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Schwangerschaft (RD)

20 Minuten Lesezeit

Die Schwangerschaft beginnt mit der Befruchtung der Eizelle und dauert etwa 40 Wochen, gerechnet ab der letzten Regelblutung. Der voraussichtliche Entbindungstermin lässt sich rechnerisch und mithilfe von Ultraschalluntersuchungen bestimmen.

Während der Schwangerschaft entwickelt sich der Embryo, der ab der 9. Schwangerschaftswoche als Fötus bezeichnet wird. Er ist von der Fruchtblase umgeben und über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden.

Die Plazenta entsteht aus mütterlichen und kindlichen Anteilen und übernimmt wichtige Funktionen: Sie versorgt das Kind mit Sauerstoff und Nährstoffen, transportiert Stoffwechselprodukte ab und produziert Hormone, die für den Erhalt der Schwangerschaft und die Anpassung des mütterlichen Körpers notwendig sind.

Einige dieser körperlichen Veränderungen zählen zu den unsicheren Schwangerschaftszeichen. Sichere Schwangerschaftszeichen sind hingegen der Nachweis der kindlichen Herzaktion (z.B. im Ultraschall) sowie später die Wahrnehmung von Kindsbewegungen.

 Definition
Schwangerschaftsdauer:

Die Schwangerschaftsdauer kann auf zwei Arten angegeben werden:

  • Nach der letzten Regelblutung (post menstruationem, p.m.):
    • Grundlage ist der erste Tag der letzten Periode
    • Die Schwangerschaft dauert dabei etwa 280 Tage bzw. 40 Wochen
  • Nach dem Zeitpunkt der Befruchtung (post conceptionem, p.c.):
    • Grundlage ist der Eisprung
    • Die tatsächliche Schwangerschaftsdauer beträgt hier etwa 38 Wochen

Einteilung in Trimester

  • 1. Trimenon: 1.–12. Schwangerschaftswoche
  • 2. Trimenon: 13.–28. Schwangerschaftswoche
  • 3. Trimenon: ab der 29. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt

Schreibweise der Schwangerschaftswoche (SSW)

In der Geburtshilfe wird die Schwangerschaftsdauer üblicherweise ab der letzten Regelblutung angegeben.

Die Schreibweise erfolgt in Schwangerschaftswochen (SSW) und wird als abgeschlossene Wochen + zusätzliche Tage (0–6) dargestellt:

  • 24+5 SSW: 24 Wochen und 5 Tage → 6. Tag der 25. Woche
  • 17+0 SSW: 17 Wochen und 0 Tage → Beginn der 18. Woche
  • 32+6 SSW: 32 Wochen und 6 Tage → letzter Tag der 33. Woche
 Tipp

Das Verhältnis von Schwangerschaftswoche und Datierung lässt sich gut mit dem Lebensalter vergleichen:
Nach dem zweiten Geburtstag beginnt das dritte Lebensjahr. Genauso befindet man sich ab 2+0 SSW in der dritten Schwangerschaftswoche.
Abgeschlossene Wochen = wie vergangene Geburtstage“.

Geburtstermin und Abweichungen

Weniger als 4 % der Kinder werden genau am errechneten Termin geboren. Die meisten Geburten finden in einem Zeitraum von etwa 10 Tagen vor bis 10 Tagen nach dem Termin statt.

  • Frühgeburt: Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (≤ 36+6 SSW)
  • Übertragung: Geburt ab der vollendeten 42. Schwangerschaftswoche (≥ 42+0 SSW)
 Info

Ab der 24. SSW gelten Föten als potenziell lebensfähig, da zu diesem Zeitpunkt die Lunge und andere Organsysteme ausreichend gereift sind, um mit umfassender intensivmedizinischer Unterstützung außerhalb der Gebärmutter zu funktionieren.

