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Osteoporose

Knochenschwund
17 Minuten Lesezeit

Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die sich durch einen pathologischen Schwund der Knochenmasse sowie eine Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochens auszeichnet. In der Folge nimmt die Dichte und Tragfähigkeit des Knochens ab, was wiederum zu einem erhöhten Frakturrisiko führt.

Osteoporose ist eine sehr häufige Erkrankung, die vorwiegend Frauen nach der Menopause betrifft. Die Gesamtprävalenz von Osteoporose in Deutschland liegt bei etwa 6,1 % und nimmt mit steigendem Alter deutlich zu.

Je nach Ursache unterscheidet man zwischen primärer und sekundärer Osteoporose:

  • Primäre Osteoporose: Osteoporose, die nicht als Folge einer anderen Erkrankung auftritt
    • Ursachen: meist postmenopausal aufgrund eines Östrogenmangels (postmenopausale Osteoporose) oder altersbedingt (senile Osteoporose)
  • Sekundäre Osteoporose: direkte Folge einer anderen Erkrankung und/oder deren Behandlung
    • Ursachen: z.B. endokrine Störungen, chronische Entzündungen, Fehlernährung oder Therapie mit Corticosteroiden

Die Knochengesundheit wird durch das Zusammenspiel von Osteoblasten (knochenaufbauend) und Osteoklasten (knochenabbauend) reguliert. Bei Osteoporose ist dieses Gleichgewicht gestört, sodass mehr Knochensubstanz abgebaut als aufgebaut wird.

Osteoporose verläuft lange Zeit symptomlos und macht sich klinisch erst spät durch das Auftreten sogenannter Fragilitätsfrakturen bemerkbar. Zu den ersten möglichen Anzeichen zählen Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, ein Verlust der Körpergröße oder Deformitäten wie Kyphosen.

Da typische Symptome der Osteoporose meist erst in fortgeschrittenen Stadien auftreten, spielt die Basisdiagnostik eine zentrale Rolle. Die initialen diagnostischen Maßnahmen umfassen u.a. eine gezielte Anamnese und körperliche Untersuchung. Diagnostisch wegweisend ist die Knochendichtemessung mittels Osteodensitometrie (DXA).

Bei der Therapie der Osteoporose bildet die Gabe von Vitamin D3 und Calcium stets die Grundlage. Zu den weiteren basistherapeutischen Verfahren zählen bspw. die Steigerung der körperlichen Aktivität und Maßnahmen zur Sturzprophylaxe. Zur spezifischen medikamentösen Therapie stehen antiresorptive Substanzen (z.B. Bisphosphonate) sowie osteoanabole Wirkstoffe (insb. Teriparatid) zur Verfügung. 

Osteoporose:

Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine Abnahme der Knochenmasse und eine Verschlechterung der mikrostrukturellen Integrität des Knochengewebes gekennzeichnet ist. Infolgedessen nimmt die Dichte und Qualität des Knochens deutlich ab, was zu einer erhöhten Fragilität und einem deutlich gesteigerten Frakturrisiko führt.

  • Operationale Definition der WHO: T-Score ≤-2,5 (gemessen mittels DXA an LWS oder proximalem Femur)
  • Manifeste Osteoporose: Osteoporose, die bereits zu Frakturen geführt hat
 Definition
T-Score

Der T-Score ist ein bei der Knochendichtemessung herangezogener Wert, der die Standardabweichung vom Mittelwert der maximalen Knochendichte einer gesunden 30-jährigen Person angibt. Je nach Abweichung kann eine physiologische Knochendichte, eine Osteopenie oder eine Osteoporose vorliegen.

