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Probeklausur: Pädiatrische und sonstige Notfälle

29 Minuten Lesezeit

Du hast deine vierte große Lerneinheit deiner NotSan-Examensvorbereitung nun inhaltlich abgeschlossen und alle Artikel der Blöcke Grundlagen, Atmung, Herz-Kreislauf-System, Nervensystem, Psyche, Einsatztaktik, Traumatologie, Abdomen und besondere Patient:innengruppen gelernt. Herzlichen Glückwunsch! :)

Nun möchten wir dir mit unserer Probeklausur die Möglichkeit geben, dein erlerntes Wissen im Rahmen der Probeklausur zu wiederholen und prüfungsnah anzuwenden. So kannst du ganz praktisch lernen, Freitextprüfungsfragen strukturiert zu beantworten und deine Zeit einzuschätzen.

Nimm dir also gerne Zeit für die Probeklausur und versuche, dir selbst möglichst realitätsnahe Bedingungen zu schaffen, so ähnlich wie sie später bei der echten Prüfung sein werden.

Wir wünschen dir, dass du durch diese Probeklausur viel Erfahrung, Sicherheit und Gelassenheit gewinnst!

Anleitung und Link zum Download

  1. Lade dir die Probeklausur über den folgenden Link herunter: Probeklausur herunterladen
  2. Drucke dir die Probeklausur aus, damit die Klausursimulation möglichst realistisch wird
  3. Bitte lies die folgenden Szenarien aufmerksam durch und bearbeite die dazugehörigen Fragestellungen
  4. Verwende für deine Ausführungen ein separates Blatt
  5. Vergleiche deine Antworten mit den in diesem Artikel folgenden Musterlösungen
  6. Rechne deine Punktzahl aus und trage sie im folgenden Quiz ein
PunktzahlProzentbereichNote
102–110 Punkte≥ 92 %Sehr gut
88–101 Punkte80–91 %Gut
74–87 Punkte67–79 %Befriedigend
55–73 Punkte50–66 %Ausreichend
33–54 Punkte30–49 %Mangelhaft
0–32 Punkte< 30 %Ungenügend
 Tipp

Verwende während der Bearbeitung der Probeklausur eine Stoppuhr, damit du lernst, unter Zeitdruck zu arbeiten und die Zeit einzuschätzen.

Der Zeitansatz zur Bearbeitung beträgt 240 Minuten.

Beschreibung

Sie werden als RTW zu einem Notfall mit dem Einsatzstichwort „allergische Reaktion“ auf einen Kindergeburtstag alarmiert.

Vor Ort treffen Sie auf einen 8-jährigen Jungen. Laut Angaben der Eltern hat das Kind kurz zuvor Erdnusskekse gegessen. Wenige Minuten danach klagte er über Juckreiz im Mund und zunehmende Atemnot. Beim Eintreffen sitzt der Junge auf einem Stuhl, wirkt ängstlich und unruhig und ringt nach Luft. Die Haut zeigt gerötete Quaddeln am Oberkörper und im Gesicht. Außerdem fällt eine Schwellung der Lippen auf.

xABCDE-Schema

x

  • Keine externe Bedrohung / keine sichtbare Blutung

A

  • Schwellung der Lippen und Mundschleimhaut
  • Heiserkeit

B

  • Atemfrequenz: 33/min
  • Inspiratorischer Stridor
  • SpO₂: 88 % unter Raumluft

C

  • Haut blass
  • Rekap-Zeit: 2 Sekunden
  • RR: 92/48 mmHg
  • Herzfrequenz: 127/min

