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Schock (RettSan)

Kreislaufzusammenbruch, Kreislaufschock, Hypoperfusion, Kollaps
31 Minuten Lesezeit

Ein Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem Organe und Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Ursache ist ein Missverhältnis zwischen dem Sauerstoffangebot über das Blut und dem Sauerstoffbedarf der Zellen. Nach der Ursache werden vier Schockformen unterschieden:

  • Hypovolämischer Schock: Durch Blut- oder Flüssigkeitsverlust ist zu wenig Volumen im Gefäßsystem
  • Kardiogener Schock: Das Herz pumpt nicht mehr ausreichend, etwa nach einem Herzinfarkt
  • Obstruktiver Schock: Ein mechanisches Hindernis behindert den Blutfluss, etwa eine Lungenembolie oder ein Spannungspneumothorax
  • Distributiver Schock: Die Blutgefäße weiten sich stark, sodass das Blut falsch verteilt ist. Dazu gehören der septische Schock bei schwerer Infektion, der anaphylaktische Schock bei schwerer allergischer Reaktion und der neurogene Schock nach einer Verletzung des Rückenmarks

Der Schock verläuft in drei Phasen. In der kompensierten Phase gleicht der Körper den Mangel noch aus, vor allem durch einen schnelleren Puls und eng gestellte Gefäße in der Haut. Der Blutdruck ist dabei oft noch normal. In der dekompensierten Phase reicht das nicht mehr aus und der Blutdruck sinkt. In der irreversiblen Phase sind die Organe so schwer geschädigt, dass die Patient:innen auch mit Behandlung versterben.

Ziel der rettungsdienstlichen Versorgung ist es, den Kreislauf zu stabilisieren und die Sauerstoffversorgung zu sichern. Dazu gehören Sauerstoffgabe, Wärmeerhalt, eine Lagerung passend zur Schockform, die Blutstillung bei starken Blutungen. Hinzu kommen spezifische Maßnahmen je nach Schockform, etwa Volumengabe oder Adrenalin beim anaphylaktischen Schock.

Um den Einstieg in das Thema Schock etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.

Einsatzmeldung:

  • Stichwort: Anaphylaxie
  • Ort: Zuhause, im Garten
  • Alarmzeit: 11:37 Uhr
  • Anrufer:in: Ehepartnerin
  • Anzahl der Betroffenen: 1
  • Zusatzinfo: Männlich, 41 Jahre, 80 kg, hat eine bekannte Allergie gegen Insektengifte

Lageeinweisung vor Ort:

Beim Eintreffen des Rettungsdienstes sitzt der Patient auf dem Boden, mit dem Rücken an die Hauswand gelehnt.

Die Lage ist wie folgt:

  • Laut Ehefrau wurde der Patient von einer Wespe in den Unterarm gestochen. Kurz darauf habe er sich plötzlich unwohl gefühlt, seitdem verschlechtere sich sein Zustand zunehmend
  • Sie hat den Stachel entfernt und den Notruf abgesetzt. Seinen Adrenalin-Autoinjektor hat er noch nicht benutzt
  • Der Patient ist benommen und öffnet die Augen erst auf Ansprache
  • Er ist auffallend blass und klagt über Schwindel
  • Hinweise auf Atemprobleme gibt es nicht
Fallbeispiel: Schock (RD)

Ersteinschätzung nach xABCDE-Schema

x

Keine kritischen Blutungen

Kein
x-Problem

A

  • Atemwege frei
  • Schleimhäute insgesamt gerötet
  • Patient ist ansprechbar

Kein
A-Problem

B

  • Inspektorisch:
    • Thoraxexkursion normal
    • Keine Verletzungen oder Abnormalitäten sichtbar
    • Keine gestauten Halsvenen sichtbar
    • Tachypnoe, Atemfrequenz: 24/min
  • Auskultatorisch:
    • Beidseits vesikuläres Atemgeräusch
    • Diskreter exspiratorischer Stridor hörbar
  • Palpatorisch:
    • Thorax insgesamt stabil
  • SpO₂: 91 %, schlecht ableitbar

Mittelbares
B-Problem

C

  • Hautkolorit anfallsartig rot
  • Insgesamt kaltschweißig
  • Rekap-Zeit: 4 Sekunden
  • Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
  • Palpation des Pulses am Handgelenk kaum möglich
  • Zentraler Puls:
    • Rhythmisch
    • Schlecht tastbar
    • Tachykard, 126/min

Akutes
C-Problem

D

  • Benommen, desorientiert, ansprechbar
  • GCS 13
    • Öffnen der Augen: 3
    • Beste verbale Reaktion: 4
    • Beste motorische Reaktion: 6
  • Klagt über Schwindel
  • Pupillenkontrolle:
    • Isokor
    • Mittelweit
    • Lichtreagibel
  • Blutzucker: 128 mg/dl

