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Schwangerschaft (RD)

23 Minuten Lesezeit

Eine Schwangerschaft dauert, gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung, etwa 40 Wochen oder 280 Tage. Ab dem Zeitpunkt der Befruchtung beträgt die tatsächliche Entwicklungsdauer ungefähr 38 Wochen. Der Schwangerschaftsverlauf wird in drei Trimenone unterteilt. Eine Geburt vor 37+0 SSW gilt als Frühgeburt, ab 42+0 SSW spricht man von einer Übertragung.

Schwangerschaftszeichen werden in sichere und unsichere Zeichen eingeteilt. Beschwerden wie Übelkeit, Brustspannen oder das Ausbleiben der Menstruation können auf eine Schwangerschaft hinweisen, sind jedoch nicht beweisend. Der Nachweis der fetalen Herzaktion und später die Wahrnehmung von Kindsbewegungen gelten hingegen als sichere Zeichen.

Während der Schwangerschaft passt sich der mütterliche Organismus an den erhöhten Versorgungsbedarf an. Dabei verändern sich unter anderem das Herz-Kreislauf-System, das Blutvolumen, die Atmung, der Stoffwechsel und die Verdauung.

In der Embryonalperiode werden die Körpergrundgestalt und die Organsysteme angelegt. Ab der 9. Entwicklungswoche nach der Befruchtung beginnt die Fetalperiode, in der vorwiegend das Wachstum sowie die weitere Entwicklung und Reifung der Organe stattfinden.

Die Plazenta ermöglicht den Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen und Stoffwechselprodukten zwischen Mutter und Kind. Ebenso bildet sie wichtige Hormone und erfüllt immunologische Aufgaben. Die Plazentaschranke trennt dabei den mütterlichen vom kindlichen Kreislauf.

Über die Nabelschnur ist der Fötus mit der Plazenta verbunden. Die beiden Nabelarterien führen sauerstoffarmes Blut zur Plazenta, während die Nabelvene sauerstoff- und nährstoffreiches Blut zum Fötus transportiert. Die mit Fruchtwasser gefüllte Fruchtblase schützt und polstert das ungeborene Kind, ermöglicht Bewegungen und unterstützt seine Entwicklung.

 Definition
Schwangerschaftsdauer:

Die Schwangerschaftsdauer kann auf zwei Arten angegeben werden:

  • Nach der letzten Regelblutung (post menstruationem, p.m.):
    • Grundlage ist der erste Tag der letzten Periode
    • Die Schwangerschaft dauert dabei etwa 280 Tage bzw. 40 Wochen
  • Nach dem Zeitpunkt der Befruchtung (post conceptionem, p.c.):
    • Grundlage ist der Eisprung
    • Die tatsächliche Schwangerschaftsdauer beträgt hier etwa 38 Wochen

Einteilung in Trimester

  • 1. Trimenon: 1.–12. Schwangerschaftswoche
  • 2. Trimenon: 13.–28. Schwangerschaftswoche
  • 3. Trimenon: ab der 29. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt

Schreibweise der Schwangerschaftswoche (SSW)

In der Geburtshilfe wird die Schwangerschaftsdauer üblicherweise ab der letzten Regelblutung angegeben.

Die Schreibweise erfolgt in Schwangerschaftswochen (SSW) und wird als abgeschlossene Wochen + zusätzliche Tage (0–6) dargestellt:

  • 24+5 SSW: 24 Wochen und 5 Tage → 6. Tag der 25. Woche
  • 17+0 SSW: 17 Wochen und 0 Tage → Beginn der 18. Woche
  • 32+6 SSW: 32 Wochen und 6 Tage → letzter Tag der 33. Woche
 Tipp

Das Verhältnis von Schwangerschaftswoche und Datierung lässt sich gut mit dem Lebensalter vergleichen:
Nach dem zweiten Geburtstag beginnt das dritte Lebensjahr. Genauso befindet man sich ab 2+0 SSW in der dritten Schwangerschaftswoche.
Abgeschlossene Wochen = wie „vergangene Geburtstage“.

Geburtstermin und Abweichungen

Weniger als 4 % der Kinder werden genau am errechneten Termin geboren. Die meisten Geburten finden in einem Zeitraum von etwa 10 Tagen vor bis 10 Tagen nach dem Termin statt.

