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Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen (PS), Störungen der Persönlichkeit
EP
5 Minuten Lesezeit

Persönlichkeitsstörungen sind überdauernde, tiefgreifende Muster des Erlebens und Verhaltens, die von sozialen und kulturellen Erwartungen abweichen. Sie betreffen Wahrnehmung, Denken, Emotionalität, Impulskontrolle und Beziehungen und verursachen Leiden oder funktionelle Einschränkungen.

Cluster A umfasst die paranoide Persönlichkeitsstörung mit Misstrauen und Kränkungsempfindlichkeit, die schizoide Persönlichkeitsstörung mit sozialer Distanziertheit sowie die schizotypische Persönlichkeitsstörung mit exzentrischem Verhalten, ungewöhnlichen Überzeugungen und sozialen Defiziten. Cluster B umfasst die antisoziale Persönlichkeitsstörung mit Normmissachtung, Impulsivität und fehlender Reue, die Borderline-Persönlichkeitsstörung mit instabilen Beziehungen, Affekten und Selbstbild sowie Impulsivität, die histrionische Persönlichkeitsstörung mit Aufmerksamkeitsbedürfnis und theatralischem Verhalten sowie die narzisstische Persönlichkeitsstörung mit Grandiosität, Bewunderungsbedürfnis und eingeschränkter Empathie. Cluster C umfasst die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung mit sozialer Gehemmtheit, Insuffizienzgefühlen und Zurückweisungsangst, die abhängige Persönlichkeitsstörung mit Unterordnung, Fürsorgebedürfnis und Verlassensangst sowie die zwanghafte Persönlichkeitsstörung mit Perfektionismus, Ordnung, Kontrolle und Rigidität.

Die für Vorklinik und Prüfungen relevante Cluster-Einteilung wurde in der ICD-11 durch einen dimensionalen Ansatz ergänzt. Dieser beurteilt Schweregrad und Trait-Domänen und bildet kontinuierliche Merkmalsausprägungen sowie Überschneidungen besser ab. Persönlichkeitsstörungen sind nicht unveränderlich: Symptome und Funktionsniveau können sich verändern, während einzelne Eigenschaften relativ stabil bleiben.

 Definition

Persönlichkeitsstörungen sind dauerhafte, tief verwurzelte Verhaltens- und Erlebensmuster, die von sozialen Erwartungen abweichen und zu Leidensdruck oder Beeinträchtigungen führen.

Paranoide Persönlichkeitsstörung:

  • Ausgeprägtes Misstrauen, schwer Vertrauen aufzubauen
  • Neutrale Handlungen werden leicht als feindselig interpretiert
  • Wirken oft streitsüchtig, sind gleichzeitig sehr empfindlich gegenüber Zurückweisung

Schizoide Persönlichkeitsstörung:

  • Geringes Interesse an sozialen Beziehungen, eher Einzelgänger
  • Wenige/keine engen Freundschaften, Aktivitäten oft allein
  • Eingeschränkter emotionaler Ausdruck und inneres Erleben
 Info

Wird eher dem schizophrenen/wahnhaften Spektrum zugeordnet.

Dissoziale Persönlichkeitsstörung (antisozial):

  • Mangel an Empathie und Schuldgefühl, oft geringe Frustrationstoleranz
  • Neigung, Aggression zu rationalisieren und andere zu beschuldigen
  • Häufig geringe Lernfähigkeit aus Bestrafung
 Merke

„Dissozial“ entspricht im Kern „antisozial“ (ICD nutzt v. a. „dissozial“).

Borderline-Persönlichkeitsstörung:

  • Starke Stimmungsschwankungen, sehr intensive Beziehungen
  • Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung, instabile Bindungen („Nähe–Distanz“)
  • Impulsivität, teils Selbstschädigung; möglich: Suiziddrohungen / -versuche

Borderline-Persönlichkeitsstörung:

  • Starke Stimmungsschwankungen, sehr intensive Beziehungen
  • Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung, instabile Bindungen („Nähe–Distanz“)
  • Impulsivität, teils Selbstschädigung; möglich: Suiziddrohungen / -versuche

Narzisstische Persönlichkeitsstörung:

  • Großartigkeitsideen und Bedürfnis nach Bewunderung bei gleichzeitig verletzlichem Selbstwert
  • Starke Kränkbarkeit bei Kritik, nutzt Beziehungen teils für eigene Ziele
  • Fantasien von Erfolg / Macht / Schönheit; kann sehr dominant wirken

Histrionische Persönlichkeitsstörung:

