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Sprachliche Grundlagen

EP
7 Minuten Lesezeit
  • Über 150.000 medizinische Begriffe und Abkürzungen basieren hauptsächlich auf den Sprachen Griechisch, Latein, Deutsch und zunehmend Englisch.
  • Lateinisch-griechische Begriffe: Costa, Basis cranii interna, Endokarditis und Hallux valgus
  • Lateinisch-griechisch-deutsche Begriffe: Iliosakralgelenk, linke Kolonflexur und Blasenkarzinom
  • Deutsche Begriffe: Schienbein, Kehlkopf, grauer Star und Blutverdünner
  • Beispiele für Abkürzungen: M., Aa., C1 - C7, Hüft-TEP und TIA.
  • Anglisierte, englische Begriffe: frontal bone, frozen shoulder, Screening und tissue engineering.
  • Die Aussprache, Betonung und Schreibweise lateinisch-griechischer Begriffe können anfangs sprachliche Schwierigkeiten bereiten
 Info

Von vielen Auszubildenden und Studierenden wird die Wichtigkeit der Terminologie häufig unterschätzt und das Lernen von Übersetzungen als lästig empfunden. Eine gute Kenntnis der medizinischen Terminologie kann jedoch dabei helfen, korrekt und eindeutig zu kommunizieren und kann das Lernen vieler Themen vereinfachen. Z.B. bedeutet Musculus biceps brachii aus dem lateinischen in das deutsche übersetzt: Zweiköpfiger Armmuskel (Musculus = Muskel; biceps = zweiköpfig; brachii = des Armes). Ohne einen anatomischen Bildatlas studiert zu haben, hat man durch die reine Übersetzung bereits wichtige Informationen gelernt. Gegebenenfalls erhält man sogar eine neue Perspektive: Orthopädie heißt wortwörtlich übersetzt: Lehre vom aufrechten Kind. Somit wird ein Teilbereich der Orthopädie bereits deutlich: die Behandlung von Fehlbildungen oder Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, die z.B. zu Fehlhaltungen bei Kindern führen.

BuchstabeAusspracheBeispiele
ckCor, Clavikula, Abductor, Colon, Cranium
 zCerebrum, Cisterna, Ascendens
 Merke
  • "c" wird vor "e", "i", "y", "ae", "oe" als "z" ausgesprochen: Cervix, Cisterna, Areae gastricae, ascendens.
  • "c" wird vor "a", "o", "u" und Konsonant als "k" ausgesprochen: Caput, Cor, Cutis, Pecten.
BuchstabenAusspracheBemerkungen, Beispiele
ae, oeä, ö

einsilbig als ä: praepatellaris,

einsilbig als ö: Oesophagus

a-e, o-ea-e, o-e

zweisilbig a-e: Hämatopoese

Zweisilbig o-e: Influenzaenzephalitis

eu, eiei, eueinsilbig wie heute, heiter: Pneumonie, Cheilitis
e-u, e-ie-u, e-izweisilbig bei Endungen: deltoid-e-us, 
oss-e-i
sp, sts-p, s-tSpina, Sternum
ph, thf, tPyonephrose, Ophthalmologika, Sphincter, Thymus
tizivor -a, -um, -o, -al: Articulatio, Eminentia, Spatium
qu, gukw, gwUnguentum als „Ungwentum“, obliquus als „oblikwus“
chch, kals ch wie in ich: Ischämie, oder als k: achromatisch
vwValva, Divertikel, Glaucoma juvenile
  • Einzelne Wörter in Terminologie werden großgeschrieben, z.B. Sternum, Arthroskopie, Peritonitis
  • Bei mehreren Wörtern wird nur das erste Wort großgeschrieben, z.B. Caput costae, Ulcus cruris venosum
  • In eingedeutschten oder deutschen Mehrworttermini werden die Substantive großgeschrieben, z.B. chronische arterielle Hypotonie, Magenulkus 

Deklination

  • Es gibt 5 Deklinationsklassen im klassischen Latein: a-Deklination, o-Deklination, konsonantische Deklination, u-Deklination, e-Deklination 
  • Es gibt 5 Kasus (Fälle): Nominativ (Nom.), Genitiv (Gen.), Dativ (Dat.), Akkusativ (Akk.), Ablativ (Abl.) 
  • Es gibt 2 Numeri: Singular (Sing.) - Einzahl, Plural (Pl.) - Mehrzahl 
  • Es gibt 3 Genera (Geschlechter): maskulinum (männlich, m.), femininum (weiblich, f.), neutrum (sächlich, n.) 
  • In der lateinisch-griechischen Terminologie sind die Deklinationen stark verkürzt enthalten 
    • Der Nominativ Singular ist sehr häufig, der Nominativ Plural und der Genitiv Singular sind häufig 
    • Der Genitiv Plural ist selten, der Dativ fehlt oft 
    • Akkusativ und Ablativ Singular werden sehr selten verwendet 

Übersicht

Dekli-nations-klasse

1. Dekli-nation

(a-Dekl.)

