Die technischeRettung ist ein wesentlicher Bestandteil komplexerEinsatzlagen des Rettungsdienstes und erfordert eine enge ZusammenarbeitzwischenRettungsdienst und Feuerwehr. Das Ziel besteht darin, Patient:innen aus Zwangs- oder Einklemmungslagen zu befreien, in denen eine medizinische Versorgung oder Rettung mit den Mitteln des Rettungsdienstes allein nicht möglich ist.
Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick über die grundlegendenPrinzipien, Abläufe und technischenMöglichkeiten der technischen Rettung aus Sicht des Rettungsdienstes. Der Fokus liegt dabei auf dem Verständnis der eingesetzten Maßnahmen und Geräte sowie auf den SchnittstellenzwischenmedizinischerundtechnischerHilfeleistung.
Um den Einstieg in das Thema technische Rettung etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: "Verkehrsunfall, mehrere Betroffene"
Ort: Landstraße
Alarmzeit: 14:55
Anrufer:in: Mehrere Personen
Anzahl der betroffenen Personen: 4
Zusatzinfo:
Mehrere Anrufer:innen melden auf einer Landstraße einen Verkehrsunfall
2 PKW frontal zusammengestoßen, mindestens 4 betroffene Personen
Feuerwehr und Polizei mit alarmiert
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen des Rettungsdienstes stehen mehrere Passanten bereit und weisen euch den Weg.
Die Lage ist wie folgt:
Auf einer Landstraße kam es zu einer Frontalkollision zwischen zweiPkw
Aufgrund winterlicher Fahrbahnverhältnisse geriet eines der Fahrzeuge ins Schleudern und pralltemit hoher Geschwindigkeit in den Gegenverkehr
Beide Fahrzeuge waren jeweils mit zwei Personen besetzt
Die beiden Fahrer sind in ihren Fahrzeugen eingeklemmt
Die Feuerwehr ist bereits vor Ort, Polizei sowie weitere Rettungsmittel befinden sich auf Anfahrt
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Definition
Technische Rettung
Der Begriff Technische Rettung bezeichnet die Befreiung von Patient:innen aus Zwangs- oder Einklemmungslagen unter Einsatz technischerHilfsmittel. Dazu zählen beispielsweise Spreizer, Rettungsscheren, Hebe- und Schneidwerkzeuge sowie weitere spezialisierte Geräte.
Indikation einer technischen Rettung:
Der Einsatz technischer Rettungsmaßnahmen ist erforderlich, wenn die Standardausrüstung des Rettungsdienstes wedereineadäquatemedizinischeVersorgungnocheinesichereBefreiung der betroffenen Person ermöglicht. In solchen Situationen sind zusätzliche technische Eingriffe erforderlich, die das gezielte Entfernen, Öffnen oder Verändern von Fahrzeug-, Maschinen- oder Gebäudestrukturen umfassen können.
Entsprechende Einsatzsituationen ergeben sich beispielsweise bei:
Patient:innen, die sich infolge eines Unfalls in stark deformierten Fahrzeugen befinden
Verschüttungs- oder Einklemmungslagen, unter Bauwerksteilen oder Schüttgütern
Notfällen an Orten mit eingeschränkterZugänglichkeit, etwa in Höhen, Tiefen oder auf komplexen technischen Anlagen
All diesen Einsatzlagen ist gemeinsam, dass die rettungsdienstlichen Maßnahmen ohne die Unterstützung spezialisierter technischer Einheiten nicht durchführbar sind.
In der praktischen Einsatzrealität ist der Verkehrsunfall der häufigsteAnlass für eine technischeRettung. Verletzte Personen können hierbei aufgrund struktureller Schäden am Fahrzeug eingeschlossen oder durch Verformungen der Karosserie fixiert sein, sodass ein konventioneller Zugang zu ihnen nicht möglich ist.
Beteiligte Organisationen:
Technische Rettungen werden in der Regel als gemeinsameEinsätzevonRettungsdienstundFeuerwehr durchgeführt. Aufgrund der hohen Einsatzfrequenz dieser Konstellation bestehen in der Regel eingespielte Abläufe und eine routinierte Zusammenarbeit. In speziellen Lagen, etwa bei großflächigen Schadensereignissen oder besonderen technischen Anforderungen, kann zusätzlich das Technische Hilfswerk hinzugezogen werden.