  • Schwangerschaftszeichen werden in sichere und unsichere Zeichen unterteilt:
    • Sichere Schwangerschaftszeichen weisen eindeutig auf das Vorliegen einer Schwangerschaft hin, da sie den Fötus direkt nachweisen (z.B. Herzaktion oder Kindsbewegungen)
    • Unsichere Schwangerschaftszeichen sind hingegen körperliche Veränderungen oder Beschwerden, die auch andere Ursachen haben können und daher allein keinen sicheren Nachweis darstellen
ZeichenDiagnostik/SymptomBeschreibung
Sichere ZeichenHormonnachweis (hCG)
  • Nachweis im Blut ab ca. 6.–9. Tag nach Befruchtung
  • Nachweis im Urin ab ca. 14. Tag
  • hCG verdoppelt sich anfangs alle 2–2,5 Tage, später Abfall
  • Abweichungen möglich: 
    • Niedrige Werte → z.B. Extrauteringravidität
    • Hohe Werte → z.B. Mehrlinge
Bildgebung (Sonografie)
  • Embryo sichtbar ab 5.–6. SSW (transvaginal)
  • Nachweis fetaler Herztöne:
    • Transvaginal ab ca. 7. SSW
    • Doppler-sonografisch ab ca. 12. SSW 
Kardiotokografie (CTG)
  • Aufzeichnung der Herztöne ab ca. 24. SSW
Kindsbewegungen
  • Wahrnehmung ab ca. 18.–20. SSW
Unsichere ZeichenZyklusveränderungAusbleiben der Menstruation
Allgemeinsymptome
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Brustspannen
Hautveränderungen
  • Vermehrte Pigmentierung der Brustwarzenhöfe
Genitalbereich
  • Bläulich-violette Verfärbung des Scheideneingangs
 Merke

Für eine erfolgreiche Schwangerschaft und eine ausreichende Versorgung des Kindes sind verschiedene Anpassungsprozesse im mütterlichen Organismus erforderlich. Dazu zählen neben hormonellen Veränderungen auch physiologische Anpassungen von Organen und Kreislauf.

SystemVeränderungUrsache/Erklärung
Herz-KreislaufHerzfrequenzAusgleich für erweiterte Gefäße und erhöhten Bedarf
Herzminutenvolumen ↑Mehr Blut wird benötigt zur Versorgung von Mutter & Kind
Gefäßwiderstand ↓Progesteron → Gefäße weiten sich
Blutdruck ↓Folge des gesunkenen Gefäßwiderstands
BlutPlasmavolumen ↑Gefäßwiderstand ↓ → RR ↓ → RAAS-Aktivierung → Wasserretention
HämoglobinVerdünnung durch mehr Plasma (Verdünnungsanämie)
ErythrozytenGesteigerte Produktion
Gerinnung ↑Schutz vor Blutverlust bei der Geburt
LungeAtemminutenvolumenProgesteron und Cortisol ↑ = gesteigerter Atemantrieb
NiereHarndrang ↑Mehr Volumen
AldosteronRAAS-Aktivierung = Aldosteronfreisetzung
DarmMotilität ↓Progesteron ↑  → Darm wird träger → Obstipation
BrustWachstum ↑Vorbereitung auf Stillen
StoffwechselInsulinbedarf ↓↑1. Trimenon ↓, 2. und 3. Trimenon ↑
BlutfetteProgesteron ↑, Östrogen
HautPigmentierung der Brustwarzen ↑Hormonell bedingt (Melanin ↑)
Ödeme/Varizen an den Beinen ↑Uterusdruck auf Vena cava + Beckenvenen → venöser Rückfluss ↓ 
Hämorrhoiden
UterusGröße/Gewicht ↑Progesteron ↑, Östrogen

Der Schwangerschaftsverlauf umfasst die Entwicklung von der Befruchtung der Eizelle bis zur Geburt des Kindes. In dieser Zeit durchläuft der Embryo bzw. Fötus verschiedene Entwicklungsphasen, die durch Zellteilung, Einnistung, Organbildung und Wachstum gekennzeichnet sind. 

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Schritte dieser Entwicklung.