Osteopenie

  • Vorstufe der Osteoporose → Minderung der Knochendichte, die geringer ausgeprägt ist als bei einer Osteoporose (Risiko für Knochenbrüche jedoch bereits erhöht)
  • T-Score zwischen –1,0 und –2,5

Osteomalazie

  • Isolierte Reduktion der Knochenmineralisation → im Gegensatz zur Osteoporose ist das Knochenvolumen meist normal, die Qualität jedoch stark beeinträchtigt
  • Hauptursache: Vitamin-D-Mangel
  • Prävalenz in Deutschland: 6,1 % (Prävalenz steigt mit dem Alter)
  • Geschlechterverhältnis: ♀ > ♂
  • Jährlich etwa 885.000 osteoporotische Frakturen in Deutschland
 Info

Osteoporose ist eine häufige Erkrankung, die vor allem Frauen nach der Menopause betrifft. Bei Frauen zwischen 50-60 Jahren liegt die Prävalenz bei etwa 15 %, bei 70-jährigen Frauen bereits bei 45 %.

Primäre Osteoporose

  • Häufigkeit: etwa 60 % der Fälle
  • Definition: Osteoporose, die nicht als Folge einer anderen Erkrankung auftritt physiologischer, gradueller Verlust an Knochendichte, wobei die Geschwindigkeit des Verlusts von verschiedenen Risikofaktoren abhängt
  • Risikofaktoren:
    • Zunehmendes Alter:
      • Verminderte Aktivität der Osteoblasten & gesteigerte Aktivität der Osteoklasten
      • Veränderungen der Sexualhormone: Östrogene↓, FSH
    • Calcium- & Vitamin-D-Mangel
    • Akkumulation freier Radikale → oxidativer Stress
    • Alkohol- & Nikotinkonsum
    • Mangelnde körperliche Aktivität
  • Einteilung:
    • Postmenopausale Osteoporose (Typ I): hormonelle Veränderungen (v.a. Östrogenmangel)
    • Senile Osteoporose (Typ II): altersbedingter Rückgang der Knochenbildung
    • Idiopathische juvenile Osteoporose (Sonderform): seltene Form bei jungen Menschen zwischen dem 8. bis 13. Lebensjahr (spontanes Sistieren nach der Pubertät)

Sekundäre Osteoporose

  • Häufigkeit: etwa 40 % der Fälle
  • Definition: direkte Folge einer anderen Erkrankung und/oder deren Behandlung
  • Häufige Ursachen:
    • Endokrine Störungen: Diabetes mellitus, Hyperthyreose, Cushing-Syndrom
    • Chronische Entzündungen: COPD, rheumatoide Arthritis, zystische Fibrose
    • Gastrointestinale Krankheiten: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, chronische Lebererkrankung
    • Neuromuskuläre Erkrankungen: Spina bifida, multiple Sklerose, Morbus Parkinson, progressive Muskeldystrophien
    • Fehlernährung: Anorexia nervosa, bariatrische Operationen
    • Andere Erkrankungen: Z.n. Transplantation, HIV, CRPS, Klinefelter-Syndrom
    • Medikamente: SSRIs, Antiepileptika, Heparin, Protonenpumpeninhibitoren, Glucocorticoide

Physiologische Grundlagen 

Der Knochen unterliegt einem ständigen Umbauprozess (Remodeling), bei dem altes Knochengewebe durch neues ersetzt wird, um die Struktur und Elastizität des Skeletts zu erhalten. Dabei besteht physiologisch ein Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau (Osteoblasten) und Knochenabbau (Osteoklasten).

Zellen des Knochenstoffwechsels:

  • Osteoblasten:
    • Definition: Zellen, die für den Aufbau und die Regeneration von Knochensubstanz verantwortlich sind
    • Funktion:
      • Synthese der kollagenen Knochenmatrix (Osteoid)
      • Mineralisation der Knochenmatrix durch Ablagerung von Hydroxylapatit
      • Regulation des Knochenumbaus
  • Osteozyten:
    • Definition: ehemals eingemauerte Osteoblasten
    • Funktion: Regulation des Knochenumbaus (wichtigste “Sensoren” für mechanische Belastung)
  • Osteoklasten:
    • Definition: mehrkernige Riesenzellen, die für den Abbau von Knochensubstanz (Knochenresorption) verantwortlich sind
    • Funktion: Knochenabbau (Resorption von Knochensubstanz durch Säure und proteolytische Enzyme)
 Tipp

Merkspruch: Blasten bauen, Klasten klauen!  

