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Sehbahn

EP
9 Minuten Lesezeit

Die Sehbahn leitet optische Reize von der Retina zum visuellen Kortex des Gehirns und besteht aus vier Neuronen. 

  1. Neuron: Fotorezeptoren 
    1. Geben ihre Information über Glutamat an die Rezeptoren der Bipolarzellen weiter 
  2. Neuron: Bipolarzellen 
    1. On-Bipolarzellen: Metabotrope Glutamatrezeptoren
    2. Off-Bipolarzellen: Ionotrope Glutamatrezeptoren 
  3. Neuron: Multipolare Ganglienzellen 
    1. Axone sammeln sich an der Papille (blinder Fleck), durchdringen die Sklera
    2. Bildung des Nervus opticus, welcher außerhalb des Augapfels myelinisiert wird
    3. Nervus opticus verläuft durch Canalis opticus zur Schädelhöhle
    4. Am Chiasma opticum kreuzen Axone der nasalen Retinahälften, temporale bleiben ipsilateral
    5. Vom Chiasma opticum ziehen die Fasern als Tractus opticus zum Corpus geniculatum laterale 
  4. Neuron: Corpus geniculatum laterale im Thalamus 
    1. Die Axone des Corpus geniculatum laterale gelangen über die Sehstrahlung (Radiatio optica) zum visuellen Kortex (Area striata) 
Sehbahn

Den visuellen Kortex unterteilt man in die primäre und sekundäre Sehrinde.

Primäre Sehrinde (V1, Area striata):

Die primäre Sehrinde befindet sich im Okzipitallappen unter- und oberhalb des Sulcus calcarinus. Die primäre Sehrinde befindet sich im Brodmann-Areal 17. Die primäre Sehrinde folgt einer retinotropen Gliederung. Die retinotope Gliederung bedeutet, dass die Punkte auf der Netzhaut, die nebeneinander liegen, auch im visuellen Cortex des Gehirns nebeneinander repräsentiert werden. In der primären Sehrinde werden die Informationen ausschließlich abgebildet.

 Info

Klinischer Ausblick: Amblyopie

Wenn ein Kind schielt und ein Auge dauerhaft weniger oder gar nicht benutzt wird, kann sich daraus eine dauerhafte Sehschwäche entwickeln, die als Amblyopie bezeichnet wird. Eine Amblyopie ist keine organische Schädigung der Sehstärke, sondern entsteht durch eine über Jahre andauernde geringe Projektion der visuellen Wahrnehmung im Gehirn.

Sekundäre Sehrinde (V2 und V3):

Die sekundäre Sehrinde befindet sich in den Brodmann-Arealen 18 und 19. Sie liegt hufeisenförmig um die primäre Sehrinde herum. Sie erhält afferente Fasern von der primären Sehrinde und ist für die Verarbeitung und Interpretation der visuellen Eindrücke zuständig. Sie ist auch an der Verarbeitung von komplexeren Aspekten des Sehens beteiligt, wie der Integration von Bewegungen, der Tiefenwahrnehmung und der Erkennung von Mustern.

Sehrinde im Okzipitallappen

Blinder Fleck:

Der blinde Fleck in unserem Sichtfeld ist der Punkt auf der Netzhaut, an dem der Sehnerv die Retina verlässt (Papilla nervi optici). An dieser Stelle gibt es keine lichtempfindlichen Rezeptorzellen, was bedeutet, dass hier keine visuellen Signale erzeugt werden können. Das Resultat ist ein Bereich ohne Sehwahrnehmung, der als physiologisches Skotom bezeichnet wird. Dieser blinde Fleck liegt etwa 15 Grad seitlich von unserem zentralen Sichtfeld.

Auge (anatomischer Aufbau im Überblick)

elbstversuch (Blinder Fleck): Halte dein rechtes Auge zu und fixiere mit dem linken Auge das X. Beginne, indem du relativ nah am Blatt/Bildschirm bist, und bewege dich langsam nach hinten, während du das X mit dem linken fixiert hältst. Nach einer Zeit, sollte das O verschwinden. In diesem Monat fällt die visuelle Wahrnehmung des O auf den blinden Fleck deines linken Auges.

Selbstversuch: blinder Fleck

Je nachdem, wo die Sehbahn geschädigt ist, kommt es zu unterschiedlichen Gesichtsfeldausfällen (Skotome genannt).

