Die Sozialstruktur einer Gesellschaft beschreibt die dauerhaften sozialen Strukturen und Beziehungen, in die Individuen eingebunden sind. Sie wird unter anderem durch Bildung, Einkommen, Beruf, soziale Herkunft, Geschlecht, Alter und Vermögen geprägt und beeinflusst die individuellen Lebens- und Teilhabechancen. Sozialstrukturelle Bedingungen wirken sich damit auch auf den Lebenslauf und die Gesundheit aus.
Ein wichtiger Bestandteil des sozialen Wandels ist die Veränderung der Erwerbsstruktur. Im Drei-Sektoren-Modell nach Jean Fourastié wird die Wirtschaft in einen primären Sektor der Land- und Forstwirtschaft, einen sekundären Sektor der Industrie und des produzierenden Gewerbes sowie einen tertiären Sektor der Dienstleistungen eingeteilt. Mit dem technischen Fortschritt und steigender Produktivität verschiebt sich die Beschäftigung langfristig vom primären über den sekundären hin zum tertiären Sektor.
Soziale Ungleichheit bezeichnet die ungleiche Verteilung gesellschaftlich bedeutsamer Ressourcen und Lebenschancen. Während klassische Modelle soziale Positionen vor allem anhand von Klassen und Schichten ordneten, beschreibt das Konzept der neuen sozialen Ungleichheiten eine zunehmende Differenzierung der Ungleichheitsdimensionen. Neben Einkommen und beruflicher Stellung gewinnen beispielsweise Bildung, Geschlecht, Alter, Familienform, Migration und regionale Lebensbedingungen an Bedeutung. Dadurch wird soziale Lage zunehmend multidimensional und lässt sich nicht mehr allein über eine hierarchische Schichtzugehörigkeit erfassen.
Das klassische Schichtenmodell nach Bolte stellte die westdeutsche Gesellschaft als überwiegend mittelschichtdominierte Gesellschaft dar. Die sogenannte Bolte-Zwiebel ordnete soziale Positionen insbesondere anhand von Bildung, Einkommen und beruflicher Stellung. Das Modell ist heute vor allem für das Verständnis der historischen Entwicklung der deutschen Sozialstrukturforschung relevant.
Der Klassenbegriff nach Karl Marx basiert primär auf dem Verhältnis der Menschen zu den Produktionsmitteln. Im Kapitalismus stehen sich insbesondere die besitzende Bourgeoisie und das auf den Verkauf seiner Arbeitskraft angewiesene Proletariat gegenüber. Der Gegensatz ihrer ökonomischen Interessen bildet für Marx die Grundlage des Klassenkonflikts. Demgegenüber fasst Max Weber soziale Klassen breiter über die jeweilige Klassenlage und die daraus resultierenden Marktchancen. Neben Besitzklassen unterscheidet er Erwerbsklassen und grenzt den Klassenbegriff von Ständen ab, die stärker durch sozialen Status und gesellschaftliche Anerkennung geprägt sind.
Insgesamt zeigt die Entwicklung der Sozialstruktur den Übergang von stärker durch Herkunft, Besitz und klassische Klassenlagen geprägten Gesellschaftsordnungen zu zunehmend differenzierten sozialen Lebenslagen. Für die Beurteilung individueller Lebens- und Gesundheitschancen reicht es deshalb heute nicht aus, lediglich Einkommen oder Berufsstatus zu betrachten; vielmehr wirken mehrere sozialstrukturelle Faktoren zusammen.
- Fourastié J. Le Grand Espoir du XXe siècle. Progrès technique, progrès économique, progrès social. Paris: Presses Universitaires de France; 1949.
- Bolte KM, Hradil S. Soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik Deutschland. 6. Auflage. Opladen: Leske + Budrich; 1988. ISBN 978-3-8100-0733-9.
- Weber M. Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Tübingen: Mohr; 1922.
- Marx K. Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. Hamburg: Verlag von Otto Meissner; 1867.