Raumordnung an der Einsatzstelle:
Eine frühzeitige und konsequenteOrdnung des Einsatzortes ist eine wesentliche Voraussetzung für eine reibungslose technische Rettung. Sie erleichtert sowohl die medizinische Versorgung als auch die Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen.
Wenn es die Situation zulässt, positioniert der Rettungsdienst den Rettungswagen hinter oder vor der eigentlichen Einsatzstelle. Dabei sind stets die Verkehrsabsicherung und der Eigenschutz zu berücksichtigen.
Die Einsatzstelle wird funktional in 3 Bereiche gegliedert:
Äußerer Bereich: Umfasst einen Radius von etwa 100 Metern und dient als Bereitstellungsraum für Einsatzfahrzeuge → grüne Zone
Mittlerer Bereich: Erstreckt sich etwa 10 Meter um das Unfallobjekt und dient zur Vorhaltung von Einsatzmitteln, deren Einsatz wahrscheinlich ist → gelbe Zone
Innerer Bereich: Ein etwa 5 m umfassender Kernbereich, hier halten sich ausschließlich die unmittelbar eingesetzten Kräfte sowie die aktuell benötigten Geräte auf → rote Zone
Der innersteBereich ist auf das notwendigeMinimum zu beschränken und wird primär von dem eingesetzten Feuerwehrtrupp und dem direkt beteiligten Rettungsdienstpersonal genutzt.
Führung und Koordination:
Bei gemeinsamen Einsätzen mit der Feuerwehr liegt die Gesamtverantwortung für die Einsatzführung in der Regel bei der Einsatzleitung der Feuerwehr. Diese plant und koordiniert die technische Rettungin enger Abstimmung mit dem Rettungsdienst, sodass medizinische und technische Maßnahmen optimal ineinandergreifen.
Ablauf einer technischen Rettung:
Alarmierung:
Parallele Alarmierung von Rettungsdienst, Feuerwehr und Notarzt, wenn bereits bei der Notrufabfrage Hinweise auf eine notwendige technische Rettung bestehen
Nachalarmierung weiterer Kräfte, wenn der Bedarf erst durch das zuerst eintreffende Rettungsmittel erkannt wird
Rückmeldung an die Leitstelle durch das ersteintreffende Rettungsmittel zur Veranlassung der Nachalarmierung
Lagererkundung:
Gemeinsame Lageübersicht durch die Führungskräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst nach Eintreffen an der Einsatzstelle
Bewertung bestehender und potenzieller Gefahren
Festlegung von Prioritäten für das weitere Vorgehen
Abstimmung der Maßnahmen zwischen den beteiligten Organisationen
Beachtung des Eigenschutzes als oberste Priorität
Besondere Berücksichtigung von Gefahren durch instabile Fahrzeuge oder alternative Antriebssysteme
Festlegung der Rettungsstrategie:
Medizinische Priorisierung bei mehreren Betroffenen erforderlich
Abstimmung der Priorisierung zwischen Rettungsdienst, Notarzt und Einsatzleitung
Berücksichtigung des Verletzungsmusters der Patienten
Einbeziehung des Zeitfaktors in die Entscheidungsfindung
Grundsätzlich werden 3 Rettungsformen unterschieden:
Sofort-Rettung (Crash-Rettung): unmittelbare, maximal beschleunigte Befreiung ohne Rücksicht auf zusätzliche Verletzungen
Beispielhafte Kriterien: Fahrzeug brennt, Gasaustritt, lebensbedrohliche und unkontrollierbare Blutung, Bewusstlosigkeit oder Reanimationssituation
Maßnahmen:
Befreiung mit Tolerierung von Folgeverletzungen
Bei Einklemmung minimale technische Rettung → schnellstmöglich
Notfallmedizinische Maßnahmen außerhalb des Fahrzeuges → ggf. durch Feuerwehr schon eingeleitet