Gesichtsfeldausfälle durch Retinaschädigungen:

Wenn die Retina beschädigt wird, kann es zu einem Ausfall im Sichtfeld eines Auges kommen. Wenn die Schädigung im inneren, nasalen Bereich der Retina auftritt, resultiert ein blinder Fleck in der äußeren, temporalen Hälfte des Gesichtsfelds und umgekehrt.

Bogenskotome:

Gesichtsfeldausfälle mit bogenförmigem Verlauf: häufig bei Glaukom (grüner Star). Im Fall des Glaukoms verursacht ein erhöhter Druck im Inneren des Auges Schäden am Sehnerv. Das Kammerwasser innerhalb des Auges kann nicht mehr ordnungsgemäß abfließen, was zu einem Anstieg des Drucks im Auge und auf den Sehnerv führt.

Amaurosis:
Beschreibt die vollständige Erblindung eines oder beider Augen. Grund dafür kann eine Verletzung am Nervus opticus oder an der Retina sein.

Homonyme Hemianopsie:
In beiden Augen ist die gleiche Sichtfeldhälfte betroffen. Homonyme Hemianopsien können sowohl die linke als auch die rechte Hälfte des Gesichtsfeldes betreffen.

 Merke

Die Ursache aller homonymen Gesichtsfeldausfälle liegt hinter dem Chiasma opticum.

Bitemporale Hemianopsie:

Eine bitemporale Hemianopsie ist eine Sehstörung, bei der beide seitlichen (temporalen) Gesichtsfelder ausfallen. Bei dieser Art von Sehstörung erhält die betroffene Person keine visuellen Informationen mehr von den seitlichen Bereichen, was umgangssprachlich auch als "Scheuklappenblindheit" bezeichnet wird. Häufig tritt eine bitemporale Hemianopsie aufgrund einer Verletzung in der Sehbahn auf, die sich im Bereich des Chiasma opticum befindet. Dies kann beispielsweise durch ein Hypophysenadenom oder ein Kraniopharyngeom verursacht werden. Im Chiasma opticum kreuzen sich die Nervenfasern, die Informationen von der inneren (nasalen) Seite der Retina weiterleiten. Wenn diese Kreuzung durch eine Schädigung gestört wird, führt dies zu einer bitemporalen Hemianopsie, bei der die visuellen Informationen aus der inneren (nasalen) Retina und somit der äußeren (temporalen) Gesichtsfeldbereiche nicht mehr wahrgenommen werden können.

Untere Quadrantenanopsie:

Eine untere Quadrantenanopsie bezieht sich auf den Ausfall der unteren Bereiche des linken oder rechten Gesichtsfelds. Diese Art von Sehstörung kann durch Schädigungen in Regionen wie der Sehstrahlung im Parietallappen oder im Cortex cerebri oberhalb des Sulcus calcarinus verursacht werden.

Rindenblindheit:

Wenn die Sehrinde, beispielsweise nach einem Hirninfarkt, stark geschädigt ist, kann es zu einer sogenannten kortikalen Amaurose oder Rindenblindheit kommen. Bei dieser Art von Sehstörung sind die Gesichtsfeldausfälle ähnlich wie bei Läsionen in der Sehstrahlung, und es tritt in der Regel ein homonymer Gesichtsfeldausfall auf. Die Reaktion der Pupillen auf Lichtreize bleibt jedoch normal.

Ausfälle & Störungen der Sehbahn
 Info

Betrachtet man die einzelnen Wortbestandteile, wird die Pathophysiologie meist verständlicher:

Bi-: Dieses Präfix bedeutet "zwei" oder "beide". Es zeigt an, dass beide Augen betroffen sind.

Temporale: Dies bezieht sich auf die "Schläfen" oder die seitlichen Bereiche des Kopfes. Im Zusammenhang mit dem Sehfeld bedeutet es die äußeren (seitlichen) Hälften des Sichtfeldes.

Hemi-: Dieses Präfix bedeutet "halb". Es weist darauf hin, dass nur eine Hälfte des Sichtfeldes betroffen ist. (Das nasale Sichtfeld ist in diesem Fall nicht betroffen)

Anopsie: Dieser Wortteil kommt von "Anopsia", was "Blindheit" oder "Verlust der Sehkraft" bedeutet.

Zuletzt aktualisiert am 13.07.2026
Medulla oblongata (verlängertes Mark)
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