D

  • Wach, orientiert
  • Stark ängstlich und unruhig

E

  • Temperatur: 36,8 °C
  • Symptome:
    • Generalisierte Urtikaria
    • Angioödem im Lippenbereich
    • Dyspnoe, Heiserkeit
    • Juckreiz
  • Allergien / Infektionen: Bekannte Erdnussallergie
  • Medikamente: Adrenalin-Autoinjektor bei Bedarf (nicht vorhanden)
  • Patientengeschichte: Keine bekannten Vorerkrankungen
  • Letzte Mahlzeit: Letzte Mahlzeit vor 15 Minuten
  • Ereignis: Symptombeginn wenige Minuten nach Nahrungsaufnahme
  • Risikofaktoren: Bekannte Nahrungsmittelallergie
 Info
Fragen:
  1. Nennen Sie die Schweregrade der Anaphylaxie und beschreiben Sie jeweils typische klinische Symptome. (8 Punkte)
  2. Erläutern Sie die Pathophysiologie der Anaphylaxie. Gehen Sie dabei insbesondere auf die Rolle von Mastzellen und die Wirkung freigesetzter Mediatoren ein. (8 Punkte)
  3. Beschreiben Sie das präklinische Management einer Anaphylaxie bei Kindern nach Ihren gültigen Behandlungsalgorithmen. (10 Punkte)
  4. Warum müssen Patient:innen nach einer Anaphylaxie auch bei initialer Stabilisierung klinisch überwacht werden? (3 Punkte)
  5. Warum ist Adrenalin das wichtigste Medikament in der Therapie der Anaphylaxie? Erläutern Sie die wichtigsten Wirkmechanismen. (4 Punkte)

Einteilung nach Schweregrad

GradHaut- und AllgemeinsymptomeRespiratorische SymptomeKardiovaskuläre SymptomeGastrointestinale Symptome
I
  • Juckreiz
  • Flush (Hautrötung)
  • Urtikaria (juckende Quaddel)
  • Angioödem (Schleimhautschwellung, häufig an Lippen oder Augenliedern)
---
II
  • Juckreiz
  • Flush
  • Urtikaria
  • Angioödem
  • Rhinorrhö (Nasenlaufen)
  • Heiserkeit
  • Dyspnoe
  • Tachykardie (Anstieg HF <20/min)
  • Hypotonie (Abfall RR <20 mmHg)
  • Nausea (Übelkeit)
  • Krämpfe
  • Brechreiz
III
  • Juckreiz
  • Flush
  • Urtikaria
  • Angioödem
  • Larynxödem (Schwellung im Bereich des Kehlkopfs)
  • Bronchospasmus
  • Zyanose
  • Schock
  • Defäkation (Stuhlgang)
  • Erbrechen
IV
  • Juckreiz
  • Flush
  • Urtikaria
  • Angioödem
  • Atemstillstand
  • Kreislaufstillstand
  • Erbrechen
 Info

Die Einteilung richtet sich nach den jeweils am stärksten ausgeprägten Symptomen. Das Auftreten einzelner Symptome ist dabei nicht zwingend erforderlich.

Die Anaphylaxie ist eine akute, systemische Reaktion, die durch eine massive Aktivierung von Mastzellen und Basophilen ausgelöst wird. Dies geschieht meist IgE-vermittelt nach erneutem Kontakt mit einem spezifischen Allergen. Dabei binden die Allergene an IgE-Antikörper auf der Zelloberfläche, was zur Degranulation führt.

In der Folge werden innerhalb von Sekunden bis Minuten Entzündungsmediatoren freigesetzt:

  • Histamin: Vasodilatation, Erhöhung der Gefäßpermeabilität, Bronchokonstriktion, Juckreiz
  • Leukotriene: Verstärkte Bronchokonstriktion, Entzündungsverstärkung
  • Prostaglandine: Bronchospasmus, Vasodilatation
  • Zytokine: Rekrutierung weiterer Immunzellen, systemische Entzündung

Organbezogene Vorgänge und Folgen

Haut- und Schleimhäute:

  • Die Aktivierung von Mastzellen führt zur Freisetzung von Histamin, Prostaglandinen und Leukotrienen → H1-Rezeptoren an Endothelzellen → Vasodilatation und erhöhte Gefäßpermeabilität → Urtikaria, Flush und Ödeme (z. B. Angioödem)
  • Histamin reizt sensorische Nervenendigungen → Juckreiz

Atemwege:

  • Histamin, Leukotriene und andere Mediatoren bewirken eine Kontraktion der glatten BronchialmuskulaturBronchokonstriktion Dyspnoe, Heiserkeit, Husten, Stridor
  • Gleichzeitig kommt es zur Schleimhautödembildung und vermehrten Schleimproduktion
  • Als Spätfolge fördern Zytokine die systemische Entzündungsreaktion

Herz-Kreislauf-System:

  • Histamin und andere Mediatoren verursachen über H1- und H2-Rezeptoren eine systemische Vasodilatation und ein Kapillarleck am Gefäßsystem → Austritt von Volumen ins Interstitium → Volumenmangel → vermindertes Herzzeitvolumen (HZV) → Schock
  • Stimulation H2-Rezeptoren am Herz → Tachykardie

Anaphylaktischer Schock

Gastrointestinaltrakt:

  • Histamin und andere Mediatoren führen zu einer Kontraktion der glatten Darmmuskulatur → Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Defäkation
  • Reduzierte intestinale Durchblutung durch Hypotonie → Beschwerden werden verstärkt
 Achtung

Da es regionale Unterschiede in der Therapie gibt, orientieren wir uns hier an den DBRD-Musteralgorithmen.

