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Stoffwechsel der Ketonkörper

EP
4 Minuten Lesezeit
  • Definition: Ketonkörper sind Stoffwechselprodukte, die bei Energiemangel aus Fettsäuren gebildet werden. Werden in Hungerzuständen oder bei Diabetes mellitus gebildet, wenn Oxalacetat im Mitochondrium knapp und NADH hoch ist
  • Arten von Ketonkörpern:
    • Acetoacetat: Enthält eine Ketogruppe
    • Aceton: Abbauprodukt von 
      Acetoacetat (flüchtig, wird 
      über die Atemluft ausgeschieden)
    • β-Hydroxybutyrat: Enthält eine 
      Hydroxylgruppe und ist der 
      Haupt-Ketonkörper
  • Eigenschaften der Ketonkörper
    • Wasserlöslich: Können ohne Transportproteine im Blut transportiert werden
    • Ausscheidung:
      • Acetoacetat & β-Hydroxybutyrat: Über die Nieren, bei starker Lipolyse im Urin nachweisbar
      • Aceton: Über die Atemluft (bei starker Ketogenese entsteht ein charakteristischer Geruch)
    • Bedeutung:
      • Gehirn stellt sich nach Fasten auf Ketonkörper um und deckt ca. 75% seines Energiebedarfs daraus
      • Herzmuskel und Nierenrinde bevorzugen Acetacetat gegenüber Glukose
  1. Mangel an Kohlenhydraten:
    • Mechanismus: Glukosemangel → Blutzucker ↓ → Glucagonspiegel ↑
    • Folge: Stoffwechsel wechselt auf Fettabbau zur Energiegewinnung
  2. Erhöhter Glucagonspiegel:
    • Aktivierung alternativer Energiequellen wie:
      • Glukoneogenese: Bildung von Glukose aus Oxalacetat (wichtiger Baustein des Citratzyklus)
      • Ketogenese: Umwandlung von Acetyl-CoA in Ketonkörper
  3. Hemmung des Citratzyklus:
    • Ursache: Mangel an Oxalacetat (z. B. durch Glukosemangel)
    • Acetyl-CoA kann nicht weiterverwertet werden und wird stattdessen für die Ketogenese genutzt
  4. Erhöhte Lipolyse (Fettabbau):
    • Anstieg freier Fettsäuren im Blut → Verstärkte β-Oxidation in der Leber:
      • Produktion von Acetyl-CoA
      • Bildung reduzierter Coenzyme (NADH, FADH₂)
    • Hoher ATP-Spiegel hemmt den Citratzyklus zusätzlich
  5. Ketonkörper im Blut:
    • Freisetzung zur Energieversorgung von Geweben, insbesondere bei langem Fasten oder niedrigem Blutzuckerspiegel
  1. Schritt 1 – Bildung von Acetoacetyl-CoA:
    • Enzym: 3-Ketothiolase
    • Reaktion: Zwei Moleküle Acetyl-CoA werden zu Acetoacetyl-CoA kondensiert
  2. Schritt 2 – Bildung von HMG-CoA:
    • Enzym: HMG-CoA-Synthase
    • Reaktion: Ein weiteres Acetyl-CoA wird an Acetoacetyl-CoA angelagert, wodurch β-Hydroxy-β-Methylglutaryl-CoA (HMG-CoA) entsteht
  3. Schritt 3 – Spaltung zu Acetoacetat:
    • Enzym: HMG-CoA-Lyase
    • Reaktion: HMG-CoA wird in Acetoacetat und Acetyl-CoA gespalten
  4. Schritt 4 – Umwandlung der Ketonkörper:
    • Acetoacetat wird in zwei weitere Ketonkörper umgewandelt:
      • Reduktion zu β-Hydroxybutyrat:
        • Enzym: β-Hydroxybutyrat-Dehydrogenase
        • Reaktion: Acetoacetat wird mit NADH zu β-Hydroxybutyrat reduziert
      • Decarboxylierung zu Aceton:
        • Spontane Reaktion bei längerem Fasten oder diabetischem Koma
        • Folge: Aceton kann über die Atemluft ausgeschieden werden (typischer süßlich-fauliger Geruch)
Ketonkörpersynthese (Ketogenese)

Definition:

  • Die diabetische Ketoazidose ist eine akute Komplikation bei Typ-1-Diabetes, die durch schweren Insulinmangel ausgelöst wird. Aufgrund einer gestörten Glukoseverwertung kommt es zu einem "vorgespielten" Kohlenhydratmangel, wodurch der Körper auf alternative Energiequellen umstellt und vermehrt Ketonkörper bildet

Ursachen:

  1. Schwerer Insulinmangel:
    • Insulinabhängige Glukoseaufnahme in Muskel- und Fettzellen ist nicht möglich
    • Folge: Hyperglycämie (stark erhöhter Blutzucker)
  2. Mobilisierung alternativer Energiequellen:
    • Fettgewebe:
      • Lipolyse → Erhöhung der freien Fettsäuren im Blut → Verwertung in der Leber
    • Muskelgewebe:
      • Proteinkatabolismus → Erhöhung der Aminosäuren im Blut → Nutzung in der Leber
  3. Leberstoffwechsel:
    • Erhöhte β-Oxidation: Vermehrte Bildung von Acetyl-CoA → Ketogenese steigt
    • Glukoneogenese: Aus Glycerin und Aminosäuren → Weitere Erhöhung des Blutzuckerspiegels
    • Glycogenolyse: Zusätzliche Freisetzung von Glukose → Hyperglycämie ↑

Folgen:

  1. Hyperglycämie:
    • Massive Erhöhung des Blutzuckerspiegels → Hyperosmolarität
    • Folge: Osmotische Polyurie (vermehrte Harnausscheidung) → Dehydration
  2. Ketoazidose:
    • Bildung von Ketonkörpern (Acetoacetat, β-Hydroxybutyrat):
      • Azidose: Absenkung des Blut-pH-Werts
      • Acetonbildung: Charakteristischer Geruch in der Ausatemluft
      • Ketonkörper im Urin nachweisbar
    • Symptome: Erbrechen, Übelkeit, Dehydration
  3. Komplikationen:
    • Organfunktionsstörungen durch Elektrolytverschiebungen
    • Gefahr des diabetischen Komas bei unbehandelter Ketoazidose
  • Besonderheiten bei Typ-2-Diabetes
    • Meist kein absoluter Insulinmangel, sondern eine relative Insulinresistenz
    • Dadurch seltener vollständige Umstellung auf Ketogenese
    • Lipolyse und Ketogenese weniger stark gesteigert als bei Typ-1-Diabetes
Zuletzt aktualisiert am 06.10.2025
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