QM, Qualitätssicherung, Qualitätssteuerung, Qualitätskontrolle, Qualitätsmanagementsystem, Qualität in der Notfallversorgung
23 Minuten Lesezeit
Fallbeschreibung
Frau M., 78 Jahre alt, stürzt in ihrer Wohnung und klagt über starke Schmerzen in der rechten Hüfte. Der Rettungsdienst trifft wenige Minuten nach der Alarmierung ein.
Nach der strukturierten Untersuchung besteht der Verdacht auf eine proximale Femurfraktur. Die Patientin erhält eine leitliniengerechte Schmerztherapie, das Bein wird achsengerecht gelagert und immobilisiert. Anschließend erfolgt der zeitnahe Transport in eine geeignete Klinik mit unfallchirurgischer Versorgung.
Während der Versorgung wirkt Frau M. ruhig und bedankt sich mehrfach für die Hilfe. Ihr Sohn, der kurz vor dem Transport eintrifft, kritisiert jedoch, dass seine Mutter trotz der Schmerztherapie weiterhin Schmerzen habe. Er gewinnt den Eindruck, der Rettungsdienst habe „nicht genug gegen die Schmerzen getan“ und sei zu schnell in die Klinik gefahren.
In der Klinik bestätigt sich die Verdachtsdiagnose. Die Patientin wird noch am selben Tag operativ versorgt und erholt sich komplikationslos.
Info
War die Versorgung qualitativ hochwertig?
Einordnung aus Sicht des Qualitätsmanagements
Objektive Qualitätskriterien:
Aus fachlicher Sicht sprechen mehrere Faktoren für eine hohe Versorgungsqualität:
Kurze Eintreffzeit
Strukturierte Untersuchung und Verdachtsdiagnose
Leitliniengerechte Analgesie und Immobilisation
Zeitnaher Transport in eine geeignete Zielklinik
Komplikationsloser weiterer Behandlungsverlauf
Die Versorgung entspricht damit den Anforderungen an eine hohe Prozess- und Ergebnisqualität.
Subjektive Qualitätskriterien:
Der Sohn bewertet die Versorgung dennoch kritisch. Seine Wahrnehmung orientiert sich vorwiegend an der weiterhin bestehenden Schmerzsymptomatik und nicht an den medizinischen Möglichkeiten oder der leitliniengerechten Versorgung.
Info
Dieses Beispiel zeigt, dass objektive Versorgungsqualität und subjektive Zufriedenheit nicht immer übereinstimmen.
Merke
Kernaussagen:
Dieses Beispiel verdeutlicht ein zentrales Prinzip des Qualitätsmanagements: Qualität ist perspektivenabhängig
Das Fallbeispiel zeigt, dass Qualität im Rettungsdienst mehrdimensional ist und sowohl fachliche Standards als auch subjektive Wahrnehmungen berücksichtigt werden müssen
Im Folgenden werden daher die Grundlagen des Qualitätsbegriffs, die Dimensionen von Qualität und die Bedeutung des Qualitätsmanagements im Rettungsdienst näher erläutert.
Stellenwert von Qualität in der präklinischen Notfallversorgung
Die präklinische Notfallversorgung erfordert schnelle Entscheidungen unter Zeitdruck und oft unvollständige Informationen. Die Qualität des Handelns wirkt sich direkt auf die Patientensicherheit, das Behandlungsergebnis und das Vertrauen in den Rettungsdienst aus.
Qualität umfasst nicht nur fachlich korrekte Maßnahmen, sondern auch strukturierte Abläufe, sichere Teamarbeit, Kommunikation und den professionellen Umgang mit Patient:innen und Angehörigen. Für Notfallsanitäter:innen ist qualitätsorientiertes Handeln daher ein zentraler Bestandteil ihrer Professionalität.