Für deine Prüfung sind jedoch deine gültigen Behandlungsalgorithmen maßgeblich, aus denen du Therapie und relevante Kontraindikationen ableitest.

DBRD Algorithmus: Anaphylaxie Kind

Patient:innen müssen nach einer Anaphylaxie auch bei initialer Stabilisierung klinisch überwacht werden. Folgende Aspekte sind hierbei zu beachten:

  • Im Verlauf kann es zu einer biphasischen Reaktion mit erneuter anaphylaktischer Symptomatik bis hin zum Schockgeschehen kommen
  • Es besteht weiterhin das Risiko einer erneuten Atemwegsobstruktion sowie hämodynamischer Instabilität im Sinne einer Kreislaufdekompensation
  • Eine kontinuierliche klinische Überwachung ist erforderlich, um eine erneute Verschlechterung frühzeitig zu erkennen und eine zeitgerechte therapeutische Intervention einzuleiten
 Merke

Bei etwa 1–20 % der Anaphylaxien kann es zu einem zweizeitigen Verlauf kommen. Dabei treten erneut Symptome auf, typischerweise nach 2 bis 24 Stunden, ohne dass eine erneute Allergenexposition stattgefunden hat.

Adrenalin ist das wichtigste Medikament in der Therapie der Anaphylaxie, da es gleichzeitig an mehreren pathophysiologischen Mechanismen ansetzt und somit die lebensbedrohlichen Symptome effektiv behandelt:

  • α₁-Rezeptoren: Vasokonstriktion → Blutdruckanstieg und Reduktion von Ödemen (z.B. im Bereich der Atemwege)
  • β₁-Rezeptoren: Steigerung von Herzfrequenz und Kontraktilität → Erhöhung des Herzzeitvolumens
  • β₂-Rezeptoren: Bronchodilatation → Verbesserung der Ventilation
  • β₂-Rezeptoren: Hemmung der Mediatorfreisetzung aus Mastzellen und Basophilen
Lernkarte Adrenalin

Beschreibung

Sie werden als RTW zu einem Kind mit Atemnot in eine Wohnung alarmiert.

Vor Ort treffen Sie auf ein 4-jähriges Kind, das auf dem Schoß der Mutter sitzt. Die Mutter berichtet, dass ihr Kind seit dem Abend Husten und Heiserkeit habe. Seit etwa 30 Minuten habe sich die Atemnot deutlich verschlechtert.

Das Kind wirkt ängstlich und unruhig. Beim Atmen hören Sie ein pfeifendes Geräusch. Zudem fällt Ihnen ein bellender Husten auf.

xABCDE-Schema

x

  • Keine externe Bedrohung / keine sichtbare Blutung

A

  • Atemwege frei
  • Heiserkeit

B

  • Atemfrequenz: 36/min
  • Inspiratorischer Stridor
  • Interkostale Einziehungen erkennbar
  • SpO₂: 91 % unter Raumluft

