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Nebenniere (RD)

Glandula suprarenalis
16 Minuten Lesezeit

Die Nebennieren sind paarig angelegte endokrine Drüsen, die auf den oberen Polen der Nieren sitzen und eine wichtige Funktion in der Hormonproduktion übernehmen. Sie gliedern sich in zwei funktionell weitgehend unabhängige Teile:

  • Nebennierenrinde: In der Rinde werden verschiedene Hormone gebildet, darunter Cortisol, das den Blutzuckerspiegel erhöht, sowie Aldosteron, das den Salz- und Flüssigkeitshaushalt über die Nieren reguliert. Zudem werden in geringer Menge Androgene produziert
  • Nebennierenmark: Das Mark bildet primär das Stresshormon Adrenalin, das in Belastungssituationen zur Stabilisierung des Kreislaufs beiträgt

Störungen dieser Funktion können zu Erkrankungen wie dem Morbus Addison (Hormonmangel) oder dem Cushing-Syndrom (Cortisolüberschuss) führen.

 Merke
Steckbrief:
  • Funktion: Biosynthese und Sekretion von Steroidhormonen (Rinde) sowie Katecholaminen (Mark)
  • Lage: Auf dem oberen Pol beider Nieren, primär retroperitoneal, innerhalb der Nierenfettkapsel
  • Aufbau: 
    • Von einer zarten Bindegewebskapsel umgeben
    • Äußere, größere Rindenzone
    • Innere, kleinere Markzone
  • Form: rechts dreieckig, links halbmondförmig
  • Größe: Etwa 5 cm lang und dick, ca. 1–2 cm breit
  • Die beiden Nebennieren liegen etwa auf Höhe des 11. und 12. Brustwirbels
  • Die rechte liegt dabei etwas weiter unten als die linke
  • Gliedert sich in zwei funktionell weitgehend unabhängige Teile:
    1. Nebennierenrinde (Cortex): In der Rinde werden verschiedene Hormone gebildet, darunter Cortisol, das den Blutzuckerspiegel erhöht, sowie Aldosteron, das den Salz- und Flüssigkeitshaushalt über die Nieren reguliert. Zudem werden in geringer Menge Androgene produziert
    2. Nebennierenmark (Medulla): Das Mark bildet primär das Stresshormon Adrenalin, das in Belastungssituationen zur Stabilisierung des Kreislaufs beiträgt
Nebenniere
Funktionelle Gliederung der Nebenniere

Gefäßversorgung

  • Die Nebennieren haben eine sehr gute Durchblutung, damit Hormone schnell ins Blut gelangen
  • Das Blut fließt von der Rinde zum Mark, wodurch das Mark vielen Rindenhormonen ausgesetzt ist
Arterielle Versorgung der Nebennieren
Arterielle Versorgung der Nebenniere
 Achtung
Die ausgeprägte Durchblutung ermöglicht, dass in Rinde und Mark gebildete Hormone rasch in den systemischen Kreislauf gelangen und zeitnah wirken.
 Info

Die linke Nebennierenvene fließt in die linke Nierenvene ab. Die rechte Nebennierenvene mündet dagegen direkt in die untere Hohlvene.

Nebennierenrinde

Die Nebennierenrinde besteht aus drei Zonen, die sich sowohl in ihrer Zellanordnung als auch in den jeweils gebildeten Hormonen unterscheiden.

SyntheseortHormonHauptvertreterWirkung
Zona glomerulosaMineralocorticoideAldosteron
  • Regulation des Elektrolyt- und Wasserhaushalts und Blutdrucks
Zona fasciculataGlucocorticoideCortisol
  • Energiebereitstellung in Stresssituationen
  • Entzündungshemmung und Beeinflussung vieler weiterer Stoffwechselvorgänge
Zona reticularisAndrogeneDehydroepi-androsteron (DHEA) und Androstendion
  • Vorstufe der Testosteron- und Östrogensynthese

Nebennierenmark

  • Im Nebennierenmark finden sich vermehrt chromaffine Zellen, die die Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin produzieren
    • Adrenalin wirkt hauptsächlich als Hormon, wird ins Blut abgegeben und steigert in Stresssituationen unter anderem Herzfrequenz und Blutdruck
    • Noradrenalin hat sowohl eine Funktion als Hormon als auch als Neurotransmitter und ist besonders an der Gefäßverengung und Blutdruckregulation beteiligt
    • Dopamin wirkt überwiegend als Neurotransmitter im Nervensystem und wird im Nebennierenmark nur in geringerer Menge gebildet
  • Vor allem Adrenalin und Noradrenalin werden bei Stress vermehrt ausgeschüttet und ermöglichen eine schnelle Anpassung des Körpers an Belastungssituationen
  • Die Freisetzung dieser Katecholamine erfolgt dabei nicht über das hypothalamisch-hypophysäre System, sondern direkt über eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems
 Info

Die Zellen im Nebennierenmark entsprechen umgewandelten Sympathikusneuronen und werden durch cholinerge Nervenfasern gesteuert.

