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Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen

Qualitätssicherung im Gesundheitswesen
EP
7 Minuten Lesezeit

Das Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen dient der systematischen Sicherung und kontinuierlichen Verbesserung der medizinischen Versorgung. Grundlage vieler Konzepte ist das Modell von Avedis Donabedian, das Qualität in drei Dimensionen unterteilt: Strukturqualität, Prozessqualität und Ergebnisqualität.

Die Strukturqualität beschreibt die Rahmenbedingungen der Versorgung, wie beispielsweise personelle Ressourcen, technische Ausstattung und organisatorische Strukturen. Die Prozessqualität umfasst die konkrete Durchführung medizinischer Leistungen, darunter Diagnostik, Therapie sowie die Kommunikation mit Patient:innen. Die Ergebnisqualität bewertet schliesslich die Resultate der Behandlung, etwa hinsichtlich Morbidität, Mortalität, Funktionsniveau oder Lebensqualität der Patient:innen.

Ein zentrales Konzept im modernen Gesundheitswesen ist die Evidenzbasierte Medizin (EBM). Sie verbindet klinische Erfahrung mit der besten verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz und den individuellen Präferenzen der Patient:innen. 

 Merke

Ziel ist es, medizinische Entscheidungen systematisch und nachvollziehbar zu treffen.

Die Qualitätssicherung umfasst alle Massnahmen zur Überprüfung und Verbesserung der Versorgungsqualität. Dazu gehören interne und externe Kontrollen, Leitlinien, Standards sowie kontinuierliche Verbesserungsprozesse.

Die Prozess- und Ergebnisevaluation dient der Überprüfung medizinischer Abläufe und deren Resultate anhand definierter Kriterien. Während die Prozessevaluation die Umsetzung medizinischer Leistungen analysiert, fokussiert die Ergebnisevaluation auf die tatsächlichen Behandlungsergebnisse und deren Relevanz für die Patient:innenversorgung.

Insgesamt zielt Qualitätsmanagement darauf ab, eine sichere, effektive, patient:innenzentrierte und effiziente Versorgung sicherzustellen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

 Tipp

Besonders prüfungsrelevant:

  • Donabedian-Modell der Qualitätsdimensionen
  • Unterschiede Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität
  • Prinzipien der Evidenzbasierten Medizin
  • Patient:innensicherheit und Qualitätssicherung
  • Outcome-Assessment in der Medizin
  • Leitlinienbasierte Versorgung
  • Kontinuierliche Qualitätsverbesserung (Continuous Quality Improvement)

Diese Inhalte gehören zu den klassischen Grundlagen der medizinischen Soziologie und Gesundheitswissenschaften im vorklinischen Abschnitt des Medizinstudiums.

 Definition

Strukturqualität beschreibt die Rahmenbedingungen der Versorgung:

  • Qualifikation des Personals
  • Technische Ausstattung
  • Organisatorische Voraussetzungen
 Definition

Prozessqualität umfasst alle diagnostischen, pflegerischen und therapeutischen Abläufe.

  • Schwer messbar → daher Nutzung von Standards
  • Orientierung an Leitlinien
  • Probleme:
    • Schnittstellenprobleme (Informationsverlust zwischen Versorgungsstufen)
  • Verbesserung durch:
    • Standardisierung (z. B. feste Überwachungsstandards, Mindestanzahl an Therapiesitzungen)
 Definition

Ergebnisqualität beschreibt das Erreichen von Behandlungszielen.

Messgrößen:

  • Verweildauer
  • Mortalität
  • Patientenzufriedenheit
  • subjektive Lebensqualität

→ Erhebung über standardisierte Outcome-Maße (z. B. Prä-Post-Vergleich).

 Definition

Effizienz: Nutzen im Verhältnis zum Mitteleinsatz.

 Merke

Ziel des Qualitätsmanagements ist die Verbesserung der medizinischen Versorgung. Es umfasst die drei Bereiche:

  • Strukturqualität (Rahmenbedingungen)
  • Prozessqualität (Abläufe)
  • Ergebnisqualität (Behandlungsergebnisse)
 Definition

Die evidenzbasierte Medizin verfolgt das Ziel, medizinische Maßnahmen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse anzuwenden. Das bedeutet, dass bevorzugt solche Therapien eingesetzt werden, deren Wirksamkeit in Studien nachgewiesen wurde.