Zeitliche PhaseEntwicklungsphaseErklärung
Tag 1Befruchtung und Zygotenbildung
  • Reifung der Spermien
  • Eindringen in die Eizelle
  • Verschmelzung der Zellkerne → Zygote entsteht
Tag 2–5Frühe Zellteilung
  • Zellteilung (Bildung der Blastozyste):
    • Trophoblast außen
    • Embryoblast innen
  •  Wanderung zur Gebärmutter
Tag 6-9Implantation/Nidation
  • Einnistung der Blastozyste in die Gebärmutterschleimhaut
  • Beginn der Plazentaentwicklung (Trophoblast)
Tag 10–12Uteroplazentarer Kreislauf
  • Plazenta wird funktionell 
  • Anschluss an den mütterlichen Kreislauf
bis 8. WocheEmbryonale Phase
  • Entwicklung der grundlegenden Organsysteme
ab 9. WocheFötale Phase
  • Wachstum und Reifung der Organe
Einnistung (Implantation/Nidation):
Implantation/Nidation
Entwicklung des Embryos/Fötus
Verlauf der Schwangerschaft
 Definition
Plazenta

Die Plazenta (Mutterkuchen) ist ein vorübergehendes Organ der Schwangerschaft, das aus mütterlichen und kindlichen Anteilen besteht und den Stoffaustausch zwischen Mutter und Fötus ermöglicht.

Aufbau

Die reife Plazenta ist scheibenförmig, hat einen Durchmesser von etwa 20 cm und wiegt ungefähr 500 g. Gegen Ende der Schwangerschaft wird sie mit rund 500–750 mL Blut pro Minute durchströmt und beansprucht damit etwa 10–15 % des mütterlichen Herzminutenvolumens.

Strukturell lässt sie sich in drei Bereiche unterteilen:

  • Basalplatte (mütterlicher Anteil): Hier verlaufen die mütterlichen Spiralarterien und Venen, die Blut in den intervillösen Raum abgeben. Zudem ragen von hier aus Plazentasepten in diesen Raum
  • Intervillöser Raum: Ein mit mütterlichem Blut gefüllter Raum, in den die kindlichen Chorionzotten hineinragen. Diese Zottenbäumchen dienen dem Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind
  • Chorionplatte (kindlicher Anteil): Besteht aus einer Trophoblastschicht, den Nabelgefäßen (Aa. und V. umbilicales) und Bindegewebe. Sie ist vom Amnion bedeckt und stellt den Ansatz der Nabelschnur dar
Aufbau der Plazenta
Aufbau der Plazenta

Funktionen

  • Austausch von Nährstoffen und Blutgasen: Die Plazenta ermöglicht den Transfer von Sauerstoff und Nährstoffen vom mütterlichen Blut zum Fötus und den Abtransport von Abfallstoffen wie Kohlenstoffdioxid vom Fötus zur Mutter
  • Endokrine Funktion: Sie produziert wichtige Hormone wie das humane Choriongonadotropin (hCG), Progesteron, und Östrogene, die für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft und die Entwicklung des Fötus notwendig sind
  • Immunologischer Schutz: Die Plazenta fungiert als Barriere, die den Fötus vor bestimmten Infektionen schützt, während sie gleichzeitig einige Antikörper von der Mutter zum Fötus transportiert und so zur Immunität des Neugeborenen beiträgt. Die Plazenta trägt zur Immuntoleranz bei. Sie verhindert, dass das mütterliche Immunsystem den genetisch unterschiedlichen Fetus abstößt
 Achtung

Nach der Geburt muss kontrolliert werden, ob sich die Plazenta vollständig von der Gebärmutterschleimhaut gelöst hat, da verbliebene Reste zu starken Nachblutungen führen können. Zur weiteren Beurteilung soll sie mit in die Klinik genommen werden. 

 Tipp
Klinischer Bezug: Plazentastörungen

Plazentalösungsstörungen können verschiedene Ursachen haben. Eine wichtige Rolle spielt dabei die fehlerhafte Entwicklung des Trophoblasten.

  • Zu tiefes Eindringen des Trophoblasten (z B. bei Placenta accreta) kann dazu führen, dass sich die Plazenta nach der Geburt nicht richtig löst
  • Zu geringes Eindringen kann hingegen eine vorzeitige Plazentalösung begünstigen, wobei sich ein retroplazentares Hämatom bilden kann
 Definition
Der mütterliche und der kindliche Kreislauf sind durch mehrere Zellschichten, die Plazentaschranke, voneinander getrennt. Diese reguliert den Austausch von Gasen und Stoffen zwischen beiden Kreisläufen.