Hormone des Nebennierenmarks:
Hormone der Nebenniere
 Merke

Um sich die Zonen und Hormone besser merken zu können, kannst du die folgende Merkhilfe verwenden: Salt, Sugar, Sex: The deeper you get, the better it gets.

  • Von außen nach innen:
    • Salz: Mineralocorticoide
    • Zucker: Glucocorticoide
    • Sex: Androgene

Alternative deutsche Merkhilfe: "Mineralwasser mit Zucker macht sexy."

 Merke

Mineralocorticoide sind Steroidhormone, die in der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde gebildet werden. Eines der wichtigsten Mineralocorticoide ist Aldosteron.

  • Die Zielorgane von Aldosteron sind die Nieren, wo es die Na+-Resorption und die K+- Sekretion fördert
  • Diese Aktivität trägt zur Wasserretention bei, was zu einer Erhöhung des Blutvolumens und somit des Blutdrucks führt
  • Weiterhin beeinflusst Aldosteron das Herz, den Dickdarm und die Schweiß- und Speicheldrüsen
  • Die Sekretion von Aldosteron wird unter anderem durch das Renin-Angiotensin- Aldosteron-System und den Kaliumspiegel im Blut reguliert. Aldosteron beeinflusst zudem den Säure-Base-Haushalt des Körpers
 Merke

Glucocorticoide werden hauptsächlich in der Zona fasciculata gebildet und dienen der Energiebereitstellung in Stresssituationen durch die Beeinflussung verschiedener Stoffwechselvorgänge. Im Ruhezustand beeinflussen sie das Immunsystem und wirken entzündungshemmend. Das wichtigste Glucocorticoid ist das Cortisol. Die inaktive Form von Cortisol ist das Cortison. Wie alle Steroidhormone wird auch Cortisol aus Cholesterin gebildet.

Regulation der Synthese:

Die Freisetzung von Glucocorticoiden wird durch das Hypothalamus-Hypophysen-System reguliert. Bei Stress wird im Hypothalamus CRH ausgeschüttet, das in der Hypophyse zur Freisetzung von ACTH führt. ACTH stimuliert die Freisetzung und Synthese von Cortisol. Durch eine negative Rückkopplung hemmt eine hohe Cortisolkonzentration die Ausschüttung von CRH und ACTH. Cortisol unterliegt einem zirkadianen Rhythmus: Morgens ist der Cortisolspiegel am höchsten, da CRH morgens pulsatil freigesetzt wird.

Regulation der Cortisolsynthese
Regulation der Cortisol-Synthese
 Merke
Androgene sind eine Gruppe von Sexualhormonen, die für die Entwicklung der Geschlechtsorgane und -merkmale sowie das geschlechtsspezifische Verhalten entscheidend sind. 
  • Die Androgene besitzen eine virilisierende („vermännlichende“) Wirkung
  • Sie werden in den Keimdrüsen (Hoden bei Männern und in geringen Mengen in den Ovarien bei Frauen) und in der Zona reticularis der Nebennierenrinden beider Geschlechter gebildet
  • Die Synthese von Androgenen beginnt mit Cholesterin. Dieses wird sowohl in den Keimdrüsen als auch in den Nebennierenrinden in inaktive Vorstufen umgewandelt
  • Eines der bedeutendsten Androgene ist Testosteron.
 Merke

Katecholamine sind eine Gruppe von Hormonen und Neurotransmittern, die eine zentrale Rolle in der Steuerung verschiedener physiologischer Prozesse spielen. Sie umfassen Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin, die aus der Aminosäure Tyrosin synthetisiert werden. Diese Substanzen sind besonders wichtig für die Regulation von Herzfrequenz, Blutdruck, Energiebereitstellung und mentalem Arousal.