C

  • Haut rosig + warm
  • Rekap-Zeit: 2 Sekunden
  • Herzfrequenz: 137/min

D

  • Wach, reagiert altersgerecht
  • Ängstlich und stark unruhig

E

  • Temperatur: 38,2 °C
  • Symptome:
    • Dyspnoe
    • Bellender Husten
    • Inspiratorischer Stridor
  • Allergien / Infektionen: Keine Allergien
  • Medikamente: Keine Dauermedikation
  • Patientengeschichte: Keine bekannten Vorerkrankungen
  • Letzte Mahlzeit: Letzte Mahlzeit vor 2 Stunden
  • Ereignis: Beginn der Symptome am Abend mit Erkältungssymptomen
  • Risikofaktoren: Keine
 Info
Fragen:
  1. Beschreiben Sie die präklinische Therapie eines Pseudokrupp-Anfalls anhand Ihrer gültigen Behandlungsalgorithmen. (6 Punkte)
  2. Stellen Sie das Krankheitsbild des Pseudokrupps der Epiglottitis gegenüber und nennen Sie mindestens vier wichtige Unterscheidungsmerkmale. (4 Punkte)
  3. Welche pathophysiologischen Veränderungen führen beim Pseudokrupp zur Atemnot? (3 Punkte)
  4. Nennen Sie zwei wichtige Differenzialdiagnosen zu Pseudokrupp/Epiglottitis bei inspiratorischem Stridor im Kindesalter und erläutern Sie deren wichtigste Unterscheidungsmerkmale. (4 Punkte)
  5. Benennen Sie drei klinische Zeichen, die auf eine Atemnot bei Kindern hinweisen können. (3 Punkte)
 Achtung

Da es regionale Unterschiede in der Therapie gibt, orientieren wir uns hier an den DBRD-Musteralgorithmen.

Für deine Prüfung sind jedoch deine gültigen Behandlungsalgorithmen maßgeblich, aus denen du Therapie und relevante Kontraindikationen ableitest.

DBRD Algorithmus: Pseudokrupp
KriteriumEpiglottitisPseudokrupp
Alter2-7 Jahre6 Monate - 5 Jahre
KrankheitsbeginnPlötzlichSchleichend
JahreszeitGanzjährigGehäuft in Herbst und Winter
TageszeitGanztägigGehäuft Abends und Nachts
KörpertemperaturHohes FieberErhöhte Temperatur
StimmeKloßige SpracheHeiserkeit
HustenSeltenBellender Husten
SchluckbeschwerdenJaNein
SpeichelflussJaNein
StridorInspiratorischInspiratorisch
Kehlkopf von kranial: Anatomie der Stimmlippen und der Glottis

Beim Pseudokrupp kommt es infolge einer meist viralen Infektion zu einer entzündlich bedingten Schleimhautschwellung im subglottischen Bereich des Kehlkopfs.

Diese Schwellung führt zu einer Einengung der oberen Atemwege, wobei bereits geringe Durchmesserveränderungen bei Kindern aufgrund des kleinen Atemwegslumens zu einer deutlichen Erhöhung des Atemwegswiderstands führen.

Folgen:

  • Inspiratorische Atembehinderung mit Stridor
  • Erhöhte Atemarbeit
  • Gefahr der respiratorischen Insuffizienz
DifferenzialdiagnoseBeginnLeitsymptomeKlare Unterscheidungsmerkmale
Fremdkörperaspiration
  • Plötzlich
  • Husten
  • Stridor
  • Ggf. Erstickungsgefühl
  • Kein Fieber
  • Ereignis erinnerlich (Essen/Spielen)
  • Abrupter Beginn
Anaphylaxie
  • Sehr schnell (Minuten)
  • Stridor
  • Dyspnoe
  • Hautreaktionen
  • Allergenkontakt
  • Hautsymptome (Urtikaria)
  • Ggf. Hypotonie
 Info

Neben diesen Antworten gibt es natürlich noch viele weitere richtige Antwortmöglichkeiten.

Tipp: Nutze gerne unseren AI-Tutor am Ende des Artikels, um deine Antworten individuell überprüfen zu lassen.

  1. Interkostale Einziehungen bzw. Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
  2. Tachypnoe 
  3. Nasenflügeln als Zeichen gesteigerter Atemarbeit
 Info

Neben diesen Antworten gibt es natürlich noch viele weitere richtige Antwortmöglichkeiten.

Tipp: Nutze gerne unseren AI-Tutor am Ende des Artikels, um deine Antworten individuell überprüfen zu lassen.

Beschreibung

Sie werden als RTW zu einem Notfall mit dem Einsatzstichwort „Fieber und reduzierter Allgemeinzustand“ in ein Pflegeheim alarmiert.

Vor Ort treffen Sie auf eine 79-jährige Patientin. Die Pflegekraft berichtet, dass die Patientin seit dem Vortag zunehmend schwach und verwirrt wirke. Außerdem habe sie Fieber entwickelt. Heute Morgen sei sie deutlich schläfriger geworden und habe kaum noch auf Ansprache reagiert.

