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Rettungsdienste auf der Welt

91 Minuten Lesezeit

Wie rettet die Welt Leben? Dieser Artikel zeigt, wie unterschiedlich Rettungsdienste organisiert sind. Wir vergleichen das arztbasierte mit dem paramedic-orientierten „anglo-amerikanischen“ Modell und nehmen dich mit von Metropolen bis ins Outback, von den Alpen bis in die Savanne.

Du erfährst, wie Notrufnummern, Leitstellen, Kompetenzen, Ausbildung und Qualitätsindikatoren von Land zu Land variieren und warum das im Einsatz zählt.

 Info
Zum Vergleich die Zahlen - Daten - Fakten von Deutschland

Fläche: 357.588 km2

Bevölkerungszahlen: 83.577.140 Einwohner (Stand 2024)

Bevölkerungsdichte: 234 Einwohner pro km2

Bundesländer: 16

Gemeinden: 10.994 (Stand 2021)

Landessprache: Deutsch

Rettungsdienstsysteme unterscheiden sich weltweit vorwiegend entlang drei zentraler Achsen:

  1. Ärztlich geprägte Modelle mit Notärzt:innen in der Primärversorgung (z.B. Frankreich)
  2. Paramedizinische Modelle mit hochqualifizierten nichtärztlichen Advanced/Intensive-Care Paramedics (z.B. USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika)
  3. Hybride / regionale Mischformen (z.B. Deutschland, Österreich, Schweiz, Skandinavien, Niederlande)

Die rechtlichen Rahmenbedingungen regeln unter anderem:

  • Titelschutz
  • Kompetenzen (z.B. Medikamentengabe, i.v./i.o.-Zugang, Intubation, Analgesie, Sedierung)
  • Disposition und Leitstellenstrukturen
  • Ausbildungswege vom Basis- bis zum Advanced-Level

Für deutsche Notfallsanitäter:innen sind die Arbeitschancen international grundsätzlich gut.

Zugangsvoraussetzungen sind fast überall:

  • Ausreichende Sprachkompetenz
  • Formale Anerkennung bzw. Registrierung
  • Teilweise Ergänzungsprüfungen

Österreich

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 83.883 km2

Bevölkerungszahlen: 9.197.213 Einwohner (Stand 2025)

Bevölkerungsdichte: 110 Einwohner pro km2

Bundesländer: 9

Gemeinden: 2.093 (Stand 2023)

Landessprache: Deutsch

Notrufnummer: 112 (Europaweit) oder 144 

Gesetzliche Vorgaben:

Das österreichische Rettungswesen ähnelt dem deutschen System, weist jedoch einige wichtige Unterschiede auf. Die Gesetzgebung liegt in der Zuständigkeit der Bundesländer: Jedes der neun Bundesländer verfügt über ein eigenes Rettungsdienstgesetz, das Organisation und Durchführung regelt.

Nur die Ausbildung ist durch das bundesweit gültige Sanitätergesetz, aus dem Jahr 2002, einheitlich festgelegt. Die Gemeinden sind für die Rettungsdienstversorgung ihres Gebietes verantwortlich und beauftragen in der Regel anerkannte Hilfsorganisationen mit der Durchführung. 

Eine Ausnahme bildet Wien, da die Stadt mit der Berufsrettung Wien einen eigenen kommunalen Rettungsdienst betreibt. In ländlichen Regionen übernehmen die Organisationen häufig sowohl die Notfallrettung als auch den Krankentransport und binden freiwillige Helfer:innen in großem Umfang ein.

Die zentrale Rufnummer für den Rettungsdienst ist die 144. Daneben gilt auch hier der Euronotruf 112. Einige Bundesländer haben integrierte Leitstellen eingerichtet, die alle Rettungsmittel koordinieren. Zusätzlich existiert die Notrufnummer 140 für alpine Notfälle. In der Praxis erfolgt die Alarmierung je nach Region über eigene Rettungsleitstellen oder über integrierte Landesleitstellen, oft gemeinsam mit Feuerwehr und Polizei.

In schweren Notfällen kommt ebenfalls ein Notarzt bzw. eine Notärztin zum Einsatz. Organisatorisch existieren:

  • Notarztwagen (NAW)
  • Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF)

In beiden Fällen sind die Fahrzeuge in der Regel besetzt mit:

  • Notfallsanitäter:in
  • Notärzt:in
  • Ggf. weiterem Personal

Ausbildungen und Kompetenzen:

  • Rettungssanitäter:in (RS): Die Ausbildung umfasst 260 Stunden (100 Stunden Theorie und 160 Stunden Praxis) → Grundqualifikation für alle Einsatzkräfte
  • Notfallsanitäter:in (NFS): Aufbauend kann eine 480-Stunden-Ausbildung zum NFS absolviert werden → verfügen über vertiefte Kenntnisse und dürfen erweiterte Maßnahmen durchführen
    • Zusatzmodule → Notfallkompetenzen:
      • Arzneimittellehre (NKA): Berechtigt, bestimmte Notfallmedikamente eigenständig zu verabreichen (40-Stunden-Kurs)
      • Venenzugang und Infusion (NKV): Berechtigt zum Legen peripherer Venenzugänge und Infusionstherapie (50-Stunden-Kurs, Voraussetzung NKA)
      • Beatmung und Intubation (NKI): Berechtigt zur endotrachealen Intubation und erweiterter Atemwegssicherung (110-Stunden-Kurs, Voraussetzung NKA + NKV + 500 Stunden Praxis im Notarztsystem)

Mit diesen Qualifikationen dürfen Notfallsanitäter:innen in Abwesenheit eines Arztes bzw. einer Ärztin invasive Maßnahmen durchführen, die normalerweise dem Notarzt oder der Notärztin vorbehalten sind – sofern weniger invasive Mittel nicht ausreichen und kein Arzt rechtzeitig verfügbar ist.

Praktisch bedeutet dies, dass etwa die Gabe bestimmter Medikamente oder eine Intubation von Notfallsanitäter:innen durchgeführt werden kann, um kritische Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes bzw. der Notärztin zu überbrücken

Dieses System zielt darauf ab, die therapiefreie Zeit zu verkürzen und bereits am Einsatzort eine hohe Versorgungsqualität sicherzustellen.

Die Berechtigung muss jedoch regelmäßig alle zwei Jahre durch entsprechende Fortbildungen rezertifiziert werden.

Rettungsdienstbetreiber:

Hauptakteur ist das Österreichische Rote Kreuz, das in fast allen Bundesländern flächendeckend tätig ist und einen Großteil der Rettungswachen betreibt. Regional treten weitere Organisationen hinzu, wie der Samariterbund, die Johanniter, die Malteser und das Grüne Kreuz. Diese Hilfsorganisationen sind rechtlich meist als Vereine organisiert und werden über Leistungsverträge durch die Gemeinden bzw. Länder finanziert. Einen Sonderfall stellt die Freiwillige Feuerwehr Admont (in der Steiermark) dar, die als einzige Feuerwehr den Rettungsdienst eigenständig betreibt. Ebenso sind First-Responder-Systeme etabliert. Für Großunfälle und Katastrophen halten die regulären Rettungsorganisationen zusätzliche Ressourcen vor, da es keine separaten Katastrophenschutzeinheiten gibt.

Rettungsdienst Österreich
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Anerkennung des deutschen NotSans

Eine Anerkennung ist grundsätzlich vorgesehen. Diese muss nach den Regeln der EU-Berufsanerkennung beim Bundesministerium oder der zuständigen Behörde beantragt und anerkannt werden. Da die deutsche Ausbildung deutlich intensiver ist als die österreichische, ist dies in der Regel ohne Probleme möglich.

Schweiz

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Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 41.291 km2

Bevölkerungszahlen: 8.962.258 Einwohner (Stand 2023)

Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner pro km2

Bundesländer: 26 Kantone

Gemeinden: 2115 (Stand 2025)

Landessprachen: 4 (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch)

Notrufnummer: 112 (Europaweit) oder 144 

Gesetzliche Vorgaben:

In der Schweiz ist das Rettungswesen Aufgabe der Kantone. Jeder der 26 Kantone erlässt eigene Bestimmungen zur Notfallversorgung, ergänzt durch teilweise kommunale Regelungen. Ein landesweit einheitliches Rettungsdienstgesetz gibt es nicht. Allerdings wird der Rettungsdienst überall über die einheitliche Notrufnummer 144 alarmiert und koordiniert. 

Die Struktur ist föderal und liberal: Es existieren rund 130 Rettungsdienste, mit teils beträchtlichen Unterschieden in Organisation und Rechtsform. Einige Dienste sind öffentlich-rechtlich organisiert, beispielsweise kantonale oder städtische Rettungsbetriebe wie Schutz & Rettung Zürich als kommunaler Regiebetrieb. 

Etwa die Hälfte der Rettungsdienste ist an ein Spital angeschlossen (Krankenhaus-Rettungsdienste). Andere werden von privaten Organisationen betrieben. Einheitliche nationale Vorgaben bestehen vorwiegend hinsichtlich der Notrufabfrage und gewisser Ausbildungsstandards, doch im Detail herrscht kantonale Vielfalt. 

Eine schweizweite Besonderheit ist das dichte Netz der Luftrettung: Die Schweizerische Rettungsflugwacht REGA (und regionale Anbieter wie Air Zermatt) können direkt über die Nummer 1414 angefordert werden und sind auch nachts einsatzbereit. Sie ergänzen die bodengebundene Rettung, insbesondere in alpinem Gelände.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Der zentrale Berufsabschluss für Rettungsfachpersonal ist der „diplomierte Rettungssanitäter:in HF“ (Höhere Fachschule). Die Ausbildung dauert drei Jahre in Vollzeit und vermittelt umfassende präklinische Kompetenzen.

Meist wird ein vorgängiger Berufsabschluss (z.B. als Pflegefachperson) oder eine gymnasiale Matura vorausgesetzt und ein Aufnahmeverfahren durchgeführt. Während der Ausbildung wechseln sich theoretischer Unterricht, Praktika im Rettungsdienst sowie Spezialpraktika (z.B. Intensivpflege, Anästhesie, Notfallstation, Leitstelle) ab. Absolvent:innen erhalten das eidgenössisch anerkannte Diplom und führen den Titel Rettungssanitäter:in HF“.

Alternativ gibt es für Quereinsteiger:innen die zweijährige Ausbildung zum Transportsanitäter:in mit einem eidgenössischen Fachausweis. Diese berechtigt jedoch nur zur Durchführung qualifizierter Krankentransporte und wird oft als Zwischenschritt zur Ausbildung als Rettungssanitäter:in HF genutzt.

Seit einigen Jahren bieten Fachhochschulen Aufbauprogramme für diplomierte Rettungssanitäter:innen HF an, beispielsweise:

  • Bachelor of Science in Pflege
  • Nachdiplomstudien in Notfallpflege

Wichtig ist, dass in der Schweiz mindestens eine diplomierte Pflegekraft pro Rettungsteam anwesend sein muss. Viele diplomierte Rettungssanitäter:innen HF sind zugleich ausgebildete Pflegefachpersonen. Entsprechend bieten zwölf Hochschulen spezielle Weiterbildungen in „Ambulanzpflege“ (Ambulance Nursing) an, um diplomierte Pflegekräfte auf den Rettungsdienst zu spezialisieren

Eine eigenständige „Paramedic“-Qualifikation ohne Pflegehintergrund ist unüblich, da das Berufsbild eng mit der Notfallpflege verzahnt ist.

Schweizer Rettungsteams verfügen über umfassende präklinische Kompetenzen, geregelt durch kantonale Richtlinien und ärztliche Weisungen.

  • Rettungssanitäter HF beherrschen die erweiterte Notfallversorgung (ALS), inkl.:
    • Lagebeurteilung und Einsatzführung
    • Defibrillation, Beatmung, Atemwegssicherung (z.B. supraglottische Atemweg)
    • Medikamenten- und Infusionstherapie
  • Typische Maßnahmen:
    • Anlage von i.v.-Zugängen
    • Medikamentengabe (z.B. Analgetika, Benzodiazepine, Herzmedikamente)
    • Stabilisierung von Atemweg und Kreislauf
    • Blutstillung, Frakturimmobilisation
    • Überwachung der Vitalfunktionen während des Transports
  • Organisation & ärztliche Einbindung:
    • Erweiterte und invasive Maßnahmen erfolgen ausschließlich auf ärztliche Delegation
    • Arbeit nach standardisierten, ärztlich genehmigten Protokollen
    • Notärzt:innen werden seltener alarmiert als in Deutschland → viele Einsätze werden eigenständig bewältigt
    • Bei Bedarf Einsatz eines Notarztes bzw. einer Notärztin im Rendezvous-System (z.B. durch Spitäler oder REGA)
    • Insgesamt paramedic-basiertes System mit hochqualifizierten Rettungsfachkräften. Notärzt:innen kommen nur selektiv bei kritischen Fällen zum Einsatz

Rettungsdienstbetreiber:

Die Trägerschaft ist in der Schweiz heterogen. Rund die Hälfte der Rettungsdienste ist an öffentliche Spitäler angegliedert und wird von diesen betrieben, etwa die Rettungsdienste der Universitätsspitäler. 

Daneben unterhalten manche Kantone oder Städte eigene Rettungsorganisationen als Teil der Feuerwehr oder der Gesundheitsdirektion, unter anderem Schutz & Rettung in Zürich oder den Rettungsdienst Basel-Stadt

In vielen Regionen werden Leistungen auch an private Anbieter vergeben, beispielsweise an regionale Rettungsunternehmen oder Hilfsorganisationen. So gibt es Dienste, die vom Schweizerischen Roten Kreuz oder von Samaritervereinen mitbetrieben werden, insbesondere im Bereich des Krankentransports.

Die Koordination erfolgt in der Regel über kantonale Einsatzzentralen. Zusätzlich spielt die REGA eine zentrale Rolle: Sie betreibt schweizweit die Luftrettung mit Helikoptern und kooperiert eng mit den bodengebundenen Diensten. 

Bei großen Ereignissen oder Katastrophen arbeitet der Rettungsdienst mit Feuerwehr und Zivilschutz zusammen. In einigen Kantonen verfügen die Feuerwehren über eigene Sanitätseinheiten, die im Großschadensfall unterstützen.