Relevanz für Ausbildung und staatliche Prüfung
Qualitätsmanagement stellt einen integralen Bestandteil der Ausbildung gemäß NotSanG und NotSan-APrV dar. Die Kompetenz, nach definierten Qualitätskriterien zu agieren, Prozesse kritisch zu evaluieren und strukturierte Verbesserungsmaßnahmen zu implementieren, zählt zu den wesentlichen beruflichen Kernkompetenzen.
Im Rahmen des staatlichen Examens wird von angehenden Notfallsanitäter:innen erwartet, dass sie folgende Fähigkeiten nachweisen:
Ein umfassendes Verständnis der Qualitätsdimensionen (Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität)
Die Kompetenz, Instrumente wie den PDCA-Zyklus effektiv anzuwenden
Kenntnisse der relevanten rechtlichen Grundlagen
Die Fähigkeit, die Bedeutung von Dokumentation, Fehlerkultur und Risikomanagement darzustellen
Tipp
Qualitätsmanagement spielt auch im Berufsalltag eine zentrale Rolle. Notfallsanitäter:innen arbeiten in strukturierten Organisationssystemen, handeln auf Basis von Algorithmen und internen Standards und sind aktiv in Dokumentations- und Fehlermeldesysteme eingebunden.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Definition
Der Begriff „Qualität“ (lat. qualis = „wie beschaffen“) beschreibt die Gesamtheit aller Eigenschaften eines Objekts oder einer Leistung.
In der Prüfung ist wichtig: Qualität besitzt zwei Bedeutungsdimensionen:
Quantitative Merkmale (neutrale Dimension) → Beschreibung von Eigenschaften
Qualitative Merkmale (bewertende Dimension) → Beurteilung von Güte und Wert
Damit ist Qualität nicht rein objektiv, sondern enthält immer eine wertende Komponente.
Arten von Qualitätsmerkmalen
Bedeutungsdimension
Kennzeichen
Praxisbeispiele im Rettungsdienst
Quantitative Merkmale
(neutrale Qualität)
Mess- und zählbar
Technisch oder physikalisch erfassbar
Unabhängig von persönlicher Bewertung
Einhaltung der Hilfsfrist
Anzahl verfügbarer Rettungsmittel
Sauerstoffflussrate am Gerät
Akkulaufzeit eines Defibrillators
Qualitative Merkmale
(bewertende Qualität)
Beruhen auf subjektivem Empfinden
Abhängig von Erwartungen
Nur indirekt erfassbar (z.B. durch Befragung)
Eindruck von Professionalität im Auftreten
Wahrgenommene Empathie des Teams
Gefühl der Sicherheit während des Transports
Zufriedenheit mit der Informationsweitergabe
Einfluss unterschiedlicher Perspektiven auf die Qualitätswahrnehmung
Die Bewertung von Qualität im Rettungsdienst ist nicht einheitlich, sondern abhängig von der jeweiligen Perspektive. Während Fachpersonal die Versorgung primär anhand von medizinischen Standards und objektiven Kriterien beurteilt, stehen für Patient:innen und Angehörige häufig subjektive Faktoren wie Kommunikation und Einbindung im Vordergrund.