  • Frühgeburt: Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (≤ 36+6 SSW)
  • Übertragung: Geburt ab der vollendeten 42. Schwangerschaftswoche (≥ 42+0 SSW)
 Info

Ab der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche (24+0 SSW) besteht bei entsprechendem Geburtsgewicht eine relevante Chance auf ein Überleben außerhalb des Uterus. Voraussetzung ist eine umfassende intensivmedizinische Behandlung in einem spezialisierten Perinatalzentrum.

Da insbesondere die Lunge, aber auch weitere Organsysteme zu diesem Zeitpunkt noch unreif sind, bleibt das Risiko für akute Komplikationen und langfristige Entwicklungsbeeinträchtigungen erheblich.

  • Schwangerschaftszeichen werden in sichere und unsichere Zeichen unterteilt:
    • Sichere Schwangerschaftszeichen weisen eindeutig auf das Vorliegen einer Schwangerschaft hin, da sie den Fötus direkt nachweisen (z.B. Herzaktion oder Kindsbewegungen)
    • Unsichere Schwangerschaftszeichen sind hingegen körperliche Veränderungen oder Beschwerden, die auch andere Ursachen haben können und daher allein keinen sicheren Nachweis darstellen
ZeichenDiagnostik/SymptomBeschreibung
Sichere ZeichenHormonnachweis (hCG)
  • Nachweis im Blut ab ca. 6.–9. Tag nach Befruchtung (bestätigt die Schwangerschaft, beweist aber nicht den intrauterinen Sitz oder die Vitalität)
  • Nachweis im Urin ab ca. 14. Tag
  • hCG verdoppelt sich anfangs alle 2–2,5 Tage, später Abfall
  • Abweichungen möglich: 
    • Niedrige Werte → z.B. Extrauteringravidität
    • Hohe Werte → z.B. Mehrlinge
Bildgebung (Sonografie)
  • Embryo sichtbar ab 5.–6. SSW (transvaginal)
  • Nachweis fetaler Herztöne:
    • Transvaginal ab ca. 7. SSW
    • Doppler-sonografisch ab ca. 12. SSW 
Kardiotokografie (CTG)
  • Ein CTG kann fetale Herzaktionen aufzeichen, gehört aber bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft nicht zur routinemäßigen Vorsorge
Kindsbewegungen
  • Wahrnehmung ab ca. 18.–20. SSW
Unsichere ZeichenZyklusveränderungAusbleiben der Menstruation
Allgemeinsymptome
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Brustspannen
Hautveränderungen
  • Vermehrte Pigmentierung der Brustwarzenhöfe
Genitalbereich
  • Bläulich-violette Verfärbung des Scheideneingangs
 Merke

Für eine erfolgreiche Schwangerschaft und eine ausreichende Versorgung des Kindes sind verschiedene Anpassungsprozesse im mütterlichen Organismus erforderlich. Dazu zählen neben hormonellen Veränderungen auch physiologische Anpassungen von Organen und Kreislauf.

SystemVeränderungUrsache/Erklärung
Herz-KreislaufHerzfrequenz ↑Ausgleich für erweiterte Gefäße und erhöhten Bedarf
Herzminutenvolumen ↑Mehr Blut wird benötigt zur Versorgung von Mutter & Kind
Gefäßwiderstand ↓Progesteron → Gefäße weiten sich
Blutdruck ↓Folge des gesunkenen Gefäßwiderstands
BlutPlasmavolumen ↑Gefäßwiderstand ↓ → RR ↓ → RAAS-Aktivierung → Wasserretention
Hämoglobin ↓Verdünnung durch mehr Plasma (Verdünnungsanämie)
Erythrozyten ↑Gesteigerte Produktion
Gerinnung ↑Schutz vor Blutverlust bei der Geburt
LungeAtemminutenvolumenProgesteron und Cortisol ↑ = gesteigerter Atemantrieb
NiereHarndrang ↑Mehr Volumen
Aldosteron ↑RAAS-Aktivierung = Aldosteronfreisetzung
DarmMotilität ↓Progesteron ↑  → Darm wird träger → Obstipation
BrustWachstum ↑Vorbereitung auf Stillen
StoffwechselInsulinbedarf ↓↑1. Trimenon ↓, 2. und 3. Trimenon ↑
Blutfette ↑Progesteron ↑, Östrogen ↑
HautPigmentierung der Brustwarzen ↑Hormonell bedingt (Melanin ↑)
Ödeme/Varizen an den Beinen ↑Uterusdruck auf Vena cava + Beckenvenen → venöser Rückfluss ↓ 
Hämorrhoiden ↑
UterusGröße/Gewicht ↑Progesteron ↑, Östrogen ↑