Mittelbares
D-Problem

E

  • Keine Verletzungen ersichtlich
  • Wespenstich im Bereich des Unterarms, Stachel bereits durch Ehepartnerin entfernt
  • Symptome:
    • Unwohlsein unmittelbar nach Wespenstich
    • Hautrötung, schweißnass
    • Plötzlicher Husten, wie „Kratzen im Hals"
  • Allergien/Infektionen: Allergie gegen Insektengifte
  • Medikamente: Adrenalin-Autoinjektor als Notfallmedikament, bisher nicht verabreicht
  • Patientengeschichte: Keine Vorerkrankungen
  • Letzte Mahlzeit: vor 3 Stunden, Frühstück
  • Ereignis:
    • Wespenstich während der Gartenarbeit
  • Risikofaktoren: Allergie gegen Insektengifte

Kein
E-Problem

 Definition
Schock

Ein Schock ist ein akutes, lebensbedrohliches Kreislaufversagen. Das Herz pumpt zu wenig Blut pro Minute in den Kreislauf oder das Blut kommt nicht ausreichend in den kleinsten Blutgefäßen der Organe an. Dadurch erhalten die Organe zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe. Es entsteht ein Sauerstoffmangel im Gewebe. 

Man unterscheidet die folgenden Schockformen:

  1. Hypovolämischer Schock (absoluter Volumenmangel):
    • Hypovolämischer Schock
    • Hämorrhagischer Schock (= durch Blutverlust)
  2. Kardiogener Schock (akut verminderte Auswurfleistung)
  3. Obstruktiver Schock (Gefäßverschluss)
  4. Distributiver Schock (relativer Volumenmangel durch Vasodilatation und Umverteilung):
    • Septischer Schock
    • Anaphylaktischer Schock
    • Neurogener Schock
Schock
Schockformen

Ein Schock geht häufig mit Hypotonie (unter 100 mmHg systolisch) und Tachykardie (über 100 Schläge pro Minute) einher.

 Info
Schockindex

Herzfrequenz / systolischer Blutdruck. Ein Wert über 1 spricht für einen manifesten Schock, der Schockindex ist aber nur orientierend zu verwenden. Es gibt auch Schockformen mit einem Wert unter 1, z.B. eine Bradykardie mit Hypotonie bei einem AV-Block.

 Achtung

Auch bei Blutdruckwerten über 100 mmHg systolisch oder einer Herzfrequenz unter 100 Schlägen pro Minute kann ein Schock vorliegen.

Jede Schockform hat typische Ursachen und Auslöser:

SchockformTypische Ursachen / Auslöser
Hypovolämischer SchockFlüssigkeitsverlust, z.B. durch Erbrechen, Durchfall, Verbrennungen, Pankreatitis, Diuretikatherapie oder Dehydratation
Hämorrhagischer SchockBlutverlust, z.B. durch Trauma, GI-Blutung, peripartale Blutung 
Kardiogener SchockAkutes Koronarsyndrom, dekompensierte Herzinsuffizienz, Myokarditis oder Kardiomyopathie, relevante Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen
Obstruktiver SchockLungenarterienembolie, Perikardtamponade, Spannungspneumothorax, Aortendissektion, Vena-cava-Kompressionssyndrom
Septischer SchockSchwere, generalisierte Infektion
Anaphylaktischer SchockSchwere allergische Reaktion
Neurogener SchockRückenmarksverletzung, Störung der zentralen Kreislaufregulation

Kompensationsphase

 Info

Der kompensierte Schock ist die frühe Phase eines Schocks, in der der Körper durch kompensatorische Mechanismen versucht, die Gewebeperfusion und den Blutdruck aufrechtzuerhalten. Die Aktivierung des Sympathikus führt zu Tachykardie und peripherer Vasokonstriktion, der sogenannten Zentralisation. Der Blutdruck liegt in dieser Phase noch im Normbereich.

Kausalkette im kompensierten Schock

  • Auslöser: Das Herz pumpt zu wenig Blut in den Kreislauf. Der Körper bemerkt den drohenden Blutdruckabfall und aktiviert den Sympathikus, den Teil des Nervensystems, der den Körper in Stresssituationen steuert
  • Adrenalin: Der Körper schüttet Adrenalin aus. Das Herz schlägt dadurch schneller und kräftiger (= Beta-1-Wirkung)
  • Noradrenalin: Noradrenalin verengt die Gefäße in Haut, Magen-Darm-Trakt und Nieren (Alpha-1-Wirkung). So bleibt mehr Blut für Herz, Gehirn und Lunge. Die Haut wird blass und kalt, die Nieren scheiden weniger Urin aus
  • Hormone der Nieren: Die schlechter durchbluteten Nieren setzen eine Hormonkette in Gang (= RAAS, Renin-Angiotensin-Aldosteron-System). Der Körper hält dadurch mehr Salz und Wasser zurück. Zusätzlich wird das antidiuretische Hormon (ADH) ausgeschüttet, das die Urinausscheidung weiter senkt. So bleibt mehr Flüssigkeit in den Gefäßen
  • Ergebnis: Das Herz pumpt wieder mehr Blut, der Blutdruck bleibt vorerst im Normbereich
Kompensierter Schock
Kompensierter Schock

Dekompensationsphase

Der dekompensierte Schock ist eine fortgeschrittene Phase des Schocks, in der die kompensatorischen Mechanismen des Körpers versagen und die Organdurchblutung nicht mehr ausreichend gewährleistet ist. Dies führt zu einer schweren Hypoxie der Gewebe und Organe und zu einer metabolischen Azidose.