Aspekt
Fachpersonal
Patient:innen/Angehörige
Bewertungsmaßstab
Medizinische Standards und Leitlinien
Persönliche Wahrnehmung und Erwartungen
Schwerpunkt
Dringlichkeit
Zeitfaktor
Korrekte Maßnahmen
Kommunikation
Einbindung
Transparenz
Zielvorstellung von Qualität
Schnelle, strukturierte und evidenzbasierte Versorgung
Verständnis der Situation
Empathischer Umgang
Mögliche Wahrnehmung
Einsatz fachlich korrekt durchgeführt
Gefühl, nicht ausreichend informiert oder begleitet zu sein
Tipp
Typische Prüfungsfrage: „Warum kann ein Einsatz fachlich korrekt und dennoch als unzureichend wahrgenommen werden?“
Antwortkern: Weil Qualität sowohl objektive Kriterien als auch subjektive Erwartungen umfasst
Qualitätsdefinition nach Normen
Definition
DIN EN ISO 9000 → Norm für die Grundlagen und Begriffe des Qualitätsmanagements (wird regelmäßig aktualisiert):
Qualität beschreibt, in welchem Maß die Eigenschaften eines Produkts oder einer Dienstleistung festgelegte Anforderungen erfüllen
Qualität bedeutet daher nicht einfach „gut“, sondern die Übereinstimmung zwischen Anforderungen und tatsächlicher Beschaffenheit
DIN EN ISO 9001 → Norm für die Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem:
Sie legt fest, wie Organisationen Qualität systematisch planen, sicherstellen, überwachen und kontinuierlich verbessern
Zur Verdeutlichung der normativen Qualitätsdefinition dient das folgende Fallbeispiel. Es soll zeigen, dass Qualität nicht absolut ist, sondern stets von zuvor definierten Anforderungen abhängt. Anhand eines neuen EKG-Monitoringsystems wird deutlich, wie unterschiedliche Organisationen dasselbe Produkt verschieden bewerten, je nachdem, welche Ziele und Schwerpunkte sie verfolgen.
Fallbeispiel:
Auf einer Fachtagung für Rettungsdienstleitungen stellt ein Hersteller ein neues EKG-Monitoringsystem vor. Das Gerät verfügt über zahlreiche Zusatzfunktionen, eine erweiterte Arrhythmieanalyse und eine drahtlose Datenübertragung in Echtzeit.
Organisation
Schwerpunkt der Anforderungen
Bewertung des Geräts
Organisation 1
Erweiterte Diagnostik
Hohe Versorgungsqualität bei komplexen internistischen Notfällen
Technische Zusatzfunktionen werden als deutliche Qualitätssteigerung bewertet
Organisation 2
Robustheit
Einfache Bedienbarkeit
Geringe Wartungskosten
Zusatzfunktionen gelten als potenziell fehleranfällig und nicht zwingend erforderlich
Organisation 3
Imagegewinn
Digitale Vernetzung mit Kliniken
Qualitätsgewinn liegt hauptsächlich in strategischer Wirkung und Dokumentationsmöglichkeiten
Tipp
Typische Prüfungsfrage: „Wovon hängt es ab, ob etwas als qualitativ hochwertig bewertet wird?“
Antwortkern: Ob etwas als qualitativ hochwertig gilt, hängt davon ab, ob es die zuvor definierten Anforderungen erfüllt. Qualität entsteht durch den Abgleich zwischen Soll-Zustand (Anforderung) und Ist-Zustand (tatsächliche Beschaffenheit) und ist daher kein absoluter, sondern ein anforderungsspezifischer Begriff
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Aufgabenbereiche des Qualitätsmanagements
Merke
Qualitätsmanagement umfasst alle Maßnahmen, die eine Organisation sicherer, besser und zukunftsfähig machen. Es ist ein systematisches Gesamtkonzept, kein einzelner Schritt.
Im Rettungsdienst bedeutet Qualitätsmanagement, Strukturen und Abläufe so zu gestalten, dass eine verlässliche, sichere und nachvollziehbare Patientenversorgung gewährleistet ist.
Dabei stehen insbesondere folgende Aspekte im Vordergrund:
Risikominimierung für Patient:innen und Mitarbeitende
Standardisierung von Prozessen und Abläufen
Transparenz durch strukturierte Dokumentation
Nutzung von Fehlermeldesystemen zur kontinuierlichen Verbesserung
Gesetzliche und berufsrechtliche Rahmenbedingungen
Qualitätsmanagement im Rettungsdienst ist gesetzlich vorgeschrieben. Gesundheitsdienstleister müssen nach § 135a SGB V die Qualität sichern.
Auch das Notfallsanitätergesetz (NotSanG) fordert dies als Ausbildungsziel. Die NotSan-APrV schreibt vor, dass Auszubildende ihr Handeln an Qualitätskriterien ausrichten und in Qualitätsmanagementsysteme einordnen können.