Der Schwangerschaftsverlauf reicht von der Befruchtung der Eizelle bis zur Geburt des Kindes. Die vorgeburtliche Entwicklung gliedert sich in eine Embryonalperiode und eine anschließende Fetalperiode.

Die folgende Tabelle ordnet diese Entwicklungsperioden zeitlich ein.

ZeitpunktBezeichnungEntwicklung und Einordnung
1.–8. Entwicklungswoche nach der BefruchtungEmbryonalperiodeAusbildung der Körpergrundgestalt und Anlage der Organsysteme
Ab der 9. Entwicklungswoche nach der BefruchtungFetalperiodeWachstum sowie weitere Entwicklung und Reifung der bereits angelegten Organe
Ungefähr ab 10+0 SSW p.m.FötusEntspricht dem Beginn der 11. Schwangerschaftswoche nach der üblichen Berechnung ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung

Die frühe Entwicklung beginnt mit der Befruchtung und verläuft über mehrere aufeinanderfolgende Schritte. Dazu gehören insbesondere Zellteilung, Bildung der Blastozyste, Einnistung, Entwicklung der Plazenta sowie die Anlage und Reifung der Organe.

Die folgende Tabelle gibt einen vereinfachten Überblick über die wichtigsten Entwicklungsvorgänge.

Zeitpunkt EntwicklungsphaseEntwicklungsvorgänge
Tag 1BefruchtungDas Spermium dringt in die Eizelle ein. Die mütterliche und väterliche Erbinformation werden zusammengeführt. Dadurch entsteht die befruchtete Eizelle (Zygote)
Tag 2–4Erste ZellteilungenDie Zygote teilt sich mehrfach. Dabei entstehen zunächst 2, dann 4, 8 und schließlich etwa 16 Zellen. Währenddessen wandert der Zellverband durch den Eileiter in Richtung Gebärmutter
Tag 4–5Bildung der BlastozysteAus dem Zellverband entsteht eine hohle Zellkugel, die Blastozyste. Die äußeren Zellen sind später am Aufbau der Plazenta beteiligt. Aus den inneren Zellen entwickelt sich der Embryo
Ab etwa Tag 6EinnistungDie Blastozyste erreicht die Gebärmutter, haftet an der Gebärmutterschleimhaut und wächst zunehmend in diese hinein
Tag 6 bis zum Ende der 2. WocheAufbau der frühen VersorgungDie äußeren Zellen entwickeln sich weiter und bilden die Grundlage für den fetalen Anteil der späteren Plazenta. Gegen Ende der zweiten Woche ist der Keim vollständig von Gebärmutterschleimhaut umgeben
Etwa Tag 9–12Aufbau der mütterlichen BlutversorgungIn den äußeren Zellen entstehen kleine Hohlräume. Ab etwa Tag 12 gelangt mütterliches Blut aus kleinen Gefäßen in diese Hohlräume. Damit beginnt der uteroplazentare Kreislauf
2.–8. EntwicklungswocheEmbryonale PhaseDer Körper wird grundlegend aufgebaut. Unter anderem entstehen die Anlagen des Nervensystems, des Herzens und der Gliedmaßen
Ab der 9. EntwicklungswocheFetale PhaseDie bereits angelegten Organe wachsen weiter, entwickeln ihre Funktionen und reifen zunehmend aus. Gleichzeitig nimmt der Körper deutlich an Größe und Gewicht zu
Einnistung (Implantation/Nidation):
Implantation/Nidation
 Definition
Plazenta

Die Plazenta (Mutterkuchen) ist ein vorübergehendes Organ der Schwangerschaft, das aus mütterlichen und kindlichen Anteilen besteht und den Stoffaustausch zwischen Mutter und Fötus ermöglicht.

