Physostigmin ist ein Antidot, das vorwiegend bei Vergiftungen mit anticholinergen Substanzen eingesetzt wird, beispielsweise bei Intoxikationen mit Anticholinergika, Antihistaminika, trizyklischen Antidepressiva oder bestimmten Antipsychotika.
Anticholinerge Substanzen blockieren muskarinerge Acetylcholinrezeptoren, wodurch es zu einer verminderten Wirkung von Acetylcholin im zentralen und peripheren Nervensystem kommt. Dies führt zu typischen Symptomen wie Mydriasis, trockener Haut und Schleimhäuten, Tachykardie, Harnverhalt, Hyperthermie sowie zentralnervösen Störungen wie Unruhe, Halluzinationen und Delir.
Physostigmin wirkt als reversibler Acetylcholinesterase-Hemmer, indem es den Abbau von Acetylcholin im synaptischen Spalt hemmt. Dadurch steigt die Konzentration von Acetylcholin, sodass die Blockade der muskarinergen Rezeptoren funktionell überwunden werden kann. Aufgrund seiner ZNS-Gängigkeit wirkt Physostigmin sowohl zentral als auch peripher.
Die Anwendung erfolgt in der Regel langsam intravenös unter Monitoring, da es bei Überdosierung zu Bradykardie, Krampfanfällen oder cholinergen Nebenwirkungen kommen kann.
Nach intravenöser Gabe tritt die Wirkung rasch ein. Die Anwendung sollte gezielt und unter strenger Indikationsstellung erfolgen, insbesondere bei Intoxikation mit trizyklischen Antidepressiva.
- Fachinformation: Physostigminsalicylat 2mg, Injektionslösung, zur i.v Anwendung, Stand: 04/2020