Zusätzlich enthalten die Landesrettungsdienstgesetze Vorgaben zur Qualitätssicherung. Qualitätsmanagement ist somit eine rechtliche Pflicht und zugleich berufliche Selbstverständlichkeit.
Individuelle Verantwortung der Fachkräfte im Qualitätsprozess
Qualitätsmanagement ist keine ausschließliche Aufgabe der Führungsebene oder von Qualitätsbeauftragten. Vielmehr sind alle Mitarbeiter:innen aktiv in den Qualitätsprozess eingebunden.
Im Rettungsdienst bedeutet dies, die eigene Arbeit kontinuierlich zu reflektieren, Standards einzuhalten, Dokumentation gewissenhaft durchzuführen und Verbesserungsprozesse mitzutragen. Instrumente wie der PDCA-Zyklus verdeutlichen, dass Qualität als fortlaufender Prozess verstanden wird, der Planung, Umsetzung, Überprüfung und Anpassung umfasst.
Merke
Professionelles Handeln zeigt sich somit nicht nur in der fachlich korrekten Durchführung medizinischer Maßnahmen, sondern auch in der Bereitschaft zur kritischen Selbstreflexion und Weiterentwicklung. Qualität entsteht durch systematisches Arbeiten und durch die Verantwortung jedes Einzelnen.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Definition
Die drei Qualitätsdimensionen
Im Qualitätsmanagement gibt es drei wichtige Qualitätsdimensionen, die helfen, Organisationen zu bewerten. Dieses Modell, das 1966 vom Mediziner Avedis Donabedian vorgestellt wurde, bietet hierüber einen Überblick.
Strukturqualität: Beschreibt die organisatorischen Rahmenbedingungen einer Einrichtung. Dazu gehören etwa die Anzahl und Qualifikation der Mitarbeitenden, die technische Ausstattung sowie bauliche und organisatorische Voraussetzungen
Prozessqualität: Beschreibt, wie eine Leistung erbracht wird. Im Fokus stehen die Abläufe und Arbeitsweisen innerhalb der Organisation, etwa wie Mitarbeitende arbeiten und wie Behandlungs- oder Einsatzprozesse strukturiert sind
Ergebnisqualität: Bewertet die Resultate der erbrachten Leistung. Dabei werden sowohl der gesundheitliche Zustand der Patient:innen als objektives Kriterium als auch deren Zufriedenheit als subjektives Kriterium berücksichtigt. Voraussetzung für diese Bewertung ist, dass vorab klare Ziele festgelegt wurden
Strukturqualität
Beschreibt die Rahmenbedingungen der Versorgung (z.B. Personal, Ausstattung, Organisation)
Werden Zeitziele nicht erreicht, können organisatorische Maßnahmen ergriffen werden, etwa Anpassungen im Rettungsdienstbedarfsplan (z.B. mehr Rettungsmittel oder veränderte Standorte)
Info
Praxisbeispiel:
Ein Beispiel ist die gesetzliche Hilfsfrist, deren Einhaltung mithilfe von Einsatzleitsystemen überprüft werden kann.
Prozessqualität
Beschreibt, wie die Versorgung durchgeführt wird
Wird unter anderem durch standardisierte Abläufe, Algorithmen und Dienstanweisungen unterstützt
Diese geben vor, welche Maßnahmen in bestimmten Notfallsituationen durchgeführt werden sollen
Info
Praxisbeispiel:
Ein dienstlich verbindlicher Behandlungsalgorithmus für bestimmte Notfallsituationen (z.B. bei Atemnot oder Hypoglykämie) legt fest, welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen von Notfallsanitäter:innen in welcher Reihenfolge durchgeführt werden sollen.
