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Morphin

13 Minuten Lesezeit
Morphin Ampulle

Morphin ist ein stark wirksames Opioidanalgetikum und wird zur Behandlung von starken bis stärksten Schmerzen eingesetzt. Die Wirkung beruht auf einem Agonismus an Opioidrezeptoren im zentralen Nervensystem, wodurch es zu einer Hemmung der Schmerzweiterleitung und -verarbeitung kommt. Zusätzlich kann Morphin durch Vasodilatation die Vor- und Nachlast am Herzen senken, was insbesondere beim akuten Koronarsyndrom therapeutisch genutzt werden kann. 

Nach intravenöser Gabe tritt die Wirkung innerhalb weniger Minuten ein und hält in der Regel etwa 4–5 Stunden an. Die Applikation erfolgt titrationsweise und langsam i.v., um Nebenwirkungen zu reduzieren. 

Zu den wichtigsten Nebenwirkungen zählen Sedierung, Atemdepression, Miosis, Hypotonie sowie Übelkeit und Obstipation. Bei schneller i.v.-Gabe kann eine Histaminfreisetzung auftreten. 

Morphin ist ein Betäubungsmittel, weshalb die Anwendung entsprechend dokumentationspflichtig ist. Bei einer klinisch relevanten Atemdepression kann das Opioidantidot Naloxon eingesetzt werden, wobei aufgrund der kürzeren Halbwertszeit von Naloxon ein erneutes Auftreten der Opioidwirkung möglich ist.

Lernkarte Morphin
  • Wirkstoffklasse: Opioid Analgetika
  • Handelsnamen: z.B. Morphin HEXAL®, Morphin-ratiopharm®, Morphin STADA®, Morphin Aristo®, Morphin 1A Pharma®
Morphin
Eitkett: Morphin
  • Starke bis stärkste Schmerzen
  • Schwere Lungenfunktionsstörung (z.B. Asthma, COPD)
  • Atemdepression mit Hypoxie oder Hyperkapnie
  • Gastrointestinale Passagestörungen (z.B. akutes Abdomen, paralytischer Ileus)
  • Erhöhter Hirndruck
  • Einnahme von MAO-Hemmern in den letzten 14 Tagen (z.B. Rasagilin)
  • Erwachsene: 2 mg i.v. (Wiederholung alle 2 min bis Wirkeintritt, maximal 10 mg)
  • Kinder: 25–50 μg/kgKG i.v. (Wiederholung bis Wirkeintritt, 
    maximal 100 μg/kgKG)
  • Langsame i.v.-Gabe zur Verringerung von Nebenwirkungen
  • Morphin gilt als Betäubungsmittel: die Anwendung muss eindeutig dokumentiert werden (BtM-Buch)
  • Bei Atemdepression: 
    • Kommandoatmung (Atemkommandos geben)
    • Sauerstoffgabe
    • Assistierte Beatmung
  • Antidot: Naloxon (Cave: Rebound durch kürzere HWZ, siehe Naloxon)
  • Wirkeintritt: innerhalb von 5 min 
  • Wirkdauer: 4–5 Std
  • Metabolisierung: überwiegend hepatisch zu den aktiven Metaboliten Morphin-3-Glucuronid (M3G) und Morphin-6-Glucuronid (M6G)
  • Ausscheidung: hauptsächlich renal als Glucuronid-Metaboliten
 Achtung

Morphin-3-Glucuronid (M3G) und Morphin-6-Glucuronid (M6G) werden über die Niere ausgeschieden und können sich bei Niereninsuffizienz akkumulieren. Dadurch kann es zu einer verlängerten oder verstärkten Opioidwirkung mit erhöhter Gefahr der Atemdepression kommen.

  • Morphin wirkt über einen Agonismus an den Opioidrezeptoren 
  • Dies führt zur zentralen Hemmung der Schmerzweiterleitung und -verarbeitung
  • Morphin senkt die Vor- und Nachlast am Herzen
  • Wirkung verstärkt bei gleichzeitiger Gabe von (synergistische Effekte):
    • Sedativa/Hypnotika (z. B. Midazolam, Propofol)Verstärkte Sedierung und Atemdepression (gewünschter Effekt im Rahmen einer Allgemeinanästhesie)
    • Weitere ZNS-dämpfende Substanzen (z. B. Alkohol)Verstärkte zentralnervöse Dämpfung und Atemdepression
    • Weitere Analgetika (z. B. Paracetamol, Ibuprofen)Zusätzliche analgetische Wirkung
  • Klinisch relevante Arzneimittelinteraktionen:
    • MAO-Hemmer (z. B. Tranylcypromin, Rasagilin) → Risiko für schwere ZNS- und Kreislaufreaktionen, Kombination kontraindiziert
    • Opioidantagonisten (z. B. Naloxon)Aufhebung der opioidvermittelten Analgesie und Antagonisierung der Atemdepression
    • Partielle Opioidagonisten bzw. κ-Agonisten (z. B. Nalbuphin) → mögliche Abschwächung der Morphinwirkung durch kompetitive Wirkung an Opioidrezeptoren
    • Anticholinergika (z. B. Atropin)Verstärkte gastrointestinale Motilitätshemmung mit Risiko für Obstipation oder Ileus
  • Sedierung (Vigilanzminderung)
  • Atemdepression (Bradypnoe bis Apnoe)
  • Miosis
  • Mediatorfreisetzung → Histamin
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Hypotonie
  • Obstipation
  • Anstieg des Hirndrucks
  • Thoraxrigidität (bei schneller i.v.-Gabe)
 Tipp

Symptome einer Intoxikation mit Opiaten oder Opioiden

  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Naloxon
  • Intoxikationen mit  Opiaten und Opioiden (RD)
  • Opioide
  • ratiopharm GmbH: Fachinformation Morphin-ratiopharm® Injektionslösung, Stand: Oktober 2023
  • Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
  • Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9
Zuletzt aktualisiert am 11.03.2026
Midazolam
Nalbuphin
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