Regulation des Knochenumbaus: 

Der Knochen unterliegt einem präzise regulierten Umbauprozess. Dabei wird das Zusammenspiel von knochenaufbauenden Osteoblasten und knochenabbauenden Osteoklasten durch zahlreiche Faktoren gesteuert:

  • Lokale Faktoren:
    • RANK/RANKL/OPG-System
    • Sclerostin (Osteoblastenaktivität↓)
    • Wachstumsfaktoren (z.B. TGF-β, IGF-1)
    • Mechanosensorische Signale:
      • Mechanische Belastung → Zunahme der Knochenmasse
      • Fehlende mechanische Belastung (z.B. durch Bettlägerigkeit) → Abnahme der Knochenmasse
  • Systemische Hormone: PTH, Calcitriol, Sexualhormone (insb. Östrogen), Glucocorticoide

Pathophysiologie

Osteoporose entsteht, wenn im Verhältnis zwischen Knochenbildung und Knochenresorption eine negative Knochenbilanz auftritt (Abbau > Aufbau).

Man unterscheidet zwischen Osteoporosen mit gesteigertem Knochenabbau ("high turnover") und Osteoporosen, die überwiegend auf eine verminderte Knochenneubildung ("low turnover") zurückzuführen sind. Die postmenopausale Osteoporose beruht überwiegend auf einem gesteigerten Knochenabbau, die senile Form dagegen vor allem auf einer reduzierten Knochenneubildung.

Aufgrund der höheren metabolischen Aktivität ist die Spongiosa typischerweise stärker betroffen als die Kortikalis. Durch den Spongiosaverlust nimmt die Tragfähigkeit der Wirbelkörper erheblich ab, was zu einem erhöhten Frakturrisiko führt.

Pathologische Veränderungen bei Osteoporose
Pathologische Wirbelveränderungen bei Osteoporose

Pathomechanismen der primären Osteoporose:

Bei der Entstehung von Osteoporose spielen verschiedene Ursachen eine Rolle, die zusätzlich miteinander interagieren. Die genauen Mechanismen werden zum Großteil noch genauer erforscht.

  • Postmenopausale Osteoporose:
    • Östrogenspiegel↓ → Stimulation der Osteoblasten↓, Osteoklastenaktivität↑
    • FSH↑ → Resorptionsfähigkeit der Osteoklasten↑
  • Senile Osteoporose:
    • Abnahme der Osteoblastenfunktion mit dem Alter
    • Anzahl und Aktivität der Osteoklasten↑
    • Calcium- und Vitamin-D-Mangel

Osteoporose verläuft lange Zeit asymptomatisch und macht sich meist erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien mit dem Auftreten osteoporotischer Frakturen und entsprechende Folgekomplikationen bemerkbar.

Insuffizienzfrakturen (Fragilitätsfrakturen):

  • Definition: eine Insuffizienzfraktur entsteht durch physiologische Belastung eines geschwächten bzw. pathologisch veränderten Knochens
Tannenbaumphänomen
Tannenbaumphänomen
  • Typische Insuffizienzfrakturen:
    • Wirbelkörperfraktur
    • Schenkelhalsfraktur
    • Subkapitale Humerusfraktur
    • Distale Radiusfraktur (Colles-Fraktur)
  • Akute Symptome: starke Schmerzen, funktionelle Einschränkungen
  • Veränderungen der Wirbelsäule:
    • Sinterung der Wirbelkörper → Kyphosierung ("Rundrücken") und Abnahme der Körpergröße (deutlicher Verlust der Körpergröße als typischer Hinweis auf Wirbelkompressionsfrakturen)
    • Tannenbaumphänomen: Bildung charakteristischer Hautfalten im Bereich des Rückens (entstehen durch die Abnahme der Körpergröße)
    • Chronisches Schmerzsyndrom: veränderte Statik → diffuse Schmerzen, Muskelverhärtungen, Überlastung von Sehnen und Bändern
 Merke

Der pathologische Knochenschwund im Rahmen der Osteoporose wird von der Altersatrophie dadurch abgegrenzt, dass Wirbelkörperdeformierungen ohne adäquates Trauma auftreten.