Ergebnisqualität
Bewertet die Ergebnisse der Versorgung
Grundlage sind z.B. Auswertungen von Rettungsdienstprotokollen bei bestimmten Leitdiagnosen
Auch Registersysteme, etwa Reanimationsregister, können zur Analyse der Behandlungsergebnisse beitragen
Info
Praxisbeispiel:
Die Auswertung von Reanimationsfällen kann zeigen, wie häufig ein ROSC (Return of Spontaneous Circulation) erreicht wird oder wie viele Patient:innen lebend aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Merke
Ziel des Qualitätsmanagements ist es, die Qualitätsdimensionen Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität so aufeinander abzustimmen, dass Patient:innen bestmöglich von der Versorgung profitieren.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Formulierung überprüfbarer Qualitätsziele nach SMART-Schema
Um Qualität systematisch zu sichern, muss zunächst festgelegt werden, was Qualität innerhalb einer Organisation konkret bedeutet. Diese grundlegende Ausrichtung wird als Qualitätspolitik bezeichnet. Auf Basis der DIN ISO 9000 werden entsprechende Qualitätsziele in der Regel von der Organisationsleitung definiert. Wichtig ist dabei, dass die Ziele für alle Mitarbeitenden verständlich sind und im Arbeitsalltag umgesetzt werden können.
Damit Qualitätsziele wirksam sind, sollten sie nach den sogenannten SMART-Kriterien formuliert werden.
Ein Ziel sollte demnach:
Spezifisch sein, also klar formulieren, was erreicht werden soll
Messbar sein, damit überprüft werden kann, ob das Ziel erreicht wurde
Akzeptiert und sinnvoll für die Mitarbeitenden sein
Realistisch erreichbar sein
Terminiert werden
Merke
Beispiel:
Ein Rettungsdienst legt als Ziel fest, die Zeit bis zum Beginn der ersten medizinischen Maßnahme bei Reanimationen zu verkürzen. Dazu wird definiert, dass innerhalb der nächsten zwölf Monate bei mindestens 90 % der Einsätze innerhalb von zwei Minuten nach Patientenkontakt mit der Reanimation begonnen werden soll.
PDCA-Zyklus
Definition
Der PDCA-Zyklus (auch Deming-Zyklus genannt) beschreibt ein systematisches Vorgehen zur kontinuierlichen Verbesserung von Prozessen. Er besteht aus den vier Schritten Plan, Do, Check und Act.
Der PDCA-Zyklus dient dazu, Verbesserungsmaßnahmen strukturiert zu planen, umzusetzen und zu überprüfen. Durch die wiederholte Anwendung entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess.
Plan: Zunächst wird der aktuelle Zustand analysiert. Werden Schwachstellen erkannt, werden Ziele festgelegt und Maßnahmen geplant, um die Situation zu verbessern
Do: Die geplanten Maßnahmen werden anschließend praktisch umgesetzt
Check: Danach wird überprüft, ob die Maßnahmen den gewünschten Effekt erzielt haben oder ob weitere Anpassungen erforderlich sind
Act: Auf Grundlage der Ergebnisse werden Verbesserungen eingeführt oder Prozesse angepasst, um die Qualität weiter zu steigern
Der PDCA-Zyklus wird anschließend erneut durchlaufen. Dadurch können Arbeitsabläufe, Effizienz und Versorgungsqualität langfristig verbessert und stabil gehalten werden.
Bedeutung der systematischen Dokumentation
Damit Qualitätsmanagement wirksam umgesetzt werden kann, müssen Strukturen, Abläufe und Prozesse einer Organisation dokumentiert werden. Dieses Wissen wird in Form von schriftlichen Anleitungen, Prozessbeschreibungen oder Arbeitsanweisungen festgehalten. Dadurch wird sichergestellt, dass Arbeitsabläufe nachvollziehbar und möglichst einheitlich durchgeführt werden können.
Die Dokumentation ermöglicht außerdem, Fehler oder Schwachstellen zu erkennen und auszuwerten. Voraussetzung dafür ist, dass alle Mitarbeitenden Zugriff auf die relevanten Dokumente haben, die die für ihre Tätigkeit geltenden Abläufe und Vorgaben beschreiben.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Prozessorientierte Normensysteme
Definition
Prozessorientierte Normensysteme legen fest, wie Qualitätsmanagementsysteme aufgebaut und organisiert sein sollen.