Aufbau:

  • Struktur: Die Plazentaschranke besteht aus mehreren Schichten, einschließlich der Endothelzellen der fetalen Blutgefäße und deren Basallamina, des Bindegewebes des Chorionzottenstromas, der Basallamina des Trophoblasten, ggf. der Zytotrophoblasten und der Synzytiotrophoblasten, die die äußere Schicht der Zotten bilden
  • Selektive Permeabilität: Diese Schichten ermöglichen einen selektiven Austausch von Substanzen, während sie eine direkte Blutmischung zwischen Mutter und Embryo verhindern

Austausch von Gasen und Nährstoffen:

  • Sauerstoff und Kohlendioxid: Sauerstoff diffundiert aus dem mütterlichen Blut in das Blut des Embryos, während Kohlendioxid in die entgegengesetzte Richtung abgegeben wird. Dies erfolgt durch passive Diffusion
  • Nährstoffe: Glucose, Aminosäuren, Fettsäuren, Vitamine und Mineralien werden aktiv oder passiv aus dem mütterlichen Kreislauf in den fetalen Kreislauf transportiert
  • Abfallprodukte: Metabolische Abfallprodukte des Fetus, wie Harnstoff und Kreatinin, diffundieren in das mütterliche Blut zur Entsorgung

Transfersystem:

  • Aktiver Transport: Einige Substanzen, wie Aminosäuren, Peptide, Hormone, Fettsäuren, Vitamine und anorganische Ionen, benötigen spezifische Transportmechanismen, um die Plazentaschranke zu überwinden
  • Endozytose und Exozytose: Größere Moleküle wie Antikörper werden durch eine Endozytose und Exozytose transportiert

Entwicklung und Anpassung:

  • Anpassung der Durchblutung: Die Plazenta reguliert aktiv ihre eigene Durchblutung, um den sich ändernden Bedarf an Nährstoffen und Sauerstoff des wachsenden Fetus zu decken. Im Verlauf der Schwangerschaft wächst sie und entwickelt eine größere Oberfläche, um mehr Stoffe und Blutgase austauschen zu können
Plazentaschranke
Plazentaschranke
 Definition

Die Nabelschnur ist die lebenswichtige Verbindung zwischen Fötus und Plazenta. Über sie ist das Kind an den mütterlichen Kreislauf angebunden und wird mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Bei der Geburt ist die Nabelschnur etwa 50–70 cm lang und setzt in der Regel zentral an der Chorionplatte der Plazenta an.

Nabelschnur
Schnitt durch die Nabelschnur
  • Die Nabelschnur enthält drei Gefäße:
    • Zwei Nabelarterien:
      • Transportieren sauerstoffarmes Blut vom Fötus zur Plazenta
      • Verlaufen spiralig um die Nabelvene
    • Nabelvene:
      • Transportiert sauerstoff- und nährstoffreiches Blut von der Plazenta zum Fötus
  • Wharton-Sulze: gallertartiges Bindegewebe, das die Gefäße der Nabelschnur umgibt, stabilisiert und vor Druckeinwirkung schützt
  • Die gesamte Struktur ist von einer Hülle aus Amniongewebe umschlossen
 Merke

Die Nabelarterien führen sauerstoffarmes Blut, die Nabelvene dagegen sauerstoffreiches Blut.

Fruchtblase

 Definition

Die Fruchtblase (Amnionhöhle) ist ein mit Fruchtwasser gefüllter Raum, der den Fötus umgibt und ihn während der Schwangerschaft schützt, polstert und Bewegungen ermöglicht.

  • Entsteht bereits in der 2. Entwicklungswoche
  • Sie enthält Fruchtwasser, das vom Amnion gebildet wird
  • Die Fruchtblase wächst mit dem Kind → ab ca. 4. Monat füllt sie die komplette Gebärmutter aus
Sagittalschnitt durch die Gebärmutter
Sagittalschnitt durch die Gebärmutter

Funktionen des Fruchtwassers

  • Mechanischer Schutz → Polsterung gegen Stöße
  • Bewegungsfreiheit → fördert Muskel- & Skelettentwicklung
  • Temperaturkonstanz → schützt vor Schwankungen
  • Lungenreifung → durch Ein- und Ausatmen von Fruchtwasser
  • Infektionsschutz → teilweise Barrierefunktion
  • Verhindert Verwachsungen (Amnion ↔ Fetus)

Während der Schwangerschaft werden verschiedene Hormone gebildet, die für die Erhaltung der Schwangerschaft, das Wachstum des Kindes sowie die Vorbereitung auf Geburt und Stillzeit eine zentrale Rolle spielen. 