Insgesamt zeichnet sich das Schweizer System durch eine starke Regionalisierung aus. Jeder Kanton organisiert die präklinische Versorgung eigenständig, was zu Unterschieden in Ausstattung und Personalqualifikation führen kann. Grundsätzlich gilt jedoch landesweit das Prinzip, dass schnellstmöglich professionelle Hilfe am Notfallort eintreffen soll.

Rettungsdienst Schweiz
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Anerkennung des deutschen NotSan

Eine Anerkennung ist grundsätzlich über ein formelles Anerkennungsverfahren möglich. Das Schweizerische Rote Kreuz ist dafür zuständig und übernimmt die Einstufung je nach Profil. Oft werden Ausgleichsmaßnahmen wie eine Eignungsprüfung verlangt.

Niederlande

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Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 41.526 km2

Bevölkerungszahlen: 18.045.532 Einwohner (Stand 2025)

Bevölkerungsdichte: 432 Einwohner pro km2

Bundesländer: 12 Provinzen

Gemeinden: 342

Landessprache: Niederländisch

Notrufnummer: 112

Gesetzliche Vorgaben:

In den Niederlanden ist der Rettungsdienst zwar national gesetzlich geregelt, seine praktische Organisation wurde jedoch den Provinzen bzw. Regionen übertragen. 1971 wurde das „Wet Ambulancevervoer“ (Ambulanztransportgesetz) verabschiedet, welches erstmals einen Rechtsrahmen für flächendeckende Rettungsdienste schuf. Dieses wurde bis 1979 stufenweise umgesetzt.

Das Gesetz etablierte ein System integrierter Leitstellen je Provinz und definierte Qualitätsstandards für Fahrzeuge und Personal. Heute wird das Land in 25 Ambulanzregionen (RAVs) aufgeteilt, die jeweils für die Notfallrettung zuständig sind. Es gilt eine Hilfsfrist-Vorgabe von 15 Minuten, die in der Planung berücksichtigt wird.

Ergänzend existiert seit 2010 das „Wet Ambulancezorg“ zur Modernisierung der Ambulanzversorgung. Seit 1971 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass auf jedem Rettungswagen qualifiziertes medizinisches Fachpersonal eingesetzt werden muss. Traditionell wurden dafür Krankenpflegekräfte mit einer Zusatzweiterbildung eingesetzt. Dieses Modell („Nurse-based EMS“) prägt die niederländische Notfallversorgung bis heute.

Ausbildungen und Kompetenzen:

In den Niederlanden gibt es kein direktes Pendant zum deutschen Notfallsanitäter bzw. zur Notfallsanitäterin. Stattdessen basiert das Berufsbild auf spezialisierten Pflegekräften

Die leitende medizinische Fachperson im Rettungswagen ist der bzw. die Ambulanceverpleegkundige (Ambulanzpfleger:in). Voraussetzung ist in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung als Krankenpfleger:in (meistens Bachelor of Nursing, 4 Jahre) sowie mehrjährige Berufserfahrung auf einer Intensivstation, in der Notaufnahme oder in der Anästhesie. Darauf aufbauend erfolgt eine spezifische Weiterbildung für den Rettungsdienst.

Je nach Vorkenntnissen bestehen mehrere Zugangswege:

  • Erfahrene Intensiv- oder Notfallpflegekräfte → verkürzter Qualifikationskurs von ca. 23 Tagen
  • Allgemein ausgebildete Pflegekräfte ohne Fachweiterbildung → etwa 12-monatige Zusatzausbildung in der Notfallrettung

Für Quereinsteiger:innen ohne Pflegeausbildung existierte zeitweise ein 18-monatiger Kurs, in der Praxis werden jedoch nahezu ausschließlich examinierte Pflegekräfte rekrutiert.

Neben dem bzw. der Ambulanceverpleegkundige als medizinischer Leitung gibt es den Ambulancechauffeur (Rettungswagenfahrer:in) mit eigener Ausbildung.

  • Der/die Ambulancechauffeur:in:
    • Grundqualifikation in Erster Hilfe/Notfallhilfe
    • Durchführung von BLS-Maßnahmen und technischer Rettung

Eine eigenständige akademische Paramedic-Ausbildung existiert derzeit nicht, da Pflege- und Notfallausbildung integriert sind. Aktuell gibt es jedoch Überlegungen, separate Paramedic-Studiengänge einzuführen, um dem Personalmangel entgegenzuwirken.

Alle Rettungskräfte müssen regelmäßig Fortbildungen absolvieren und sich alle fünf Jahre rezertifizieren. Vorgeschrieben sind dabei jährlich 4½ Fortbildungstage.

Ambulanceverpleegkundigen verfügen über Kompetenzen auf dem Niveau hochqualifizierter Paramedics. Sie führen lebensrettende Maßnahmen selbstständig durch, sofern diese nicht ärztlich vorbehalten sind.

  • Typische Maßnahmen:
    • Defibrillation und Reanimation
    • Atemwegsmanagement inkl. supraglottischem Atemweg
    • I.v.-Zugänge und Gabe vieler Notfallmedikamente (z.B. Analgetika, Adrenalin, Antiarrhythmika)
    • Immobilisation und Trauma-Management
  • Organisation & ärztliche Einbindung:
    • Teilweise invasive Maßnahmen (z.B. Intubation, Thoraxentlastung) je nach Ausbildung/Protokoll → meist nach ärztlicher Rücksprache
    • Arbeiten nach landesweiten Behandlungsrichtlinien (indikationsbasierte Medikamenten- und Maßnahmenfreigabe)
    • Online Medical Control: Konsultation eines Leitstellen-Notarztes bei komplexen oder weniger zeitkritischen invasiven Maßnahmen
    • Mobile Notarztteams (MMT) für Schwersttrauma und Spezialfälle → werden parallel zum Rettungswagen alarmiert
    • Im Alltag autonome Einsatzbewältigung durch die Ambulanzpfleger
    • System gilt als „Paramedic-System ohne Paramedics“: formal Pflegekräfte → faktisch weitgehende ärztliche Substitution
    • Anglo-amerikanisches Modell mit schnellen Entscheidungen, z.B. „load and go“ bei Polytrauma

Rettungsdienstbetreiber:

Die Rettungsdienste in den Niederlanden sind regional organisiert. Historisch wurden sie von vielen verschiedenen Trägern betrieben, doch inzwischen hat eine Konzentration auf wenige große Betreiber stattgefunden. 

Etwa 80 % aller Rettungswachen werden von privaten Unternehmen geführt. Diese privaten Rettungsdienstanbieter (teils gewinnorientiert, teils Stiftungen) stellen ca. 65 % der Fahrzeuge. Zu den großen Betreibern zählen Organisationen, die in Ambulancezorg Nederland zusammengeschlossen sind, beispielsweise RAV Haaglanden oder die VRU (Veiligheidsregio Utrecht).

Daneben existieren öffentliche und gemeinnützige Träger:

  • Ca. 5 % der Dienste werden vom Niederländischen Roten Kreuz betrieben
  • Weitere ca. 5 % durch Krankenhäuser
  • Ein geringer Anteil (rund 2 %) durch die Feuerwehr (z.B. historisch in Amsterdam)

Heute sind die meisten Regionen durch sogenannte RAVs (Regionale Ambulancevoorzieningen) abgedeckt. Das sind regionale Zusammenschlüsse, die oft von einer großen Organisation betrieben werden. Die Notrufnummer 112 alarmiert stets die regionale Leitstelle, welche das nächstgelegene Rettungsmittel schickt. 

Insgesamt dominieren also professionelle, private Rettungsorganisationen unter staatlicher Aufsicht das System. Ergänzend existieren freiwillige Ersthelfer-Netzwerke (z.B. für Frühdefibrillation in ländlichen Gebieten) und in einigen Fällen unterstützen Feuerwehren oder die Polizei als First-Responder.

Für Verlegungs- und Krankentransporte gibt es separate Krankentransportunternehmen. Die Finanzierung der Notfallrettung erfolgt öffentlich über das Gesundheitssystem. Private Betreiber werden von den Regionen bzw. Krankenkassen bezahlt, sodass für Patient:innen im Notfall keine direkten Kosten entstehen.

Rettungsdienst Niederlande
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Anerkennung des deutschen NotSan

In der Regel ist eine direkte 1:1-Anerkennung von in Deutschland ausgebildeten Notfallsanitäter:innen im niederländischen Rettungsdienst nicht möglich.

Das niederländische System knüpft die zentrale präklinische Rolle überwiegend an registrierte Pflegekräfte. Um als Ambulanzpfleger:in tätig zu werden, ist daher zunächst eine anerkannte Pflegeausbildung mit Registrierung beim staatlichen Berufsregister der Niederlande erforderlich, gefolgt von einer speziellen Zusatzqualifikation im Rettungsdienst, die häufig erst nach der Anstellung bei einer regionalen Ambulanzorganisation absolviert wird. Zusätzlich wird oft mehrjährige klinische Berufserfahrung vorausgesetzt. Ohne eine anerkannte Pflegeausbildung führt der Abschluss als Notfallsanitäter:in in der Regel nicht direkt in diese Rolle. Alternativ kommen nur andere, nicht gleichwertige Funktionen im Rettungsdienst infrage, die stark vom jeweiligen Arbeitgeber abhängen.

Frankreich

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Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 632.734 km2

Bevölkerungszahlen: 68.373.433 Einwohner (Stand 2024)

Bevölkerungsdichte: 105 Einwohner pro km2

Bundesländer: 18 Regionen (davon 13 in Europa), 101 Départements

Gemeinden: 34.955 (Stand 2022)

Landessprache: Französisch

Notrufnummer: 112 (Europaweit) oder 15

Gesetzliche Vorgaben:

Der französische Rettungsdienst folgt einem klar arztzentrierten Modell. Zentrale Struktur ist das SAMU (Service d’Aide Médicale Urgente), das über die Notrufnummer 15 erreichbar ist. Jeder medizinische Notruf wird direkt von einem Arzt bzw. einer Ärztin in der Leitstelle entgegengenommen und bewertet. Dieser entscheidet, welche Einsatzmittel entsandt werden. Damit unterscheidet sich Frankreich deutlich von paramedic-basierten Systemen.

Bei schweren Notfällen wird eine SMUR-Einheit (Service Mobile d’Urgence et de Réanimation) entsandt. Diese ist immer ärztlich besetzt und bringt die erweiterte Notfallmedizin direkt zu Patient:innen. Ziel ist es, möglichst viele Maßnahmen bereits vor Ort durchzuführen, bevor ein Transport erfolgt.

Parallel dazu sind die Feuerwehren (Pompiers) ein zentraler Bestandteil der Erstversorgung. Sie rücken häufig als Erste an, übernehmen die Basisversorgung und den Transport und stehen bereit, bis ggf. ein ärztliches Team eintrifft.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Anders als in vielen anderen Ländern gibt es in Frankreich keine nichtärztlichen „Paramedics“ mit hoher Eigenständigkeit. Im Rettungsdienst gibt es stattdessen zwei Hauptqualifikationen:

  • Ambulancier Diplômé d’État (DEA): etwa 5 Monate Ausbildung → zuständig für Betreuung und Transport
  • Auxiliaire Ambulancier: sehr kurze Ausbildung (ca. 10 Tage) → unterstützende Tätigkeiten

Die im SMUR eingesetzten Pflegekräfte (Infirmiers/Infirmières) verfügen in der Regel über klinische Erfahrung, haben jedoch keine spezielle präklinische Zusatzqualifikation. Die medizinische Verantwortung liegt stets beim Notarzt bzw. bei der Notärztin.

Ehrenamtliche Feuerwehrhelfer erhalten mindestens 100 Stunden Ausbildung in Erster Hilfe und einfacher Patientenversorgung. Zusätzlich gibt es speziell geschulte Médecins Pompiers, also Ärztinnen und Ärzte, die im Feuerwehr- und Rettungsdienst eingebunden sind.

Zusammengefasst ist das System klar zweigeteilt:
Einerseits nichtärztliche Einsatzkräfte mit vergleichsweise kurzer Ausbildung und stark eingeschränkten Kompetenzen, andererseits vollständig ausgebildete Ärztinnen und Ärzte mit umfassender Entscheidungs- und Behandlungshoheit.

  • Typische Maßnahmen:
    • Überwachung der Vitalzeichen
    • Sauerstoffgabe
    • Herz-Lungen-Wiederbelebung
    • AED-Anwendung
    • Patientenlagerung und Transport
  • Nicht erlaubt:
    • Medikamentengabe
    • Intubation
    • Invasive Maßnahmen
  • Erweiterte Maßnahmen:
    • Ausschließlich durch den Notarzt bzw. die Notärztin im Rahmen des SMUR durchgeführt:
      • Medikamentöse Therapie
      • Intubation
      • Invasive Eingriffe
      • Erweiterte Diagnostik
  • Organisation & ärztliche Einbindung:
    • Diagnostik und Entscheidungsgewalt beim Notarzt, inkl. Zielkrankenhaus (z.B. Stroke Unit, Traumazentrum)
    • Rettungssanitäter assistieren dem Arzt und bereiten den Transport vor
    • Französisches Modell: „Arzt/Ärztin zum Patienten bringen“ statt schneller Transport
    • Lebensbedrohliche Notfälle werden nahezu immer vor Ort ärztlich behandelt, einfache Einsätze oft durch Feuerwehr allein

Rettungsdienstbetreiber:

Der französische Rettungsdienst basiert auf einem dreisäuligen System:

  1. SAMU/SMUR für die ärztlich geführte Notfallversorgung
  2. Feuerwehr (Pompiers) für Erstversorgung, technische Rettung und häufig den Transport
  3. Private Ambulanzdienste, vorwiegend für Krankentransporte und unterstützende Aufgaben

Gesteuert wird das System durch die ärztlich besetzte SAMU-Leitstelle. Jeder Notruf wird medizinisch bewertet, wodurch die Alarmierungsentscheidung zentral getroffen wird. Bei schweren Notfällen wird fast immer ein Notarzt bzw. eine Notärztin entsandt, bei weniger kritischen Einsätzen häufig Feuerwehr oder private Dienste.