Ziel ist die systematische Gestaltung und Dokumentation von Arbeitsabläufen
Ein bekanntes Beispiel ist die Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff
Im Mittelpunkt steht die Prozessorientierung, also die Betrachtung der Organisation als Zusammenspiel verschiedener Abläufe
Prozesse werden regelmäßig überprüft und optimiert, um Fehlerquellen frühzeitig zu erkennen
Die Einhaltung der Vorgaben kann durch interne und externe Audits kontrolliert werden
Zertifizierungsbasierte Bewertungsverfahren
Definition
Zertifizierungsbasierte Bewertungsverfahren dienen der externen Überprüfung eines Qualitätsmanagementsystems.
Dabei wird untersucht, ob eine Organisation festgelegte Qualitätsstandards erfüllt
Ein Beispiel im Gesundheitswesen ist das KTQ-Verfahren (Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen)
Der Prozess umfasst meist eine Selbstbewertung der Organisation sowie eine Fremdbewertung durch externe Gutachter
Ziel ist es, Qualitätsstrukturen sichtbar zu machen und Verbesserungspotenziale zu identifizieren
Ganzheitliche Managementmodelle
Definition
Ganzheitliche Managementmodelle betrachten Qualität in der gesamten Organisation und nicht nur einzelne Prozesse.
Ein bekanntes Modell ist das EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management)
Grundlage ist das Konzept des Total Quality Management (TQM)
Berücksichtigt werden verschiedene Faktoren, wie:
Führung
Mitarbeitende
Prozesse und Ressourcen
Ergebnisse der Organisation
Ziel ist die Entwicklung einer nachhaltigen Qualitätskultur innerhalb der Organisation.
Fehler- und Risikomanagementsysteme im Rettungsdienst
Definition
Fehler- und Risikomanagementsysteme dienen dazu, Fehler zu erkennen, Risiken zu analysieren und die Sicherheit von Patient:innen zu verbessern.
Grundlage ist eine offene Fehlerkultur, in der kritische Ereignisse gemeldet werden können
Ein Beispiel ist das CIRS (Critical Incident Reporting System)
Hier können kritische Ereignisse oder Beinahe-Fehler anonym gemeldet und ausgewertet werden
Ziel ist es, systematische Ursachen zu erkennen und zukünftige Fehler zu vermeiden
Ergänzend tragen Konzepte wie Crew Resource Management (CRM) zur Verbesserung von Teamarbeit, Kommunikation und Entscheidungsprozessen bei
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Grundlagen des Qualitätsbegriffs
Qualitätsbegriff:
Qualität = Gesamtheit der Eigenschaften eines Produkts oder einer Leistung
DIN EN ISO 9000 → Norm für die Grundlagen und Begriffe des Qualitätsmanagements (wird regelmäßig aktualisiert):
Qualität beschreibt, in welchem Maß die Eigenschaften eines Produkts oder einer Dienstleistung festgelegte Anforderungen erfüllen
Qualität bedeutet daher nicht einfach „gut“, sondern die Übereinstimmung zwischen Anforderungen und tatsächlicher Beschaffenheit
DIN EN ISO 9001 → Norm für die Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem:
Sie legt fest, wie Organisationen Qualität systematisch planen, sicherstellen, überwachen und kontinuierlich verbessern
Qualitätsmanagement im Überblick
Aufgabenbereiche des Qualitätsmanagements:
QM umfasst alle Maßnahmen zur Verbesserung einer Organisation
Ziele im Rettungsdienst:
Risikominimierung
Standardisierung von Prozessen
Transparenz durch Dokumentation
Nutzung von Fehlermeldesystemen
Gesetzliche Grundlagen:
§135a SGB V → Qualitätssicherung verpflichtend
NotSanG → QM Bestandteil der Ausbildung
NotSan-APrV → Handeln nach Qualitätskriterien
Landesrettungsdienstgesetze → weitere Vorgaben
Verantwortung der Fachkräfte:
QM ist Aufgabe aller Mitarbeitenden
Mitarbeitende müssen:
Standards einhalten
Dokumentation durchführen
Prozesse reflektieren
Verbesserungen unterstützen
Mehrdimensionale Betrachtung von Qualität
Definition
Die drei Qualitätsdimensionen
Im Qualitätsmanagement gibt es drei wichtige Qualitätsdimensionen, die helfen, Organisationen zu bewerten. Dieses Modell, das 1966 vom Mediziner Avedis Donabedian vorgestellt wurde, bietet hierüber einen Überblick.