 Achtung

Versagen die Kompensationsmechanismen, fällt der Blutdruck ab und die Organdurchblutung bricht ein. Früh erkennbar an zunehmender Vigilanzminderung, fadenförmigem Puls und Blutdruckabfall trotz Tachykardie.

Irreversible Schockphase

Die irreversible Schockphase ist das Endstadium eines Schocks und wird durch schwerwiegende Gewebe- und Organschäden charakterisiert, die trotz maximaler Therapie nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Es kommt zum Multiorganversagen. In dieser Phase führt der Kreislaufzusammenbruch unweigerlich zum Tod.

Die Schockformen im Überblick

SchockformMechanismus
Hypovolämischer SchockBei einem hypovolämischen Schock liegt ein absoluter Volumenmangel vor, häufig durch eine Exsikkose. Ein hämorrhagischer Schock entsteht durch Blutverlust. Die Füllung des Herzens und damit das Herzzeitvolumen sinken
Kardiogener SchockEin kardiogener Schock ist durch eine Funktionseinschränkung oder einen Funktionsausfall des Herzens bedingt. Das Herzzeitvolumen sinkt trotz ausreichender Füllung, das Blut staut sich vor dem Herzen
Obstruktiver SchockBei einem obstruktiven Schock besteht eine Verminderung des Herzzeitvolumens aufgrund einer vaskulären Obstruktion
Distributiver SchockBeim distributiven Schock liegt eine Umverteilung des Blutvolumens vor. Vasodilatation und Kapillarleckage führen zu einem relativen Volumenmangel. Auslöser sind Allergie, Infektion oder eine Rückenmarksverletzung
 Merke
Kritische Probleme im Schock
  • Minderperfusion: Organe und Gewebe werden nicht mehr ausreichend durchblutet
  • Gewebehypoxie: Den Zellen fehlt Sauerstoff, der Stoffwechsel läuft anaerob
  • Metabolische Azidose: Die Übersäuerung schwächt Herz und Gefäße zusätzlich
  • Dekompensation: Der Blutdruck fällt, im Endstadium droht das Multiorganversagen
 Merke

Leitsymptome: Zeichen der Minderperfusion, vor allem Tachykardie, verlängerte Rekap-Zeit und Bewusstseinsveränderung. 

Im Verlauf kommt eine Hypotonie hinzu. Die Haut ist meist blass und kaltschweißig, kann aber je nach Schockform auch gerötet oder warm sein.

Folgende Begleitzeichen sind möglich:

  • Tachypnoe: Anstieg der Atemfrequenz
  • Unruhe und Angst
  • Schwindel und Übelkeit
  • Durst und trockene Schleimhäute, besonders beim Volumenmangel
  • Marmorierte Haut an Knien und Extremitäten
  • Zyanose an Lippen und Fingern
  • Verminderte Urinausscheidung

Symptome nach Schockursache

SchockformTypische klinische Symptome
Hypovolämischer SchockHypotonie, Tachykardie, Tachypnoe und Zentralisation, Verwirrtheit, kollabierte Halsvenen, trockene Schleimhäute
Kardiogener / obstruktiver SchockDyspnoe durch Lungenödem, gestaute Halsvenen, Blässe, Zyanose und Kaltschweißigkeit, je nach Ursache Thoraxschmerz oder Rhythmusstörungen
Anaphylaktischer SchockUrtikaria, Flush und Juckreiz, Bronchospasmus mit Dyspnoe, Tachykardie, Hypotonie, Bewusstseinseintrübung
Septischer SchockFrühe Phase häufig mit warmer, trockener Haut („warm shock"), später Blässe, Hypotonie und Tachykardie, zusätzlich Fieber und Desorientiertheit
Neurogener SchockHypotonie bei fehlender Tachykardie bzw. Bradykardie, warme Haut, neurologische Ausfälle
 Tipp
Untypische Verläufe

Bei Kindern sind Schocksymptome oft erst spät sichtbar. Bei älteren Menschen sind die Kompensationsmechanismen geringer, die Symptome unspezifisch.

Unter Betablockertherapie kann die Tachykardie ausbleiben. Beim septischen und neurogenen Schock ist die Haut anfangs warm.

 Achtung
Red Flags
  • Hypotonie unter 100 mmHg systolisch oder ein Schockindex über 1
  • Vigilanzminderung, Verwirrtheit oder Desorientiertheit
  • Fadenförmiger, kaum tastbarer Puls, verlängerte Rekap-Zeit, marmorierte Haut
  • Bradykardie mit Hypotonie (Herzrhythmusstörung, neurogener Schock)
  • Stridor, Giemen oder Schwellung im Gesicht bei Verdacht auf Anaphylaxie

Die Auswahl ist beispielhaft und nennt häufig auftretende Zeichen. Das Nachfordern liegt immer im Ermessen des jeweiligen Teams.

