Nach C, H und O ist Stickstoff das häufigste Element in Biomolekülen und Bestandteil zahlreicher organischer Verbindungen. Er findet sich unter anderem in den Aminogruppen der Aminosäuren, in Peptidbindungen, in den Nukleinbasen von DNA und RNA sowie in zahlreichen Neurotransmittern und Arzneistoffen.
Charakteristisch für Stickstoff ist das freie Elektronenpaar, welches für die basischen Eigenschaften vieler Stickstoffverbindungen verantwortlich ist.
Amine sind organische Derivate des Ammoniaks (NH3), bei denen ein oder mehrere Wasserstoffatome durch organische Reste ersetzt sind. Je nachdem, wie viele organische Reste gebunden sind, unterscheidet man primäre, sekundäre und tertiäre Amine.
Das freie Elektronenpaar am Stickstoffatom ist für die chemischen Eigenschaften der Amine von entscheidender Bedeutung. Es ermöglicht ihnen, als Basen und Nukleophile zu reagieren. Amine können Protonen aufnehmen und bilden dabei Ammonium-Ionen. Aufgrund ihrer N–H-Bindungen können primäre und sekundäre Amine zudem Wasserstoffbrücken ausbilden.

AchtungDie Einteilung primär/sekundär/tertiär richtet sich bei Aminen nach der Anzahl der Reste am N-Atom – bei Alkoholen hingegen nach der Anzahl der C-Atome am OH-tragenden C-Atom.
Biogene Amine:
Biogene Amine entstehen im Körper durch Decarboxylierung von Aminosäuren. Viele von ihnen wirken als Neurotransmitter oder Gewebshormone:
| Biogenes Amin | Aminosäure (Vorstufe) | Funktion (Beispiele) |
|---|---|---|
| Histamin | Histidin | Entzündung, Allergie, Magensäuresekretion |
| Serotonin | Tryptophan (über 5-Hydroxytryptophan) | Neurotransmitter (Stimmung, Schlaf), Gefäßtonus |
| Dopamin | Tyrosin (über L-DOPA) | Neurotransmitter, Vorstufe von Noradrenalin und Adrenalin |
| GABA | Glutamat | wichtigster hemmender Neurotransmitter im ZNS |
Heterocyclen sind ringförmige organische Verbindungen, die neben Kohlenstoff mindestens ein Heteroatom enthalten. Besonders bedeutsam sind stickstoffhaltige aromatische Ringe (N-Heterocyclen). Sie bilden die Grundgerüste der Nukleinbasen, vieler Vitamine und Coenzyme, des Häms sowie zahlreicher Arzneistoffe.
Beispiele:
- Pyrimidin und Purin bilden das Grundgerüst der Nukleinbasen: Cytosin, Thymin und Uracil (Pyrimidinbasen) bzw. Adenin und Guanin (Purinbasen). Beim Abbau von Purinen entsteht Harnsäure.
- Imidazol ist ein fünfgliedriger Ring mit zwei Stickstoffatomen und unter anderem Bestandteil der Aminosäure Histidin. Bei physiologischen pH-Werten kann sein N-Atom Protonen aufnehmen und abgeben. Dies ist wichtig in aktiven Zentren von Enzymen und für die Pufferwirkung des Hämoglobins.
- Indol ist ein bicyclisches System, das aus einem Benzolring und einem angefusionierten Pyrrolring besteht. Es bildet das Grundgerüst der Aminosäure Tryptophan sowie von Serotonin und Melatonin.
MerkeDie Basen der DNA und RNA leiten sich von Purin (Adenin, Guanin) und Pyrimidin (Cytosin, Thymin, Uracil) ab. Merkhilfe: „CUT the PY“ – Cytosin, Uracil und Thymin sind Pyrimidinbasen.

