie
    • Sauerstoffsättigung
    • Rhabdomyolyse
  • Kapnografie
  • Temperaturmessung
  • Pulsoxymetrie
  • EKG-Monitoring
  • BGA
    • Kombinierte respiratorische und metabolische Azidose
    • Hyperkapnie
    • Hypoxämie
    • Hyperkaliämie
    • Laktat ↑
  • Labor:
    • Zeichen der Rhabdomyolyse: CK↑, Hyperkaliämie, LDH↑, Azidose, akute Nierenschädigung mit Anstieg der Retentionsparameter, Myoglobinämie etc.
  • Zufuhr der Triggersubstanz stoppen
  • Hilfe anfordern und OP-Team Bescheid geben
  • Beatmung optimieren:
    • Atemzeitvolumen steigern (3-4-fach)
    • FiO2 100 %
  • Gabe von Dantrolen (initial 2,5 mg/kgKG i.v. als Bolus, ggf. im Verlauf wiederholen, Tagesmaximaldosis von 10 mg/kgKG kann in Einzelfällen überschritten werden)
    • Wirkung: Hemmt die Freisetzung von Ca2+ aus dem sarkoplasmatischen Retikulum der quergestreiften Muskulatur
  • Therapie der Hyperkaliämie
  • Bei Rhabdomyolyse: forcierte Diurese (i.v. Gabe von großen Mengen Infusionslösung (z.B. 6 l) in Kombination mit einem Schleifendiuretika wie Furosemid)
  • Maßnahmen zur Kühlung:
    • Externe Kühlung
    • Intravenöse Gabe von kalten Infusionen (z.B. auf 4 °C gekühlte balancierte Elektrolytlösung)
    • Magenspülung mit kaltem Wasser
    • Zielwert: <38,5 °C
  • Postoperativ: Verlegung auf Intensivstation
 Info

Gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) soll für die Notfalltherapie der malignen Hyperthermie bei Erwachsenen ein sofort verfügbarer Mindestvorrat an Dantrolen von 10 mg/kg Körpergewicht vorgehalten werden, was in der Regel etwa 36–48 Ampullen entspricht.

Zuletzt aktualisiert am 04.05.2026
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