Die Osteogenesis imperfecta (OI), auch Glasknochenkrankheit genannt, ist eine seltene, genetisch bedingte Bindegewebserkrankung. Ursache ist eine Störung der Kollagen-I-Synthese, die zu einer verminderten Knochenstabilität, erhöhter Frakturanfälligkeit und – je nach Subtyp – auch zu Kleinwuchs führt. Insgesamt sind derzeit elf Subtypen beschrieben, die sich sowohl in ihrem Erbgang als auch in der klinischen Ausprägung unterscheiden.
Das klinische Spektrum ist breit: Es reicht von milden Verlaufsformen mit normaler Körpergröße, gelegentlichen Frakturen und im Erwachsenenalter möglicher otosklerotischer Schwerhörigkeit, bis hin zu schweren Formen mit disproportioniertem Kleinwuchs, multiplen intrauterinen Frakturen, blauen Skleren und perinataler Letalität im ersten Lebensjahr.

Eine kausale Therapie steht bislang nicht zur Verfügung. Der Schwerpunkt liegt daher auf einem multimodalen Management:
- Bisphosphonate können die Knochenqualität verbessern und Frakturen reduzieren
- Zentrale Therapieziele sind die Frakturprävention, die Prophylaxe von Deformitäten und die Förderung der Mobilität
- Ergänzend kommen physiotherapeutische Maßnahmen, Hilfsmittelversorgung und in schweren Fällen auch operative Korrekturen zum Einsatz
Damit stellt die OI eine Erkrankung dar, die trotz genetisch bedingter Ursache vor allem durch ein interdisziplinäres Langzeitmanagement kontrolliert werden kann.
- Frank Pessler, Osteogenesis imperfecta, MSD Manual - Ausgabe für medizinische Fachkreise, aktualisiert Dezember 2022, verfügbar unter: https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/pädiatrie/erkrankungen-der-knochen-und-bindegewebe-bei-kindern/osteogenesis-imperfecta, abgerufen am 17.09.2025
