Sexualität wird durch ein Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren beeinflusst. Neben körperlichen Voraussetzungen können beispielsweise Stress, Angst, depressive Symptome, negative Körperwahrnehmung, sexuelle Leistungsängste, dysfunktionale Erwartungen und partnerschaftliche Konflikte das sexuelle Verlangen, die Erregung oder den Orgasmus beeinflussen. Umgekehrt können anhaltende sexuelle Probleme psychische Belastungen und Beziehungsprobleme verstärken. Daher sollte Sexualität nicht isoliert, sondern im Rahmen eines biopsychosozialen Modells betrachtet werden.
Sexuelle Störungen umfassen Beeinträchtigungen des sexuellen Verlangens, der Erregung, des Orgasmus oder Schmerzen im Zusammenhang mit sexueller Aktivität. Für die klinische Relevanz ist insbesondere der subjektive Leidensdruck bzw. eine relevante Beeinträchtigung entscheidend. Psychische Faktoren können dabei sowohl zur Entstehung als auch zur Aufrechterhaltung sexueller Beschwerden beitragen.
Die Sexualtherapie umfasst verschiedene psychotherapeutische und verhaltensorientierte Verfahren. Zu den klassischen Ansätzen von Masters und Johnson gehört der Sensate Focus, bei dem zunächst nicht leistungsorientierte körperliche Nähe und Wahrnehmung im Vordergrund stehen. Moderne Sexualtherapie kann zudem Psychoedukation, kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden und Paartherapie einsetzen. Die heutige Evidenz spricht vornehmlich für den Nutzen kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansätze bei verschiedenen sexuellen Funktionsstörungen, wobei die Evidenz je nach Störungsbild unterschiedlich stark ist.
MerkeSexualität ist biopsychosozial bestimmt; psychische Faktoren können sexuelle Störungen auslösen oder aufrechterhalten, während Sexualtherapie durch Psychoedukation, kognitive und verhaltensorientierte sowie partnerschaftliche Interventionen zur Verbesserung der sexuellen Funktion beitragen kann.
- Masters WH, Johnson VE. Human Sexual Inadequacy. Boston: Little, Brown; 1970. ISBN 9780700001934.
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