
Morphin ist ein stark wirksames Opioidanalgetikum und wird zur Behandlung von starken bis stärksten Schmerzen eingesetzt. Die Wirkung beruht auf einem Agonismus an Opioidrezeptoren im zentralen Nervensystem, wodurch es zu einer Hemmung der Schmerzweiterleitung und -verarbeitung kommt. Zusätzlich kann Morphin durch Vasodilatation die Vor- und Nachlast am Herzen senken, was insbesondere beim akuten Koronarsyndrom therapeutisch genutzt werden kann.
Nach intravenöser Gabe tritt die Wirkung innerhalb weniger Minuten ein und hält in der Regel etwa 4–5 Stunden an. Die Applikation erfolgt titrationsweise und langsam i.v., um Nebenwirkungen zu reduzieren.
Zu den wichtigsten Nebenwirkungen zählen Sedierung, Atemdepression, Miosis, Hypotonie sowie Übelkeit und Obstipation. Bei schneller i.v.-Gabe kann eine Histaminfreisetzung auftreten.
Morphin ist ein Betäubungsmittel, weshalb die Anwendung entsprechend dokumentationspflichtig ist. Bei einer klinisch relevanten Atemdepression kann das Opioidantidot Naloxon eingesetzt werden, wobei aufgrund der kürzeren Halbwertszeit von Naloxon ein erneutes Auftreten der Opioidwirkung möglich ist.
- ratiopharm GmbH: Fachinformation Morphin-ratiopharm® Injektionslösung, Stand: Oktober 2023
- Aktories K, Förstermann U, Hofmann FB, Flockerzi V (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 13. Auflage, 2022. ISBN: 978-3-437-42622-3
- Wanka V, Weiß S: Medikamente im Rettungsdienst. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2019. ISBN: 978-3-13-242824-9