Aufbau

Die reife Plazenta ist scheibenförmig, hat einen Durchmesser von etwa 20 cm und wiegt ungefähr 500 g. Gegen Ende der Schwangerschaft wird sie mit rund 500–750 mL Blut pro Minute durchströmt und beansprucht damit etwa 10–15 % des mütterlichen Herzminutenvolumens.

Strukturell lässt sie sich in drei Bereiche unterteilen:

  • Basalplatte (mütterlicher Anteil): Hier verlaufen die mütterlichen Spiralarterien und Venen, die Blut in den intervillösen Raum abgeben. Zudem ragen von hier aus Plazentasepten in diesen Raum
  • Intervillöser Raum: Ein mit mütterlichem Blut gefüllter Raum, in den die kindlichen Chorionzotten hineinragen. Diese Zottenbäumchen dienen dem Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind
  • Chorionplatte (kindlicher Anteil): Besteht aus einer Trophoblastschicht, den Nabelgefäßen (Aa. und V. umbilicales) und Bindegewebe. Sie ist vom Amnion bedeckt und stellt den Ansatz der Nabelschnur dar
Aufbau der Plazenta
Aufbau der Plazenta

Funktionen

  • Austausch von Nährstoffen und Blutgasen: Die Plazenta ermöglicht den Transfer von Sauerstoff und Nährstoffen vom mütterlichen Blut zum Fötus und den Abtransport von Abfallstoffen wie Kohlenstoffdioxid vom Fötus zur Mutter
  • Endokrine Funktion: Sie produziert wichtige Hormone wie das humane Choriongonadotropin (hCG), Progesteron, und Östrogene, die für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft und die Entwicklung des Fötus notwendig sind
  • Immunologischer Schutz: Die Plazenta fungiert als Barriere, die den Fötus vor bestimmten Infektionen schützt, während sie gleichzeitig einige Antikörper von der Mutter zum Fötus transportiert und so zur Immunität des Neugeborenen beiträgt. Die Plazenta trägt zur Immuntoleranz bei. Sie verhindert, dass das mütterliche Immunsystem den genetisch unterschiedlichen Fetus abstößt
 Achtung

Nach der Geburt muss kontrolliert werden, ob sich die Plazenta vollständig von der Gebärmutterschleimhaut gelöst hat, da verbliebene Reste zu starken Nachblutungen führen können. Zur weiteren Beurteilung soll sie mit in die Klinik genommen werden. 

 Tipp
Klinischer Bezug: Plazentastörungen

Plazentalösungsstörungen können verschiedene Ursachen haben. Eine wichtige Rolle spielt dabei die fehlerhafte Entwicklung des Trophoblasten.

  • Zu tiefes Eindringen des Trophoblasten (z B. bei Placenta accreta) kann dazu führen, dass sich die Plazenta nach der Geburt nicht richtig löst
  • Zu geringes Eindringen kann hingegen eine vorzeitige Plazentalösung begünstigen, wobei sich ein retroplazentares Hämatom bilden kann
 Definition
Der mütterliche und der kindliche Kreislauf sind durch mehrere Zellschichten, die Plazentaschranke, voneinander getrennt. Diese reguliert den Austausch von Gasen und Stoffen zwischen beiden Kreisläufen.

Aufbau:

  • Struktur: Die Plazentaschranke besteht aus mehreren Schichten, einschließlich der Endothelzellen der fetalen Blutgefäße und deren Basallamina, des Bindegewebes des Chorionzottenstromas, der Basallamina des Trophoblasten, ggf. der Zytotrophoblasten und der Synzytiotrophoblasten, die die äußere Schicht der Zotten bilden
  • Selektive Permeabilität: Diese Schichten ermöglichen einen selektiven Austausch von Substanzen, während sie eine direkte Blutmischung zwischen Mutter und Embryo verhindern

Austausch von Gasen und Nährstoffen:

  • Sauerstoff und Kohlendioxid: Sauerstoff diffundiert aus dem mütterlichen Blut in das Blut des Embryos, während Kohlendioxid in die entgegengesetzte Richtung abgegeben wird. Dies erfolgt durch passive Diffusion
  • Nährstoffe: Glucose, Aminosäuren, Fettsäuren, Vitamine und Mineralien werden aktiv oder passiv aus dem mütterlichen Kreislauf in den fetalen Kreislauf transportiert
  • Abfallprodukte: Metabolische Abfallprodukte des Fetus, wie Harnstoff und Kreatinin, diffundieren in das mütterliche Blut zur Entsorgung