KatecholaminSyntheseortNeurotransmitter/HormonWirkung
DopaminGehirn (Mittelhirn, limbisches System)NeurotransmitterReguliert Freude, Lernen (Belohnungen), Aufmerksamkeit, motorische Funktionen, Hormonsekretion
NoradrenalinGehirn (Locus caeruleus), NebennierenBeidesSteigert Wachsamkeit, Blutdruck, Herzfrequenz, Stressreaktion, Konzentration
AdrenalinNebennierenmarkBeidesErhöht Herzfrequenz, erweitert Atemwege, steigert Energiebereitstellung, akute Stressreaktion
Katecholamine - Wirkung
Wirkung von Katecholaminen

Cushing-Syndrom

 Definition

Das Cushing-Syndrom ist durch eine Überproduktion von Cortisol charakterisiert. Diese Überproduktion kann durch verschiedene Ursachen bedingt sein. Man unterscheidet primäre Formen wie das Nebennierenrindenadenom und sekundäre Formen wie hypophysäre Adenome (= Morbus Cushing (Unterform des Cushing-Syndroms)) oder die langfristige Einnahme von hohen Dosen kortikosteroider Medikamente (z.B. Prednisolon).

Symptome: 

  • Hyperglykämie
  • Hypertonie
  • Osteoporose
  • Muskelschwäche
  • Stammfettsucht (zentrale Adipositas)
  • Mondgesicht (rundes, gerötetes Gesicht)
  • Immunsuppression (vermehrte Infekte)
  • Psychiatrische Veränderungen wie Depression oder Reizbarkeit
  • Striae rubrae (rote Dehnungsstreifen, besonders am Bauch)
Cushing-Sydrom
Pathophysiologie Cushing-Syndrom

Morbus Addison

 Definition

Der Morbus Addison, auch bekannt als primäre Nebenniereninsuffizienz, ist eine seltene Erkrankung, die durch eine unzureichende Produktion von Steroidhormonen, insbesondere Cortisol und Aldosteron, durch die Nebennieren gekennzeichnet ist. Häufige Ursachen sind autoimmune Prozesse, Infektionen oder eine länger andauernde Therapie mit Glucocorticoiden.

Symptome:

  • Salzhunger (durch eine Hyponatriämie)
  • Hypotonie
  • Chronische Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall 
  • Charakteristische Hyperpigmentation der Haut (besonders auffällig an Handlinien und Narben)
Morbus Addison
Pathophysiologie Morbus Addison
 Info
Entstehung der Hyperpigmentation

Durch den Cortisolmangel bleibt die negative Rückkopplung auf die Hypophyse aus und es wird vermehrt ACTH synthetisiert. ACTH entsteht aus dem Prohormon POMC, das unter anderem zu ACTH und MSH gespalten wird. Das MSH führt über eine Stimulation der Melanozyten zu der Hyperpigmentierung.

Lage und Aufbau:

 Merke
Steckbrief:
  • Funktion: Biosynthese und Sekretion von Steroidhormonen (Rinde) sowie Katecholaminen (Mark)
  • Lage: Auf dem oberen Pol beider Nieren, primär retroperitoneal, innerhalb der Nierenfettkapsel
  • Aufbau: 
    • Von einer zarten Bindegewebskapsel umgeben
    • Äußere, größere Rindenzone
    • Innere, kleinere Markzone
  • Form: rechts dreieckig, links halbmondförmig
  • Größe: Etwa 5 cm lang und dick, ca. 1–2 cm breit
  • Gliedert sich in zwei funktionell weitgehend unabhängige Teile:
    • Nebennierenrinde (Cortex): In der Rinde werden verschiedene Hormone gebildet, darunter Cortisol, das den Blutzuckerspiegel erhöht, sowie Aldosteron, das den Salz- und Flüssigkeitshaushalt über die Nieren reguliert. Zudem werden in geringer Menge Androgene produziert
    • Nebennierenmark (Medulla): Das Mark bildet primär das Stresshormon Adrenalin, das in Belastungssituationen zur Stabilisierung des Kreislaufs beiträgt

Hormone und Zonengliederung der Nebenniere:

  • Die Nebennierenrinde besteht aus drei Zonen, die sich sowohl in ihrer Zellanordnung als auch in den jeweils gebildeten Hormonen unterscheiden.
SyntheseortHormonHauptvertreterWirkung
Zona glomerulosaMineralocorticoideAldosteron
  • Regulation des Elektrolyt- und Wasserhaushalts und Blutdrucks
Zona fasciculataGlucocorticoideCortisol
  • Energiebereitstellung in Stresssituationen
  • Entzündungshemmung und Beeinflussung vieler weiterer Stoffwechselvorgänge
Zona reticularisAndrogeneDehydroepi-androsteron (DHEA) und Androstendion
  • Vorstufe der Testosteron- und Östrogensynthese
  • Im Nebennierenmark finden sich vermehrt chromaffine Zellen, die die Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin produzieren
    • Adrenalin wirkt hauptsächlich als Hormon, wird ins Blut abgegeben und steigert in Stresssituationen unter anderem Herzfrequenz und Blutdruck
    • Noradrenalin hat sowohl eine Funktion als Hormon als auch als Neurotransmitter und ist besonders an der Gefäßverengung und Blutdruckregulation beteiligt
    • Dopamin wirkt überwiegend als Neurotransmitter im Nervensystem und wird im Nebennierenmark nur in geringerer Menge gebildet