Rettungsdienst Frankreich
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Anerkennung des deutschen NotSan

Die Anerkennung in Deutschland ausgebildeter Notfallsanitäter:innen in Frankreich ist nur möglich, wenn eine passende reglementierte Zielrolle erreicht wird. Eine direkte 1:1-Übertragung ist dabei selten. Für eine dauerhafte Berufsausübung in paramedizinischen Berufen ist in der Regel eine „autorisation d’exercer“ (staatliche Berufszulassung) erforderlich.

Der deutsche Abschluss entspricht nicht automatisch dem französischen Diplôme d’État d’Ambulancier (DEA). Anerkennungsverfahren erfolgen stets als Einzelfallprüfung. Häufig werden Ausgleichsmaßnahmen wie Anpassungslehrgänge oder Prüfungen verlangt. In der Praxis führt der Weg nicht selten über den Erwerb eines französischen Abschlusses oder vergleichbare nationale Qualifikationen.

Schweden

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Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 447.435 km2

Bevölkerungszahlen: 10.587.710 Einwohner (Stand 2024)

Bevölkerungsdichte: 24 Einwohner pro km2

Bundesländer: 3 Landesteile mit 21 Provinzen

Gemeinden: 290 (Stand 2024)

Landessprache: Schwedisch

Notrufnummer: 112 (Europaweit)

Gesetzliche Vorgaben:

Der schwedische Rettungsdienst ist vollständig in das öffentliche Gesundheitssystem integriert und wird von den Regionen organisiert. Gesetzlich ist festgelegt, dass in jeder Ambulanz mindestens eine akademisch ausgebildete Pflegefachkraft eingesetzt werden muss. Ein klassisches Notarztsystem existiert nicht. Stattdessen tragen die Pflegekräfte die medizinische Verantwortung vor Ort.

Die Alarmierung erfolgt über die Notrufnummer 112. Einheitliche nationale Vorgaben regeln Ausstattung, Qualifikation und Einsatzabläufe. Dadurch ist das System landesweit vergleichsweise homogen organisiert.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Die medizinische Leitung am Einsatzort übernimmt die Ambulanssjuksköterska. Dabei handelt es sich um eine examinierte Pflegefachkraft, die eine Spezialisierung in den Bereichen Notfall- und Intensivpflege absolviert hat. Diese Zusatzqualifikation erfolgt in Form eines postgradualen Studiums.

Unterstützt wird sie durch den Ambulanssjukvårdare, der eine kürzere Ausbildung absolviert hat und vor allem assistierende Aufgaben übernimmt, etwa beim Transport von Patient:innen, der Lagerung oder der technischen Durchführung von Maßnahmen.

Zusätzlich existieren seit einigen Jahren an einzelnen Hochschulen Bachelorprogramme im Bereich „Prehospital Care“, meist in Kombination mit einem Pflegestudium. Eine eigenständige, vom Pflegeberuf vollständig getrennte Paramedic-Ausbildung ist bislang nicht flächendeckend etabliert.

Schwedische Ambulanzteams verfügen über eine hohe Eigenverantwortung. Die Ambulanssjuksköterska übernimmt die medizinische Führung am Einsatzort und arbeitet nach standardisierten, ärztlich genehmigten Behandlungsprogrammen (Vårdprogram).

  • Erweiterte medizinische Kompetenzen:
    • I.v.-Zugänge und Medikamentengabe (Analgetika, Sedativa, Antiarrhythmika)
    • Atemwegsmanagement inkl. endotrachealer Intubation oder supraglottischer Hilfsmittel
    • Manuelle Defibrillation, EKG-Überwachung und -Interpretation
    • Thoraxentlastung bei Spannungspneumothorax
  • Organisation & ärztliche Einbindung:
    • Telekonsultation eines Notarztes bzw. einer Notärztin im Krankenhaus bei seltenen oder komplexen Maßnahmen
    • Routine-Notfälle werden eigenständig bewältigt:
    • Zusatzqualifikationen (z.B. Anästhesiepflege) ermöglichen erweiterte Maßnahmen wie RSI, v. a. in Ballungsräumen („akutbil“)

Das System folgt dem Prinzip einer frühen Versorgung vor Ort bei gleichzeitig zügigem Transport, ohne regelhafte Einbindung eines Notarztes oder einer Notärztin. In ländlichen Regionen können in Ausnahmefällen sogar zeitkritische Therapien wie eine Thrombolyse nach ärztlicher Rücksprache durch das Rettungspersonal eingeleitet werden.

Rettungsdienstbetreiber:

Der schwedische Rettungsdienst wird hauptsächlich von den regionalen Gesundheitsbehörden betrieben. Jede Region ist für die Organisation, Finanzierung und Qualitätssicherung der präklinischen Notfallversorgung zuständig. Dadurch bleibt die Struktur dezentral, es gibt jedoch klare staatliche Vorgaben.

In einigen Regionen werden Rettungsdienstleistungen an private Anbieter wie Falck vergeben. Diese arbeiten im Auftrag der öffentlichen Hand und unterliegen denselben gesetzlichen Anforderungen wie staatliche Betreiber. Die Personalqualifikation, die Fahrzeugausstattung und die Einsatzabläufe sind vertraglich geregelt und werden regelmäßig kontrolliert.

Die Luftrettung ist landesweit staatlich organisiert und dient als Ergänzung zum bodengebundenen Rettungsdienst, insbesondere in dünn besiedelten Gebieten oder bei zeitkritischen Notfällen. Sie kommt bei schweren Verletzungen, langen Transportwegen oder schwer zugänglichem Gelände zum Einsatz.

Trotz der unterschiedlichen Betreiber gilt in ganz Schweden ein einheitlicher nationaler Standard für Ausbildung, Ausrüstung und medizinische Protokolle. Dadurch ist die Versorgungsqualität landesweit vergleichbar, unabhängig davon, ob der Rettungsdienst durch eine Region selbst oder durch einen privaten Dienstleister betrieben wird.

Rettungsdienst Schweden
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Anerkennung des deutschen NotSan

In der Regel ist eine direkte Anerkennung von Notfallsanitäter:innen als „schwedische Paramedics“ nicht möglich, da das schwedische Rettungsdienstsystem stark auf (Fach-)Pflegekräfte ausgerichtet ist. Die medizinische Leitung im Rettungswagen liegt bei der Ambulanssjuksköterska, für die zwingend eine staatliche Pflegelizenz erforderlich ist, die von der Socialstyrelsen ausgestellt wird. Die Ausbildung zur bzw. zum Notfallsanitäter ersetzt diese Pflegequalifikation nicht, sodass ohne Pflegeabschluss keine direkte Lizenzierung für diese Rolle möglich ist.

Eine alternative Tätigkeit stellt die Position des Ambulanssjukvårdare dar, die primär unterstützende Assistenz- und Fahreraufgaben umfasst. Diese Funktion ist jedoch nicht mit einer gleichwertigen medizinischen Verantwortung verbunden und wird in der Regel über schwedische Ausbildungswege oder arbeitgeberinterne Qualifizierungen erlangt.

Für bereits lizenzierte Gesundheitsberufe können, abhängig von Herkunft und Qualifikationsprofil, Ausgleichsmaßnahmen wie Anpassungslehrgänge, Praxisphasen oder Prüfungen erforderlich sein. Dies erfolgt ausschließlich im Rahmen des jeweiligen behördlichen Lizenzverfahrens.

Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland

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Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 248.528 km2

Bevölkerungszahlen: 68.138.484 Einwohner (Stand 2023)

Bevölkerungsdichte: 270 Einwohner pro km2

Bundesländer: 12 Regionen

Landessprache: Englisch

Notrufnummer: 999 (nur lebensbedrohliches), sonst 111, auch 112 möglich

Gesetzliche Vorgaben:

Der Rettungsdienst ist vollständig in den National Health Service (NHS) integriert. Das Vereinigte Königreich ist in mehrere regionale Ambulance Trusts unterteilt, die jeweils für einen bestimmten geografischen Bereich zuständig sind. Diese Trusts organisieren den Einsatzbetrieb, das Personal, die Ausbildung und die Qualitätssicherung eigenständig, unterliegen jedoch nationalen Vorgaben.

Der Beruf des Paramedics ist staatlich geschützt und unterliegt der Registrierung beim Health and Care Professions Council (HCPC). Ohne diese Registrierung ist eine Berufsausübung nicht erlaubt. Ein klassisches Notarztsystem existiert nicht. Diese kommen nur in Spezialfällen zum Einsatz, etwa bei der Luftrettung oder bei Großschadensereignissen.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Die Ausbildung erfolgt heute überwiegend in Form eines Bachelorstudiums in „Paramedic Science“ an staatlich anerkannten Hochschulen. Neben dem Studium sind praktische Einsätze bei Ambulance Trusts fester Bestandteil.

Nach dem Berufseinstieg bestehen klar definierte Karrierestufen, die mit wachsender Erfahrung und Zusatzqualifikationen erreicht werden können, darunter:

  • Advanced Paramedic
  • Critical Care Paramedic
  • Consultant Paramedic, teilweise mit Aufgaben vergleichbar ärztlichen Tätigkeiten

Britische Paramedics verfügen über ein sehr breites Kompetenzspektrum und übernehmen viele Maßnahmen, die in anderen Ländern ärztlichen Berufsgruppen vorbehalten sind.

  • Typische Maßnahmen:
    • Selbstständige Durchführung von Advanced Life Support (ALS):
      • Defibrillation
      • Endotracheale Intubation
      • I.v. Zugänge und medikamentöse Therapie
  • Arbeit nach nationalen Leitlinien (JRCALC):
    • Gabe von über 30 Medikamenten (z.B. Adrenalin, Morphin, Ketamin, Midazolam, Naloxon, TXA)
    • Keine direkte ärztliche Anordnung nötig, sofern Indikationen erfüllt sind
  • Weitere invasive und diagnostische Maßnahmen:
    • Entlastungspunktion bei Spannungspneumothorax
    • Notfall-Cricothyrotomie
    • 12-Kanal-EKG inkl. STEMI-Interpretation
    • Trauma-Management nach ITLS-/ATLS-Prinzipien
  • Erweiterte Rollen:
    • Critical Care Paramedics mit RSI/NACT (Narkose, Intubation), je nach Trust
    • Advanced/Consultant Paramedics als Prescriber mit eingeschränktem Verordnungsrecht

Die Arbeit der Paramedics basiert auf dem Prinzip der Standing Orders, bei dem Patient:innen strukturiert beurteilt und nach festgelegten Algorithmen behandelt werden. In der Regel ist keine ärztliche Unterstützung erforderlich. Falls doch, erfolgt diese über einen sogenannten Clinical Support Desk, der beratend zur Seite steht.

Ein wichtiger Bestandteil des Systems ist das Konzept „See and Treat“. Dabei entscheiden die Paramedics eigenständig, ob ein Transport ins Krankenhaus notwendig ist oder ob Patient:innen vor Ort versorgt und beispielsweise in hausärztliche oder ambulante Versorgungsdienste weitergeleitet werden können.

Notärzte bzw. Notärztinnen werden nur noch bei speziellen Einsatzlagen hinzugezogen, etwa bei schweren Traumata oder außergewöhnlichen medizinischen Situationen.

Diese hohe Autonomie geht mit einer strengen Qualitätssicherung einher. Dazu gehören regelmäßige Clinical Audits, strukturierte Einsatznachbesprechungen sowie die persönliche Haftung der Einsatzkräfte für ihre klinischen Entscheidungen. Insgesamt gilt dieses Modell als hochprofessionell und wird international häufig als Beispiel für eine erfolgreiche Substitution ärztlicher Leistungen durch nichtärztliches Fachpersonal angeführt.

Rettungsdienstbetreiber:

Die bodengebundene Notfallrettung im Vereinigten Königreich wird vollständig vom National Health Service (NHS) organisiert. Zuständig sind regionale Ambulance Trusts, die jeweils ein festes Versorgungsgebiet abdecken. Sie betreiben Rettungswachen, stellen Personal ein, organisieren Aus- und Fortbildungen und sind für die Qualitätssicherung verantwortlich. Bei Großschadenslagen, besonderen Ereignissen oder im Katastrophenschutz werden sie ergänzend durch Wohlfahrtsorganisationen und freiwillige Helfer unterstützt, die zusätzliche Ressourcen bereitstellen können.

Die Luftrettung (Air Ambulance) nimmt eine Sonderstellung ein. Sie ist meist als gemeinnützige Stiftung organisiert und finanziert sich überwiegend durch Spenden. Das medizinische Personal, insbesondere Paramedics und spezialisierte Pflegekräfte, werden jedoch in der Regel vom NHS gestellt oder arbeitet in enger Kooperation mit den Ambulance Trusts.

Rettungsdienst Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
 Info
Anerkennung des deutschen NotSan

Die Anerkennung von in Deutschland ausgebildeten Notfallsanitäter:innen ist im Vereinigten Königreich grundsätzlich über das Health and Care Professions Council (HCPC) möglich. Voraussetzung dafür ist eine erfolgreiche Registrierung als „Paramedic“ im sogenannten International Route-Verfahren, da ohne diese Registrierung weder der Berufstitel geführt noch die Tätigkeit ausgeübt werden darf. 

m Rahmen einer Dokumenten- und Gleichwertigkeitsprüfung prüft das HCPC dabei, ob die Ausbildung und die Kompetenzen den britischen Standards entsprechen. Benötigt werden unter anderem Ausbildungsnachweise, beglaubigte Übersetzungen, ein detailliertes Kompetenz-Mapping sowie ein anerkannter Englischnachweis. 

Eine einheitliche staatliche Abschlussprüfung ist nicht vorgesehen. Stattdessen entscheidet das HCPC über die Registrierung, eventuelle Nachforderungen oder eine Ablehnung. Je nach Ergebnis können ergänzende Nachqualifikationen erforderlich sein, die häufig über Arbeitgeber oder Hochschulen erfolgen.