Die Patientin liegt im Bett, wirkt somnolent und desorientiert. Die Haut ist blass und kaltschweißig. Die Pflegekraft berichtet zudem, dass der Urin seit einigen Tagen stark riechend und dunkel verfärbt sei.

xABCDE-Schema

x

  • Keine externe Bedrohung / keine sichtbare Blutung

A

  • Atemwege frei
  • Schleimhäute blass

B

  • Atemfrequenz: 26/min
  • Beidseits vesikuläre Atemgeräusche
  • SpO₂: 93 % unter Raumluft

C

  • Haut blass, kaltschweißig
  • Rekap-Zeit: 4 Sekunden
  • RR: 89/47 mmHg
  • Herzfrequenz: 112/min

D

  • Somnolent, reagiert verzögert auf Ansprache

E

  • Temperatur: 39,1 °C
  • Symptome:
    • Stark riechender + dunkel verfärbter Urin
    • Fieber
    • Schwäche
    • Reduzierter Allgemeinzustand
  • Allergien / Infektionen: Keine Allergien bekannt
  • Medikamente: Ramipril, Metformin
  • Patientengeschichte: Diabetes mellitus Typ 2, art. Hypertonie
  • Letzte Mahlzeit: Letzte Mahlzeit vor 6 Stunden
  • Ereignis: Zunehmende Verschlechterung seit gestern
  • Risikofaktoren: Höheres Lebensalter
 Info
Fragen:
  1. Definieren Sie den Begriff Sepsis. (2 Punkte)
  2. Erläutern Sie den qSOFA-Score und nennen Sie die drei Kriterien dieses Scores. (3 Punkte)
  3. Nennen Sie vier häufige Infektionsquellen, aus denen sich eine Sepsis entwickeln kann. (4 Punkte)
  4. Erläutern Sie die Pathophysiologie der Sepsis und beschreiben Sie, wie es zur Organdysfunktion kommt. (10 Punkte)
  5. Beschreiben Sie das präklinische Management eines septischen Schocks. Gehen Sie dabei auf medizinische Maßnahmen, sowie das Transportmanagement ein. (8 Punkte)
 Definition
Sepsis

Eine Sepsis ist eine akut lebensbedrohliche Organdysfunktion, die durch eine fehlgeleitete oder überschießende Wirtsantwort auf eine Infektion entsteht.

Für die Diagnose einer Sepsis-assoziierten Organdysfunktion gilt ein Anstieg des Sequential Organ Failure Assessment (SOFA)-Scores um ≥ 2 Punkte als entscheidendes Kriterium.

Der qSOFA-Score (quick Sequential Organ Failure Assessment) ist ein einfaches Screening-Instrument zur frühen Erkennung einer möglichen Sepsis außerhalb der Intensivmedizin, insbesondere im präklinischen Setting.

Er dient dazu, Patient:innen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf bzw. eine Organdysfunktion schnell zu identifizieren.

qSOFA-Score
 Info

In vielen Bereichen wird mittlerweile anstelle des qSOFA-Scores der NEWS2-Score (National Early Warning Score 2) verwendet.

Er ermöglicht eine differenziertere Einschätzung des klinischen Zustands anhand mehrerer Vitalparameter und wird zunehmend auch im Rettungsdienst genutzt.

Hinweis: Für die Prüfung sollten Sie beide Scores (qSOFA und NEWS2) kennen und anwenden können.

LUCCAASS
 Info

Wenn Krankheitserreger in den Blutkreislauf gelangen, kann das Immunsystem mit einer übermäßigen und fehlregulierten Entzündungsreaktion reagieren. Diese überschießende Reaktion führt dazu, dass sich die Entzündung im gesamten Körper ausbreitet und Organe sowie Gewebe geschädigt werden. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, chronischen Erkrankungen oder offenen Wunden.