Schnelle Rettung: zeitnahe, aber achsengerechte Rettung unter Berücksichtigung der vorliegenden Verletzungen, sie stellt den Regelfall dar
Beispielhafte Kriterien: vorhandene Vitalfunktionen, keine lebensbedrohlichen Verletzungen, Patient:in ansprechbar, keine weiteren Gefahren vom Fahrzeug oder Umwelt ausgehend
Maßnahmen:
Beginn mit der notfallmedizinischen Versorgung im Fahrzeug
Durch die Feuerwehr: Fahrzeugstabilisierung, Glasmanagement, raumschaffende Maßnahmen, technische Rettung zur Entklemmung
Gute Kommunikation und enge Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst, Feuerwehr und ggf. Notarzt
Schonende Rettung: Im Rahmen der schonenden Rettung steht aufgrund des vorliegenden Verletzungsmusters nicht der Zeitfaktor, sondern die patientenschonende Vorgehensweise im Vordergrund
Achtung
Aufgrund der Unfallkinematik bei eingeklemmten Patient:innen ist grundsätzlich von schweren Verletzungen auszugehen. Daher hat die rein theoretische Unterscheidung zwischen schonender und schneller Rettung im Kontext von Verkehrsunfällen nur noch begrenzte praktische Bedeutung.
Zugang zu Patient:innen:
Die gezielteSchaffung von Öffnungen am Unfallfahrzeug ist Voraussetzung für medizinischeMaßnahmen und die spätere Befreiung der verletzten Person. Hinsichtlich des Zugangs zur betroffenen Person unterscheidet man drei Arten von Öffnungen:
Erst- bzw. Zugangsöffnung:
Dient dem ersten Zugang zur verletzten Person und der medizinischen Ersteinschätzung
Im Idealfall ermöglicht sie bereits die Durchführung lebensrettender Sofortmaßnahmen
Möglichkeiten zum Herstellen einer Erstöffnung:
Manuelles Öffnen der Tür
Zugang über die Frontscheibe/Seitenscheibe oder Schiebedach
Bei Transportern/Lkw: Kabinenrückwand
Versorgungsöffnung:
Ermöglicht die weitere Versorgung der verletzten Person
In der Regel wird ein größerer Zugang zum Fahrzeuginnenraum geschaffen, z.B. durch das Öffnen oder Entfernen von Türen
Lageabhängige Vorgehensweise in Abstimmung mit der Einsatzleitung der Feuerwehr
Befreiungsöffnung:
Dient der Rettung der verletzten Person aus dem Unfallfahrzeug
Abhängig von Fahrzeugtyp, Deformierung, Unfallsituation und Fahrzeuglage
Versorgungs- bzw. Befreiungsöffnung
Info
Mögliche Befreiungsöffnungen:
PKW:
Öffnen oder Entfernen von Türen
Große Seitenöffnung (Entfernen beider Türen und der B-Säule)
Entfernen des Daches oder von Dachsegmenten
Öffnen oder Entfernen der Heckklappe
(Klein) Transporter:
Öffnen oder Entfernen von Türen
Zugang über die Frontscheibe
Zugang über den Laderaum
LKW:
Öffnen der Türen
Zugang über die Dachluke
Öffnung über die Kabinenrückwand
Während der medizinischenErstversorgung übernimmt die Feuerwehr die technischenMaßnahmenzurBefreiung. Die Rettung aus dem Fahrzeug sowie die Umlagerung auf geeignete Rettungsmittel erfolgen gemeinschaftlich, häufig unter Nutzung von Hilfsmitteln, wie der Schaufeltrage oder einem Spineboard.
Merke
Grundsätze der Kommunikation mit Patient:innen
Wenn Patient:innen bei Bewusstsein sind, soll vor Beginn der technischen Maßnahmen über das Vorgeheninformiert werden. Sofern es die Lage erlaubt, bleibteinMitglied des Rettungsdienstes während der Rettung inunmittelbarerNähe der betroffenen Person, um sie medizinisch und kommunikativ zu betreuen.
