Die stabile Seitenlage ist eine grundlegende Maßnahme in der Notfallversorgung und dient dazu, die oberen Atemwege bei bewusstlosen Patient:innen freizuhalten.
Der folgende Artikel beleuchtet nicht nur die Technik, sondern auch die zugrunde liegenden Prinzipien.
InfoIn den meisten Fällen erfolgt die Überwachung der Atmung durch Notfallsanitäter:innen in Rückenlage.
Die stabile Seitenlage kommt primär bei Patient:innen zum Einsatz, die:
- Bewusstlos oder nicht adäquat ansprechbar sind (GCS ≤ 8 als grobe Orientierung)
- Eine suffiziente Spontanatmung aufweisen
- Keine unmittelbare Atemwegssicherung mittels invasiver Maßnahmen benötigen
Ziel ist die Vermeidung einer Atemwegsverlegung durch:
- Zurückfallen der Zunge
- Aspiration von Mageninhalt, Blut oder Sekreten
AchtungInsbesondere das „stille Erbrechen“ ist eine immense Gefahr bei bewusstlosen Patient:innen in der Rückenlage. Dabei läuft Mageninhalt durch die Speiseröhre Richtung Mund und kann von dort in die Luftröhre fließen. Es kann nicht nur zu Atemwegsverlegungen, sondern auch sekundär zu Pneumonien kommen.
TippSie stellt somit eine temporäre Maßnahme dar, bis weiterführende Maßnahmen (z.B. Atemwegssicherung) möglich oder erforderlich sind.
MerkeReminder: Physiologische Grundlagen
In Rückenlage besteht bei bewusstlosen Patient:innen die Gefahr, dass der Muskeltonus der oberen Atemwege abnimmt. Die Zunge kann nach dorsal sinken und den Pharynx teilweise oder vollständig verlegen.
Die Seitenlagerung bewirkt:
- Eine passive Drainage von Flüssigkeiten aus Mund und Rachen
- Eine Verbesserung der Atemwegsfreiheit durch veränderte Schwerkraftverhältnisse
- Eine Reduktion des Aspirationsrisikos
Ziel ist es, dass Mageninhalt aus dem Mund herauslaufen kann, wenn die Lippen den tiefsten Punkt der Mundhöhle markieren.
- Keine normale Atmung oder Kreislaufstillstand
- Verletzungen, die durch Umlagerung verschlimmert werden können (z.B. Wirbelsäulenverletzungen)
- Gefahr der Verzögerung wichtiger Maßnahmen (z.B. Atemwegssicherung oder Reanimation)
- Anatomische Einschränkungen, die eine sichere Lagerung erschweren oder unmöglich machen (z.B. Fehlstellungen)
MerkeAlternative Maßnahmen:
- Kontinuierliche Absaugbereitschaft sowie engmaschige Überwachung der Atemwege in Rückenlage
- Esmarch-Handgriff
- Atemwegssicherung
- Ggf. Reanimationsmaßnahmen
Patient:innen, die bewusstlos sind, aber spontan atmen, sollten in die stabile Seitenlage gebracht werden. Durch das Überstrecken des Kopfes sollen die Atemwege offengehalten und eine Aspiration (z.B. durch Erbrochenes) vermieden werden.
- Bewusstlose:n Patient:in flach auf den Rücken legen
- Helfer:in kniet auf der linken Seite des betroffenen Menschen
- Linken Arm der Person greifen und 90° nach oben angewinkelt ablegen
- Rechte Hand auf der linken Schulter platzieren
- Rechtes Bein anstellen und als Hebel nutzen, um den/die Patient:in auf die linke Seite zu drehen
- Kopf vorsichtig überstrecken und mit rechter Hand der Person fixieren
- Regelmäßige Kontrolle von Atmung und Kreislauf
TippBei der Drehung der betroffenen Person auf die Seite kann es, je nach Körpergewicht, schwer sein, den Menschen zu bewegen. Um möglichst wenig Kraft aufzuwenden, greife das angewinkelte Knie am Gelenk und erziele so die größte Hebelwirkung. Je näher du die Drehung am Körperstamm vollführst, desto mehr Kraft musst du aufwenden.
- Übersehene Zustandsverschlechterung: z.B. stilles Erbrechen oder Veränderung der Atmung
- Beeinträchtigung der Atmung: beispielweise durch unzureichende Reklination des Kopfes → Zungenverlegung
- Druckstellen & Nervenschäden: bei längerer Lagerung möglich
AchtungDer Zustand der Patient:innen muss reevaluiert werden. Insbesondere eine regelmäßige Überprüfung der Atmung ist wichtig.
- Reanimation 2025 - Leitlinien kompakt, Deutscher Rat für Wiederbelebung - German Resuscitation Council e.V. (GRC)