Anamnese

  • S (Symptome): Bewusstseinsstörung, Blässe, Kaltschweißigkeit, Tachypnoe, Tachykardie, Hypotonie, Infektzeichen
  • A (Allergien/Infektionen): bekannte Allergien gegen Medikamente, Nahrungsmittel oder Insektengifte
  • M (Medikation): Adrenalin-Autoinjektor, Betablocker, gerinnungshemmende Medikamente
  • P (Patientengeschichte): Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, aktuelle Infektionen
  • L (Letzte…): Zeitpunkt der letzten Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
  • E (Ereignis): Trauma oder Blutverlust, Thoraxschmerz oder Rhythmusstörung, Fieber oder Infektzeichen, Allergenkontakt, Rückenmarkstrauma
  • R (Risiko): Allergien, kardiovaskuläre Risikofaktoren, Gerinnungsstörungen
  • S (Schwangerschaft): mögliche Schwangerschaft bei Patientinnen

Körperliche Untersuchung

Urtikaria
Urtikaria

Inspektion: 

  • Blässe: Hinweis auf periphere Minderperfusion bzw. relevanten Blut- oder Volumenverlust, insbesondere beim hypovolämischen Schock
  • Marmorierte Haut: Zeichen der Zentralisation bei fortgeschrittenem Schock
  • Zyanose: Hinweis auf eine Hypoxämie oder eine ausgeprägte Minderperfusion
  • Erythem, Urtikaria und Juckreiz: typisch für einen anaphylaktischen Schock, ggf. mit sichtbarem Auslöser wie einem Insektenstich
  • Bewusstsein: Vigilanzminderung oder Verwirrtheit als Zeichen der Minderdurchblutung des Gehirns
  • Atem- und Bewegungsmuster: Dyspnoe, Unruhe sowie Brady- oder Tachypnoe als Hinweis auf eine drohende Dekompensation

Palpation:

  • Rekapillarisierungszeit über 2 Sekunden: Hinweis auf gestörte periphere Perfusion
  • Hauttemperatur: kalt und feucht bei Zentralisation, warm möglich bei septischem oder anaphylaktischem Schock
  • Pulsqualität: schwacher, fadenförmiger Puls bei fortgeschrittenem Schockzustand, Bradykardie möglich bei neurogenem Schock

Perkussion:

  • Hypersonorer Klopfschall auf einer Thoraxseite: Hinweis auf einen Spannungspneumothorax

Auskultation:

  • Lunge: 
    • Stridor oder Giemen bei Anaphylaxie
    • Feuchte Rasselgeräusche bei Lungenödem
    • Einseitig abgeschwächte oder fehlende Atemgeräusche bei (Spannungs-)pneumothorax

Vitalparameter

Die Vitalparameter werden beim Schock engmaschig erhoben und wiederholt. Aussagekräftiger als der einzelne Wert ist der Verlauf.

ParameterTypischer BefundKlinische Bedeutung
AtemfrequenzErhöhtDer Körper gleicht den Sauerstoffmangel im Gewebe und die Übersäuerung durch schnellere Atmung aus. Eine weiter steigende Atemfrequenz ist ein Warnzeichen
Sauerstoffsättigung (SpO₂)Abhängig von der Perfusion, bei Zentralisation am Finger oft schlecht ableitbarEin fehlender oder schwankender Messwert ist selbst ein Hinweis auf die Minderdurchblutung. Sensor an eine besser durchblutete Stelle setzen, z.B. das Ohrläppchen
HerzfrequenzErhöht, im Spätstadium erniedrigtDie Tachykardie ist ein frühes Kompensationszeichen. Sie kann bei bradykarden Herzrhythmusstörungen, neurogenem Schock und unter Betablockern fehlen
BlutdruckInitial normoton, im Verlauf erniedrigtEin normaler Blutdruck schließt einen Schock nicht aus. Der Schockindex eignet sich zur Verlaufsbeobachtung, ein Wert über 1 ist ein Warnzeichen
EKGMeist Sinustachykardie, ggf. HerzrhythmusstörungenRhythmusstörungen können Ursache des Schocks sein (kardiogener Schock) oder seine Folge
KörpertemperaturNormal bis erniedrigt, bei septischem Schock erhöhtFieber weist auf eine Sepsis hin. Eine Auskühlung verschlechtert Gerinnung und Kreislauf zusätzlich
BlutzuckerIn der Regel normwertigBei jeder Vigilanzminderung bestimmen, um eine Hypoglykämie auszuschließen

Orientierende neurologische Untersuchung

Eine Minderdurchblutung des Gehirns zeigt sich früh am Bewusstsein. Die Einschätzung wird daher im Verlauf regelmäßig wiederholt.