Die wichtigsten Hormone und ihre Funktionen sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

HormonWichtigste Funktion
hCG
  • Erhält die Progesteronproduktion
  • Im Schwangerschaftstest nachweisbar
Östrogene
  • Uteruswachstum
  • Durchblutung ↑
  • Vorbereitung auf Geburt & Stillen
Progesteron
  • Erhalt der Schwangerschaft
  • Hemmt Wehen
  • Entspannt Muskulatur
hPL
  • Stoffwechselanpassung (Blutzucker ↑, Fettabbau ↑)
  • Brustentwicklung
Oxytocin
  • Wehen
  • Milcheinschuss
Prolaktin
  • Milchbildung
Hormone während der Schwangerschaft

Dauer der Schwangerschaft:

 Definition
Schwangerschaftsdauer:

Die Schwangerschaftsdauer kann auf zwei Arten angegeben werden:

  • Nach der letzten Regelblutung (post menstruationem, p.m.):
    • Grundlage ist der erste Tag der letzten Periode
    • Die Schwangerschaft dauert dabei etwa 280 Tage bzw. 40 Wochen
  • Nach dem Zeitpunkt der Befruchtung (post conceptionem, p.c.):
    • Grundlage ist der Eisprung
    • Die tatsächliche Schwangerschaftsdauer beträgt hier etwa 38 Wochen
  • 1. Trimenon: 1.–12. Schwangerschaftswoche
  • 2. Trimenon: 13.–28. Schwangerschaftswoche
  • 3. Trimenon: ab der 29. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt
 Info

Ab der 24. SSW gelten Föten als potenziell lebensfähig, da zu diesem Zeitpunkt die Lunge und andere Organsysteme ausreichend gereift sind, um mit umfassender intensivmedizinischer Unterstützung außerhalb der Gebärmutter zu funktionieren.

Zeichen der Schwangerschaft:

  • Schwangerschaftszeichen werden in sichere und unsichere Zeichen unterteilt:
    • Sichere Schwangerschaftszeichen weisen eindeutig auf das Vorliegen einer Schwangerschaft hin, da sie den Fötus direkt nachweisen (z.B. Herzaktion oder Kindsbewegungen)
    • Unsichere Schwangerschaftszeichen sind hingegen körperliche Veränderungen oder Beschwerden, die auch andere Ursachen haben können und daher allein keinen sicheren Nachweis darstellen

Körperliche Anpassungen in der Schwangerschaft:

SystemVeränderungUrsache/Erklärung
Herz-KreislaufHerzfrequenzAusgleich für erweiterte Gefäße und erhöhten Bedarf
Herzminutenvolumen ↑Mehr Blut wird benötigt zur Versorgung von Mutter & Kind
Gefäßwiderstand ↓Progesteron → Gefäße weiten sich
Blutdruck ↓Folge des gesunkenen Gefäßwiderstands
BlutPlasmavolumen ↑Gefäßwiderstand ↓ → RR ↓ → RAAS-Aktivierung → Wasserretention
HämoglobinVerdünnung durch mehr Plasma (Verdünnungsanämie)
ErythrozytenGesteigerte Produktion
Gerinnung ↑Schutz vor Blutverlust bei der Geburt
LungeAtemminutenvolumenProgesteron und Cortisol ↑ = gesteigerter Atemantrieb
NiereHarndrang ↑Mehr Volumen
AldosteronRAAS-Aktivierung = Aldosteronfreisetzung
DarmMotilität ↓Progesteron ↑  → Darm wird träger → Obstipation
BrustWachstum ↑Vorbereitung auf das Stillen
StoffwechselInsulinbedarf ↓↑1. Trimenon ↓, 2. und 3. Trimenon ↑
BlutfetteProgesteron ↑, Östrogen
HautPigmentierung der Brustwarzen ↑Hormonell bedingt (Melanin ↑)
Ödeme/Varizen an den Beinen ↑Uterusdruck auf Vena cava + Beckenvenen → venöser Rückfluss ↓ 
Hämorrhoiden
UterusGröße/Gewicht ↑Progesteron ↑, Östrogen