Ungarn

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 93.036 km2

Bevölkerungszahlen: 9.539.502 Einwohner (Stand 2025)

Bevölkerungsdichte: 103 Einwohner pro km2

Bundesländer: 7 Regionen, 19 Komitate, 25 Städte mit Bezirksrechten

Gemeinden: 3175 

Landessprache: Ungarisch

Notrufnummer: 112 (Europaweit)

Gesetzliche Vorgaben:

Der ungarische Rettungsdienst ist zentralstaatlich organisiert und wird landesweit durch den Országos Mentőszolgálat (OMSZ) betrieben. Damit existiert ein einheitliches nationales System mit klaren Strukturen, festen Zuständigkeiten und standardisierten Abläufen. Alarmiert wird über die landesweite Notrufnummer 112.

Das ungarische System folgt einem paramedic-basierten Modell, in dem hochqualifizierte nichtärztliche Einsatzkräfte den Großteil der präklinischen Versorgung übernehmen. Ärztliche Unterstützung steht ergänzend zur Verfügung, etwa über Rendezvous-Systeme oder telefonische Rücksprache mit Notärzt:innen in der Leitstelle.

Durch die zentrale Organisation gelten landesweit einheitliche Protokolle und Qualitätsstandards, sodass eine vergleichbare Versorgungsqualität in städtischen und ländlichen Regionen sichergestellt ist.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Die höchste nichtärztliche Qualifikation ist die des Mentőtiszt, für die ein vierjähriges Bachelorstudium erforderlich ist. Die Ausbildung umfasst umfassende theoretische Inhalte sowie umfangreiche klinische und präklinische Praxisanteile.

Darunter angesiedelt ist der Mentőápoló, der eine fachschulische Ausbildung absolviert hat und vor allem assistierende Aufgaben übernimmt. Notärzt:innen ergänzen das System bei besonders komplexen oder kritischen Einsatzlagen, sind jedoch nicht auf jedem Rettungsmittel regelhaft vertreten.

Durch diese gestufte Struktur können Einsätze je nach Schweregrad mit unterschiedlich qualifizierten Teams besetzt werden.

Ungarische Paramedics (Mentőtiszt) verfügen über sehr weitreichende, teilweise arztähnliche Kompetenzen. Sie führen die vollständige Notfalltherapie eigenständig durch, sofern kein Notarzt bzw. keine Notärztin vor Ort ist.

  • Erweiterte medizinische Maßnahmen:
    • Advanced Airway Management (endotracheale Intubation, supraglottische Hilfsmittel)
    • Rapid Sequence Induction (unter definierten Bedingungen)
    • Defibrillation und medikamentöse Reanimation
    • Analgesie und Sedierung (z.B. Morphin, Midazolam)
    • Thoraxentlastung bei Spannungspneumothorax

Die Arbeit erfolgt nach standardisierten Protokollen der ärztlichen Leitung. Bei seltenen oder hochkomplexen Maßnahmen ist eine ärztliche Rücksprache über die Leitstelle möglich.

Die Zusammenarbeit mit Notärzt:innen erfolgt selektiv, etwa:

  • Bei besonders komplexen oder instabilen Patient
  • Im Rendezvous-System („Orvos kocsi“)
  • Bei Übergaben während des Transports

Der Mentőápoló übernimmt insbesondere:

  • Basismaßnahmen (BLS)
  • Immobilisation und Sauerstofftherapie
  • Assistenz des bzw. der Mentőtiszt
  • Gabe ausgewählter Basismedikamente nach Protokoll

Notärzt:innen werden insgesamt nur selektiv eingesetzt, etwa bei Schwerstverletzten, besonderen medizinischen Situationen oder langen Anfahrtswegen.

 Merke

Ungarn gilt international als Pionier der frühzeitigen ärztlichen Kompetenzdelegation. Die Versorgungsqualität liegt auf westeuropäischem Niveau, insbesondere bei zeitkritischen Notfällen wie der Reanimation.

Rettungsdienstbetreiber:

Der ungarische Rettungsdienst wird nahezu vollständig vom Országos Mentőszolgálat (OMSZ) betrieben. Der OMSZ fungiert als zentraler staatlicher Anbieter für die bodengebundene Notfallrettung. Dadurch existiert ein landesweit einheitlich organisiertes System mit klaren Zuständigkeiten, zentraler Einsatzsteuerung und standardisierten Abläufen. Der OMSZ betreibt flächendeckend Rettungswachen und stellt Personal sowie Fahrzeuge bereit.

Private Anbieter sind in Ungarn fast ausschließlich im Bereich der Krankentransporte tätig und spielen in der akuten Notfallversorgung keine relevante Rolle. Sie sind nicht in das staatliche Rettungssystem integriert und erhalten keine Notfalleinsätze über die Leitstellen.

Die Feuerwehr ist in das Gesamtsystem eingebunden, übernimmt jedoch ausschließlich technische Rettungsaufgaben, etwa bei Verkehrsunfällen, Bränden oder der Rettung eingeklemmter Personen. Die medizinische Versorgung liegt stets beim Rettungsdienstpersonal des OMSZ. Eine eigenständige medizinische Führungsrolle der Feuerwehr besteht nicht.

Ein besonderes Merkmal des ungarischen Systems ist die bundesweit einheitliche Ausstattung der Rettungsfahrzeuge. Fahrzeuge, Medizingeräte und Medikamente sind standardisiert, was die Wartung erleichtert, Schulungen vereinfacht und ein gleichbleibendes Versorgungsniveau im gesamten Land sicherstellt. Diese hohe Standardisierung trägt maßgeblich zur Effizienz und Qualitätssicherung des Rettungsdienstes bei.

 Info
Anerkennung des deutschen NotSan

Die Anerkennung in Deutschland ausgebildeter Notfallsanitäter:innen ist in Ungarn grundsätzlich möglich, erfolgt jedoch ausschließlich über ein formelles Anerkennungsverfahren für Gesundheitsqualifikationen. 

Zuständig ist die nationale Anerkennungs- und Monitoringstelle (OKFŐ/ ENKK). Diese prüft, ob die Ausbildung an einer akkreditierten Bildungseinrichtung absolviert wurde und inhaltlich einer ungarischen Qualifikation entspricht. 

Die Bewertung erfolgt im Rahmen der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie als Einzelfallprüfung. Werden wesentliche Unterschiede festgestellt, können Ausgleichsmaßnahmen wie eine Eignungsprüfung oder eine Anpassungszeit verlangt werden. Ob und in welchem Umfang solche Maßnahmen erforderlich sind, hängt vom angestrebten Tätigkeitsprofil und vom Ergebnis der behördlichen Bewertung ab.

USA

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 9.525.067 km2

Bevölkerungszahlen: 340.110.998 Einwohner (Stand 2024)

Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner pro km2

Bundesländer: 50 Staaten

Landessprache: Englisch

Notrufnummer: 911

Gesetzliche Vorgaben:

In den USA ist der Rettungsdienst (EMS) nicht bundesweit einheitlich geregelt, sondern fällt in die Zuständigkeit der einzelnen Bundesstaaten. Es gibt kein zentrales Bundesgesetz für den Rettungsdienst, sondern jeder Bundesstaat hat eigene Regelungen zu Ausbildung, Zulassung und Befugnissen. 

Zwar gibt es nationale Empfehlungen, die bereits in den 1970er-Jahren von der NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) entwickelt wurden, doch sind ausschließlich die staatlichen Vorgaben rechtlich verbindlich. Charakteristisch für das angloamerikanische Modell ist, dass Notärzt:innen in der Regel nicht mit zum Einsatzort ausrücken. Stattdessen übernehmen hochqualifizierte Paramedics die medizinische Versorgung. Sie arbeiten unter der fachlichen Aufsicht eines sogenannten Medical Directors, der über verbindliche Behandlungsprotokolle festlegt, welche Maßnahmen erlaubt sind.

Ein zentrales rechtliches Prinzip ist das sogenannte „Scope of Practice“, das genau definiert, welche Tätigkeiten eine bestimmte Qualifikationsstufe ausführen darf. Da dieses Prinzip von Staat zu Staat variiert, können Paramedics je nach Region unterschiedliche Befugnisse haben.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Das US-Ausbildungssystem ist modular aufgebaut. Die Qualifikationsstufen reichen vom EMT über AEMT bis zum Paramedic. Die höchste Stufe, der Paramedic, absolviert meist eine ein- bis zweijährige Ausbildung mit etwa 1.000–1.500 Stunden, häufig als College-Studium (Associate Degree). Nach Abschluss ist das Bestehen einer staatlichen oder nationalen Prüfung (NREMT) erforderlich.

  • EMT (Emergency Medical Technician): Basisausbildung (ca. 120–200 Stunden) mit Abschlussprüfung → qualifiziert für BLS-Versorgung
  • AEMT (Advanced EMT): Zwischenstufe (ca. 300 Stunden) mit einigen ALS-Kompetenzen (i. v. Zugang, erweiterte Medikation)
  • Paramedic (EMT-Paramedic): höchste Stufe, größtenteils 1000–1500 Stunden Ausbildung über 1–2 Jahre, oft als Associate’s Degree (Junior-College-Abschluss). Viele Paramedic-Programme sind inzwischen zweijährige Vollzeitstudiengänge (Associate of Applied Science in Paramedicine).

Zusätzlich gibt es zahlreiche Spezialisierungen, etwa zum Critical Care Paramedic oder Flight Paramedic für Intensivtransporte und Luftrettung. Regelmäßige Fortbildungen sind verpflichtend, um die Lizenz aufrechtzuerhalten. Im Vergleich zu europäischen Systemen ist die formale Ausbildungsdauer oft kürzer, dafür sammeln Paramedics sehr früh umfangreiche praktische Erfahrung in einsatzstarken Regionen.

US-amerikanische Paramedics verfügen über sehr weitreichende präklinische Kompetenzen, die teilweise ärztlichen Tätigkeiten entsprechen.

  • Invasive Maßnahmen, u.a.:
    • Endotracheale Intubation (auch pädiatrisch, Video-Laryngoskopie)
    • Notfall-Koniotomie
    • Entlastungspunktion bei Spannungspneumothorax
    • I.v.- und i.o.-Zugänge
    • Manuelle Defibrillation
    • Transkutanes Pacing bei Bradykardie
    • 12-Kanal-EKG inkl. STEMI-Diagnose
  • Medikamentengabe (je nach Region 30–50 Medikamente):
    • Analgetika (Morphin, Fentanyl)
    • Sedativa (Midazolam, Diazepam)
    • Narkotika (Ketamin)
    • Muskelrelaxanzien (z. B. Succinylcholin für RSI)
    • Katecholamine (Adrenalin, Dopamin)
    • Antiarrhythmika (Amiodaron)
    • Nitroglyzerin, Glukose, Insulin nach Order
    • In Einzelfällen Thrombolyse nach ärztlicher Rücksprache (Remote-Order)
  • Arbeitsprinzip:
    • Standing Orders → eigenständiges Handeln nach Protokoll
    • Online Medical Control bei Sondermaßnahmen
  • EMTs (Basic):
    • Nur BLS (Sauerstoff, AED, einfache Wundversorgung)
    • Keine Injektionen oder Infusionen
  • AEMTs:
    • Eingeschränkte i.v.-Medikation
    • Teilweise Intubation (bundesstaatsabhängig)
  • Einsatzstruktur:
    • Schwere Notfälle meist mit Paramedic
    • Ländlich: Fly-Car-System
    • Städte: ALS-Ambulanzen Standard
  • Hohe Entscheidungsautonomie:
    • Abbruch oder Beginn von Reanimationen
    • Todesfeststellung vor Ort
    • Zielklinik nach Trauma-Triage
  • Qualitätssicherung durch Medical Director
  • Paramedics gelten als „Mini-Ärzte“ der Präklinik, aber streng reguliert
  • Klinikarbeit nur unter ärztlicher Aufsicht
  • Luftrettung ohne Ärzte:
    • Besatzung: Flight Paramedic und Flight Nurse
    • Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen

Rettungsdienstbetreiber:

In den USA existieren mehrere Organisationsmodelle für den Rettungsdienst, die je nach Region parallel oder alternativ eingesetzt werden:

  • Fire Department EMS (feuerwehrbasierter Rettungsdienst):
    • Rettungsdienst ist organisatorisch in die Feuerwehr integriert
    • Feuerwehrangehörige sind zusätzlich als EMTs oder Paramedics ausgebildet
    • Betrieb der Rettungswagen durch die Feuerwehr selbst
    • Entstehung in den 1970er-Jahren infolge sinkender Brandeinsätze
    • Beispiele: Los Angeles, Chicago, Miami
  • Third-Service-Modelle (kommunale Rettungsdienste):
    • Eigenständige kommunale Rettungsdienste, getrennt von Feuerwehr und Polizei
    • Organisation meist als Teil der Stadtverwaltung oder als kommunales Unternehmen
    • Übernahme des regulären 911-Rettungsdienstes
    • Beispiele: Boston EMS, städtischer Rettungsdienst von Albuquerque
  • Private Ambulanzunternehmen:
    • Besonders verbreitet in ländlichen und vorstädtischen Regionen
    • Durchführung des 911-Rettungsdienstes im Auftrag von Countys oder Gemeinden
    • Gewinnorientierte Unternehmen
    • Abrechnung der Leistungen mit Patient oder Krankenversicherungen
    • Große Anbieter: American Medical Response (AMR), Acadian Ambulance, Rural/Metro
  • Freiwillige Rettungsdienste (Volunteer Rescue Squads):
    • Vor allem in ländlichen Gebieten anzutreffen
    • Häufig organisatorisch an freiwillige Feuerwehren angebunden
    • Personal überwiegend ehrenamtlich tätig
    • Finanzierung über Spenden und kommunale Zuschüsse

Es existieren auch Sonderformen, wie krankenhausbasierte Rettungsdienste, Campus-EMS für Universitäten oder kombinierte Sicherheitsdienste, bei denen das Personal sowohl polizeiliche als auch rettungsdienstliche Aufgaben übernimmt. Die Luftrettung wird in der Regel von privaten Anbietern oder Krankenhäusern betrieben, während die Leitstellen fast immer in öffentlicher Hand liegen.