  1. Infektion:
    1. Eintritt von Multiorganismen (meist Bakterien) in den Körper → Erregerbestandteile werden von Immunzellen erkannt
  2. Übermäßige Immunaktivierung:
    1. Aktivierung von Makrophagen, neutrophilen Granulozyten, Endothelzellen → Freisetzung großer Mengen an proinflammatorischen Zytokinen (z.B. TNF-a, IL-1, IL-6)
    2. Normalerweise bleibt diese Reaktion lokal begrenzt. Bei Sepsis kommt es jedoch zu einer systemischen Entzündungsreaktion
  3. Vaskuläre Dysfunktion:
    1. Aktivierte Immunzellen und Zytokine schädigen das Endothel der Blutgefäße → Aufbrechen der Tight-junctions → Gefäßleckage „capillary leak“→ Permeabilität steigt → Flüssigkeits- und Albuminaustritt ins Gewebe → Hypovolämie → Blutdruckabfall
    2. Vasodilatation durch Freisetzung von NO → Blutdruckabfall 
    3. Gerinnungsaktivierung durch Bildung von Gewebefaktor („tissue factor“) auf Endothelzellen und Monozyten → vermehrte Thrombenbildung → Mikrothrombosierung und Störung der Fibrinolyse → Verbrauchskoagulopathie → Petechien
  4. Zell- und Organschäden:
    1. Durch Sauerstoffmangel (Hypoperfusion) und Mitochondriendysfunktion kommt es zu Energiemangel in Zellen
      Kombination aus Ischämie, Entzündungsmediatoren und oxidativem Stress führt zu Organdysfunktion
  5. Gerinnungsstörungen:
    1. Gestörte Balance zwischen gerinnungsfördernden und gerinnungshemmenden Prozessen → disseminierte intravasale Gerinnungsstörung (DIC) → Thrombosen / Blutungen
 Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei Sepsis
  • Übermäßige Immunaktivierung
  • Vaskuläre Dysfunktion (insb. mit resultierender Hypotonie)
  • Zell- und Organschäden
  • Gerinnungsstörungen
 Achtung

Da es regionale Unterschiede in der Therapie gibt, orientieren wir uns hier an den DBRD-Musteralgorithmen.

Für deine Prüfung sind jedoch deine gültigen Behandlungsalgorithmen maßgeblich, aus denen du Therapie und relevante Kontraindikationen ableitest.

DBRD Algorithmus: Sepsis

Weitere spezifische Maßnahmen

Vasopressoren:

  • Indikation: Persistierende Hypotonie (MAP < 65 mmHg) trotz adäquater Volumengabe
  • Durchführung: Noradrenalin-Perfusor (Initialdosis: 0,1 µg/kgKG/min, an klinischen Zustand anpassen)
 Achtung

Noradrenalin ist der Vasopressor der ersten Wahl.

Antibiotikatherapie:

  • Indikation: Septischer Schock
  • Durchführung: Intravenöse Verabreichung, je nach lokaler Regelung, (z.B. Ceftriaxon 2 g als Kurzinfusion)
 Merke

Bei septischem Schock muss die intravenöse Antibiotikatherapie innerhalb der ersten Stunde nach Diagnosestellung begonnen werden. Jede Stunde Verzögerung reduziert die Überlebenswahrscheinlichkeit um etwa 8 %. Ein sofortiger Therapiebeginn ist daher entscheidend für das Outcome der Patient:innen.

In den meisten Bereichen wird jedoch aus einer Vielzahl von Gründen auf eine präklinische Gabe von Antibiotika verzichtet. 

Beschreibung

Sie werden als RTW zu einem Wohnungsbrand mit einer verletzten Person alarmiert.

Vor Ort treffen Sie auf einen 34-jährigen Patienten, der sich beim Löschen eines Fettbrands in der Küche verbrannt hat. Dabei kam es zu einer Stichflamme aus der Pfanne. Beim Eintreffen sitzt der Patient auf einem Stuhl. Das Feuer ist bereits gelöscht. Der Patient ist wach und ansprechbar, klagt jedoch über starke Schmerzen im Gesicht und am rechten Arm. Sie erkennen Rötungen und Blasenbildung im Gesicht, am Hals und am rechten Unterarm.

xABCDE-Schema

x

  • Keine externe Bedrohung / keine sichtbare Blutung

A

  • Atemwege frei
  • Sichtbare Rußspuren

B

  • Atemfrequenz: 22/min
  • Beidseits vesikuläre Atemgeräusche
  • Dyspnoe, Hustenreiz
  • SpO₂: 91 % unter Raumluft

C

  • Haut rosig
  • Rekap-Zeit: 2 Sekunden
  • RR: 150/94 mmHg
  • Herzfrequenz: 107/min