Achtung
Gefahren an der Einsatzstelle
Bei der Personenrettung aus Fahrzeugen bestehen vielfältigeGefahrenquellen, darunter:
Auslaufende Betriebsstoffe mit Brand- oder Explosionsrisiko
Nicht ausgelöste Rückhaltesysteme
Scharfkantige Fahrzeugteile und Glassplitter
Instabile Fahrzeuglagen
Mitgeführte Gefahrstoffe
Spezifische Risiken moderner Antriebstechnologien
Diese Gefahren sind fortlaufend zu beurteilen und in die Einsatzplanungeinzubeziehen.
Weitere Informationen zum Thema Gefahren an der Einsatzstelle findest du hier: Gefahren und Verhalten an der Einsatzstelle.
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Relevante Informationen zum Fahrzeugaufbau
Ein grundlegendesVerständnis des modernenFahrzeugaufbaus ist für alle an der technischen Rettung beteiligten Einsatzkräfte essenziell. Die Konstruktion heutiger Fahrzeuge folgt dem Prinzip einer stabilenSicherheitsfahrgastzelle, die durch gezielteVerformungszonen ergänzt wird. Während bestimmte Karosseriebereiche Energie aufnehmen und sich kontrolliert verformen sollen, dienen andere Strukturen dem SchutzderInsassen und der Erhaltung eines möglichst stabilenÜberlebensraums.
Fahrzeugaufbau:
Die Fahrgastzelle wird durch gezielt verstärkteBauteilestabilisiert und sorgt damit für die Sicherheit der Insassen. Zu diesen gehören insbesondere:
A-Säule → zwischen Windschutzscheibe und Vordertür
B-Säule → zwischen Vorder- und Hintertür
C-Säule → hintere Dachabstützung
Manche Fahrzeuge haben noch eine D-Säule
Seitenschweller
Vordere und hintere Längsträger
Diese Bereiche bestehen in der Regel aus hochfestenoderultrahochfestenStählen und sind deutlich schnitt- und spreizresistenter als herkömmliche Karosseriebleche. Das Durchtrennen dieser Strukturen ist mit einem erhöhten Zeit- und Kraftaufwand verbunden. Das hat unmittelbaretaktischeKonsequenzen für die technische Rettung.
Info
Bedeutung für den Rettungsdienst
Verlängerte Rettungsdauer bei Schnittmaßnahmen
Erhöhter Materialverschleiß
Potenziell höhere mechanische Belastung für die verletzte Person, z.B. über Vibrationsübertragung
Kenntnisse über diese Strukturen erlauben eine gezielteWahl der Schnittpunkte und ermöglichen so eine Zeitoptimierung der Rettungsmaßnahmen.
Verglasung:
ModerneFahrzeuge verfügen über zwei verschiedene Glasarten:
Einscheibensicherheitsglas:
Seiten- und Heckscheiben
Zerspringen bei Krafteinwirkung in kleine, stumpfe Krümel
Relativ einfach zu entfernen
Verbundsicherheitsglas:
Meist Frontscheibe
Besteht aus 2 Glasschichten mit Kunststofffolie
Zersplittert nicht vollständig
Muss gesägt oder geschnitten werden
Merke
Beim Glasmanagement sind folgende Schutzmaßnahmen erforderlich:
Abkleben der Scheibe
Abdecken der verletzten Person → Schutz vor möglichen Splittern
Augenschutz und Maske für die beteiligten Personen
Rückhaltesysteme:
Zu den passivenSicherheitssystemen zählen:
Sicherheitsgurte
Gurtstraffer
Gurtkraftbegrenzer
Gurtstraffer werden explosionsartigausgelöst und können bei verspäteter Aktivierung Verletzungen verursachen. Daher gilt:
Gurte grundsätzlich durchtrennen, nicht lösen
Minimierung der Gefahr einer Spätzündung
Airbags:
Moderne Fahrzeuge verfügen teilweise über mehr als zehn Airbags, darunter Front-, Seiten-, Curtain- und Knie- sowie Center-Airbags. Diese werden mikroprozessorgesteuert innerhalb vonMillisekundenausgelöst.