Unabhängig vom Betreiber unterliegen alle Rettungsdienste staatlichen Qualitätsvorgaben, beispielsweise zu Fahrzeugstandards, Personallizenzen und Einsatzprotokollen. Dadurch bleibt die Einbindung in das landesweite 911-System gewährleistet, obwohl die Trägerstrukturen sehr unterschiedlich sind.

Rettungsdienst USA
 Info
Anerkennung des deutschen NotSan

In der Regel ist eine direkte Anerkennung von deutschen Notfallsanitäter:innen als Paramedic in den USA schwierig, da das System stark föderal organisiert ist. 

Zentrale Voraussetzung ist die Zertifizierung durch das National Registry of Emergency Medical Technicians (NREMT), für die üblicherweise der Abschluss eines von der Committee on Accreditation of Educational Programs for the Emergency Medical Services Professions (CoAEMSP) bzw. dem Commission on Accreditation of Allied Health Education Programs (CAAHEP) akkreditierten Paramedic-Programms erforderlich ist. 

Ausländische Ausbildungsprogramme werden nur anerkannt, wenn sie formell an ein solches Programm angebunden sind. Zusätzlich muss die NREMT-Prüfung bestanden werden. 

Nach erfolgreicher Zertifizierung ist außerdem eine staatliche Lizenz beim jeweiligen State EMS Office notwendig, deren Anforderungen je nach Bundesstaat variieren. 

In der Praxis bedeutet dies, dass viele internationale Bewerber eine teilweise oder vollständige Nachqualifizierung in den USA absolvieren müssen, um die formalen Vorgaben zu erfüllen.

Kanada

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 9.984.670 km2

Bevölkerungszahlen: 40.100.000 Einwohner (Stand 2023)

Bevölkerungsdichte: 4,2 Einwohner pro km2

Bundesländer: 10 Provinzen und 3 Territorien

Landessprache: Englisch, Frankreich

Notrufnummer: 911

Gesetzliche Vorgaben:

In Kanada liegt die Zuständigkeit für den Rettungsdienst bei den einzelnen Provinzen und Territorien. Es gibt kein landesweit einheitliches Rettungsdienstgesetz. Jede Provinz regelt Organisation, Finanzierung und Qualifikationen selbst, häufig über eigene „Ambulance Acts”

Paramedics sind anerkannte Gesundheitsberufe mit geschütztem Titel. Sie arbeiten auf ärztlich delegierter Basis unter sogenannten Medical Directors, die landesweit gültige Behandlungsprotokolle festlegen. 

Im Gegensatz zu Mitteleuropa sind am Einsatzort in der Regel keine Notärzt:innen anwesend. Die ärztliche Kontrolle erfolgt im Hintergrund durch regelmäßige Prüfungen und Qualitätskontrollen.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Das kanadische System ist dreistufig aufgebaut.:

  1. Primary Care Paramedic (PCP):
    1. Dauer: in der Regel 2 Jahre am College
    2. Nach Abschluss häufig nationale Prüfung der Canadian Organization of Paramedic Regulators (COPR)
    3. Kompetenzen:
      1. CPR inkl. AED
      2. Beatmung (meist supraglottisch)
      3. Sauerstoffgabe
      4. Blutzuckermessung
      5. Immobilisation, Schockbehandlung
      6. Medikamente je nach Provinz (z.B. ASS, Nitroglyzerin, Adrenalin i.m., Salbutamol, Glukose, Naloxon, ggf. Midazolam)
      7. I.v.-Zugang und Infusionen
  2. Advanced Care Paramedic (ACP):
    1. Aufbau auf PCP, zusätzliche Ausbildung erforderlich
    2. Meist mehrere Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt
    3. Kompetenzen:
      1. Endotracheale Intubation (teilweise mit RSI)
      2. Manuelle Defibrillation
      3. Umfangreiche i.v.-Medikation
      4. 12-Kanal-EKG, STEMI-Erkennung
      5. Entlastungspunktion, teils Koniotomie
  3. Critical Care Paramedic (CCP):
    1. Höchste Stufe, vorrangig in Luftrettung und Intensivtransport
    2. Kompetenzen:
      1. RSI mit Narkotika & Relaxanzien
      2. Thrombolyse
      3. Beatmungsgeräte, Perfusoren
      4. Katecholamin-Infusionen
      5. Externes Pacing
      6. BGA & Labordiagnostik

Auch Kanada folgt dem angloamerikanischen Modell mit einer sehr hohen Autonomie der Paramedics. Entscheidungen zur Trauma-Triage, zum Nicht-Transport, zum Abbruch von Reanimationen oder zur Todesfeststellung liegen beim Rettungspersonal und müssen streng nach Protokoll erfolgen. 

Aufgrund der großen Entfernungen ist die Luftrettung stark ausgebaut und überwiegend mit Critical-Care-Paramedics besetzt. Das System ist überwiegend öffentlich finanziert und stärker zentral organisiert als in den USA. Trotz regionaler Unterschiede herrscht landesweit ein sehr hohes Versorgungsniveau.

Rettungsdienstbetreiber:

Die Organisation der Rettungsdienste variiert je nach Provinz deutlich, ist jedoch überwiegend öffentlich strukturiert:

  • Zentrale provinzielle Rettungsdienste: 
    • Zum Beispiel in Alberta Health Services EMS in Alberta oder BC Emergency Health Services in British Columbia)
    • Betrieb durch staatliche Behörden oder Crown Corporations
  • Kommunale Rettungsdienste :
    • Vor allem in Ontario:
    • Betrieb durch Städte oder Regionen, Personal meist städtische Angestellte
    • Beispiele: Toronto Paramedic Services, Ottawa Paramedic Service
  • Private Anbieter:
    • Vorwiegend für Sekundärtransporte (Krankenhausverlegungen)
    • Kaum in regulärer Notfallrettung eingesetzt
  • Freiwillige Rettungsdienste:
    • Selten, primär in ländlichen Regionen als First Responder
    • Patient erfolgt fast immer durch professionelle Paramedic-Dienste
  • Luftrettung:
    • Besonders in abgelegenen Gebieten von hoher Bedeutung
    • Beispiele: Ornge in Ontario, STARS in den Prärieprovinzen
    • Meist staatlich oder gemeinnützig, mit Critical-Care-Paramedics und ggf. Intensivpflegekräften besetzt
    • In Ausnahmefällen begleitet ein Arzt die Mission

Insgesamt ist der kanadische Rettungsdienst überwiegend öffentlich organisiert, stark professionalisiert und deutlich zentraler strukturiert als in den USA. Die Finanzierung erfolgt größtenteils aus öffentlichen Mitteln, ergänzt durch moderate Eigenanteile der Patient:innen.

Rettungsdienst Kanada
 Info
Anerkennung des deutschen NotSan

Die Anerkennung deutscher Notfallsanitäter:innen in Kanada ist grundsätzlich möglich, erfolgt jedoch über ein formelles Assessment- und Lizenzierungsverfahren auf Provinzebene

Zunächst prüft die Canadian Organization of Paramedic Regulators (COPR), die viele Provinzen bei der Bewertung internationaler Bewerber unterstützt, insbesondere für die Stufen PCP (Primary Care Paramedic) und ACP (Advanced Care Paramedic), die Qualifikation. 

Im weiteren Verlauf ist häufig das Bestehen der COPR National Examination erforderlich, die in der Regel nur in Kanada abgelegt werden kann. Die endgültige Entscheidung über die Berufszulassung trifft jedoch stets die zuständige Provinzbehörde, die zusätzlich weitere Auflagen festlegen kann. 

Insgesamt ist mit einer umfangreichen Prüfung der Unterlagen, einem Kompetenzabgleich sowie gegebenenfalls ergänzenden Prüfungen, Anpassungsmaßnahmen und Sprach- oder Background-Nachweisen zu rechnen.

Chile

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 756.102 km2

Bevölkerungszahlen: 19.100.000 Einwohner (Stand 2020)

Bevölkerungsdichte: 25 Einwohner pro km2

Bundesländer: 16 Regionen

Landessprache: Spanisch

Notrufnummer: 131

Gesetzliche Vorgaben:

In Chile gibt es ein staatlich organisiertes Notfallsystem, das dem Gesundheitsministerium untersteht. Kern dieses Systems ist das SAMU, das landesweit über die Notrufnummer 131 koordiniert wird. Jede der 16 Regionen betreibt eine eigene SAMU-Leitstelle, die meist an ein großes Krankenhaus angegliedert ist. Das System ist zweistufig aufgebaut: es gibt BLS-Ambulanzen (Básicas) und ALS-Ambulanzen (Avanzadas).

Obwohl der Rettungsdienst gesetzlich staatlich organisiert ist, nehmen die freiwilligen Feuerwehren (Bomberos) eine Schlüsselrolle ein. Sie sind häufig zuerst vor Ort und übernehmen insbesondere in kleineren Städten und ländlichen Regionen die Erstversorgung. Seit 2017 werden Feuerwehrkräfte offiziell als First Responder in das System integriert.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Chile verfügt über keinen eigenständigen Paramedic-Beruf. Die präklinische Versorgung wird hauptsächlich durch folgende Berufsgruppen gewährleistet:

  • TENS (Técnico en Enfermería de Nivel Superior) → zweijährige Ausbildung im Pflegehilfsbereich
  • Diplomierte Pflegefachkräfte
  • Notärzt:innen

Für die ALS-Einheiten sind Pflegefachkräfte mit Intensiv- oder Notfallweiterbildung sowie eine ärztliche Besatzung erforderlich. Zusätzliche Qualifikationen werden in Kursen wie ALS oder ITLS vermittelt. Feuerwehrkräfte erhalten interne Schulungen zu den Themen Rettung und Erste Hilfe.

Ein formeller Paramedic-Studiengang existiert nicht, entsprechende Initiativen blieben bislang auf Fortbildungsniveau.

  • Ambulancia Básica:
    • Besatzung: 
      • 1 TENS
      • 1 Fahrer:in
    • Maßnahmen:
      • Vitalzeichenkontrolle
      • Sauerstoffgabe
      • Immobilisation
      • AED
      • Glukose
    • Regional zusätzlich:
      • Salbutamol
      • Adrenalin i.m.
  • Ambulancia Avanzada:
    • Besatzung: 
      • 1 Arzt oder 1 Ärztin
      • 1 Intensivfachpflegekraft
      • 1 Fahrer:in oder TENS
    • Maßnahmen:
      • Endotracheale Intubation
      • Beatmung
      • I.v.-Zugänge
      • Analgetika
      • Sedativa
      • Katecholamine
      • Thoraxdrainage
      • ACLS-Reanimation
  • Feuerwehr (Bomberos):
    • Technische Rettung
    • Erste Hilfe
    • Basic Life Support
    • Keine i.v.-Medikamente
    • In Santiago zusätzlich:
      • Defibrillation
      • Supraglottische Atemwege
      • Übergabe an SAMU

Chile kombiniert damit ein staatliches Notarztsystem mit einer stark eingebundenen, freiwilligen Feuerwehrstruktur. Während die ärztlich besetzten ALS-Einheiten ein hohes Versorgungsniveau bieten, bestehen auf BLS-Ebene weiterhin strukturelle Lücken. Das System befindet sich jedoch in kontinuierlicher Weiterentwicklung, unter anderem durch Telemedizin und erweiterte pflegerische Qualifikationen.

Rettungsdienstbetreiber:

Der staatliche Rettungsdienst in Chile wird aus öffentlichen Mitteln finanziert. In den größeren Städten befinden sich feste SAMU-Stützpunkte, die sich meist direkt an Krankenhäusern befinden. Dadurch ist eine enge Anbindung an die klinische Versorgung gewährleistet. 

Eine zentrale praktische Bedeutung hat die freiwillige Feuerwehr (Bomberos). Sie verfügt über eine flächendeckende Präsenz und ist insbesondere außerhalb großer Städte häufig frühzeitig verfügbar. Neben der technischen Hilfeleistung übernimmt sie medizinische Erstmaßnahmen, die Sicherung von Einsatzstellen sowie unterstützende Aufgaben im weiteren Einsatzverlauf.

Parallel zum öffentlichen System betreiben einige private Kliniken eigene Rettungsdienste. Diese sind in der Regel intensivmedizinisch ausgestattet und mit eigenem ärztlichen Personal besetzt. Sie werden jedoch ausschließlich für zahlende Patient:innen oder Versicherte eingesetzt und nicht über den staatlichen Notruf alarmiert. 

Eine Besonderheit stellt die Situation in Santiago dar, wo zwei Notrufnummern parallel existieren: 

  • 131 für SAMU 
  • 132 für die Feuerwehr

Viele Bürgerinnen und Bürger wenden sich zunächst an die Feuerwehr, da diese als besonders schnell verfügbar gilt und ihre Leistungen grundsätzlich kostenfrei sind. Dies führte in der Vergangenheit teilweise zu Parallelstrukturen und Koordinationsproblemen. Inzwischen wurden die Abläufe zwischen den Leitstellen jedoch verbessert, sodass Einsätze besser abgestimmt und Doppelalarmierungen reduziert werden konnten.

 Info
Anerkennung des deutschen NotSan

In Chile ist die berufliche Anerkennung eines ausländischen Abschlusses grundsätzlich möglich, sie erfolgt jedoch über ein formales Verfahren zur Revalidierung bzw. Anerkennung akademischer Titel. Dabei prüfen staatliche Stellen oder Universitäten, ob der Abschluss gleichwertig ist. 

Zu beachten ist, dass die präklinische Notfallversorgung in Chile stark an landesspezifische Berufsprofile (z.B. Pflege, technische Gesundheitsberufe oder Medizin) gebunden ist. Eine anerkannte Qualifikation bedeutet daher nicht automatisch, dass man direkt im Rettungsdienst (SAMU) eingesetzt werden kann, da die Rollen anders zugeschnitten sind als beim klassischen Paramedic-Modell.