  • Vigilanz: Einschätzung anhand der GCS. Eine Vigilanzminderung ist ein Warnzeichen
  • Orientierung: Fragen zu Person, Ort, Zeit und Situation. Eine neu aufgetretene Verwirrtheit ist ein Warnzeichen
  • Sprache: Spricht die Patientin oder der Patient in ganzen Sätzen oder nur in einzelnen Wörtern? Das ist zugleich ein Maß für die Schwere der Atemnot
  • Pupillen: Größe, Seitengleichheit und Lichtreaktion
  • Kraft und Sensibilität: Grobe Prüfung an Armen und Beinen im Seitenvergleich, um einen Schlaganfall als Differenzialdiagnose nicht zu übersehen

Differenzialdiagnosen

KrankheitsbildWas eher dafür spricht
SynkopeKurze Bewusstlosigkeit mit rascher Erholung, Auslöser wie langes Stehen oder Schmerz, danach normale Werte
HypoglykämieNiedriger Blutzucker, bekannter Diabetes mellitus, Schwitzen und Verwirrtheit bei normalem Blutdruck
HypothermieKalte Umgebung oder lange Liegezeit, niedrige Körperkerntemperatur, Bradykardie
HyperventilationAngst oder Aufregung als Auslöser, Kribbeln an Händen und Mund, normaler Blutdruck, normale Rekap-Zeit
IntoxikationHinweise auf Alkohol, Drogen oder Medikamente im Umfeld, auffällige Pupillen, Bewusstseinsstörung ohne Blutungs- oder Allergiezeichen
SchlaganfallPlötzliche einseitige Lähmung, Sprach- oder Sehstörung, meist erhöhter statt erniedrigter Blutdruck

Basismaßnahmen

 Info

Die folgenden Maßnahmen können Rettungssanitäter:innen im Rahmen ihrer Qualifikation grundsätzlich eigenständig durchführen. Der konkrete Umfang richtet sich nach den lokalen Vorgaben, der jeweiligen Einsatzsituation und der verfügbaren Ausstattung.

  • Blutstillung: bei äußerer Blutung Druckverband, bei nicht beherrschbarer Extremitätenblutung Tourniquet
  • Angepasste Lagerung: Schocklagerung anstreben, ggf. angepasst an Symptomatik und Schockursache. Bei kardiogenem Schock und bei Atemnot Oberkörperhochlagerung, aber nur bei ausreichendem Blutdruck. Bei Wirbelsäulenverletzung achsengerechte Immobilisation
  • Beruhigen: die betroffene Person beruhigen und beengende Kleidung öffnen
  • Vitalwerte erheben: Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz, EKG, Blutdruck und Blutzucker und Temperatur
  • Sauerstoffgabe: 12 bis 15 l/min über Maske
  • 12-Kanal-EKG: anlegen und schreiben, besonders bei Thoraxschmerz oder Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung. Die Befundung übernimmt das weiterbehandelnde Team
  • Zugang und Volumen vorbereiten: Material für den i.v. Zugang und Vollelektrolytlösung mit Infusionssystem richten
  • Nachfordern: bei Red Flags frühzeitig RTW und/oder NEF über die Leitstelle anfordern
  • Reanimationsbereitschaft herstellen: bei dekompensiertem Schock Defibrillator mit aufgeklebten Elektroden, Beatmungsbeutel und Absaugung griffbereit halten
  • Wärmeerhalt: zudecken oder Rettungsdecke anlegen. Auskühlung verschlechtert Gerinnung und Kreislauf zusätzlich
 Achtung

Keine Schocklagerung bei kardiogenem Schock, Atemnot, schweren Verletzungen oder Bewusstlosigkeit. Die wichtigsten Ausschlussgründe lassen sich mit der 6B-Regel merken:

  • Bewusstlosigkeit: Gefahr des Erstickens, stattdessen stabile Seitenlage
  • Brust (Herz und Lunge): Bei Herzinfarkt, Atemnot oder kardiogenem Schock überlastet das Hochlagern der Beine das Herz, das Blut staut sich in die Lunge zurück. Stattdessen den Oberkörper hochlagern
  • Birne (Kopf): Bei Schädel-Hirn-Trauma oder Schlaganfall keine Schocklagerung
  • Buckel (Wirbelsäule): Verletzungen der Wirbelsäule nicht bewegen, es besteht Lähmungsgefahr
  • Bauch und Becken: Bei Verletzungen, Frakturen oder Verdacht auf ein rupturiertes Bauchaortenaneurysma (= gerissene Aussackung der Bauchschlagader) können innere Blutungen verstärkt werden
  • Beine: Bei Frakturen der Beine oder des Oberschenkels ist die Bewegung kontraindiziert
 Merke

Im Vordergrund steht die Kreislaufstabilisierung und ggf. Therapie der Schockursache (z.B. Blutstillung).

Weitere Versorgung

Die weiterführende Versorgung übernehmen Notfallsanitäter:innen und gegebenenfalls die Notärztin oder der Notarzt. Deine Rolle hängt davon ab, mit welchem Fahrzeug du im Einsatz bist:

  • Mit dem KTW zuerst vor Ort: Bis zum Eintreffen des nachgeforderten RTW führst du die Basismaßnahmen selbst durch. Danach übergibst du an die Notfallsanitäterin oder den Notfallsanitäter und bleibst als Teil des Behandlungsteams eingebunden
  • Als zweite Person auf dem RTW: Du arbeitest von Anfang an mit der Notfallsanitäterin oder dem Notfallsanitäter zusammen. Du übernimmst die Basismaßnahmen, während sie oder er die erweiterten Maßnahmen einleitet

In beiden Fällen bereitest du Maßnahmen vor, reichst benötigtes Material an, beobachtest den Zustand der betroffenen Person und führst delegierte Maßnahmen durch.