D

  • Wach, orientiert

E

  • Temperatur: 36,0 °C
  • Symptome:
    • Verbrennungen im Gesicht, Hals und rechter Arm 
    • Starke Schmerzen an den verbrannten Hautarealen
    • Hustenreiz
    • Dyspnoe
    • Schmerz
  • Allergien / Infektionen: Keine Allergien bekannt
  • Medikamente: Keine Dauermedikation
  • Patientengeschichte: Keine bekannten Vorerkrankungen
  • Letzte Mahlzeit: Letzte Mahlzeit vor 2 Stunden
  • Ereignis: Fettbrand, Stichflamme nach Löschversuch
  • Risikofaktoren: Möglicherweise Rauchgasexposition
 Info
Fragen:
  1. Nennen Sie die verschiedenen Verbrennungsgrade und beschreiben Sie jeweils typische klinische Symptome. (10 Punkte)
  2. Erläutern Sie die 9er-Regel zur Abschätzung der verbrannten Körperoberfläche beim Erwachsenen und gehen Sie auf die wichtigsten Unterschiede beim Kind ein. (6 Punkte)
  3. Nennen Sie vier Kriterien, bei denen eine Versorgung in einem Verbrennungszentrum indiziert ist. (4 Punkte)
  4. Erläutern Sie die Entstehung eines Volumenmangelschocks bei großflächigen Verbrennungen. (5 Punkte)
  5. Beschreiben Sie das präklinische Management bei diesem Patienten. Gehen Sie dabei insbesondere auf das Atemwegsmanagement, die Volumentherapie sowie die Wundversorgung ein. (10 Punkte)
Schwere-gradHauterscheinungSchmerzcharakter und SchmerzstärkeBetroffene HautschichtenAbbildung 
Grad I
  • Rötung
  • Keine Blasen
  • Brennend
  • Leichte bis mäßige Schmerzen
  • Epidermis 

 

Verbrennung Grad 1
Grad IIa
  • Rötung
  • Klare Blasenbildung
  • Wundgrund rosig und rekapillarisierend
  • Stark brennend
  • Sehr empfindlich
  • Sehr starke Schmerzen
  • Oberflächige Dermis 

 

Verbrennung Grad 2a
Grad IIb
  • Blasen
  • Wundgrund blass und nicht oder schwach rekapillarisierend
  • Dumpf
  • Teilweise empfindungslos
  • Mittel bis starke Schmerzen
  • Tiefe Dermis 

 

Verbrennung Grad 2b
Grad III
  • Graue bis weiße lederartige Haut
  • Schwarzer Schorf
  • Trockener, harter Wundgrund
  • Keine Haare mehr vorhanden 
  • Schmerzlos durch Nervenschäden
  • Komplette Dermis

 

Verbrennung Grad 3
Grad IV
  • Verkohlung
  • Nekrosen
  • Schmerzlos durch komplette Nervenschädigung
  • Unterhautfettgewebe
  • Muskeln
  • Knochen

 

Verbrennung Grad 4

Ein wichtiges Merkmal ist neben der Tiefe und Beschaffenheit der Verbrennung auch die Ausdehnung der Verbrennung. Diese wird nach der Neuner-Regel eingeschätzt und gibt einen direkten Aufschluss zur Prognose der betroffenen Person. Eine gute Ersteinschätzung ist also entscheidend!

Neuner-Regel nach Wallace
 Achtung
Neuner-Regel

Die Neuner-Regel gilt nur für Erwachsene. Bei Kindern und Kleinkindern wird sie aufgrund unterschiedlicher Körperproportionen angepasst. Ab dem 2. Lebensjahr wird der Kopf mit 14–16 % statt 9 % der Körperoberfläche berechnet. Bei Kleinkindern unter 2 Jahren beträgt der Anteil des Kopfes 18 %.

 Tipp

Zur Einschätzung kleinerer Verbrennungen kann man sich merken, dass etwa die Fläche einer Hand des Betroffenen 1 % der Körperoberfläche darstellt. 