Indikationsstellung

  • Indikationen zur Basisdiagnostik:
    • Personen >70 Jahre (prinzipielle Empfehlung)
    • Postmenopausalen Frauen und Männer >50 Jahre bei relevanter Frakturrisikokonstellation
    • Personen <50 Jahre bei hochgradigen Risikofaktoren (z.B. vorzeitige Menopause, Langzeitsteroidtherapie, rheumatologische Erkrankungen, frühere Frakturen)
    • Alle Personen:
      • Bei Hinweisen auf sekundäre Osteoporose
      • Bei Fragilitätsfrakturen
 Info
Osteoporosediagnostik: Fokus auf Risikogruppen

Eine flächendeckende Durchführung der Basisdiagnostik ist derzeit weder praktikabel noch sinnvoll, da ein allgemeines Screening ohne Risikokonstellation keinen nachgewiesenen Nutzen bringt und mit hohen Belastungen und Kosten verbunden wäre.

Stattdessen empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie ein risikoadaptiertes Vorgehen ("Case Finding"). Demnach sollte die Basisdiagnostik gezielt bei Personen mit klinischen Risikofaktoren oder Hinweisen auf eine erhöhte Frakturgefahr erfolgen.

Das Ziel dieses Ansatzes besteht darin, gefährdete Patient:innen frühzeitig zu identifizieren, um angemessene Präventions- und Therapiemaßnahmen einzuleiten und gleichzeitig unnötige Diagnostik zu vermeiden.

Basisdiagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst 5 Kernelemente:

  1. Anamnese
  2. Klinische Befunderhebung
  3. Knochendichtemessung (Osteodensitometrie)
  4. Basislabor
  5. Ggf. weiterführende bildgebende Diagnostik

Anamnese:

  • Erfassung aller Frakturrisikofaktoren: z.B. vorangegangene Frakturen (insb. Fragilitätsfrakturen), Familienanamnese, Beginn der Menopause, Therapie mit Glucocorticoiden, Alkohol- und Nikotinkonsum, Immobilität etc.
  • Erhebung sekundärer Ursachen: z.B. endokrinologische Erkrankungen, chronische Entzündungen, Fehlernährung etc.
  • Bei bestehenden Schmerzen Differentialdiagnostik der Schmerzursache

Klinische Befunderhebung:

  • Körpergröße & Gewicht:
    • Größenabnahme um >4 cm → Hinweis auf Osteoporose
    • BMI <20 kg/m² → Risikofaktor für Osteoporose
  • Gangbild & Körperhaltung: Gangunsicherheit, Asymmetrien (Schulter-/Beckenstand)?
  • Inspektion der Wirbelsäule:
    • Kyphose im Bereich der Brustwirbel ("Witwenbuckel")?
    • Skoliose der Lendenwirbelsäule?
    • Vorwölbung des Abdomens?
    • Hautfalten im Rückenbereich ("Tannenbaumphänomen")?
  • Akut: Rückenschmerzen und Klopfschmerz über der Wirbelsäule als Hinweise auf frische Fraktur
  • Ermittlung des Sturzrisikos: z.B. Chair-Rising-Test, Timed-Up-and-Go-Test (TUG), Tinetti-Test

Knochendichtemessung (Osteodensitometrie):