Merke
Wesentliche Gefahren
NichtausgelösteAirbags können bis zu 30Minutennach Unfall zünden
Puffersysteme ermöglichen Auslösung auch nachBatterietrennung
ThermischeodermechanischeReize können Gasgenerator aktivieren
Tipp
AIRBAG-Regel:
A - Abstand halten
I - Innenraum erkunden
R - Rettungskräfte warnen
B - Batteriemanagement
A - Abnehmen von Verkleidungen
G - Gefahr an Komponenten
Achtung
Für medizinischesPersonal ist die MittederRückbank der sichersteAufenthaltsort im Fahrzeug, da hier der größte Abstand zu den Airbags besteht.
Fahrzeugelektronik:
Von der Fahrzeugelektronik gehen mehrereGefahren aus:
Kurzschluss
Brandentwicklung
Aktivierung pyrotechnischer Systeme
Die Batterie sollte durch die Feuerwehrabgeklemmt werden. Dennoch:
Restspannung möglich
Zweitbatterien bei modernen Fahrzeugen
Aktive Warnblinkanlage → Hinweis auf Bordspannung
BesonderesAugenmerk gilt den Elektro- und Hybridfahrzeugen mit Hochvoltsystem. Von diesen gehen besondere Gefahren aus.
Tipp
Rettungskarte
Die Rettungskarte ist eine standardisierte, fahrzeugspezifische Übersicht mit wichtigen sicherheitsrelevantenInformationen für Einsatzkräfte. Sie wird von verschiedenen Stellen (z.B. dem ADAC®) bereitgestellt und zeigt den Aufbau eines Fahrzeugs schematisch.
Inhalte der Rettungskarte:
Lage von Airbags und Gasgeneratoren
Position von Gurtstraffern
Verlauf von Hochvoltleitungen
Verstärkte Karosseriestrukturen
Position der Fahrzeugbatterie
Alternative Antriebe und Tanksysteme
Zweck:
Unterstützung der Feuerwehr bei der taktischen Planung
Sichere Wahl von Schnitt- und Ansatzpunkten
Reduzierung von Gefahren für Patient:innen und Einsatzkräften
Zielgewinn bei der technischen Rettung
Anwendung:
Idealerweise druckt der Fahrzeughalter die Rettungskarte aus und bewahrt sie hinterderSonnenblende auf der Fahrerseite auf. Alternativ kann sie von der Feuerwehr über entsprechende Datenbanken digital abgerufen werden.
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Kurze Übersicht über Gerätschaften
Zur Durchführung der technischen Rettung stehen verschiedeneHilfsmittel zur Verfügung, darunter:
Mechanische Hebelwerkzeuge zur Schaffung von Ansatzpunkten
Sicherungs- und Transportleinen
Hydraulische oder elektrische Schneid-, Spreiz- und Zylindergeräte zur Veränderung von Karosseriestrukturen
Pneumatische Hebekissen zum Anheben schwerer Lasten
Drehleitern und Rettungsplattformen für Einsätze in Höhen oder bei hoch gelegenen Fahrzeugen
Flaschenzugsysteme zum Heben oder Abseilen von Personen und Material
Schleifkorbtragen, gegebenenfalls in Kombination mit Vakuummatratzen, zur liegenden Rettung aus Höhen oder Tiefen
Der Einsatz dieser Geräte erfordert konsequentenEigenschutz, insbesondere aufgrund von beweglichen Teilen, Druckkräften und scharfen Kanten.
Sie lassen sich in unterschiedlicheTätigkeitsfelder weiter aufteilen:
Bewegen, Heben, Ziehen
Trennen, Spreizen
Abstützen
Sichern und Retten
Transportieren von Verletzten
Achtung
Abgrenzung von Information und praktischer Anwendung
Dieser Artikel dient der fachlichenInformation und dem grundlegendenVerständnis der technischen Rettung aus rettungsdienstlicher Perspektive. Er beschreibt Möglichkeiten, Prinzipien und eingesetzte Gerätschaften im Rahmen der interdisziplinärenZusammenarbeit.