Uruguay

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 176.215 km2

Bevölkerungszahlen: 3.440.000 Einwohner (Stand 2023)

Bevölkerungsdichte: 20 Einwohner pro km2

Bundesländer: 19 Departamentos

Landessprache: Spanisch

Notrufnummer: 911

Gesetzliche Vorgaben:

In Uruguay existiert kein einheitlich integriertes Rettungsdienstsystem im Sinne eines zentralen staatlichen Trägers. Medizinische Notfälle werden über die Notrufnummer 911 gemeldet und anschließend an den jeweils zuständigen Versorgungsanbieter weitergeleitet. Die Notfallversorgung ist eng an das allgemeine Gesundheitssystem angebunden und folgt einem pluralen Modell aus staatlichen und privaten Akteuren.

Ein zentraler öffentlicher Bestandteil ist das SAME 105 (Sistema de Atención Médica de Emergencias), das insbesondere in urbanen Regionen und im öffentlichen Gesundheitssektor tätig ist. Ergänzend betreibt der staatliche Gesundheitsdienst ASSE eigene notfallmedizinische Ressourcen, deren Kapazitäten regional jedoch unterschiedlich ausgeprägt sind. In der Hauptstadt Montevideo existiert mit dem SIEM (Servicio de Atención Médica de Emergencia de Montevideo) ein kommunaler Rettungsdienst mit begrenztem Einsatzgebiet.

Parallel dazu übernehmen private Krankenkassen (IAMC) und sogenannte Emergencias Móviles einen erheblichen Teil der präklinischen Notfallversorgung. Diese Struktur führt dazu, dass staatliche und private Rettungsdienste nebeneinander bestehen und je nach Versicherungsstatus der Patient:innen eingesetzt werden.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Es existiert keine standardisierte Paramedic-Ausbildung. Präklinisch arbeiten primär:

  • Ärzt:innen
  • Pflegefachkräfte
  • Fahrer:in mit Erste-Hilfe-Kurs

Die privaten Anbieter schulen ihr Personal intern, beispielsweise in ACLS. Feuerwehr und Polizei erhalten zwar Trauma- und Erste-Hilfe-Trainings, jedoch keine erweiterte medizinische Ausbildung.

  • Privater Rettungsdienst:
    • Team: 
      • 1 Arzt oder Ärztin
      • 1 Pflegefachkraft
    • Ärztliche Maßnahmen: 
      • Endotracheale Intubation
      • I.v.-Medikamente
      • Kleine chirurgische Eingriffe
    • Sonstige Maßnahmen:
      • Intravenöse Zugänge
      • Monitoring
  • Öffentlicher/ ländlicher Bereich:
    • Versorgung teilweise durch Pflegefachpersonal oder freiwillige Feuerwehrkräfte
    • Maßnahmen:
      • Schwerpunkt auf basaler medizinischer Erstversorgung
      • Rascher Transport in eine geeignete medizinische Einrichtung
  • Nichtärztliches Personal:
    • Keine eigenständige Durchführung invasiver Maßnahmen
    • Arbeiten unter ärztlicher Leitung
  • Feuerwehr und Polizei:
    • Erste Hilfe, z.B. Einsatz von AED und Sauerstoffgabe

Rettungsdienstbetreiber:

Der Rettungsdienstmarkt in Uruguay wird historisch stark von privaten Anbietern geprägt. Große Organisationen wie SEMM, SUAT oder UCM betreiben eigene Ambulanzflotten und versorgen einen erheblichen Teil der Bevölkerung. 

Die meisten Dienste arbeiten auf Basis von Mitgliedschafts- oder Abonnementverträgen, wodurch Bürger:innen Anspruch auf Notfallversorgung erhalten. Schätzungen gehen davon aus, dass so etwa 50–60 % der Bevölkerung abgedeckt werden. Die Fahrzeuge sind in der Regel gut ausgestattet, die Teams ärztlich besetzt, sodass besonders zahlungskräftige Patient:innen eine hochwertige Versorgung erhalten.

Demgegenüber steht der staatliche Rettungsdienst unter der Verantwortung von ASSE, der jedoch nur über begrenzte personelle und materielle Ressourcen verfügt. 

Vor allem außerhalb der Ballungsräume ist die staatliche Notfallversorgung dünn besetzt. In vielen ländlichen Regionen übernehmen daher häufig lokale Krankenhäuser, freiwillige Feuerwehren oder kommunale Dienste den Patient:innentransport und die Erstversorgung, oft mit eingeschränkten medizinischen Möglichkeiten.

Rettungsdienst Uruguay
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Anerkennung des deutschen NotSan

In Uruguay erfolgt die Anerkennung ausländischer Gesundheitsabschlüsse über ein offizielles Registrierungs- und Zulassungsverfahren beim Gesundheitsministerium (MSP). Dabei wird geprüft, ob der Abschluss revalidiert werden muss und welcher Berufsgruppe er zuzuordnen ist. 

Der Begriff „Paramedic” ist dort kein klar definiertes Berufsbild. Welche Tätigkeiten im Rettungsdienst möglich sind, hängt stark davon ab, welchem anerkannten Beruf (z.B. Pflege oder technischer Gesundheitsberuf) der Abschluss letztlich zugeordnet wird.

Australien

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 7.688.287 km2

Bevölkerungszahlen: 27.200.000 Einwohner (Stand 2023)

Bevölkerungsdichte: 3,5 Einwohner pro km2

Bundesländer: 6 Bundesstaaten, 7 australische Außengebiete

Landessprache: Englisch

Notrufnummer: 000, mobil auch 112

Gesetzliche Vorgaben:

Der Rettungsdienst ist in Australien föderal organisiert und wird auf Ebene der Bundesstaaten und Territorien geregelt. Jeder Staat betreibt einen eigenen Ambulance Service, der meist als staatliche Behörde oder Teil des jeweiligen Gesundheitsministeriums organisiert ist. Ausnahmen sind Western Australia und das Northern Territory, wo der Betrieb vertraglich an St John Ambulance übertragen wurde.

Seit 2018 ist der Beruf des Paramedics bundesweit reguliert. Alle Paramedics müssen bei der AHPRA (Australian Health Practitioner Regulation Agency) und dem Paramedicine Board of Australia registriert sein. Dadurch ist der Berufstitel gesetzlich geschützt und die Qualitätsstandards sind landesweit vereinheitlicht. Nationale Leitlinien, wie die Empfehlungen des Australian Resuscitation Council, geben zusätzliche fachliche Orientierung

Die Notrufnummer 000 gilt im gesamten Land.

Ausbildungen und Kompetenzen:

In Australien ist der Rettungsdienst weitgehend akademisiert. Der Standardabschluss ist der „Bachelor of Paramedic Science“ (3 Jahre) an einer Universität. Das Studium umfasst die Fächer Notfallmedizin, Pharmakologie und Pathophysiologie sowie umfangreiche Klinik- und Praxisphasen.

Nach dem Studium arbeiten Absolvent:innen zunächst als „Graduate Paramedics“ mit betreuter Einarbeitung. Darauf aufbauend sind Weiterqualifikationen möglich, insbesondere:

  • Intensive Care Paramedic (ICP/MICA) mit zusätzlicher postgradualer Ausbildung
  • Extended Care Paramedic 
  • Community Paramedics

Alle Paramedics sind verpflichtet, jährlich CPD‑Fortbildungsstunden zu absolvieren. Der Bachelorabschluss wird künftig als Standardzugang zum Beruf eingeführt.

  • Paramedics führen eigenständig lebensrettende Maßnahmen aus, darunter:
    • Halbautomatische und manuelle Defibrillation
    • Atemwegsmanagement (meist supraglottisch)
    • I.v.-Zugänge & Infusionstherapie
    • 12-Kanal-EKG inkl. STEMI-Erkennung
    • Medikamentengabe, u.a.:
      • Adrenalin, Amiodaron, Atropin, Adenosin
      • Salbutamol, Ipratropium
      • Nitrospray, ASS
      • Glukose, Glucagon, Naloxon
      • Ondansetron
      • Midazolam
      • Morphin, Fentanyl
      • Ketamin
    • Teilweise:
      • Antibiotika bei Sepsis
      • Nadelthorakostomie
  • Intensive Care Paramedics (ICP/MICA):
    • RSI mit Narkoseeinleitung
    • Ketamin, Succinylcholin u. a.
    • Eigenständige Thrombolyse
    • Blutprodukte (HEMS)
    • Notfallnarkosen
  • Extended Care Paramedics:
    • Behandlung geringfügiger Erkrankungen
    • Wundversorgung, orale Antibiotika

Paramedics arbeiten nach verbindlichen klinischen Leitlinien. Eine ärztliche Rücksprache ist möglich, aber selten notwendig und erfolgt in der Regel in beratender Funktion. Routineeinsätze werden vollständig eigenständig abgewickelt. Notärzt:innen werden nur in speziellen Einsatzlagen eingesetzt, beispielsweise in Hubschraubern.

Die Einsatzphilosophie lautet situationsabhängig „Stay and Play“ oder „Scoop and Run“. Die Entscheidungen treffen die Paramedics eigenständig anhand ihrer Ausbildung und der Leitlinien.

Rettungsdienstbetreiber:

In allen Bundesstaaten und Territorien wird die präklinische Notfallversorgung überwiegend von staatlichen Rettungsdiensten erbracht, wie z.B. NSW Ambulance, Ambulance Victoria oder Queensland Ambulance Service

In Western Australia und dem Northern Territory übernimmt St John Ambulance den Rettungsdienst im Auftrag des Staates. Private Anbieter sind im Notfallrettungsdienst kaum aktiv und konzentrieren sich auf Krankentransporte oder Eventdienste.

Insgesamt ist der australische Rettungsdienst somit nahezu vollständig öffentlich organisiert. Private Anbieter spielen im eigentlichen Notfallrettungsdienst kaum eine Rolle und sind überwiegend im Bereich Krankentransporte, Veranstaltungsdienste oder betriebliche Sanitätsdienste tätig. Die medizinische Notfallversorgung bleibt somit klar in staatlicher Verantwortung.

Die Luftrettung ist ein wichtiger Bestandteil des Systems, insbesondere aufgrund der großen Entfernungen in ländlichen Regionen. Sie wird von staatlichen oder gemeinnützigen Organisationen wie LifeFlight oder dem Royal Flying Doctor Service (RFDS) sowie von regionalen Rettungshubschrauber-Programmen betrieben. Diese Dienste übernehmen sowohl Notfalleinsätze als auch intensivmedizinische Verlegungen zwischen Kliniken.

Die Finanzierung erfolgt überwiegend über Steuermittel, ergänzt durch Gebührenmodelle oder freiwillige Ambulanzversicherungen. In Notfällen wird Hilfe unabhängig vom Versicherungsstatus geleistet, sodass die Versorgung landesweit gesichert ist.

Rettungsdienst Australien
 Info
Anerkennung des deutschen NotSan

Die Anerkennung deutscher Notfallsanitäter:innen in Australien ist grundsätzlich möglich und erfolgt über die Registrierung bei der AHPRA (Australian Health Practitioner Regulation Agency) bzw. beim Paramedicine Board of Australia

Liegt keine offiziell anerkannte Qualifikation vor, wird die Ausbildung im Rahmen einer Portfoliobewertung einzeln geprüft. Dabei werden die Ausbildungsinhalte, der Umfang der Ausbildung und die praktische Erfahrung mit den australischen Standards verglichen. 

Je nach Ergebnis kann eine Kompetenzprüfung (Paramedicine Competence Assessment) oder eine überwachte Praxisphase verlangt werden. Darüber hinaus müssen die allgemeinen Registrierungsanforderungen erfüllt werden. Dazu gehören ein anerkannter Englischnachweis, ein polizeiliches Führungszeugnis, der Nachweis aktueller Berufspraxis („Recency of Practice“) sowie eine Berufshaftpflichtversicherung.

Neuseeland

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 269.652 km2

Bevölkerungszahlen: 5.100.000 Einwohner (Stand 2020)

Bevölkerungsdichte: 19 Einwohner pro km2

Bundesländer: 16 Regionen

Landessprache: Englisch, Māori

Notrufnummer: 111

Gesetzliche Vorgaben:

Der Rettungsdienst ist Teil des öffentlichen Gesundheitssystems, wird operativ jedoch von zwei Non-Profit-Organisationen erbracht:

  1. St John New Zealand (ca. 97 % des Landes) 
  2. Wellington Free Ambulance (WFA)

Beide arbeiten im Auftrag des Staates.

Seit 2020 ist der Beruf gesetzlich reguliert. Alle Paramedics müssen beim Paramedic Council of New Zealand registriert sein. Der Berufstitel ist geschützt

Die Finanzierung erfolgt überwiegend staatlich und wird durch Spenden ergänzt. Für Patientinnen ist der Rettungsdienst kostenlos. Die Notrufnummer lautet 111.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Der Regelfall für den Berufseinstieg ist der dreijährige Bachelor of Health Science (Paramedic). Das Studium kombiniert Theorie (Notfallmedizin, Pharmakologie, Pathophysiologie, Ethik, Recht) mit umfangreichen Praxisphasen in Krankenhäusern und Rettungsdiensten.

Nach dem Abschluss erfolgt die Registrierung als Paramedic. Das Qualifikationssystem gliedert sich in drei Stufen:

Das Qualifikationssystem ist klar strukturiert und umfasst drei Kompetenzstufen:

  1. Emergency Medical Technician (EMT) → Unterste Qualifikationsstufe:
    • Durchführung von Basismaßnahmen (BLS)
    • Einsatz vorwiegend in unterstützender Funktion
    • Tätig z.B. bei:
      • Reanimation (unter Anleitung)
      • Patientenlagerung
      • Vitalzeichenkontrolle
    • Häufig als First Responder, besonders in ländlichen Regionen
  2. Registered Paramedic → Übernimmt die medizinische Einsatzleitung
    • Voraussetzung:
      • Bachelorabschluss (Paramedic)
      • Staatliche Registrierung
    • Durchführung von Advanced Life Support (ALS)
    • Verantwortlich für:
      • Diagnostik
      • Therapieentscheidungen
      • Transportentscheidungen
  3. Intensive Care Paramedic (ICP) → Höchste Qualifikationsstufe
    • Voraussetzungen:
      • Mehrjährige Berufserfahrung als Paramedic
      • Postgraduale Zusatzqualifikation
    • Ausbildung:
      • Graduate Diploma oder Masterstudium
    • Vertiefte Kenntnisse in:
      • Anästhesie
      • Intensivmedizin
      • Erweiterte Pharmakologie
    • Durchführung von:
      • Notfallnarkosen 
      • Thoraxdrainagen 
      • Weitere hochinvasive Maßnahmen 

Alle Qualifikationsstufen unterliegen einer regelmäßigen Rezertifizierungspflicht. Paramedics müssen jährlich eine bestimmte Anzahl an CPD-Stunden (Continuing Professional Development) nachweisen, um ihre Registrierung aufrechtzuerhalten. Dadurch wird sichergestellt, dass die fachlichen Standards aktuell bleiben.