  • Methode der Wahl: Dual X-ray-Absorptiometry (DXA)
    • Prinzip: Messung der Knochenflächendichte in g/cm2  
    • Messorte: Lendenwirbelsäule (L1-L4) und proximaler Femur beidseits
    • Berechnung (T-Score): Abweichung (in Standardabweichungen) der gemessenen Knochenflächendichte vom Durchschnitt der Alters- und Geschlechts-korrigierten Referenzpopulation
    • Interpretation (WHO-Kriterien): für die Bestimmung des Schweregrads wird der niedrigste gemessene T-Score herangezogen:
StadiumT-Score [SD]
Normalbefund≥ −1,0
Osteopenie−1,0 bis −2,5
Osteoporose< −2,5
Manifeste Osteoporose< -2,5 + Frakturen
Stadieneinteilung der Osteoporose
Osteodensitometrie (DXA)
Knochendichtemessung (DXA)

Basislabor:

Bei der primären Osteoporose zeigen sich in der Regel keine spezifischen Laborveränderungen

Die Bestimmung der folgenden Parameter ist dennoch sinnvoll, um mögliche sekundäre Ursachen zu identifizieren und andere metabolische Knochenerkrankungen auszuschließen. Darüber hinaus ist die Bestimmung einiger Parameter essenziell für die Therapieplanung.

  • Blutbild & Entzündungsparameter:
    • Blutbild, CRP, BSG: Hinweise auf maligne, entzündliche oder rheumatische Erkrankungen
    • Serumeiweißelektrophorese: Screening auf monoklonale Gammopathien (Multiples Myelom als wichtige Differentialdiagnose!)
  • Elektrolyte & Proteine:
    • Serum-Calcium:
      • Serum-Calcium↑: z.B. primärer Hyperparathyreoidismus, paraneoplastisches Syndrom
      • Serum-Calcium: sekundärer Hyperparathyreoidismus, Malabsorption
      • Therapieplanung: Hypocalcämie stellt für mehrere Osteoporose-Medikamente eine Kontraindikation dar
    • Serum-Phosphat:
      • Serum-Phosphat↑: chronische Nierenerkrankung, sekundärer renaler Hyperparathyreoidismus
      • Serum-Phosphat↓: Fehl- oder Mangelernährung, Malabsorption, Vitamin-D-Mangel, primärer Hyperparathyreoidismus
    • Serum-Natrium: erhöhtes Sturz- & Frakturrisiko bei Hyponatriämie
    • 25-OH-Vitamin-D: Abklärung eines Vitamin-D-Mangels (Osteomalazie infolge eines Vitamin-D-Mangels als wichtige Differentialdiagnose!)
    • Alkalische Phosphatase (Marker für Knochenumbaurate):
      • Alkalische Phosphatase↑: Osteomalazie, Morbus Paget
      • Alkalische Phosphatase↓: Hypophosphatämie
    • Gamma-GT: Ausschluss hepatischer Ursachen für eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase
    • Kreatinin-Clearance (GFR):
      • Abklärung einer renalen Osteopathie (GFR↓)
      • Therapieplanung: erniedrigte GFR als Kontraindikation für einige Osteoporosemedikamente
  • Hormondiagnostik:
    • TSH: Ausschluss einer Hyperthyreose (gesteigerter Knochenabbau)
    • Parathormon (PTH): Beurteilung der Nebenschilddrüsenfunktion bei Hyper- oder Hypocalcämie
    • Ggf. Testosteron bei Männern: Abklärung eines Hypogonadismus
Osteoporose - Fischwirbel
Fischwirbel

Weiterführende Bildgebung - Konventionelles Röntgen:

  • Durchführung: konventionelles Röntgen in 2 Ebenen
  • Indikation: klinische Hinweise auf osteoporotische Wirbelkörperfrakturen oder disproportionierte Schmerzen
  • Typische Befunde:
    • Aufhellung der Knochenstruktur durch vermehrte Strahlentransparenz (ab einem Verlust der Mineralisation von ca. 30 % erkennbar)
    • Rarefizierung der horizontalen Trabekel: vertikal “gestreifte” Wirbelkörper
    • Dichteabnahme der Spongiosa
    • Ggf. osteoporotische Wirbelkörperfrakturen:
      • Keilwirbel: ventral betonte Höhenminderung des Wirbelkörpers (häufig im Brustwirbelbereich)
      • Fischwirbel: bikonkave Verformung durch Einsinken der Grund- und Deckplatten
      • Plattwirbel: starke Höhenminderung des gesamten Wirbelkörpers durch Impressionsfrakturen
 Info