Transfersystem:

  • Aktiver Transport: Einige Substanzen, wie Aminosäuren, Peptide, Hormone, Fettsäuren, Vitamine und anorganische Ionen, benötigen spezifische Transportmechanismen, um die Plazentaschranke zu überwinden
  • Endozytose und Exozytose: Größere Moleküle wie Antikörper werden durch eine Endozytose und Exozytose transportiert

Entwicklung und Anpassung:

  • Anpassung der Durchblutung: Die Plazenta reguliert aktiv ihre eigene Durchblutung, um den sich ändernden Bedarf an Nährstoffen und Sauerstoff des wachsenden Fetus zu decken. Im Verlauf der Schwangerschaft wächst sie und entwickelt eine größere Oberfläche, um mehr Stoffe und Blutgase austauschen zu können
Plazentaschranke
Plazentaschranke
 Definition

Die Nabelschnur ist die lebenswichtige Verbindung zwischen Fötus und Plazenta. Über sie ist das Kind an den mütterlichen Kreislauf angebunden und wird mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Bei der Geburt ist die Nabelschnur etwa 50–70 cm lang und setzt in der Regel zentral an der Chorionplatte der Plazenta an.

Nabelschnur
Schnitt durch die Nabelschnur
  • Die Nabelschnur enthält drei Gefäße:
    • Zwei Nabelarterien:
      • Transportieren sauerstoffarmes Blut vom Fötus zur Plazenta
      • Verlaufen spiralig um die Nabelvene
    • Nabelvene:
      • Transportiert sauerstoff- und nährstoffreiches Blut von der Plazenta zum Fötus
  • Wharton-Sulze: gallertartiges Bindegewebe, das die Gefäße der Nabelschnur umgibt, stabilisiert und vor Druckeinwirkung schützt
  • Die gesamte Struktur ist von einer Hülle aus Amniongewebe umschlossen
 Merke

Die Nabelarterien führen sauerstoffarmes Blut, die Nabelvene dagegen sauerstoffreiches Blut.

Fruchtblase

 Definition

Die Fruchtblase (Amnionhöhle) ist ein mit Fruchtwasser gefüllter Raum, der den Fötus umgibt und ihn während der Schwangerschaft schützt, polstert und Bewegungen ermöglicht.

  • Entsteht bereits in der 2. Entwicklungswoche
  • Sie enthält Fruchtwasser, das vom Amnion gebildet wird
  • Die Fruchtblase wächst mit dem Kind → ab ca. 4. Monat füllt sie die komplette Gebärmutter aus
Sagittalschnitt durch die Gebärmutter
Sagittalschnitt durch die Gebärmutter

Funktionen des Fruchtwassers

  • Mechanischer Schutz → Polsterung gegen Stöße
  • Bewegungsfreiheit → fördert Muskel- & Skelettentwicklung
  • Temperaturkonstanz → schützt vor Schwankungen
  • Lungenreifung → durch Ein- und Ausatmen von Fruchtwasser
  • Infektionsschutz → teilweise Barrierefunktion
  • Verhindert Verwachsungen (Amnion ↔ Fetus)

Während der Schwangerschaft werden verschiedene Hormone gebildet, die für die Erhaltung der Schwangerschaft, das Wachstum des Kindes sowie die Vorbereitung auf Geburt und Stillzeit eine zentrale Rolle spielen. 

Die wichtigsten Hormone und ihre Funktionen sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

HormonWichtigste Funktion
hCG
  • Erhält die Progesteronproduktion
  • Im Schwangerschaftstest nachweisbar
Östrogene
  • Uteruswachstum
  • Durchblutung ↑
  • Vorbereitung auf Geburt & Stillen
Progesteron
  • Erhalt der Schwangerschaft
  • Hemmt Wehen
  • Entspannt Muskulatur
hPL
  • Stoffwechselanpassung (Blutzucker ↑, Fettabbau ↑)
  • Brustentwicklung
Oxytocin
  • Wehen
  • Milcheinschuss
Prolaktin
  • Milchbildung
Hormone während der Schwangerschaft

Dauer der Schwangerschaft:

 Definition
Schwangerschaftsdauer:

Die Schwangerschaftsdauer kann auf zwei Arten angegeben werden:

  • Nach der letzten Regelblutung (post menstruationem, p.m.):
    • Grundlage ist der erste Tag der letzten Periode
    • Die Schwangerschaft dauert dabei etwa 280 Tage bzw. 40 Wochen
  • Nach dem Zeitpunkt der Befruchtung (post conceptionem, p.c.):
    • Grundlage ist der Eisprung
    • Die tatsächliche Schwangerschaftsdauer beträgt hier etwa 38 Wochen
  • 1. Trimenon: 1.–12. Schwangerschaftswoche
  • 2. Trimenon: 13.–28. Schwangerschaftswoche
  • 3. Trimenon: ab der 29. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt
 Info

Ab der 24. SSW gelten Föten als potenziell lebensfähig, da zu diesem Zeitpunkt die Lunge und andere Organsysteme ausreichend gereift sind, um mit umfassender intensivmedizinischer Unterstützung außerhalb der Gebärmutter zu funktionieren.

Zeichen der Schwangerschaft:

  • Schwangerschaftszeichen werden in sichere und unsichere Zeichen unterteilt:
    • Sichere Schwangerschaftszeichen weisen eindeutig auf das Vorliegen einer Schwangerschaft hin, da sie den Fötus direkt nachweisen (z.B. Herzaktion oder Kindsbewegungen)
    • Unsichere Schwangerschaftszeichen sind hingegen körperliche Veränderungen oder Beschwerden, die auch andere Ursachen haben können und daher allein keinen sicheren Nachweis darstellen

Körperliche Anpassungen in der Schwangerschaft:

SystemVeränderungUrsache/Erklärung
Herz-KreislaufHerzfrequenz ↑Ausgleich für erweiterte Gefäße und erhöhten Bedarf
Herzminutenvolumen ↑Mehr Blut wird benötigt zur Versorgung von Mutter & Kind
Gefäßwiderstand ↓Progesteron → Gefäße weiten sich
Blutdruck ↓Folge des gesunkenen Gefäßwiderstands
BlutPlasmavolumen ↑Gefäßwiderstand ↓ → RR ↓ → RAAS-Aktivierung → Wasserretention
Hämoglobin ↓Verdünnung durch mehr Plasma (Verdünnungsanämie)
Erythrozyten ↑Gesteigerte Produktion
Gerinnung ↑Schutz vor Blutverlust bei der Geburt
LungeAtemminutenvolumenProgesteron und Cortisol ↑ = gesteigerter Atemantrieb
NiereHarndrang ↑Mehr Volumen
Aldosteron ↑RAAS-Aktivierung = Aldosteronfreisetzung
DarmMotilität ↓Progesteron ↑  → Darm wird träger → Obstipation
BrustWachstum ↑Vorbereitung auf das Stillen
StoffwechselInsulinbedarf ↓↑1. Trimenon ↓, 2. und 3. Trimenon ↑
Blutfette ↑Progesteron ↑, Östrogen ↑
HautPigmentierung der Brustwarzen ↑Hormonell bedingt (Melanin ↑)
Ödeme/Varizen an den Beinen ↑Uterusdruck auf Vena cava + Beckenvenen → venöser Rückfluss ↓ 
Hämorrhoiden ↑
UterusGröße/Gewicht ↑Progesteron ↑, Östrogen ↑

