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Modelllernen und Transferlernen

Modelllernen, Transferlernen, Positiver Transfer, Negativer Transfer, Bandura, Perkins
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4 Minuten Lesezeit

Lernen erfolgt nicht nur durch eigene Erfahrungen, sondern auch durch das Beobachten anderer und die flexible Anwendung bereits erworbenen Wissens. Zwei zentrale Formen in diesem Zusammenhang sind das Modelllernen und das Transferlernen. Das Modelllernen, auch als Beobachtungslernen bekannt, beschreibt, wie Menschen neue Verhaltensweisen, Einstellungen und Reaktionen übernehmen, indem sie andere Personen als Vorbilder wahrnehmen und deren Handlungen innerlich nachvollziehen. Dabei spielen Faktoren wie Aufmerksamkeit, Erinnerung und Motivation eine wichtige Rolle, ebenso wie die Frage, ob das beobachtete Verhalten als sinnvoll oder erfolgreich eingeschätzt wird. 

Das Transferlernen ergänzt diesen Prozess, indem es die Fähigkeit beschreibt, Gelerntes auf neue Situationen zu übertragen. Es geht also nicht nur darum, Wissen zu erwerben, sondern es auch flexibel und angemessen in unterschiedlichen Kontexten anzuwenden. Ob diese Übertragung gelingt, hängt unter anderem davon ab, wie gut Zusammenhänge verstanden wurden und wie ähnlich sich Lern- und Anwendungssituation sind.

 Info
Beide Lernformen (Modelllernen und Transferlernen) greifen ineinander
  • Während das Modelllernen den Erwerb neuer Verhaltensweisen erleichtert, ermöglicht das Transferlernen deren nachhaltige Nutzung im Alltag
  • Gemeinsam tragen sie dazu bei, dass Menschen sich kontinuierlich weiterentwickeln und auf neue Anforderungen anpassen können

Nach der sozial-kognitiven Lerntheorie kann Verhalten stellvertretend gelernt werden: Man beobachtet ein Modell (z. B. Eltern, Peers) und übernimmt das Verhalten, ohne die Konsequenzen selbst erleben zu müssen. Entscheidend ist, dass das Modell für sein Verhalten Belohnung oder Bestrafung erfährt (stellvertretende Verstärkung / Bestrafung). So lernen Kinder vieles durch Nachahmen.

 Merke

Modelllernen = neues Verhalten durch Beobachtung eines Modells.

Vier Phasen des Modelllernens:

  • Aufmerksamkeitsphase: Modell wird wahrgenommen (Aufmerksamkeit muss „dran bleiben“)
  • Merkphase: Verhalten wird gespeichert (z. B. als Vorstellung / Regel)
  • Motorische Reproduktionsphase: Verhalten wird praktisch ausgeführt (Fertigkeiten / Übung nötig)
  • Motivationsphase: Ausführung lohnt sich (Erwartung von Belohnung / Vermeidung von Strafe)
Modelllernen nach Bandura
Das Modelllernen nach der sozial-kognitiven Lerntheorie beschreibt den Erwerb neuen Verhaltens durch Beobachtung eines Modells. Dabei durchlaufen Lernende vier Phasen: Aufmerksamkeitsphase, Merkphase, motorische Reproduktionsphase und Motivationsphase, die gemeinsam zur Ausführung der Verhaltensweise führen.

Lernen durch Einsicht entsteht durch Verstehen und Überlegen

  • Eine Person erkennt Zusammenhänge (Ursache–Wirkung, Bedeutung einer Situation) und verändert daraufhin ihr Verhalten
  • Typisch ist ein plötzliches Aha-Erlebnis, bei dem die Lösung „wie aus dem Nichts“ auftaucht und das Verhalten dann zielgerichtet gelingt
 Info

Einsicht führt nicht automatisch zu Verhalten. Menschen können wissen, dass etwas schädlich ist, handeln aber trotzdem anders (z. B. bei Abhängigkeit). Fehlende Einsicht ist kein Diagnosekriterium der Substanzabhängigkeit. Relevant ist u. a. der Kontrollverlust über den Konsum.

Transferlernen beschreibt die Fähigkeit, bereits erworbenes Wissen oder Können auf neue, bisher unbekannte Situationen zu übertragen. Ziel ist es, Gelerntes flexibel anzuwenden, anstatt es nur in einem bestimmten Kontext abzurufen.

 Merke

Transfer bedeutet, dass Gelerntes auf neue Situationen übertragen wird.

Positiver Transfer: Erlernte Fähigkeiten helfen in einer ähnlichen Situation.

 Info

Beispiel: Autofahren aus der Fahrschule gelingt auch in einem anderen Auto.

Negativer Transfer: Altes Lernen stört in der neuen Situation.

 Info

Beispiel: Wer vom Fahrrad die Rücktrittbremse gewohnt ist, versucht beim Rennrad vergeblich mit dem Fuß zu bremsen.

  • Bandura, Albert: Social Learning Theory. Prentice Hall, 1977. ISBN: 978-0-13-816744-8.
  • Bandura A, Ross D, Ross SA. Transmission of aggression through imitation of aggressive models. Journal of Abnormal and Social Psychology 1961;63(3):575–582. DOI: 10.1037/h0045925.
  • Perkins DN, Salomon G. Transfer of Learning. In: International Encyclopedia of Education. Pergamon Press, 1992.
  • Perkins DN, Salomon G. Transfer of learning. International Encyclopedia of Education. 2. Auflage. Oxford: Pergamon Press; 1992.
  • Bransford JD, Schwartz DL. Rethinking transfer: A simple proposal with multiple implications. Review of Research in Education 1999;24:61–100. DOI: 10.3102/0091732X024001061.
Zuletzt aktualisiert am 17.07.2026
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