Dafür musst du die weiteren Versorgungsschritte sowie die eingesetzten Medikamente und Maßnahmen mit ihren Behandlungszielen kennen. Nur wenn du weißt, was als Nächstes kommt, kannst du es gezielt vorbereiten und im Team mitarbeiten. Auswahl, Dosierung und Applikation richten sich nach Indikation, Qualifikation, lokalen Vorgaben und Delegation. Nicht alle aufgeführten Medikamente werden bei jedem Schock eingesetzt.

Medikament/MaßnahmeBehandlungszweckWichtige Hinweise für die Unterstützung
Vollelektrolytlösung 500 bis 1000 ml i.v. zügig infundieren, beim anaphylaktischen Schock 20 ml/kg KGVolumengabe bei hypovolämischem und distributivem Schock, beim kardiogenen Schock nur angepasst (Hypervolämie vermeiden)Zugang und Infusionssystem vorbereiten, Infusion anwärmen. Auf Zeichen der Überwässerung achten (Atemnot, Rasselgeräusche)
Adrenalin 0,5 mg i.m. in die Außenseite des Oberschenkels, ggf. Wiederholung alle 5 bis 10 MinutenLebensrettende Sofortmaßnahme beim anaphylaktischen Schock: Vasokonstriktion und Bronchodilatation 0,5 mg Adrenalin (0,5 ml) unverdünnt in eine 1-ml-Spritze aufziehen oder den Autoinjektor der betroffenen Person bereitlegen. Injektionsstelle freimachen. Wiederholung nach 5 Minuten möglich, Herzfrequenz und Blutdruck engmaschig überwachen
Noradrenalin 0,1 bis 1 µg/kg KG/min i.v. über SpritzenpumpeVasopressor: hebt den Gefäßtonus und den Blutdruck bei distributivem Schock und bei anhaltendem Schock trotz Volumengabe1 mg Noradrenalin (1 ml) auf 50 ml NaCl 0,9 % → 20 µg/ml. Spritzenpumpe vorbereiten, Blutdruck kontinuierlich überwachen
Tranexamsäure 1 g als Kurzinfusion i.v. über 10 MinutenVerstärkt die Blutgerinnung beim hämorrhagischen Schock1 g Tranexamsäure (10 ml) in 100 ml NaCl 0,9 % als Kurzinfusion vorbereiten. Möglichst früh, innerhalb von 3 Stunden nach dem Trauma
Atropin 0,5 mg i.v., ggf. alle 3 bis 5 Minuten wiederholen, maximal 3 mgErhöht die Herzfrequenz bei Bradykardie mit Hypotonie, z.B. bei einem AV-Block oder beim neurogenen Schock0,5 mg Atropin (1 ml) unverdünnt aufziehen. EKG und Blutdruck kontinuierlich überwachen, Defibrillator mit Schrittmacherfunktion bereithalten

Der Transport bei Schock sollte zeitkritisch in eine Klinik mit Schockraum und Intensivkapazität erfolgen.

  • Körperliche Belastung vermeiden: Patient:innen gehen in der Regel nicht selbst zum Fahrzeug, da jede Belastung den Sauerstoffbedarf erhöht und den instabilen Kreislauf zusätzlich belastet. 
    • Schocklagerung unter Beachtung der Kontraindikationen
    • Beim kardiogenen Schock oder bei Atemnot mit erhöhtem Oberkörper.
    • Der Wärmeerhalt wird fortgeführt
  • Kontinuierliches Monitoring: EKG, Blutdruck, SpO₂ und Bewusstseinslage werden während der gesamten Fahrt überwacht
    • Besonders auf einen Blutdruckabfall, eine steigende Herzfrequenz und Herzrhythmusstörungen achten, da sie eine Dekompensation anzeigen
  • Verlaufsbeobachtung: Die betroffene Person während der Fahrt engmaschig beobachten, um eine Verschlechterung frühzeitig zu erkennen

Übergabe

Die Übergabe erfolgt nach dem SINNHAFT-Schema.

Für das aufnehmende Team sind diese Angaben besonders wichtig:

  • Ereignis und vermutete Schockursache: Blutung, Allergenkontakt, Infekt, Thoraxschmerz oder Trauma
  • Verlauf der Vitalparameter: Blutdruck, Herzfrequenz, Rekap-Zeit und Vigilanz seit dem Erstkontakt
  • Sauerstofftherapie: Beginn und Flussrate
  • Verabreichte Medikamente und durchgeführte Maßnahmen, dazu applizierte Volumina
  • Vorerkrankungen, Dauermedikation, Allergien
 Merke

Eine vollständige Dokumentation im Einsatzprotokoll ist die Grundlage für die Weiterbehandlung in der Klinik und dient der rechtlichen Absicherung.

Das Team erkennt anhand von Hautrötung, Stridor, Tachykardie und Hypotonie bei bekannter Insektengiftallergie den Verdacht auf einen anaphylaktischen Schock. Auslöser ist der Wespenstich am Unterarm. Mit einer Rekap-Zeit von 4 Sekunden, einem Blutdruck von 80/50 mmHg und einer Vigilanzminderung (GCS 13) liegt ein akutes C-Problem vor, deshalb wird das NEF über die Leitstelle nachgefordert.