Mineralocorticoide:

 Merke

Mineralocorticoide sind Steroidhormone, die in der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde gebildet werden. Eines der wichtigsten Mineralocorticoide ist Aldosteron.

Glucocorticoide:

 Merke

Glucocorticoide werden hauptsächlich in der Zona fasciculata gebildet und dienen der Energiebereitstellung in Stresssituationen durch die Beeinflussung verschiedener Stoffwechselvorgänge. Im Ruhezustand beeinflussen sie das Immunsystem und wirken entzündungshemmend. Das wichtigste Glucocorticoid ist das Cortisol. Die inaktive Form von Cortisol ist das Cortison. Wie alle Steroidhormone wird auch Cortisol aus Cholesterin gebildet.

Androgene:

 Merke

Androgene sind eine Gruppe von Sexualhormonen, die für die Entwicklung der Geschlechtsorgane und -merkmale sowie das geschlechtsspezifische Verhalten entscheidend sind. 

Katecholamine:

 Merke

Katecholamine sind eine Gruppe von Hormonen und Neurotransmittern, die eine zentrale Rolle in der Steuerung verschiedener physiologischer Prozesse spielen. Sie umfassen Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin, die aus der Aminosäure Tyrosin synthetisiert werden. Diese Substanzen sind besonders wichtig für die Regulation von Herzfrequenz, Blutdruck, Energiebereitstellung und mentalem Arousal.

Cushing-Syndrom:

 Definition

Das Cushing-Syndrom ist durch eine Überproduktion von Cortisol charakterisiert. Diese Überproduktion kann durch verschiedene Ursachen bedingt sein. Man unterscheidet primäre Formen wie das Nebennierenrindenadenom und sekundäre Formen wie hypophysäre Adenome (= Morbus Cushing (Unterform des Cushing-Syndroms)) oder die langfristige Einnahme von hohen Dosen kortikosteroider Medikamente (z.B. Prednisolon).

  • Symptome:
    • Hyperglykämie
    • Hypertonie
    • Osteoporose
    • Muskelschwäche
    • Stammfettsucht (zentrale Adipositas)
    • Mondgesicht (rundes, gerötetes Gesicht)
    • Immunsuppression (vermehrte Infekte)
    • Psychiatrische Veränderungen wie Depression oder Reizbarkeit
    • Striae rubrae (rote Dehnungsstreifen, besonders am Bauch)

Morbus Addison:

 Definition

Der Morbus Addison, auch bekannt als primäre Nebenniereninsuffizienz, ist eine seltene Erkrankung, die durch eine unzureichende Produktion von Steroidhormonen, insbesondere Cortisol und Aldosteron, durch die Nebennieren gekennzeichnet ist. Häufige Ursachen sind autoimmune Prozesse, Infektionen oder eine länger andauernde Therapie mit Glucocorticoiden.

  • Symptome:
    • Salzhunger (durch eine Hyponatriämie)
    • Hypotonie
    • Chronische Müdigkeit
    • Gewichtsverlust
    • Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall 
    • Charakteristische Hyperpigmentation der Haut (besonders auffällig an Handlinien und Narben)
 Tipp

Wenn ihr mehr wissen möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus der Vorklinik und dem klinischen Bereich

  • Nebenniere (Glandula suprarenalis)
  • Nebennierenhormone
  • Cushing-Syndrom
  • Nebenniereninsuffizienz
  • Flake, F., Dönitz, S., Mensch Körper Krankheit für den Rettungsdienst, Elsevier, 2018, ISBN: 978-3437462023
  • Koch, S., Schwarz, M., retten - Anatomie Physiologie, Elsevier, 2023, ISBN: 978-3132421172
  • Behrends J, Bischofberger J, Deutzmann R, Ehmke H, Frings S, Grissmer S, Hoth M, Kurtz A, Leipziger J et al: Duale Reihe Physiologie, 4., unveränderte Auflage. Georg Thieme Verlag. 2021. ISBN: 9783132438644
Zuletzt aktualisiert am 30.04.2026
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