Indikationen für die Versorgung im Verbrennungszentrum:

  • Thermische Verletzungen 2. Grades ab 15 % Körperoberfläche
  • Thermische Verletzungen 3. Grades ab 10 % Körperoberfläche
  • Thermische Verletzungen an kritischen Bereichen wie Gesicht/Hals, Händen, Füßen, Ano-Genital-Region, Achseln, großen Gelenken oder anderen komplizierten Lokalisationen
  • Zirkuläre thermische Verletzungen
  • Chemische Verätzungen
  • Verletzungen durch elektrischen Strom einschließlich Blitzschlag
  • Inhalationstrauma in Kombination mit äußeren Verbrennungen
  • Brandverletzte mit Begleiterkrankungen oder zusätzlichen Verletzungen (besonders thermomechanische Kombinationen), die die Behandlung erschweren
  • Brandverletzte mit Bedarf an spezieller psychotherapeutischer, psychiatrischer oder physischer Mitbehandlung
  • Besonders junge Patienten (< 8 Jahre) sowie ältere Menschen (> 60 Jahre)
 Info
Volumenmangelschock bei großflächigen Verbrennungen
  • Hitzeeinwirkung → Nekrose der Haut → Kapillarschädigung → erhöhte Permeabilität (Kapillarleck) = Verlust von Flüssigkeit und Eiweißen (Ödembildung)
  • Mikrozirkulationsstörung → Abfall Herzzeitvolumen (HZV) → Gewebeischämie = Volumenmangelschock
 Achtung

Da es regionale Unterschiede in der Therapie gibt, orientieren wir uns hier an den DBRD-Musteralgorithmen.

Für deine Prüfung sind jedoch deine gültigen Behandlungsalgorithmen maßgeblich, aus denen du Therapie und relevante Kontraindikationen ableitest.

DBRD Algorithmus: Verbrennung/Verbrühung

Wundversorgung:

  • Lokaltherapie mit sterilen, nicht-klebenden Verbänden
    • Meist Aluminium-bedampfte Kompressen
    • Mullkompressen können mit der Wunde verkleben und einen Gewebeschaden vergrößern

Wärmeerhalt:

  • Ziel: Hypothermie verhindern
  • Haut kann selbst nicht mehr die Körpertemperatur regulieren
  • Rettungsdecken, aber auch wärmende Decken und die Heizung des Transportmittels, helfen, die Temperatur zu stabilisieren
  • Auch gewärmte Infusionen kommen hier zum Einsatz
 Achtung
  • Eine der größten Gefahren bei Verbrennungen ist die Unterkühlung!
  • RTW vorheizen!

Erweitertes Atemwegsmanagement:

 Merke
Endotracheale Intubation

Bei Anzeichen eines Inhalationstraumas wie Verbrennungen im Gesicht, Verrußung von Nase und / oder Rachen, verkohlten Nasenhaaren oder einem inspiratorischen Stridor als Hinweis auf eine beginnende Atemwegsverlegung, sollte die Intubationsindikation großzügig gestellt werden. Eine Verzögerung der Atemwegssicherung kann die Intubation erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen.

Gleichzeitig ist eine präklinische Atemwegssicherung an sich ein risikobehafteter Eingriff, der sorgfältig abgewogen werden muss. Dabei sollten die beginnende Atemwegsverlegung und der respiratorische Zustand der erkrankten Person gegen die verfügbaren Ressourcen, den Transportweg, die Kompetenzen des Teams und die eigenen Fähigkeiten abgewogen werden, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen.

Can’t intubate, can’t ventilate (CICV):

Kehlkopf (Larynx) Anatomie

Bei einem Inhalationstrauma kommen den Atemwegen zentrale Bedeutung zu. Hitze oder Reizstoffe können schnell zu einer starken Schwellung der oberen Atemwege führen. Da ein solches Ödem oft dynamisch entsteht, ist an die frühzeitige Atemwegssicherung zu denken. Mit zunehmender Schwellung wird die Intubation immer schwieriger.

Man sollte stets auf schwierige Intubationsbedingungen vorbereitet sein und entsprechendes Equipment griffbereit halten. Brandverletzungen im Gesichts- und Halsbereich können durch Eiweißdegeneration zu Gewebekontrakturen führen, die die Beweglichkeit von Kopf und Hals erheblich einschränken.

 Merke

Scheitert die endotracheale Intubation, kann eine Notfall-Koniotomie notwendig werden.

Zuletzt aktualisiert am 11.07.2026
Wiederholung Woche 1 Lernplan
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