Entwicklungsphasen der Schwangerschaft

Zeitpunkt EntwicklungsphaseEntwicklungsvorgänge
Tag 1BefruchtungDas Spermium dringt in die Eizelle ein. Die mütterliche und väterliche Erbinformation werden zusammengeführt. Dadurch entsteht die befruchtete Eizelle (Zygote)
Tag 2–4Erste ZellteilungenDie Zygote teilt sich mehrfach. Dabei entstehen zunächst 2, dann 4, 8 und schließlich etwa 16 Zellen. Währenddessen wandert der Zellverband durch den Eileiter in Richtung Gebärmutter
Tag 4–5Bildung der BlastozysteAus dem Zellverband entsteht eine hohle Zellkugel, die Blastozyste. Die äußeren Zellen sind später am Aufbau der Plazenta beteiligt. Aus den inneren Zellen entwickelt sich der Embryo
Ab etwa Tag 6EinnistungDie Blastozyste erreicht die Gebärmutter, haftet an der Gebärmutterschleimhaut und wächst zunehmend in diese hinein
Tag 6 bis zum Ende der 2. WocheAufbau der frühen VersorgungDie äußeren Zellen entwickeln sich weiter und bilden die Grundlage für den fetalen Anteil der späteren Plazenta. Gegen Ende der zweiten Woche ist der Keim vollständig von Gebärmutterschleimhaut umgeben
Etwa Tag 9–12Aufbau der mütterlichen BlutversorgungIn den äußeren Zellen entstehen kleine Hohlräume. Ab etwa Tag 12 gelangt mütterliches Blut aus kleinen Gefäßen in diese Hohlräume. Damit beginnt der uteroplazentare Kreislauf
2.–8. EntwicklungswocheEmbryonale PhaseDer Körper wird grundlegend aufgebaut. Unter anderem entstehen die Anlagen des Nervensystems, des Herzens und der Gliedmaßen
Ab der 9. EntwicklungswocheFetale PhaseDie bereits angelegten Organe wachsen weiter, entwickeln ihre Funktionen und reifen zunehmend aus. Gleichzeitig nimmt der Körper deutlich an Größe und Gewicht zu

Plazenta:

 Definition
Plazenta

Die Plazenta (Mutterkuchen) ist ein vorübergehendes Organ der Schwangerschaft, das aus mütterlichen und kindlichen Anteilen besteht und den Stoffaustausch zwischen Mutter und Fötus ermöglicht.

  • Funktionen:
    • Austausch von Nährstoffen und Blutgasen
    • Endokrine Funktion
    • Immunologischer Schutz
 Definition
Plazentaschranke:

Der mütterliche und der kindliche Kreislauf sind durch mehrere Zellschichten, die Plazentaschranke, voneinander getrennt. Diese reguliert den Austausch von Gasen und Stoffen zwischen beiden Kreisläufen.

Nabelschnur:

 Definition

Die Nabelschnur ist die lebenswichtige Verbindung zwischen Fötus und Plazenta. Über sie ist das Kind an den mütterlichen Kreislauf angebunden und wird mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Bei der Geburt ist die Nabelschnur etwa 50–70 cm lang und setzt in der Regel zentral an der Chorionplatte der Plazenta an.

 Merke

Die Nabelarterien führen sauerstoffarmes Blut, die Nabelvene dagegen sauerstoffreiches Blut.

Fruchtblase:

 Definition

Die Fruchtblase (Amnionhöhle) ist ein mit Fruchtwasser gefüllter Raum, der den Fötus umgibt und ihn während der Schwangerschaft schützt, polstert und Bewegungen ermöglicht.

Hormone während der Schwangerschaft:

HormonWichtigste Funktion
hCG
  • Erhält die Progesteronproduktion
  • Im Schwangerschaftstest nachweisbar
Östrogene
  • Uteruswachstum
  • Durchblutung ↑
  • Vorbereitung auf Geburt & Stillen
Progesteron
  • Erhalt der Schwangerschaft
  • Hemmt Wehen
  • Entspannt Muskulatur
hPL
  • Stoffwechselanpassung (Blutzucker ↑, Fettabbau ↑)
  • Brustentwicklung
Oxytocin
  • Wehen
  • Milcheinschuss
Prolaktin
  • Milchbildung
 Tipp

Wenn ihr mehr wissen möchtet, empfehlen wir euch die verlinkten Artikel aus der Vorklinik.

  • Von der Befruchtung zur Implantation
  • Hormone während der Schwangerschaft
  • Bommas-Ebert et al.: Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie. 2. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-35532-4
  • Moore et al.: Embryologie. 6. Auflage Elsevier 2013, ISBN: 978-3-437-41113-7
  • Dietel: Pathologie: Mamma, Weibliche Genitale, Schwangerschaft und Kindererkrankungen. 3. Auflage Springer 2012, ISBN: 978-3-642-04564-6
  • Flake, F., Dönitz, S.: Mensch Körper Krankheit für den Rettungsdienst, Elsevier, 2018, ISBN: 978-3437462023
  • Koch, S., Schwarz, M.: retten - Anatomie Physiologie, Elsevier, 2023, ISBN: 978-3132421172
Zuletzt aktualisiert am 05.09.2026
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