Strukturqualität: Beschreibt die organisatorischen Rahmenbedingungen einer Einrichtung. Dazu gehören etwa die Anzahl und Qualifikation der Mitarbeitenden, die technische Ausstattung sowie bauliche und organisatorische Voraussetzungen
Prozessqualität: Beschreibt, wie eine Leistung erbracht wird. Im Fokus stehen die Abläufe und Arbeitsweisen innerhalb der Organisation, etwa wie Mitarbeitende arbeiten und wie Behandlungs- oder Einsatzprozesse strukturiert sind
Ergebnisqualität: Bewertet die Resultate der erbrachten Leistung. Dabei werden sowohl der gesundheitliche Zustand der Patient:innen als objektives Kriterium als auch deren Zufriedenheit als subjektives Kriterium berücksichtigt. Voraussetzung für diese Bewertung ist, dass vorab klare Ziele festgelegt wurden
Instrumente der Qualitätssicherung und -optmierung
SMART-Ziele:
Damit Qualitätsziele wirksam sind, sollten sie nach den sogenannten SMART-Kriterien formuliert werden.
S - spezifisch
M - messbar
A - attraktiv
R - realistisch
T - terminiert
PDCA-Zyklus (Deming-Zyklus):
Vier Schritte zur Prozessverbesserung:
Plan → Analyse + Planung von Maßnahmen
Do → Umsetzung der Maßnahmen
Check → Überprüfung der Ergebnisse
Act → Anpassung und Verbesserung
→ Teil des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses
Dokumentation im QM:
Strukturen, Abläufe und Prozesse müssen dokumentiert werden
Ziele:
Nachvollziehbarkeit
Einheitliche Arbeitsabläufe
Fehleranalyse
Mitarbeitende müssen Zugriff auf relevante Dokumente haben
Prozessorientierte Normensysteme:
Definition
Prozessorientierte Normensysteme legen fest, wie Qualitätsmanagementsysteme aufgebaut und organisiert sein sollen.
Zertifizierungsbasierte Bewertungsverfahren:
Definition
Zertifizierungsbasierte Bewertungsverfahren dienen der externen Überprüfung eines Qualitätsmanagementsystems.
Ganzheitliche Managementmodelle:
Definition
Ganzheitliche Managementmodelle betrachten Qualität in der gesamten Organisation und nicht nur einzelne Prozesse.
Fehler- und Risikomanagementsysteme im Rettungsdienst:
Definition
Fehler- und Risikomanagementsysteme dienen dazu, Fehler zu erkennen, Risiken zu analysieren und die Sicherheit von Patient:innen zu verbessern.
Bitte einloggen
Damit wir Dir weiterhin Inhalte in hoher Qualität bieten können, ist dieser Teil des Artikels nur für registrierte Nutzer:innen zugänglich. Logge dich ein oder teste Mediknow jetzt kostenlos.
Zuletzt aktualisiert am 28.06.2026
Vorheriger Artikel
Dokumentation im Rettungsdienst (RD)
Nächster Artikel
Arbeitsrecht / -schutzrecht (RD)
Deine Medizin-Lernplattform
Jetzt weiterlesen
Zugang zu diesem und über 800 weiteren leitlinienbasierten Artikeln, unserem einzigartigen medizinischen AI-Tutor und Quiz