Andere bildgebende Verfahren wie CT oder MRT können gegebenenfalls zur weiteren differenzialdiagnostischen Abklärung oder zur Beantwortung therapeutischer Fragestellungen indiziert sein.

Im Rahmen der Differentialdiagnostik müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ebenfalls mit einer reduzierten Knochendichte einhergehen:

  • Osteomalazie
  • Hyperparathyreoidismus und renale Osteopathie
  • Maligne Erkrankungen (z.B. Knochenmetastasen, Leukämie, multiples Myelom) → B-Symptomatik als möglicher Hinweis
  • Morbus Paget (Osteodystrophia deformans)
  • Hypophosphatasie
  • Hämangiom

Die Therapie der Osteoporose besteht aus Maßnahmen zur Osteoporose- & Frakturprophylaxe (Basistherapie) sowie einer spezifischen medikamentösen Therapie.

Die Basistherapie umfasst allgemeine Präventionsmaßnahmen. Dazu gehören eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D sowie regelmäßige körperliche Aktivität. Basistherapeutische Maßnahmen richten sich an alle Personen mit erhöhtem Osteoporoserisiko und sollten sowohl von Betroffenen als auch von Risikopersonen konsequent umgesetzt werden. Das Ziel besteht darin, die Knochenstabilität zu erhöhen und das Frakturrisiko zu reduzieren.

Die spezifische Therapie umfasst den Einsatz von Medikamenten, die den Knochenabbau hemmen (Antiresorptiva) oder den Knochenaufbau fördern (Osteoanabolika). Eine medikamentöse Therapie wird dann eingeleitet, wenn ein deutlich erhöhtes Frakturrisiko besteht oder bereits osteoporotische Frakturen aufgetreten sind.

Ernährung & Körpergewicht

  • Körpergewicht: BMI >20 kg/m2
  • Ausreichende Zufuhr von Calcium und Vitamin D:
    • Patient:innen ohne spezifische medikamentöse Therapie:
      • Mind. 1000 mg Calcium täglich (vorzugsweise über die Ernährung → Supplementation empfohlen, wenn Zufuhr über die Ernährung nicht ausreichend ist)
      • Vitamin-D-Substitution (800-2000 IE/Tag)
    • Patient:innen unter medikamentöser Osteoporosetherapie: immer Supplementation von Calcium und Vitamin D3 (Gefahr einer Hypocalcämie unter Antiresorptiva)
  • Ausreichende Zufuhr von Vitamin K:
    • Empfohlene tägliche Zufuhr: 1 µg/kg KG (hohe Variabilität der Bioverfügbarkeit)
    • Bei Vitamin-K-Mangel → Ausgleich mittels Supplementation
  • Ausreichende Proteinzufuhr:
    • Empfehlung einer eiweißreichen Ernährung für Patient:innen mit erhöhtem Frakturrisiko >65 Jahre
    • Tägliche Proteinzufuhr: mind. 1 g/kg KG/Tag
 Merke

Eine adäquate Zufuhr von Calcium und Vitamin D bildet immer die Grundlage der Osteoporosetherapie.

