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Primär biliäre Cholangitis

5 Minuten Lesezeit

Die primär biliäre Cholangitis (PBC) ist eine chronische Entzündung der kleinen intrahepatischen Gallengänge. Die granulomatöse Entzündung führt zu einem fibrotischen Umbau des hepatischen Gallengangsystems und im Endstadium zur Leberzirrhose. PBC ist durch das Vorhandensein von antimitochondrialen Antikörpern (AMA) und erhöhten Cholestaseparametern (alkalischen Phosphatasewerten/AP und Gamma-Glutamyltransferase/GGT) im Blut gekennzeichnet. Die genaue Ursache der PBC ist unbekannt. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern.

  • Geschlechterverteilung: Die Krankheit betrifft Frauen häufiger als Männer, mit einem Verhältnis von etwa 9:1. Besonders betroffen sind Frauen im mittleren Alter zwischen 40 und 60 Jahren.

Es wird von einer autoimmunen Genese ausgegangen. Hier wird eine genetische Prädisposition in Kombination mit Umweltfaktoren als Trigger angenommen. In vielen Fällen besteht eine Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen, besonders mit Zöliakie und dem Sjögren-Syndrom (weitere: Sklerodermie, rheumatoide Arthritis, Thyreoiditis, CREST-Syndrom).

 Merke

PBC verläuft häufig lange asymptomatisch. Bestehen Symptome, handelt es sich meistens zu Beginn um Pruritus und Müdigkeit.

  • Pruritus (Übertritt von Gallensäuren in die Blutbahn durch die Cholestase)
  • Müdigkeit, Leistungsknick, Appetitlosigkeit, Oberbauchschmerzen
  • Ikterus
  • Xanthelasmen (durch Hypercholesterinämie) 
  • Steatorrhoe durch Gallestau (↓ fettlösliche Vitamine E, D, K, A) 
  • Hohe Osteoporose-Inzidenz, Gelenkschmerzen 
  • Spät:Portale Hypertension, Aszites, Leberversagen
Xanthelasma
 Merke

Diagnosekriterien der primär biliären Cholangitis: mindestens 2 von 3 Kriterien

  1. Hohe Cholestaseparameter im Serum (für >6 Monate)
  2. Positive AMA-Antikörper
  3. Typische histologische Kriterien.
  • Laboranalyse des Blutes
    • Cholestaseparameter: ↑ AP, GGT und ↑ Bilirubin im späteren Stadium
    • Autoantikörper: AMA-M2 (Anti-mitochondriale Antikörper) 
      → hohe Spezifität und Sensitivität
    • Ggf. mit positiven ANA
    • ↑ IgM
    • ↑ Cholesterin
  • MRCP: keine Veränderungen der extrahepatischen Gallengänge. Gangveränderungen des intrahepatischen Gallengangsystems
  • Leber-Biopsie: nicht zwingend zur Diagnose notwendig; für das Staging der PBC hilfreich:
    • Stadium I (portales Stadium): periportale Infiltrate aus Lymphozyten und Plasmazellen, Zerstörung des Epithels der Gallengänge
    • Stadium II (periportales Stadium): Proliferation der Gallengänge, Granulome, periportale Hepatitis
    • Stadium III (septales Stadium): Fibrose der Portalfelder mit Mottenfraßnekrosen und fortschreitendem Untergang von Gallengängen, Galletropfen in Hepatozyten (Retention)
    • Stadium IV (zirrhotisches Stadium)
 Merke

Es ist aktuell keine kausale Therapie verfügbar. Immunsuppressiva sind nicht wirksam. Daher ist die Behandlung primär symptomatisch.

  • Pruritus, Cholestase & Ikterus: Ursodesoxycholsäure p.o:
    • Besserung der Klinik & der Lebensqualität ohne Transplantation, Milderung der mikroskopischen Entzündungszeichen
    • Verbessert Transplantat-freies Überleben
    • Zweitlinientherapie: Obeticholsäure bei nicht Ansprechen auf Ursodesoxycholsäure
  • Pruritus & Hypercholesterinämie: Gabe von Cholestyramin, Rifampicin
  • Supplementation von fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) und Osteoporose Prophylaxe (Vitamin D und Calcium, ggf. mit Bisphosphonaten) 

Lebertransplantation ist die einzige kurative Therapie. 
Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei ca. 85%.

Lernkarte Primär biliäre Cholangitis (PBC)

 

Lernkarte AIH, PSC und PBC
  
Zuletzt aktualisiert am 06.08.2026
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