Der Rettungssanitäter lagert den Patienten flach mit angehobenen Beinen, weil die Kreislaufstörung überwiegt. Er gibt bei einer Sättigung von 91 % Sauerstoff mit 15 l/min über die Maske, komplettiert das Monitoring und deckt den Patienten zu.

Parallel richtet der Rettungssanitäter das Material für die Adrenalingabe: Er zieht 0,5 mg Adrenalin (0,5 ml) unverdünnt in eine 1-ml-Spritze auf und macht die Außenseite des Oberschenkels frei. Die Notfallsanitäterin verabreicht 0,5 mg Adrenalin i.m. Danach bereitet der Rettungssanitäter das Material für den intravenösen Zugang und die angewärmte Vollelektrolytlösung vor, assistiert bei der Anlage und reicht die Infusion an. Die Notfallsanitäterin gibt 500 ml Vollelektrolytlösung i.v. als Bolus.

Nach fünf Minuten ist der Patient wach und orientiert (GCS 15), der Blutdruck liegt bei 105/65 mmHg, die Herzfrequenz bei 108/min, die Sättigung bei 96 % und die Rekap-Zeit bei 2 Sekunden.

Der Rettungssanitäter bereitet den Transport vor. Der Patient wird auf der Trage zum RTW gebracht und flach gelagert transportiert. Das Monitoring bleibt während der gesamten Fahrt angeschlossen. Ziel ist eine Klinik mit Schockraum und Intensivkapazität. Da sich die Symptomatik rasch bessert, wird das initial nachgeforderte NEF über die Leitstelle wieder abbestellt.

Die Übergabe erfolgt nach dem SINNHAFT-Schema und enthält unter anderem das Ereignis mit Zeitpunkt des Stichs, den Verlauf der Vitalparameter, die Sauerstofftherapie, die Dosis von Adrenalin sowie die Menge der Infusion.

Definition

 Definition
Schock

Ein Schock ist ein akutes, lebensbedrohliches Kreislaufversagen. Das Herz pumpt zu wenig Blut pro Minute in den Kreislauf oder das Blut kommt nicht ausreichend in den kleinsten Blutgefäßen der Organe an. Dadurch erhalten die Organe zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe. Es entsteht ein Sauerstoffmangel im Gewebe. 

Man unterscheidet die folgenden Schockformen:

  1. Hypovolämischer Schock (absoluter Volumenmangel):
    • Hypovolämischer Schock
    • Hämorrhagischer Schock (= durch Blutverlust)
  2. Kardiogener Schock (akut verminderte Auswurfleistung)
  3. Obstruktiver Schock (Gefäßverschluss)
  4. Distributiver Schock (relativer Volumenmangel durch Vasodilatation und Umverteilung):
    • Septischer Schock
    • Anaphylaktischer Schock
    • Neurogener Schock

Ursachen

  • Hypovolämischer Schock: Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen, Durchfall, Verbrennungen oder Dehydratation
  • Hämorrhagischer Schock: Blutverlust durch Trauma, Magen-Darm-Blutung oder peripartale Blutung
  • Kardiogener Schock: akutes Koronarsyndrom, dekompensierte Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen
  • Obstruktiver Schock: Lungenarterienembolie, Perikardtamponade, Spannungspneumothorax, Aortendissektion
  • Septischer Schock: schwere, generalisierte Infektion
  • Anaphylaktischer Schock: schwere allergische Reaktion
  • Neurogener Schock: Rückenmarksverletzung, Störung der zentralen Kreislaufregulation

Pathophysiologie

  • Kompensationsphase: Sympathikus bewirkt Tachykardie und periphere Vasokonstriktion (Zentralisation), der Blutdruck bleibt noch normal
  • Dekompensationsphase: Die Kompensation versagt, der Blutdruck fällt trotz Tachykardie, Gewebehypoxie und metabolische Azidose nehmen zu. Früh erkennbar an Vigilanzminderung
  • Irreversible Phase: Multiorganversagen, der Kreislaufzusammenbruch führt zum Tod

Symptome

  • Leitsymptom: Zeichen der Minderdurchblutung mit blasser, kaltschweißiger Haut, Rekap-Zeit über 2 Sekunden und Tachykardie, im Verlauf Hypotonie und Bewusstseinsstörung
  • Begleitzeichen: Tachypnoe, Unruhe und Angst, Schwindel und Übelkeit, Durst, marmorierte Haut, Zyanose, verminderte Urinausscheidung
  • Untypische Verläufe: bei Kindern erst spät sichtbar, bei älteren Menschen unspezifisch, unter Betablockern kann die Tachykardie ausbleiben
 Achtung
Red Flags
  • Hypotonie unter 100 mmHg systolisch oder ein Schockindex über 1
  • Vigilanzminderung, Verwirrtheit oder Desorientiertheit
  • Fadenförmiger, kaum tastbarer Puls, verlängerte Rekap-Zeit, marmorierte Haut
  • Bradykardie mit Hypotonie (Herzrhythmusstörung, neurogener Schock)
  • Stridor, Giemen oder Schwellung im Gesicht bei Verdacht auf Anaphylaxie