Körperliche Aktivität

  • Empfehlung: Förderung einer regelmäßigen körperlichen Aktivität, die an den individuellen funktionellen Zustand angepasst ist
  • Ziel: Verbesserung von Muskelkraft, Balance, Reaktionsgeschwindigkeit und Koordination
  • Voraussetzung: Evaluation des Sturzrisikos (z.B. mit Tinetti-Test)
  • Maßnahmen zur Steigerung der körperlichen Aktivität:
    • Mobilisation, Physiotherapie, Gleichgewichts- und Koordinationstraining, Muskelstärkung (bestenfalls in angeleiteten Gruppen)
    • Vermeiden einer Immobilisation 

Weitere Maßnahmen

  • Minimierung veränderbarer Risikofaktoren:
    • Kritische Überprüfung der Medikation (insb. in Bezug auf Dosierung und Indikation):
      • Osteoporosefördernde Medikamente (z.B. Glucocorticoide)
      • Sturzgefährdende Medikamente (z.B. Benzodiazepine, Antihypertensiva)
    • Verzicht auf Alkohol und Nikotin
  • Sturzprophylaxe:
    • Überprüfung der Sehkraft
    • Ggf. Einsatz von Hilfsmitteln (z.B. Gehstock, Rollator)
    • Ggf. Überprüfung der Wohnumgebung (Lichtverhältnisse, Stolperfallen etc.)

Allgemeines

Wirkmechanismen:

Zur Behandlung von Osteoporose werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt. Je nach Wirkmechanismus unterscheidet man:

  • Antiresorptive Wirkstoffe: Hemmung der Osteoklastenaktivität → Verlangsamung des Knochenabbaus
  • Osteoanabole Wirkstoffe: Stimulation der Osteoblastenaktivität → Aufbau von Knochengewebe

Partizipativen Entscheidungsfindung:

Die Entscheidung für eine medikamentöse Therapie wird primär auf Grundlage der Ergebnisse der Basisdiagnostik getroffen. 

Die Erstellung eines individuellen Therapieplans sollte allerdings immer partizipativ, also gemeinsam mit den Patient:innen, erfolgen. Dabei sind insbesondere mögliche Kontraindikationen und Nebenwirkungen, die bevorzugte oder praktikabelste Applikationsform sowie die Therapiesequenz zu berücksichtigen.

Indikationen

  • Schwellenwerte für eine medikamentöse Therapie bezogen auf das 3-Jahres-Frakturrisiko gemäß DVO-Rechner:
    • 3 bis 5 %: Empfehlung einer medikamentösen Therapie lediglich bei:
      • Starken bzw. irreversiblen Risikofaktoren oder
      • Sehr hohem Risiko für unmittelbar bevorstehende Frakturen
    • 5 bis 10 %: Empfehlung einer medikamentösen Therapie mit antiresorptiven oder osteoanabolen Substanzen
    • ≥10 %: Empfehlung einer medikamentösen Therapie mit Osteoanabolika
3-Jahres-FrakturrisikoTherapieempfehlung
3 bis 5 %

Eine spezifische medikamentöse Therapie sollte in Betracht gezogen werden, wenn: 

  • Starke bzw. irreversible Risikofaktoren oder
  • Ein sehr hohes Risiko einer unmittelbar bevorstehenden Fraktur vorliegen.
5 bis <10 %Eine spezifische medikamentöse Therapie soll empfohlen werden.
ab 10 %Eine spezifische medikamentöse Therapie mit osteoanabol wirksamen Substanzen soll empfohlen werden.
Empfehlungen zu Therapieschwellenwerten - Übersicht

Weitere Indikationen:

  • Insuffizienzfraktur (niedrig-/atraumatische Wirbelkörperfraktur und/oder proximale Femurfraktur)
  • Postmenopausale Frauen und Männer unter Glucocorticoidtherapie ab 7,5 mg Prednisolon-Äquivalent:
    • Wenn die (geplante) Therapie ≥3 Monate erfolgt und der T-Score ≤-1,5 beträgt
    • Wenn bereits eine niedrigtraumatische Wirbelkörperfraktur vorliegt
  • Vorhandenes imminentes Frakturrisiko:
    • Hüftfraktur und/oder Wirbelkörperfraktur innerhalb des letzten Jahres
    • Glucocorticoidtherapie ≥5 mg/d innerhalb des letzten Jahres
    • Mind. 2 Sturzereignisse innerhalb des letzten Jahres
  • Altersabhängig bei erniedrigtem T-Score