In der Regel fährt ein Paramedic zusammen mit einem EMT. Bei schweren Notfällen wird ein Intensive-Care-Paramedic hinzugezogen, insbesondere bei Luftrettungseinsätzen, die teils von Notärzt:innen unterstützt werden.

Paramedics entscheiden selbstständig über medizinische Maßnahmen, Transport oder Nichttransport. Offizielle Protokolle („Treat and Refer“) ermöglichen es, Patient:innen mit geringfügigen Erkrankungen vor Ort zu entlassen.

In ländlichen und dünn besiedelten Regionen werden zusätzlich ehrenamtliche EMTs ausgebildet. Sie unterstützen den professionellen Rettungsdienst als First Responder, bis reguläre Einsatzkräfte eintreffen, und tragen so wesentlich zur flächendeckenden Versorgung in abgelegenen Gebieten bei.

Rettungsdienstbetreiber:

In Neuseeland wird der Rettungsdienst nahezu flächendeckend von zwei Organisationen betrieben: St John New Zealand und der Wellington Free Ambulance (WFA). St. John ist mit Abstand der größte Anbieter und deckt rund 97 % des Landes ab, einschließlich aller ländlichen und vieler urbaner Regionen.

Die Organisation beschäftigt sowohl hauptamtliche Paramedics als auch eine große Zahl ehrenamtlicher Einsatzkräfte, vornehmlich in dünn besiedelten Gebieten. Dieses gemischte Personalmodell ermöglicht eine landesweite Versorgung auch in strukturschwachen Regionen, in denen eine rein hauptamtliche Besetzung wirtschaftlich kaum realisierbar wäre.

Die Wellington Free Ambulance ist ausschließlich für die Region Wellington und Teile der Kapiti Coast zuständig. Im Gegensatz zu St. John arbeitet WFA überwiegend mit hauptamtlichem Personal und verfolgt ein stärker urban geprägtes Organisationsmodell.

Beide Organisationen sind als gemeinnützige Träger strukturiert und übernehmen die operative Umsetzung der präklinischen Notfallversorgung.

Leitstellen & Einsatzkoordination:

Die Leitstellenstruktur ist national organisiert und zentralisiert. Notrufe werden landesweit koordiniert entgegengenommen und an die jeweils zuständigen Rettungsdienste weitergeleitet.

Polizei und Feuerwehr übernehmen in bestimmten Lagen unterstützende Aufgaben als First Responder, beispielsweise bei:

  • Reanimationen
  • Verkehrsunfällen
  • technischer Rettung

Das neuseeländische System gilt als klassisches Beispiel einer Public-Private-Partnership

Die Finanzierung erfolgt überwiegend durch staatliche Mittel des Gesundheitsministeriums und wird durch Spenden sowie Förderprogramme ergänzt

Rettungsdienst Neuseeland
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Anerkennung des deutschen NotSan

Die Anerkennung deutscher Notfallsanitäter:innen in Neuseeland ist grundsätzlich möglich und erfolgt über den Paramedic Council of New Zealand (Te Kaunihera). 

Die Bewertung erfolgt einzelfallbezogen. Dabei wird geprüft, ob die deutsche Ausbildung den neuseeländischen Standards entspricht. Dazu müssen umfangreiche Nachweise zur Ausbildung, Berufserfahrung und aktuellen Praxis eingereicht sowie ein detailliertes Kompetenz-Mapping zu den nationalen Berufsstandards erstellt werden. Können einzelne Anforderungen nicht ausreichend belegt werden, kann eine Kompetenzprüfung (Competence Assessment) an einer neuseeländischen Bildungseinrichtung angeordnet werden. Zusätzlich ist ein anerkannter Englischnachweis erforderlich.

Südafrika

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 1.221.037 km2

Bevölkerungszahlen: 62.027.503 Einwohner (Stand 2022)

Bevölkerungsdichte: 49,26 Einwohner pro km2

Bundesländer: 9 Provinzen

Landessprache: Afrikaans, Englisch, …

Notrufnummer: 10177, mobil auch 112

Gesetzliche Vorgaben:

Der Rettungsdienst in Südafrika unterliegt der Aufsicht des „Health Professions Council of South Africa“ (HPCSA). Über das Professional Board for Emergency Care werden verbindliche Berufsstandards und Kompetenzgrenzen festgelegt. Ohne gültige Registrierung bei der HPCSA ist eine Tätigkeit im Rettungsdienst nicht erlaubt.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Das Ausbildungssystem befindet sich aktuell im Umstrukturierungsprozess: Frühere Kursmodelle werden durch ein akademisch aufgebautes Stufensystem ersetzt. Die Qualifikationsstufen sind:

  1. ECA (Emergency Care Assistant) → 1 Jahr Ausbildung:
    1. Basismaßnahmen: 
      1. CPR
      2. Wundversorgung
      3. Immobilisation
      4. Sauerstoffgabe
      5. Umgang mit AED
      6. Medikamente: Aktivkohle, orale Glukose, Adrenalin-Autoinjektor
  2. Diploma ECT (Emergency Care Technician) → 2 Jahre Diplomabschluss:
    1. Erweiterte Maßnahmen: 
      1. I.v. Zugänge + Infusionen
      2. Supraglottische Atemwege
      3. Entlastungspunktion
      4. Manuelle Defibrillation
      5. EKG-Interpretation
      6. Medikamente: Adrenalin i.v., Atropin, Dextrose, Naloxon, Calcium, Salbutamol, Nitroglyzerin; Analgetika/Sedativa nur eingeschränkt.
  3. Bachelor Paramedic 4 Jahre Bachelorstudium:
    1. ALS-Maßnahmen:
    2. Endotracheale Intubation
    3. Transkutanes Pacing
    4. Kardioversion
    5. Thoraxpunktion
    6. Medikamente: Morphin, Ketamin, Midazolam, Lidocain, Amiodaron
    7. Zusätzliche Maßnahmen: RSI, Thrombolyse
    8. Spezialausbildungen: Höhenrettung, Tauchen, Spezialrettung

Paramedics arbeiten nach festen SOPs. Da eine telemedizinische Beratung selten verfügbar ist, handeln sie meist autark. Notärzt:innen sind überwiegend in Kliniken tätig und kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Alle Kräfte müssen regelmäßig CPD (Continuing Professional Development)-Fortbildungspunkte sammeln und sich neu registrieren.

 Info

Die früheren Qualifikationen bleiben zwar weiterhin gültig, werden jedoch nicht mehr neu vergeben. Dadurch bestehen aktuell alte und neue Ausbildungsstrukturen parallel, was sowohl rechtliche als auch organisatorische Herausforderungen mit sich bringt.

Rettungsdienstbetreiber:

Südafrika verfügt über ein zweigeteiltes System:

  • Öffentlicher Dienst: Provinzbasierte Rettungsdienste versorgen v. a. die nicht krankenversicherte Bevölkerung. Sie haben häufig begrenzte Ressourcen, Personalengpässe und längere Einsatzzeiten
  • Privater Sektor: Anbieter wie Netcare 911 oder ER24 betreiben moderne Ambulanzflotten mit spezialisierter Ausrüstung und hochqualifiziertem Personal. Finanzierung über private Versicherungen oder Mitgliedsmodelle
  • NGOs: Organisationen wie der Red Cross Air Mercy Service übernehmen Luftrettungseinsätze und unterstützen die Erstversorgung, insbesondere in strukturschwachen Regionen

Aktuell zeichnet sich ein positiver Trend ab: Es wird verstärkt an einer besseren Abstimmung zwischen den Diensten gearbeitet und es entstehen zunehmend Community-Responder-Programme, um die Erstversorgung insbesondere in strukturschwachen Regionen zu verbessern.

Südafrika verfügt über hochqualifizierte Paramedics, hat aber gleichzeitig massive Ressourcenprobleme im öffentlichen Gesundheitssystem. Die Ausbildung gilt international als vorbildlich, die Organisation des Systems bleibt jedoch eine große Herausforderung.

Rettungsdienst Südafrika
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Anerkennung des deutschen NotSan

Die Anerkennung deutscher Notfallsanitäter:innen in Südafrika ist grundsätzlich möglich, erfordert jedoch zwingend eine Registrierung beim Health Professions Council of South Africa (HPCSA). 

Im Rahmen eines speziellen Verfahrens für ausländische Fachkräfte prüft diese Behörde, ob die deutsche Ausbildung den südafrikanischen Standards entspricht. Dazu müssen beglaubigte Ausbildungsunterlagen, Curricula und ein „Certificate of Good Standing“ eingereicht werden.

Auf Basis dieser Unterlagen wird eine Gleichwertigkeitsprüfung durchgeführt, in der entschieden wird, welcher südafrikanischen Qualifikationsstufe (z. B. EMT, Paramedic oder ECP) der Abschluss zugeordnet wird. Je nach Ergebnis können Ausgleichsmaßnahmen wie Prüfungen, Anpassungslehrgänge oder eine befristete Tätigkeit unter Aufsicht verlangt werden. Besonders für höhere Qualifikationen wie dem Paramedic gelten strenge Anforderungen.

Insgesamt ist eine Anerkennung möglich, jedoch ist das Verfahren sehr aufwendig.

Namibia

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 824.292 km2

Bevölkerungszahlen: 3.022.401 Einwohner (Stand 2023)

Bevölkerungsdichte: 3,7 Einwohner pro km2

Bundesländer: 14 Regionen

Landessprache: Englisch

Notrufnummer: 112, 924

Gesetzliche Vorgaben:

Namibia orientiert sich zwar stark am südafrikanischen System, verfügt jedoch über keinen klaren gesetzlichen Rahmen für den Rettungsdienst. Formal zuständig ist der Health Professions Council of Namibia (HPCNA), der sich jedoch noch im Aufbau befindet.

Viele Paramedics sind zusätzlich über die HPCSA in Südafrika registriert. Der Staat betreibt keinen flächendeckenden Rettungsdienst. Stattdessen erfolgt die Versorgung über:

  • Krankenhäuser
  • Feuerwehren
  • Private Anbieter

Eine landesweit einheitliche Notrufnummer existiert nicht. Die Alarmierung läuft meist über die Polizei, die Feuerwehr oder private Leitstellen.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Über viele Jahre hinweg erfolgte die Ausbildung namibischer Rettungskräfte überwiegend in Südafrika oder im militärischen Bereich, da entsprechende Ausbildungsstrukturen im eigenen Land fehlten.

Eine wichtige Neuerung ist die Einführung des Bachelor-Studiengangs „Emergency Medical Care“ an der Namibia University of Science and Technology (NUST), der seit etwa 2020 angeboten wird. Dieser Studiengang orientiert sich am südafrikanischen „Bachelor of Emergency Medical Care“ (BEMC) und ermöglicht erstmals eine hochwertige akademische Ausbildung im eigenen Land.

Parallel dazu bestehen weiterhin private Kurzlehrgänge in den Bereichen BLS und ILS. Diese sind zwar nicht offiziell akkreditiert, werden aufgrund begrenzter Alternativen jedoch nach wie vor genutzt. Dadurch ergibt sich aktuell ein heterogenes Qualifikationsbild im Rettungsdienst mit unterschiedlich ausgebildetem Personal, von kurzgeschulten BLS-Helfern über ILS-Kräfte bis zu akademisch ausgebildeten Paramedics.

Eine landesweit einheitliche Struktur zur kontinuierlichen Fort- und Weiterbildung (CPD) ist derzeit noch im Aufbau.

  • BLS-Kräfte:
    • Erste Hilfe
    • Basismaßnahmen
  • ILS-Kräfte:
    • I.v.-Zugänge
    • Glukosegabe
    • Beutel-Maske-Beatmung
  • Hochqualifizierte Paramedics (BTech/NUST):
    • Intubation
    • Kardioversion
    • RSI
    • Erweiterte Notfallmaßnahmen

Rechtlich sind invasive Maßnahmen im namibischen Rettungsdienst offiziell nur nach ärztlicher Delegation erlaubt. In der Praxis zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild:

  1. Private Rettungsdienste:
    1. Arbeiten häufig mit eigenen Medical Directors zusammen, die ihren Paramedics weitreichende Standing Orders erteilen
    2. Ein Beispiel ist der Anbieter E-Med Rescue 24. Dessen Einsatzkräfte dürfen unter ärztlicher Freigabe ein breites Spektrum an Maßnahmen durchführen, darunter die Gabe von ACLS-Medikamenten, die Versorgung von Kindernotfällen sowie die Intubation von Traumapatient:innen
  2. Öffentlicher Sektor: 
    1. Hier gelten deutlich strengere Vorgaben
    2. Häufig „Load and Go“ 
    3. Invasive Maßnahmen wie die Intubation erfolgen meist erst im Krankenhaus

Die Versorgungsrealität in Namibia ist zudem stark durch die großen geografischen Distanzen geprägt. Transportzeiten von bis zu drei Stunden sind keine Seltenheit. Dadurch sind Paramedics in vielen Situationen gezwungen, eigenständig zu handeln und bereits vor Ort lebensrettende Maßnahmen einzuleiten, da ein rascher Transport in eine Klinik nicht möglich ist.

Rettungsdienstbetreiber:

In Namibia wird der Rettungsdienst sowohl durch öffentliche als auch durch private Anbieter gewährleistet. Im öffentlichen Bereich ist vor allem die Feuerwehr Windhoek für die Notfallversorgung zuständig. Diese verfügt jedoch nur über sehr begrenzte personelle und materielle Ressourcen, sodass ihre Einsatzkapazitäten eingeschränkt sind.