  • Stark dramatisierender, übertriebener Emotionsausdruck
  • Sucht Aufmerksamkeit, „Bühnenverhalten“, leicht beeinflussbar
  • Oft theatralisch, wirkt häufig egozentrisch

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung:

  • Ausgeprägter Perfektionismus und übertriebene Gewissenhaftigkeit („Halsstarrigkeit“)
  • Starke Beschäftigung mit Regeln / Plänen, Kontroll- und Ordnungstendenz
  • Entscheidungen fallen schwer (Angst, Fehler zu machen)

Selbstunsichere-vermeidende Persönlichkeitsstörung:

  • Ängstlicher Lebensstil, starke Vermeidung aus Angst vor Kritik / Ablehnung
  • Beziehungen nur bei sicherer Akzeptanz → oft wenige enge Kontakte
  • Gefühle von Minderwertigkeit, Anspannung, Rückzug bei Kritik

Dependente (abhängige) Persönlichkeitsstörung:

  • Große Angst vor Alleinsein / Verlassenwerden
  • Starke Unterordnung, eigene Bedürfnisse werden zurückgestellt
  • Verantwortung wird abgegeben, alltägliche Entscheidungen fallen schwer; geringes Selbstvertrauen

Traditionell werden die Persönlichkeitsstörungen in drei Cluster eingeteilt:

ClusterPersönlichkeitsstörungTypische Merkmale
A – sonderbar/exzentrischParanoide PSMisstrauen, übermässige Empfindlichkeit gegenüber Kränkungen
Schizoide PSDistanziertheit, geringes Bedürfnis nach sozialen Beziehungen
Schizotypische PSExzentrisches Verhalten, ungewöhnliche Überzeugungen, soziale Defizite
B – dramatisch/emotionalAntisoziale PSMissachtung sozialer Normen und Rechte anderer, Impulsivität, fehlende Reue
Borderline-PSInstabile Beziehungen, Affektregulation und Selbstbild, Impulsivität
Histrionische PSAusgeprägtes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, theatralisches Verhalten
Narzisstische PSGrandiosität, Bedürfnis nach Bewunderung, eingeschränkte Empathie
C – ängstlich/vermeidendÄngstlich-vermeidende PSSoziale Gehemmtheit, Insuffizienzgefühle, Angst vor Zurückweisung
Abhängige PSUnterordnung, ausgeprägtes Bedürfnis nach Fürsorge und Angst vor Verlassenwerden
Zwanghafte PSPerfektionismus, übermässige Ordnung und Kontrolle, Rigidität
 Achtung

Die Cluster-Einteilung ist vor allem für das Vorklinik- und Prüfungswissen relevant. Diagnostisch hat sich das Konzept jedoch weiterentwickelt: Die ICD-11 verfolgt einen dimensionalen Ansatz. Dabei stehen die Schwere der Persönlichkeitsfunktionsstörung und charakteristische Trait-Domänen im Vordergrund. Dies berücksichtigt besser, dass Persönlichkeitsmerkmale kontinuierlich ausgeprägt sind und sich verschiedene Störungsbilder häufig überschneiden.

Wichtig ist daher: Eine Persönlichkeitsstörung beschreibt keine unveränderliche Persönlichkeit. Längsschnittstudien zeigen, dass sich Symptome und Funktionsniveau im Verlauf verändern können, während bestimmte Persönlichkeitseigenschaften relativ stabil bleiben.

  • World Health Organization: Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders (CDDR). World Health Organization, 2024. ISBN 9789240077263
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  • Shea MT, Stout RL, Gunderson JG, Morey LC, Grilo CM, McGlashan TH, et al. Short-term diagnostic stability of schizotypal, borderline, avoidant, and obsessive-compulsive personality disorders. Am J Psychiatry 2002;159(12):2036-2041. DOI: 10.1176/appi.ajp.159.12.2036
  • McGlashan TH, Grilo CM, Sanislow CA, Ralevski E, Morey LC, Gunderson JG, et al. Two-year stability and change in schizotypal, borderline, avoidant, and obsessive-compulsive personality disorders. J Consult Clin Psychol2005;73(3):550-560. DOI: 10.1037/0022-006X.73.3.550
  • Weekers LC, Hutsebaut J, Rovers JMC, Kamphuis JH. Head-to-head comparison of the alternative model for personality disorders and Section II personality disorder model in terms of predicting patient outcomes 1 year later. Personal Disord2024;15(2):101-109. DOI: 10.1037/per0000637
Zuletzt aktualisiert am 17.08.2026
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