Diagnostik

  • Anamnese nach SAMPLERS: Allergien, Betablocker und Gerinnungshemmer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Ereignis (Trauma, Blutverlust, Thoraxschmerz, Fieber, Allergenkontakt), mögliche Schwangerschaft
  • Körperliche Untersuchung: Inspektion auf Blässe, marmorierte Haut, Zyanose und Urtikaria. Palpation von Rekap-Zeit, Hauttemperatur und Pulsqualität. Perkussion mit hypersonorem Klopfschall beim Spannungspneumothorax. Auskultation mit Stridor bei Anaphylaxie und Rasselgeräuschen bei Lungenödem
  • Vitalparameter: Atemfrequenz und Herzfrequenz erhöht, Blutdruck initial normal und im Verlauf erniedrigt, SpO₂ bei Zentralisation am Finger schlecht ableitbar (Sensor ans Ohrläppchen), Blutzucker bei Vigilanzminderung bestimmen. Der Verlauf zählt mehr als der Einzelwert
  • Neurologische Untersuchung: Vigilanz nach GCS, Orientierung, Sprache, Pupillen, Kraft und Sensibilität, im Verlauf wiederholen
  • Differenzialdiagnosen: vasovagale Synkope (rasche Erholung), Hypoglykämie (niedriger Blutzucker), Hypothermie (Bradykardie), Hyperventilation (Kribbeln an Händen und Mund), Intoxikation (auffällige Pupillen), Schlaganfall (einseitige Lähmung)

Therapie

Basismaßnahmen:

  • Blutstillung: Druckverband, bei nicht beherrschbarer Extremitätenblutung Tourniquet
  • Angepasste Lagerung: Schocklagerung anstreben, bei kardiogenem Schock und Atemnot Oberkörperhochlagerung, bei Wirbelsäulenverletzung achsengerechte Immobilisation
  • Keine Schocklagerung nach der 6B-Regel: Bewusstlosigkeit, Brust (Herz und Lunge), Birne (Kopf), Buckel (Wirbelsäule), Bauch und Becken, Beine
  • Beruhigen: die betroffene Person beruhigen und beengende Kleidung öffnen
  • Monitoring anlegen: Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz, EKG, Blutdruck. Messungen wiederholen
  • Sauerstoffgabe: 12 bis 15 l/min über Maske
  • 12-Kanal-EKG: bei Thoraxschmerz oder Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung anlegen und schreiben
  • Zugang und Volumen vorbereiten: Material für den i.v. Zugang und Vollelektrolytlösung richten
  • Nachfordern: bei Red Flags frühzeitig RTW und/oder NEF über die Leitstelle
  • Reanimationsbereitschaft: bei dekompensiertem Schock Defibrillator, Beatmungsbeutel und Absaugung griffbereit
  • Wärmeerhalt: zudecken oder Rettungsdecke anlegen

Weitere Versorgung:

  • Vollelektrolytlösung 500 bis 1000 ml zügig i.v. infundieren, beim anaphylaktischen Schock 20 ml/kg KG
  • Adrenalin 0,5 mg i.m. in die Außenseite des Oberschenkels, ggf. Wiederholung alle 5 bis 10 Minuten
  • Noradrenalin 0,1 bis 1 µg/kg KG/min i.v. über Spritzenpumpe
  • Tranexamsäure 1 g als Kurzinfusion i.v. über 10 Minuten
  • Atropin 0,5 mg i.v., ggf. alle 3 bis 5 Minuten wiederholen, maximal 3 mg

Transport und Übergabe

  • Zielklinik: Klinik mit Schockraum und Intensivkapazität
  • Lagerung und Wärmeerhalt: Patient:innen werden getragen, Lagerung und Wärmeerhalt bleiben bestehen
  • Kontinuierliches Monitoring: EKG, Blutdruck, SpO₂ und Bewusstseinslage, besonders auf Blutdruckabfall und Arrhythmien achten
  • Übergabe nach SINNHAFT: vermutete Schockursache, Verlauf der Vitalparameter, Sauerstofftherapie, Medikamente und Volumina, Vorerkrankungen und Allergien. Vollständige Dokumentation im Einsatzprotokoll
Tipp

Du willst noch tiefer einsteigen? Im Artikel für Notfallsanitäter:innen findest du Pathophysiologie und Therapie ausführlicher erklärt. Die wichtigsten Artikel haben wir dir hier verlinkt. Und falls dir ein Fachbegriff nicht klar ist, hilft dir der Artikel zur Terminologie weiter.

  • Schock (NotSan)
  • Anaphylaxie (NotSan)
  • Sepsis (NotSan)
  • Exsikkose (NotSan)
  • Akutes Koronarsyndrom (NotSan)
  • Bedrohliche Bradykardie (NotSan)
  • Instabile Tachykardien (NotSan)
  • Lagerung (RD)
  • Terminologie (RD)
Zuletzt aktualisiert am 29.10.2026
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