Ablauf der Schwangerschaft:

Zeitliche PhaseEntwicklungsphaseErklärung
Tag 1Befruchtung und Zygotenbildung
  • Reifung der Spermien
  • Eindringen in die Eizelle
  • Verschmelzung der Zellkerne → Zygote entsteht
Tag 2–5Frühe Zellteilung
  • Zellteilung (Bildung der Blastozyste):
    • Trophoblast außen
    • Embryoblast innen
  •  Wanderung zur Gebärmutter
Tag 6-9Implantation/Nidation
  • Einnistung der Blastozyste in die Gebärmutterschleimhaut
  • Beginn der Plazentaentwicklung (Trophoblast)
Tag 10–12Uteroplazentarer Kreislauf
  • Plazenta wird funktionell 
  • Anschluss an den mütterlichen Kreislauf
bis 8. WocheEmbryonale Phase
  • Entwicklung der grundlegenden Organsysteme
ab 9. WocheFötale Phase
  • Wachstum und Reifung der Organe

Plazenta:

 Definition
Plazenta

Die Plazenta (Mutterkuchen) ist ein vorübergehendes Organ der Schwangerschaft, das aus mütterlichen und kindlichen Anteilen besteht und den Stoffaustausch zwischen Mutter und Fötus ermöglicht.

  • Funktionen:
    • Austausch von Nährstoffen und Blutgasen
    • Endokrine Funktion
    • Immunologischer Schutz
 Definition
Plazentaschranke:

Der mütterliche und der kindliche Kreislauf sind durch mehrere Zellschichten, die Plazentaschranke, voneinander getrennt. Diese reguliert den Austausch von Gasen und Stoffen zwischen beiden Kreisläufen.

Nabelschnur:

 Definition

Die Nabelschnur ist die lebenswichtige Verbindung zwischen Fötus und Plazenta. Über sie ist das Kind an den mütterlichen Kreislauf angebunden und wird mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Bei der Geburt ist die Nabelschnur etwa 50–70 cm lang und setzt in der Regel zentral an der Chorionplatte der Plazenta an.

 Merke

Die Nabelarterien führen sauerstoffarmes Blut, die Nabelvene dagegen sauerstoffreiches Blut.

Fruchtblase:

 Definition

Die Fruchtblase (Amnionhöhle) ist ein mit Fruchtwasser gefüllter Raum, der den Fötus umgibt und ihn während der Schwangerschaft schützt, polstert und Bewegungen ermöglicht.

Hormone während der Schwangerschaft:

HormonWichtigste Funktion
hCG
  • Erhält die Progesteronproduktion
  • Im Schwangerschaftstest nachweisbar
Östrogene
  • Uteruswachstum
  • Durchblutung ↑
  • Vorbereitung auf Geburt & Stillen
Progesteron
  • Erhalt der Schwangerschaft
  • Hemmt Wehen
  • Entspannt Muskulatur
hPL
  • Stoffwechselanpassung (Blutzucker ↑, Fettabbau ↑)
  • Brustentwicklung
Oxytocin
  • Wehen
  • Milcheinschuss
Prolaktin
  • Milchbildung
 Tipp

Wenn ihr mehr wissen möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus der Vorklinik.

  • Von der Befruchtung zur Implantation
  • Hormone während der Schwangerschaft
  • Bommas-Ebert et al.: Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie. 2. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-35532-4
  • Moore et al.: Embryologie. 6. Auflage Elsevier 2013, ISBN: 978-3-437-41113-7
  • Dietel: Pathologie: Mamma, Weibliche Genitale, Schwangerschaft und Kindererkrankungen. 3. Auflage Springer 2012, ISBN: 978-3-642-04564-6
  • Flake, F., Dönitz, S.: Mensch Körper Krankheit für den Rettungsdienst, Elsevier, 2018, ISBN: 978-3437462023
  • Koch, S., Schwarz, M.: retten - Anatomie Physiologie, Elsevier, 2023, ISBN: 978-3132421172
Zuletzt aktualisiert am 02.05.2026
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