Eine wichtige Rolle spielt daher der private Rettungsdienstsektor. Zu den bedeutendsten Anbietern zählen E-Med Rescue 24 und LifeLink, die reguläre Notfalleinsätze und Krankentransporte durchführen. Weiterhin gibt es Rettungsdienste im Rahmen von Firmenverträgen, beispielsweise für den Bergbau, die Tourismusbranche oder große Industrieunternehmen, die Mitarbeitende in abgelegenen Regionen absichern.

Die Luftrettung wird überwiegend durch private Hubschrauberbetreiber gewährleistet. In besonderen Situationen, beispielsweise bei Großschadenslagen oder in schwer zugänglichem Gelände, kann auch das Militär unterstützend eingesetzt werden.

Die Finanzierung unterscheidet sich je nach Träger: Der öffentliche Rettungsdienst ist für die Bevölkerung meist kostenfrei, während private Anbieter ihre Leistungen über Mitgliedschaften, Abonnementmodelle oder direkte Abrechnung finanzieren.

In der Versorgungsrealität zeigt sich ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Während im Raum Windhoek eine vergleichsweise gute Abdeckung besteht, müssen Patientinnen und Patienten in ländlichen Regionen häufig mehrere Stunden auf professionelle Hilfe warten.

 Info
Anerkennung des deutschen NotSan

Die Anerkennung deutscher Notfallsanitäter:innen in Namibia ist grundsätzlich möglich, setzt jedoch eine zwingende Registrierung beim Allied Health Professions Council of Namibia (HPCNA) voraus. 

Im Rahmen eines formellen Anerkennungsverfahrens prüft diese Behörde ausländische Qualifikationen. Zusätzlich ist eine Bewertung des Abschlusses durch die Namibia Qualifications Authority (NQA) erforderlich, um das Qualifikationsniveau festzustellen.

Für den Antrag müssen umfangreiche Unterlagen eingereicht werden, darunter beglaubigte Zeugnisse, detaillierte Curricula, Nachweise zur Berufserfahrung sowie eine Bestätigung der deutschen Registrierung. Auf dieser Basis erfolgt eine Einzelfallprüfung, bei der entschieden wird, welcher Qualifikationsstufe (BLS, ALS oder ILS) der Bewerber zugeordnet wird.

Je nach Ergebnis können Zusatzauflagen wie Prüfungen, Anpassungslehrgänge oder eine befristete Tätigkeit unter Aufsicht verlangt werden. Insgesamt ist eine Anerkennung möglich, jedoch ist das Prüfungsverfahren sehr aufwendig.

Japan

 Info
Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 377.975 km2

Bevölkerungszahlen: 124.516.652 Einwohner (Stand 2022)

Bevölkerungsdichte: 335,8 Einwohner pro km2

Bundesländer: 47 Präfekturen

Landessprache: Japanisch

Notrufnummer: 119

Gesetzliche Vorgaben:

In Japan ist der Rettungsdienst vollständig in die kommunalen Feuerwehren integriert. Grundlage hierfür sind das Feuerwehrgesetz sowie das Gesetz über Rettungsfachpersonal. Seit 1963 sind alle Gemeinden verpflichtet, einen eigenen Ambulanzdienst („Kyukyu“) bereitzustellen.

Mit dem Gesetz von 1991 wurde der Beruf des „Emergency Life-Saving Technician“ geschaffen. Diese staatlich lizenzierten Rettungstechniker unterstehen der Fire and Disaster Management Agency (FDMA). Die Notrufnummer 119 alarmiert direkt die jeweilige Feuerwehrleitstelle. Private Rettungsdienste existieren praktisch nicht, abgesehen von nicht dringlichen Krankentransporten.

Gesetzlich ist genau festgelegt, welche Maßnahmen der Ambulanzdienst (QQ) durchführen darf und unter welchen Voraussetzungen dies geschieht. Viele Tätigkeiten sind nur nach einer zusätzlichen Fortbildung und mit ärztlicher Freigabe erlaubt. Das System ist daher stark zentral geregelt.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Die Standardausbildung dauert zwei Jahre an Fachschulen oder Feuerwehrakademien und schließt mit einem staatlichen Examen ab. Für erweiterte Maßnahmen wie Intubation oder Medikamentengabe sind zusätzliche Kurse und Klinikpraktika erforderlich. 

Seit 2010 gibt es optionale Bachelorstudiengänge für Paramedics, die jedoch nicht verpflichtend sind.

  • Basismaßnahmen (BLS) für alle Rettungskräfte:
    • Herz-Druck-Massage
    • AED-Anwendung
    • Sauerstoffgabe
    • Immobilisation
  • Erweiterte Maßnahmen (nur unter ärztlicher Freigabe):
    • Manuelle Defibrillation
    • I.v. Zugang & Infusion
    • Intubation → bei Herzstillstand oder nach ärztlicher Freigabe
    • Medikamente (immer nach Arztfreigabe), beispielsweise:
      • Adrenalin i.v. (nur Reanimation)
      • Glukose i.v.
      • Atropin, Lidocain
      • Glyceroltrinitrat s.l.
      • Midazolam i.v.
  • Nicht erlaubt:
    • Verabreichung von Narkotika
    • Anlage einer Thoraxdrainage
    • Eigenständige Medikamentengabe ohne ärztliche Freigabe

In Japan wird konsequent das Prinzip „Scoop and Run“ verfolgt. Patient:innen werden zügig ins Krankenhaus transportiert und erhalten nur eine minimale Vor-Ort-Therapie. Die Zielzeiten betragen weniger als 8 Minuten bis zum Eintreffen und weniger als 30 Minuten bis zur Übergabe in der Klinik.

Alle Fahrzeuge stehen im Funkkontakt mit dem Zielkrankenhaus. Ohne ärztliche Zustimmung dürfen viele Maßnahmen nicht durchgeführt werden. Daher kommen invasive Eingriffe präklinisch selten vor.

Notärzt:innen kommen nur in Spezialfällen zum Einsatz, beispielsweise über Doctor-Heli oder Doctor-Car in wenigen Regionen.

Rettungsdienstbetreiber:

  • Kommunale Feuerwehren betreiben die Ambulanzdienste, inklusive Organisation, Personal, Ausbildung und Einsatzkoordination
  • Private Anbieter beschränken sich auf geplante Krankentransporte
  • Der „Doctor-Heli“-Service ergänzt die Bodenrettung in ausgewählten Regionen und transportiert Notärzt:innen direkt zum Patienten
  • Kosten und Zugang zur Versorgung:
    • Der Rettungsdienst ist für alle Patient:innen kostenfrei, unabhängig von Versicherungsstatus oder Zahlungsfähigkeit
    • Das System gewährleistet flächendeckend schnelle Hilfe, auch bei weniger dringenden Einsätzen, was zu hoher Einsatzfrequenz führt
Rettungsdienst Japan
 Info
Anerkennung des deutschen NotSan

Eine Anerkennung als Rettungsfachkraft ist in Japan zwar theoretisch möglich, in der Praxis jedoch sehr anspruchsvoll

Der Beruf ist staatlich geregelt und für die Tätigkeit als (Kyūkyū) ist eine nationale Prüfung erforderlich. Auch ausländische Fachkräfte können unter bestimmten Voraussetzungen zur Prüfung zugelassen werden, müssen jedoch ein formales Anerkennungsverfahren durchlaufen. 

Dabei sind sehr hohe Japanischkenntnisse, die behördliche Anerkennung der Ausbildung und das Bestehen der staatlichen Abschlussprüfung entscheidend. In der Praxis führt der Weg häufig über eine zusätzliche japanische Ausbildung, da die Systeme stark national geprägt sind.

Thailand

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Zahlen - Daten - Fakten

Fläche: 513.115 km2

Bevölkerungszahlen: 71.700.000 Einwohner (Stand 2022)

Bevölkerungsdichte: 136 Einwohner pro km2

Bundesländer: 6 Regionen und 77 Provinzen

Landessprache: Thai

Notrufnummer: 1669

Gesetzliche Vorgaben:

Das moderne thailändische Rettungssystem basiert auf dem „Emergency Medical Service Act“ von 2008, durch den das „National Institute for Emergency Medicine“ (NIEM) gegründet wurde. Das NIEM koordiniert landesweit die Leitstellen, zertifiziert Einheiten und legt Standards fest.

Die einheitliche Notrufnummer ist 1669. Das System ist dem Gesundheitsministerium unterstellt, bindet aber bewusst Hilfsorganisationen in die Versorgung ein.

Thailand arbeitet mit einem dreistufigen Rettungssystem:

  1. First Responder (FR) → vorwiegend ehrenamtliche Hilfsorganisationen
  2. Basic Life Support (BLS)-Ambulanz → staatliche Krankenhäuser und NGOs
  3. Advanced Life Support (ALS)-Ambulanz → überwiegend staatliche Krankenhäuser

Bei schweren Notfällen wird häufig eine Doppelalarmierung durchgeführt: Zunächst ein Team der Hilfsorganisation, anschließend eine ALS-Einheit, um eine schnelle Versorgung mit passender Qualifikation sicherzustellen.

Ausbildungen und Kompetenzen:

Thailand hat mehrere Qualifikationsstufen:

  • First Responder (FR): Kurzlehrgang (40–60 h)
  • EMT-B (Emergency Medical Technician-Basic): ca. 110 h
  • EMT-A (Emergency Medical Technician-Advanced): ca. 6 Monate
  • Paramedic: 4-jähriges Bachelorstudium

Der akademische Studiengang „Paramedic“ wurde im Jahr 2009 eingeführt. Die Zahl der Absolventen steigt zwar stetig, ist aktuell jedoch noch begrenzt.

Viele Helfer:innen beginnen als Freiwillige und qualifizieren sich schrittweise weiter.

  • First Responder (FR):
    • Erste Hilfe
    • Transport
    • Keine Durchführung von invasiven Maßnahmen
  • EMT-B (Emergency Medical Technician-Basic):
    • AED-Anwendung
    • Sauerstoffgabe
    • Blutdruckmessung
    • Immobilisation
    • Medikamente: orale Glukose, Salbutamol, Adrenalin-Autoinjektor
  • EMT-A (Emergency Medical Technician-Advanced):
    • I.v. Zugang und Infusion 
    • Manuelle Defibrillation
    • Anwendung supraglottischer Atemwegshilfen
    • Medikamente: Glukose intravenös, Naloxon, Adrenalin, Atropin, Bronchodilatatoren, Glyceroltrinitrat, Aktivkohle
  • Paramedic (Bachelor):
    • Endotracheale Intubation 
    • Maschinelle Beatmung
    • EKG-Interpretation
    • Kardioversion 
    • Entlastungspunktion
    • Erweiterte Medikation: Amiodaron, Dopamin, Morphin, Fentanyl, Midazolam, Ketamin
    • Rapid Sequence Induction (RSI): erlaubt, aber nur nach Arztfreigabe, wird selten angewandt

In Städten arbeiten Paramedics häufig in Rendezvous-Systemen mit Ärzt:innen und Pflegepersonal, in ländlichen Regionen primär mit EMTs.

Rettungsdienstbetreiber:

Der Rettungsdienst in Thailand wird hauptsächlich von staatlichen Krankenhäusern getragen. Diese betreiben eigene Ambulanzflotten und stellen primär die höher qualifizierten BLS- und ALS-Einheiten. Ergänzend dazu sind auch kommunale Rettungsfahrzeuge sowie private Kliniken in die Notfallversorgung eingebunden. Letztere unterhalten vorwiegend in größeren Städten eigene Einsatzfahrzeuge, die bei Bedarf parallel zum staatlichen System ausrücken können.

Eine besondere Bedeutung kommt den großen Hilfsstiftungen wie Ruamkatanyu oder Poh Teck Tung zu. Diese Organisationen verfügen über landesweite Strukturen und stellen Tausende, überwiegend ehrenamtliche Einsatzkräfte. Sie betreiben eine große Anzahl an First-Responder- und BLS-Fahrzeugen und übernehmen vorrangig die Erstversorgung bei Verkehrsunfällen, plötzlichen Erkrankungen und Großschadenslagen. In vielen Regionen, insbesondere außerhalb der Ballungsräume, sind diese Stiftungen das Rückgrat der präklinischen Ersthilfe.

Die Leitstellen des National Institute for Emergency Medicine (NIEM) koordinieren sämtliche Einsätze zentral. Je nach Art und Schwere des Notfalls wird entschieden, ob ein Team einer Hilfsstiftung, eine Krankenhausambulanz oder eine Kombination aus beiden alarmiert wird. Bei schweren Notfällen erfolgt häufig eine Doppelalarmierung, sodass zunächst ein Team der Hilfsorganisation die Erstversorgung übernimmt, während parallel eine staatliche ALS-Einheit nachgeführt wird. Dieses abgestufte Alarmierungssystem soll sicherstellen, dass Patient:innen möglichst schnell erreicht und gleichzeitig mit der passenden Qualifikation versorgt werden.

Rettungsdienst Thailand
 Info
Anerkennung des deutschen NotSan

Eine direkte Anerkennung als Paramedic für ausländische Fachkräfte ist in Thailand unklar und selten. Das Rettungssystem wird zentral durch das National Institute for Emergency Medicine (NIEM) reguliert, das standardisierte Ausbildungen und Prüfungen durchführt. Eine Anerkennung ist, wenn überhaupt, meist nur über eine lokale Registrierung, Prüfungen und eine Arbeitserlaubnis möglich. In der Praxis arbeiten ausländische Fachkräfte eher in privaten Kliniken oder Projekten als im regulären staatlichen Rettungsdienstsystem.

  • Luxem, J., Runggaldier, K., Karutz, H., Flake, F., Notfallsanitäter Heute, Elsevier, 2016, ISBN: 978-3437461958
  • Koch, S., Kuhnke, R., retten - Notfallsanitäter, Thieme, 2023, ISBN: 978-3132421219
  • Grusnick, H.-M., Flake, F., Gollwitzer, J., Klausmeier, M., Schwarz, C., Elsevier Emergency. Rettungsdienst in Europa 5/2022, Elsevier, 2022
Zuletzt aktualisiert am 27.05.2026
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