Krankheitsverhalten beschreibt, wie Menschen körperliche Beschwerden wahrnehmen, bewerten und darauf reagieren. Menschen unterscheiden sich darin, wann sie Symptome als behandlungsbedürftig wahrnehmen und ob sie zunächst abwarten, sich selbst behandeln, Rat im sozialen Umfeld suchen oder professionelle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Diese Entscheidungen werden unter anderem durch die wahrgenommene Schwere der Beschwerden, persönliche Erfahrungen und Vorstellungen über Krankheit sowie durch soziale und kulturelle Einflüsse geprägt.
Das Health Belief Model erklärt ergänzend, warum Menschen gesundheitsbezogene Handlungen ausführen oder unterlassen. Entscheidend sind insbesondere die wahrgenommene Anfälligkeit für eine Erkrankung, deren wahrgenommener Schweregrad, der erwartete Nutzen einer Handlung sowie mögliche Barrieren. Zusätzlich können Handlungsreize wie Symptome, Informationen aus dem sozialen Umfeld oder eine ärztliche Empfehlung das Verhalten auslösen. In der Weiterentwicklung des Modells wurde auch die Selbstwirksamkeit als Einflussfaktor berücksichtigt. Auf das Hilfesuchen übertragen bedeutet dies beispielsweise, dass ein Arztbesuch wahrscheinlicher wird, wenn eine Person ihre Beschwerden als relevant einschätzt, einen Nutzen der medizinischen Abklärung erwartet und nur geringe wahrgenommene Hindernisse bestehen.
Menschen suchen medizinische Hilfe zudem nicht ausschliesslich zur Behandlung einer Erkrankung auf. Gründe können beispielsweise akute Beschwerden, Unsicherheit über deren Ursache, der Wunsch nach diagnostischer Abklärung, Beruhigung und Sicherheit, Beratung oder Prävention, eine Krankschreibung bzw. soziale Legitimation der Erkrankung oder die Kontrolle einer bereits bekannten Erkrankung sein. Die individuelle Entscheidung entsteht somit aus dem Zusammenspiel von Symptomen, deren subjektiver Bewertung, persönlichen Vorstellungen, sozialem Umfeld und Zugänglichkeit medizinischer Versorgung.
MerkeKrankheitsverhalten beschreibt die individuelle Reaktion auf Symptome. Das Hilfesuchen entsteht aus deren Bewertung und wird zusätzlich durch persönliche, soziale und strukturelle Faktoren beeinflusst.
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