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Radiusköpfchen- und Radiushalsfrakturen

3 Minuten Lesezeit

Frakturen des proximalen Radius (AO 2R1) sind im Kindesalter relativ selten. Beim Erwachsenen zählen sie ebenfalls zu den eher selteneren Frakturen, zeichnen sich jedoch als die häufigste Fraktur des Ellenbogengelenkes aus. Traumamechanismus ist meist ein Sturz auf das dorsalextendierte Handgelenk bei ausgestrecktem und proniertem Arm mit Anstoß des Radiuskopfes am Capitulum humeri. Häufige Begleitverletzungen betreffen das Capitulum humeri, das Olecranon oder das laterale Kollateralband (LCL). Aufgrund der Nähe und häufigen Begleitverletzung der Bandstrukturen des Ellenbogengelenks spricht man häufig auch von „osteoligamentären“ Verletzungen. Besonders bei Luxation oder Dislokation kann es außerdem zur Schädigung des N. radialis kommen.

 Merke

Mehr als die Hälfte der axialen Kraftübertragung im Ellenbogengelenk erfolgt über den Radius und nicht die Ulna.

Klinisch zeichnet sich die isolierte Radiuskopf-Verletzung eher durch milde Beschwerden aus. Eine Schonhaltung in Beugestellung, Schmerzen im Ellenbogen bei Rotation des Unterarmes, eine Schwellung im Ellenbogenbereich, sowie Druckschmerzen im Bereich des Radiusköpfchens können klinisch auf einen Bruch hinweisen. Zur Detektion sollte daher eine Röntgenuntersuchung des Ellenbogengelenks in 2 Ebenen, ggf. mit Radiuskopf-Zielaufnahme erfolgen. Zur OP-Planung wird meist eine CT-Untersuchung ergänzt zur besseren Beurteilung der Fragmentanzahl und Fragmentlage. Bei Verdacht auf ligamentäre Schäden und Knorpelschäden kann die Durchführung eines MRT sinnvoll sein.

Radiushals-Fraktur
 Tipp

Radiushalsfrakturen sind seltener und haben weniger Begleitverletzungen als Radiusköpfchenfrakturen.

Klassifiziert werden die Radiusköpfchenfrakturen nach Mason. Anhand der Mason-Klassifikation kann ebenfalls die Therapie abgeleitet werden. 

  • Mason I: Einfache Frakturen mit Dislokation < 2mm: konservativ.
  • Mason II: Einfache Fraktur mit Dislokation > 2mm oder Abkippung < 30°: teils konservativ, teils mittels Schraubenosteosynthese.
  • Mason III: Mehrfragmentäre Fraktur oder Abkippung > 30°: anatomische Rekonstruktion mittels Schrauben- und Plattenosteosynthese. Wenn nicht möglich, sollten Stufen nicht toleriert werden und eine Radiuskopfprothese in Erwägung gezogen werden.
  • Mason IV: Fraktur mit gleichzeitiger Luxation im Ellenbogen: anatomische Rekonstruktion mittels Schrauben- und Plattenosteosynthese. Wenn nicht möglich, sollten Stufen nicht toleriert werden und eine Radiuskopfprothese in Erwägung gezogen werden.
Mason-Klassifikation
Operative Therapie bei Radiusköpfchenfrakturen

Die konservative Therapie beinhaltet eine Ruhigstellung für 2 Wochen im Oberarmgips in „Spucknapfstellung“ (suppinierter Unterarm und 90°-flektiertes Ellenbogengelenk) mit anschließender Physiotherapie und frühfunktioneller Mobilisation (Muskelaufbau nach 6 Wochen, Sport ab 3 Monaten). Röntgenkontrollen z.B. nach 4, 7 und 11 Tagen.

Zuletzt aktualisiert am 23.09.2024
Olecranonfrakturen
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