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Röntgen-Abdomenübersicht

6 Minuten Lesezeit

Eine Abdomenübersichtsaufnahme ist eine Röntgenuntersuchung des Bauches. Je nach Fragestellung wird die Aufnahme im Liegen oder Stehen durchgeführt. Wichtig ist, dass die Patient:innen vor der Untersuchung bereits 10-15 Minuten in der entsprechenden Position verbringen, damit eventuell freie Luft nach oben steigen kann.

Es gibt wenige Indikationen für eine Röntgenübersicht des Abdomens. Die wichtigsten sind: 

  • Akutes Abdomen mit Verdacht auf eine Hohlorganperforation und der Frage nach freier Luft
  • Bauchschmerzen mit dem Verdacht auf einen Ileus

Bei der Perforation von Hohlorganen tritt Luft aus dem Lumen in die Bauchhöhle aus. Im Röntgenbild stellt sich die freie Luft als Aufhellung (dunkel) dar. Da die Luft nach oben steigt, sammelt sie sich je nach Lagerung der Patient:innen an unterschiedlichen Orten. Deshalb ist die richtige Lagerung während der Untersuchung sehr wichtig. Man unterscheidet zwischen Linksseitenlage im Liegen und Stehendaufnahme.

  • Liegendaufnahme: Die Linksseitenlage ist wichtig, um Luft oberhalb der Darmschlingen, d.h. zwischen Darmschlingen und lateraler Bauchwand, zu sehen. Liegt der Patient:innen auf dem Rücken, steigt die Luft nach ventral auf und ist radiographisch nicht eindeutig erkennbar
  • Stehendaufnahme: Insbesondere als Nebenbefund im Röntgen-Thorax kann eine Luftsichel zwischen Zwerchfell und Leber oder Milz gesehen werden. 
Freie Luft im Röntgen-Thorax
Zwei Luftsicheln subdiaphragmal zwischen Zwerchfell und Leber und Milz (grünes Overlay). Im vorliegenden Fall bei einem Patienten nach laparoskopischem Eingriff und somit iatrogener CO2-Insufflation (Kapnoperitoneum). Diese wird sich in den nächsten Tagen von selbst resorbieren. 
Freie Luft in der Linksseitenlage
Aufnahme in Linksseitenlage: Freie Luft oberhalb der Darmschlingen (weiße Pfeile).
 Merke

Wird im Röntgen-Thorax-Bild freie Luft unter dem Zwerchfell (subdiaphragmal) als Zufallsbefund festgestellt, sollte bei den behandelnden Ärzt:innen oder in der Patient:innenakte nachgesehen werden, ob eine Operation stattgefunden hat. Die zeitliche Korrelation zwischen freier Luft und Operationsdatum ist als ungeübte Berufseinsteiger:innen schwierig. Insbesondere bei geringer Erfahrung sollten deshalb erfahrene Radiolog:innen gefragt werden, ob das typische Maß an freier Luft überschritten ist. Eine unentdeckte Hohlorganperforation kann für die Patient:innen tödlich enden.

Ein Ileus ist ein Darmverschluss, der die Darmpassage blockiert. Dieser Zustand kann durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden und stellt eine potentiell lebensbedrohliche Situation dar. Man unterscheidet hauptsächlich zwischen einem paralytischen und einem mechanischen Ileus.

  • Paralytischer Ileus:
    • Definition: Ein Stillstand der Darmperistaltik ohne mechanische Obstruktion.
    • Ursachen: Kann durch entzündliche Prozesse, postoperative Zustände, Medikamentennebenwirkungen oder Stoffwechselstörungen verursacht werden
    • Merkmale: Der Darm ist gelähmt und die Darmpassage ist gestört, was zu einer Ansammlung von Gasen und Flüssigkeiten führt
  • Mechanischer Ileus:
    • Definition: Eine mechanische Blockade des Darmlumens, die die Darmpassage behindert
    • Ursachen: Kann durch Tumore, Verwachsungen (Adhäsionen), Hernien, Gallensteine oder Fremdkörper verursacht werden
    • Merkmale: Der Darm versucht, die Obstruktion durch verstärkte Peristaltik zu überwinden, was zu kolikartigen Schmerzen führen kann
  • Diagnostik
    • Eine mögliche diagnostische Methode ist die Röntgen-Abdomenübersicht, die im Stehen oder in Linksseitenlage durchgeführt werden kann

Radiologische Zeichen

  • Distendierte Darmschlingen (erweiterte Darmschlingen)
  • Spiegelbildungen: Flüssigkeitsspiegel in den Darmschlingen
  • Ggf. freie Luft bei zusätzlicher Perforation: Wenn eine Perforation vorliegt, kann freie Luft im Abdomen sichtbar sein
  • Lokalisation: Eine genaue Lokalisation des Ursprungs des Ileus ist mit der Abdomenübersicht oft nicht möglich. Allerdings können bestimmte Merkmale Hinweise geben:
    • Zentrale dilatierte Darmschlingen mit multiplen Spiegelbildungen: Hinweis auf einen Dünndarmileus
    • Spiegelbildung im Bereich des Kolonrahmens: Hinweis auf einen Dickdarmileus

Weitere radiologische Diagnostik sind der Kontrastmitteleinlauf, die Sonografie oder eine kontrastmittelgestützte Computertomographie (CT). Die Wahl der Untersuchungstechnik hängt von der klinischen Präsentation, den Patient:innen, sowie der Verfügbarkeit ab. 

Ileuszeichen in der Röntgen-Abdomenübersicht
Stehendaufnahmen mit dilatierten Darmschlingen (Doppelpfeil) und Spiegelbildungen auf mehreren Höhen (grünes Overlay)

Magen-Darm-Passage:

Zur Beurteilung der Passage des Magen-Darm-Traktes kann die orale Gabe eines Kontrastmittels angezeigt sein. Dabei wird ein positives Kontrastmittel verwendet, das auf dem Röntgenbild heller erscheint als das umgebende Gewebe. Das Kontrastmittel wird oral verabreicht, und anschließend werden in festgelegten Zeitabständen Röntgenaufnahmen des Abdomens angefertigt, um die Passage des Kontrastmittels durch den Verdauungstrakt zu beobachten.

  • Nicht wasserlösliches bariumhaltiges Kontrastmittel: Dieses Kontrastmittel sollte nicht verwendet werden, wenn eine Perforation des Gastrointestinaltraktes zu befürchten ist, da es zu Adhäsionen und Entzündungen in der Peritonealhöhle führen kann
  • Wasserlösliches (jodhaltiges) Kontrastmittel: Dieses kann im Vergleich zu Bariumsulfat auch bei Verdacht auf Perforation verabreicht werden
  • S3-Leitlinie Intestinale Motilitätsstörungen: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM)
Zuletzt aktualisiert am 23.09.2024
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