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Reflexe des Rückenmarks & Segmentale Gliederung

EP
7 Minuten Lesezeit

Ein Reflex ist eine automatische, präzise Antwort des Körpers auf einen spezifischen Reiz, wobei das Reflexzentrum für spinale Reflexe im Rückenmark liegt. Der Ablauf eines Reflexes erfolgt über den sogenannten Reflexbogen, der folgende Schritte umfasst:

  1. Aktivierung eines Sensors: Der Sensor nimmt einen bestimmten Reiz auf
  2. Afferente Weiterleitung: Die aufgenommene Information wird über afferente Nervenfasern zum Rückenmark geleitet
  3. Zentrale Verarbeitung: Im Rückenmark erfolgt die Verarbeitung durch Interneurone, die die eingehende Information verschalten
  4. Efferente Übertragung: Die verarbeitete Information wird über efferente Nervenfasern zum Effektor (z.B. Muskel) gesendet
  5. Reizantwort: Der Effektor führt die vorprogrammierte, stereotype Antwort aus (z. B. Muskelkontraktion)

Dieser Prozess ermöglicht es dem Körper, schnell und ohne bewusste Entscheidung auf Veränderungen in seiner Umgebung oder seinem Inneren zu reagieren, was für den Schutz und die Anpassung des Organismus wichtig ist.

Reflexbogen (monosynaptischer Eigenreflex):

Reflexbogen (monosynaptischer Eigenreflex)

u den somatischen Reflexen gehören die Muskel- und Hautreflexe. Sie werden in monosynaptische (Eigenreflexe) und polysynaptische (Fremdreflexe) Reflexe unterteilt.

Monosynaptische Reflexe (Eigenreflexe):

  • Definition: Direkte synaptische Verbindung zwischen einem afferenten sensiblen Neuron und einem efferenten Motoneuron
  • Eigenreflexe sind dadurch charakterisiert, dass Sensor/Rezeptor und Effektor im selben Organ liegen
  • Beispiel: Patellarsehnenreflex:
  1. Aktivierung: Schlag auf die Kniesehne führt zu einer Dehnung des M. quadriceps femoris. Dies aktiviert die Muskelspindeln im M. quadriceps femoris
  2. Afferente Bahn: Sensible Fasern nehmen die Erregung auf und leiten sie weiter
  3. Verrechnung im ZNS: Erregung wird über Ia-Fasern direkt an ein α-Motoneuron im Vorderhorn des Rückenmarks weitergeleitet
  4. Efferente Bahn: Das α-Motoneuron überträgt die Erregung mittels Acetylcholin an die motorischen Endplatten des M. quadriceps femoris
  5. Effektor: Die Stimulation der motorischen Endplatten löst eine Kontraktion des M. quadriceps femoris aus

→ Kurzzeitige Streckung im Kniegelenk

Polysynaptischer Reflex (Fremdreflex):

  • Mehrere Verschaltungen im Rückenmark
  • Bei einem Fremdreflex liegen der Sensor/Rezeptor und Effektor in zwei verschiedenen Organen
  • Beispiel: Rückziehreflex des Beines:
  1. Reizung der Nozisensoren der Haut
  2. Afferente Bahn: Weiterleitung des Schmerzsignals über Afferenzen der Klassen III und IV zum Rückenmark
  3. Interneurone werden im Rückenmark aktiviert
  4. Interneurone bewirken:
  • Aktivierung ipsilateraler Flexor-Motoneurone
  • Hemmung ipsilateraler Extensor-Motoneurone
  • Aktivierung kontralateraler Extensor-Motoneurone
  • Hemmung kontralateraler Flexor-Motoneurone

5. → Wegziehen der betroffenen Extremität und Streckung des Standbeins zur Stabilisierung

  • Ein Dermatom ist ein Hautareal, das sensibel von den Fasern der Hinterwurzel eines einzelnen Spinalnervs innerviert wird
  • Der Spinalnerv C1 bildet eine Ausnahme, da er nur motorische Fasern enthält und somit kein Dermatom besitzt
  • Dermatome verlaufen segmental entlang des Körpers und zeigen die ursprüngliche Segmentierung des Nervensystems während der Embryonalentwicklung
  • Am Rumpf sind sie streifenförmig angeordnet, während sie an den Extremitäten einem durch die Gliedmaßenentwicklung bedingten rotatorischen Verlauf folgen
  • Benachbarte Dermatome überlappen sich, weshalb eine Läsion meist nicht zum vollständigen Sensibilitätsausfall im betroffenen Areal führt
  • In der neurologischen Diagnostik sind Dermatome ein wichtiges Hilfsmittel, um die Lokalisation einer Läsion zu bestimmen

Dermatome:

Dermatome
 Tipp

Ein praktischer Lerntipp: Wenn man sich – wie in der Abbildung – leicht nach vorne beugt, werden die Dermatome oft besser verständlich. Diese Haltung hilft, sich die Verteilung räumlich leichter einzuprägen.

  • Ein Kennmuskel wird vorwiegend von Motoneuronen eines bestimmten Rückenmarksegments innerviert
  • Kennmuskeln sind für die neurologische Diagnostik wichtig
  • Bei Funktionsausfall eines Kennmuskels kann auf die Läsion des zugehörigen Segments geschlossen werden
  • Die meisten Muskeln erhalten multisegmentale Innervation und gelten deshalb nicht als Kennmuskeln
SegmentDermatomKennmuskel
C4Bereich der SchulterZwerchfell
C5Außenseite und Rückseite der Schulter sowie oberer Teil des OberarmsM. deltoideus (M. biceps brachii)
C6Radialer Bereich von Oberarm und Unterarm, inklusive DaumenM. biceps brachii
C7Rückseite von Oberarm und Unterarm, inklusive Streckseite und 2.–4. FingerM. triceps brachii
C8Ulnarseite der Handfläche, 4. und 5. FingerKleinfingerballenmuskeln, ulnare lange Fingerbeuger, unterer Anteil des M. pectoralis major
L1–2Region in der Leiste 
L3Vorderseite des OberschenkelsM. quadriceps femoris
L4Seitenfläche von Oberschenkel und Knie sowie mediale Seite des UnterschenkelsM. quadriceps femoris, M. vastus medialis
L5Dorsalseite der Großzehe, seitlicher Unterschenkel, Schienbein vorneM. extensor hallucis longus, M. tibialis anterior
S1Seitlicher Unterschenkel und Fußrücken, FerseM. triceps surae, Mm. peronei, M. gluteus maximus
S2Rückseite von Oberschenkel, Kniekehle und Unterschenkel 
S3Innenseite des Oberschenkels 
S4Gesäßbereich (äußere Gesäßbacke) 
S5Gesäßfalte 
Wirbelhöhen
Grafische Darstellung der Wirbelsäule mit Halswirbelsäule (HWS), Brustwirbelsäule (BWS), Lendenwirbelsäule (LWS), Kreuzbein und Steißbein. Die Abbildung zeigt die Zuordnung der Rückenmarkssegmente zu den jeweiligen Wirbelhöhen und verdeutlicht die anatomische Beziehung zwischen Wirbelsäule und Rückenmark.
Zuletzt aktualisiert am 07.07.2026
Rückenmark (Medulla spinalis)
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