Übersicht der Wirkstoffe

WirkstoffgruppePräparatZulassung
Postmenopausale FrauenMänner >50 JahreGlucocorticoid-induzierte Osteoporose
BisphosphonateAlendronat 
Risedronat
IbandronatXX
Zoledronat
BiologicalsDenosumabX
RomosozumabXX
SERMsRaloxifenXX
PTH-AnalogaTeriparatid
Wirkung von Bisphosphonaten

Bisphosphonate:

  • Wirkstoffe: Alendronat, Risedronat, Ibandronat, Zoledronat
    • Wirkmechanismus: antiresorptiv (durch Einlagerung in den Knochen hält die Wirkung noch 2 Jahre nach Abschluss der Therapie an)
    • Indikation:
      • Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und teilweise bei Männern (bei den meisten Patient:innen mit erhöhtem Frakturrisiko Mittel der 1. Wahl)
      • Osteoporose bei nicht-metastasiertem Mamma-Ca und hormonablativer Therapie
    • Applikation: p.o. oder i.v.
 Tipp

Um eine Komplexbildung mit Calcium zu vermeiden, sollten orale Bisphosphonate morgens mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück mit reichlich stillem Wasser eingenommen werden.

 Info

Bisphosphonate lagern sich im Knochen ein. Daher entfalten sie ihre Wirkung auch über den Zeitpunkt der letzten Einnahme hinaus. Bei allen anderen Wirkstoffen endet die Wirkung hingegen kurz nach dem Absetzen, sodass der Therapieeffekt rasch verloren geht.

Biologicals:

  • Wirkstoff: Denosumab (monoklonaler Antikörper gegen RANKL)
    • Wirkmechanismus: antiresorptiv
    • Indikation: Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern
    • Applikation: s.c. alle 6 Monate
  • Wirkstoff: Romosozumab (humanisierter monoklonaler Antikörper insb. gegen Sclerostin)
    • Wirkmechanismus: osteoanabol und antiresorptiv (doppelter Wirkmechanismus → Steigerung der Osteoidproduktion und indirekte Hemmung der Osteoklastenaktivität)
    • Indikation: manifeste Osteoporose mit hohem Frakturrisiko bei postmenopausalen Frauen
    • Wichtige Nebenwirkung: möglicherweise erhöhtes kardiovaskuläres Risiko → Zustand nach Myokardinfarkt oder Schlaganfall als Kontraindikation
    • Applikation: s.c. monatlich

PTH-Analoga:

  • Wirkstoff: Teriparatid
    • Wirkmechanismus: osteoanabol
    • Indikation:
      • Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und Männern mit hohem Frakturrisiko
      • Glucocorticoid-induzierte Osteoporose mit erhöhtem Frakturrisiko
    • Applikation: s.c. täglich (Anwendungsdauer auf max. 24 Monate begrenzt)
 Achtung

Nach dem Absetzen von Denosumab, Romosozumab oder Teriparatid kommt es zu einem raschen Anstieg der Knochenresorption und damit zu einem schnellen Verlust an Knochendichte. Um diesen sogenannten Rebound-Effekt zu verhindern, sollte immer eine Anschlusstherapie mit antiresorptiven Substanzen erfolgen.

Selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs): 

  • Wirkstoff: Raloxifen
    • Wirkmechanismus: antiresorptiv (agonistische Wirkung auf den Knochenstoffwechsel, antagonistische Wirkung auf Uterus- und Brustgewebe)
    • Indikation: Osteoporose bei postmenopausalen Frauen
    • Wichtige Nebenwirkung: erhöhtes Thromboserisiko → Zustand nach venösen thromboembolischen Ereignissen (z.B. tiefe Beinvenenthrombose) als Kontraindikation
    • Applikation: p.o.
Zuletzt aktualisiert am 22.09.2025
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