Als Goldstandard zur Überprüfung der Wirksamkeit gilt die randomisierte kontrollierte Studie (RCT). Dabei wird zwischen zwei wichtigen Begriffen unterschieden:

  • Efficacy: Wirksamkeit unter Idealbedingungen (z. B. im Labor oder in Studien)
  • Effectiveness: Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen
 Info

Die höchste Evidenz liefern Metaanalysen aus mehreren randomisiert kontrollierten Studien, während Expertenmeinungen die niedrigste Evidenz darstellen. Es ist jedoch zu beachten, dass Studienergebnisse nicht immer vollständig auf den klinischen Alltag übertragbar sind.

 Definition

Die Qualitätssicherung beginnt mit der Erfassung des aktuellen Zustands (Ist-Zustand), um darauf aufbauend Verbesserungsmaßnahmen planen zu können. Qualitätskontrollen können sowohl intern als auch extern durchgeführt werden.

 Merke

Ein wichtiges Instrument ist das Peer-Review-Verfahren, bei dem ärztliche Leistungen durch Fachkollegen beurteilt werden. Ziel ist es, Fehler zu erkennen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

  • Daneben spielen Qualitätszirkel eine zentrale Rolle
    • Dabei handelt es sich um Kleingruppen von Fachpersonen, die auf freiwilliger Basis Probleme analysieren und gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeiten
    • Sie sind ein Bestandteil des internen Qualitätsmanagements und finden regelmäßig statt
 Definition

In der Prozessforschung wird untersucht, wie sich Gesundheitszustände während einer Therapie verändern. Die Ergebnisevaluation hingegen prüft die Wirksamkeit einer Therapie durch Vergleich verschiedener Gruppen.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Erkrankungen auch ohne Behandlung verbessern können (Spontanremission). Zusätzlich kann der Placebo-Effekt eine Rolle spielen. Deshalb muss eine Therapie einen Effekt zeigen, der über diese Einflüsse hinausgeht.

 Merke

Die sogenannte therapeutische Norm beschreibt, ab welchem Punkt eine Behandlung sinnvoll ist, beispielsweise anhand von Grenzwerten wie beim Blutdruck.

Die Bewertung von Therapien wird durch verschiedene Störvariablen beeinflusst, darunter:

  • Erfahrung des Therapeuten
  • Dauer der Therapie
  • Qualität der Diagnostik
  • Schweregrad der Erkrankung
  • Erwartungen der Patienten
  • Zeitpunkt der Nachuntersuchung (Katamnese)

Effektivität von Therapien:

 Merke

Die Wirksamkeit von Therapien wird häufig mithilfe von Metaanalysen untersucht. 

  • Dabei werden Ergebnisse vieler Studien zusammengefasst und quantitativ ausgewertet, um eine sogenannte Effektstärke zu bestimmen
 Merke

Problematisch ist hierbei der Publication Bias, da Studien mit positiven Ergebnissen häufiger veröffentlicht werden.

  • Medizinische Leitlinien basieren auf solchen Evidenzen und dienen als Orientierung für Diagnostik und Therapie, sind jedoch rechtlich nicht verpflichtend

Number Needed to Treat (NNT):

 Definition

Die Number Needed to Treat gibt an, wie viele Patienten behandelt werden müssen, um ein unerwünschtes Ereignis zu verhindern.

Risikoreduktion:

  • Zur Bewertung von Therapien werden relative und absolute Risikoreduktion unterschieden
 Merke

Die relative Risikoreduktion (RRR) beschreibt den prozentualen Anteil der Risikosenkung im Vergleich zur Kontrollgruppe:

 Achtung

Die absolute Risikoreduktion (ARR) gibt die tatsächliche Differenz der Risiken an:

RRR = RisikoKontrolle - RisikoIntervention

 Merke

Die ARR zeigt, wie stark das Risiko insgesamt reduziert wird und bezieht sich auf alle untersuchten Personen.

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  • Øvretveit J. What are the advantages and disadvantages of different quality and safety tools for health care? International Journal for Quality in Health Care 2005;17(6):443–452. DOI: 10.1093/intqhc/mzi086.
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  • Donabedian A. The role of outcomes in quality assessment. Quality Review Bulletin 1992;18(11):356–360.
Zuletzt aktualisiert am 14.07.2026
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