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Physostigmin

Reversibler AChE-Hemmer, Cholinesterase-Hemmer, Indirektes Parasympathomimetikum
12 Minuten Lesezeit

Physostigmin ist ein Antidot, das vorwiegend bei Vergiftungen mit anticholinergen Substanzen eingesetzt wird, beispielsweise bei Intoxikationen mit Anticholinergika, Antihistaminika, trizyklischen Antidepressiva oder bestimmten Antipsychotika.

Anticholinerge Substanzen blockieren muskarinerge Acetylcholinrezeptoren, wodurch es zu einer verminderten Wirkung von Acetylcholin im zentralen und peripheren Nervensystem kommt. Dies führt zu typischen Symptomen wie Mydriasis, trockener Haut und Schleimhäuten, Tachykardie, Harnverhalt, Hyperthermie sowie zentralnervösen Störungen wie Unruhe, Halluzinationen und Delir.

Physostigmin wirkt als reversibler Acetylcholinesterase-Hemmer, indem es den Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt hemmt. Dadurch steigt die Konzentration von Acetylcholin, sodass die Blockade der muskarinergen Rezeptoren funktionell überwunden werden kann. Aufgrund seiner ZNS-Gängigkeit wirkt Physostigmin sowohl zentral als auch peripher.

Die Anwendung erfolgt in der Regel langsam intravenös unter Monitoring, da es bei Überdosierung zu Bradykardie, Krampfanfällen oder cholinergen Nebenwirkungen kommen kann.

Nach intravenöser Gabe tritt die Wirkung rasch ein. Die Anwendung sollte gezielt und unter strenger Indikationsstellung erfolgen, insbesondere bei Intoxikation mit trizyklischen Antidepressiva.

Lernkarte Physostigmin
  • Wirkstoffklasse: Antidot, Acetylcholinesterase-Hemmer
  • Handelsnamen: z.B. Anticholium®
Etikett: Physostigmin
  • Vergiftung mit anticholinergen Substanzen
  • Asthma bronchiale
  • Koronare Herzkrankheit
  • Mechanische Obstruktion (Darm / Harnwege)
  • Vorherige Gabe von depolarisierenden Muskelrelaxanzien
  • Geschlossenes Schädel-Hirn-Trauma
  • Erwachsene:
    • Initial: 0,04 mg/kgKG i.v. (max. 2 mg)
    • Bis Symptomlinderung: 1-4 mg i.v (je nach Körpergewicht) alle 20 min
  • Kinder:
    • Bis Symptomlinderung: 0,5 mg i.v.  alle 5 min (max. 2 mg)
  • Das Medikament soll langsam intravenös verabreicht werden, alternativ kann es als Kurzinfusion über 10–15 Minuten appliziert werden
  • Ein Hinweis auf eine ausreichende Physostigmin Dosierung, ist die deutliche Besserung des geistigen Zustands und der Vigilanz
  • Wirkeintritt: 5-10 min
  • Wirkdauer: 20-40 min
  • Physostigmin ist ein reversibler Acetylcholinesterase-Hemmer und gehört pharmakologisch zu den indirekten Parasympathomimetika
  • Durch die Hemmung der Acetylcholinesterase wird der physiologische Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt verhindert
  • Die Konzentration von Acetylcholin steigt sowohl an muskarinergen als auch an nikotinergen Rezeptoren deutlich an → Verstärkte parasympathische Aktivität
  • Physostigmin ist lipophil und kann die Blut-Hirn-Schranke passieren. Dadurch wirkt es auch zentralnervös und kann z.B. anticholinerge ZNS-Symptome (Delir, Agitation) antagonisieren
  • Speichelfluss
  • Brady- oder Tachykardie/SA-Block
  • Hypotonie
  • Bronchospasmus
  • Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Intoxikation mit anticholinergen Substanzen (RD)
  • Schaltschema des vegetativen Nervensystems
Zuletzt aktualisiert am 13.03.2026
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