2. Dekli-nation 
(o-Dekl., mask-ulin)
2. Dekli-nation 
(o-Dekl., neutrum)
3. Dekli-nation (konsonant. Dekl.)4. Dekli-nation 
(u-Dekl.)
5. Dekli-nation  
(e-Dekl.)
Nom. Sing.Gener-a (erzeugen) f.Radi-us (Speiche) m.Virus (Virus) n.Ventri-culus (Kammer) m.Status (Zustand) m.Faci-es (Gesicht) f.
Gen. Sing.gener-aeradi-ivir-iventricul-istat-usfaci-ei
Nom. Pl.Gener-aeRadi-iViri (Viren) n.Ventricul-iStat-usFaci-es (Gesicht-er) f.
Gen. Pl.gener-arumradi-orumvir-orumventricul-orumstat-uumfaci-um

1.-2. (a- und o-) Deklination

 m.f.n.
Nom. Sing.dilat-usdilat-adilat-um
Nom. Pl.dilat-idilat-aedilat-a
Gen. Sing.dilat-idilat-aedilat-i
Gen. Pl.dilat-orumdilat-arumdilat-orum

Übersicht

Termini mit 1 Wort:

  • Körperteile: Cranium (Schädel), Abdomen (Bauch), Pes (Fuß)
  • Knochen: Maxilla (Oberkiefer), Costa (Rippe), Tibia (Schienbein)
  • Organe: Larynx (Kehlkopf), Gaster (Magen), Auris (Ohr)
  • Weitere Bildungen: Carpus (Handwurzel), Orbita (Augenhöhle)

Termini mit 2-6 Wörtern (Mehrworttermini):

  • Zwei Wörter: Os frontale (Stirnbein)
  • Drei Wörter: Ligamentum capitis costae (Band des Rippenkopfes)
  • Fünf Wörter: Caput longum musculi bicipitis brachii (langer Kopf des zweiköpfigen Oberarmmuskels)

Die Grundwörter der Mehrworttermini sind oftmals Begriffe wie Knochen, Band, Muskel, Gelenk, Vene, Nerv etc., z.B.:

  • Os nasale (ein Knochen, Nasenbein)
  • Ligamentum capitis costae (ein Band, Band des Rippenkopfes)
  • Cartilago thyroidea (ein Knorpel, Schildknorpel im Kehlkopf)

Die Attribute stehen nach den Grundwörtern und können Adjektive zur Lage, Größe, Form, Farbe oder anatomischer Strukturen sein, z.B.:

  • Größe: Pelvis minor (kleines Becken)
  • Lage: Labium superius (Oberlippe)
  • Form: Os triquetrum (Dreiecksbein)
  • Farbe: Nucleus ruber (roter Kern)
  • Form, Lage, Größe: M. rectus capitis posterior major (großer hinterer gerader Kopfmuskel)
BedeutungsinhaltBeispiel LateinischDeutsch
Teil, Knochen-, OrganteilCaput femorisKopf des Oberschenkelknochens
Lage in Richtung, bei...Apertura thoracis superiorObere Brustkorberöffnung
Lage, Verbindung zwischen...Articulatio coxaeHüftgelenk
Lage unter...Arteria infraorbitalisArterie am Unterrand der Augenhöhle
Vertiefung, Hohlraum für...Fossa cubitalisEllenbeuge
Höcker, Leiste als Ursprung oder Ansatz für...Tuberositas tibiaeSchienbeinrauigkeit, Ansatz für Muskel
Gefäße, Nerven zur Versorgung von...Ramus mandibulaeAst des Unterkiefernervs
Muskeln mit TätigkeitenMusculus flexor carpi radialisBeuger des Handgelenks auf der Speichenseite
  • Abkürzungen im Nominativ Singular:

A. - Arteria (Arterie)

M. - Musculus (Muskel)

N. - Nervus (Nerv)

R. - Ramus (Ast)

V. - Vena (Vene)

Art. - Articulatio (Gelenk)

Lig. - Ligamentum (Band)

Proc. - Processus (Fort-satz)

Gl. - Glandula (Drüse)

Nl. - Nodus lymphoideus (Lymphknoten)

  • Beispiele:

A. pulmonalis dextra - rechte Lungenarterie

Art. cubiti - Ellenbogengelenk

Proc. coronoideus - Kronenfortsatz

  • Abkürzungen im Nominativ Plural (Mehrzahl), der einzige / letzte Buchstabe ist verdoppelt:

Aa. - Arteriae (Arterien)

Nn. - Nervi (Nerven)

Artt. - Articulationes (Gelenke)

Ligg. - Ligamenta (Bänder)

  • Beispiele:

Mm. dorsi – Rückenmuskeln

Vv. cordis anteriores - vordere Herzvenen

Gll. salivariae majores - große Mundspeicheldrüsen

  • Abkürzungen im Genitiv Singular/ Genitiv Plural (kleingeschrieben) 

a., aa., lig., ligg., m., mm., usw.

  • Beispiele:

Sulcus a. vertebralis - Rinne für die Wirbelarterie

Retinaculum mm. extensorum - Halteband der Streckermuskeln

 

Zuletzt aktualisiert am 17.04.2026
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