Die praktischeDurchführung technischer Rettungsmaßnahmen, die Auswahl und Bedienung der Geräte sowie die taktische Umsetzung liegen in der alleinigenVerantwortung der zuständigenundausgebildetenEinsatzkräfte, insbesondere der Feuerwehr.
Die dargestellten Inhalte ersetzenkeineAusbildung, Einweisung oder Einsatzpraxis und stellen keine Handlungsanweisung für nicht entsprechend qualifiziertes Personal dar. Entscheidungen über Art, Umfang und Durchführung technischer Maßnahmen sind stets lageabhängig und durch die verantwortliche Einsatzleitung zu treffen.
Ziel des Rettungsdienstes ist es, ein VerständnisfürdietechnischenMöglichkeiten und Abläufe zu entwickeln, um medizinische Maßnahmensinnvollzuplanen und die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr effektivzuunterstützen.
Mechanische Hebel- und Brechwerkzeuge:
Beschreibung:
Mechanische Hebelwerkzeuge (z.B. Brechstangen) dienen der manuellenKraftübertragung zur Bewegung, Anhebung oder Verformung von Bauteilen
Sie ermöglichen das Schaffen erster Ansatzpunkte für weiterführende technische Rettungsgeräte
Einsatzbereiche:
Öffnen von Spalten und Zwischenräumen an Fahrzeugen oder Bauwerken
Vorbereitung des Einsatzes hydraulischer Rettungsgeräte
Funktion:
Kraftübertragung durch Hebelwirkung
Schaffen von Öffnungen, Spalten oder Ansatzpunkten für weitere Geräte
Besonderheiten:
Einfache Technik, sofort einsetzbar
Hohe mechanische Belastung bei vergleichsweise geringem technischen Aufwand
Erhöhtes Risiko durch plötzliches Nachgeben von Material
Sicherungs- und Transportleinen, Bandschlingen:
Beschreibung:
Leinen, Seile oder Bandschlingen dienen der SicherungvonPersonen, Material oder Geräten gegen Absturz oder unkontrollierte Bewegung
Sie können sowohl statisch (Sicherung) als auch dynamisch (Transport) eingesetzt werden
Einsatzbereiche:
Sicherung von Einsatzkräften und Patient:innen bei Arbeiten in Höhen oder Tiefen
Transport von Ausrüstung an schwer zugängliche Einsatzorte
Funktion:
Sicherung von Personen, Geräten und Lasten
Kraftübertragung und Lastverteilung
Besonderheiten:
Einsatz nur in Verbindung mit geeigneten Anschlagpunkten
Erfordert fachgerechte Knotentechnik und Lastabschätzung
Schneid-, Spreiz- und Zylindergeräte:
Beschreibung:
Hydraulische oder elektrische Rettungsgeräte zur gezielten Durchtrennung, Spreizung oder VerdrängungvonBauteilen
Ermöglichen die kontrollierte Veränderung von Karosseriestrukturen
Einsatzbereiche:
Öffnen von Fahrzeugen bei Verkehrsunfällen
Schaffen von Versorgungs- und Rettungsöffnungen
Entlastung eingeklemmter Körperregionen
Funktion:
Schneiden von Metallstrukturen
Verdrängen, Spreizen oder Drücken von Bauteilen
Schaffen von Zugangs- und Rettungsöffnungen
Besonderheiten:
HoheKräfte mit entsprechender Gefährdung durch bewegliche Teile und scharfe Kanten
Tragen persönlicher Schutzausrüstung auch für Rettungsdienstpersonal erforderlich
Enge Abstimmung zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst notwendig
Pneumatische Hebekissen:
Beschreibung:
LuftgefüllteKissen aus verstärktem Kunststoffmaterial, die mittels Druckluft aufgeblasen werden
Dienen dem AnhebenschwererLasten auf engem Raum
Einsatzbereiche:
Befreiung von Patienten unter Fahrzeugen oder schweren Objekten
Anheben eingestürzter Bauteile
Funktion:
Anheben schwerer Lasten mittels Druckluft
Fein dosierbares, flächiges Heben
Besonderheiten:
Gefahr des Abrutschens oder Absackens der Last
Lastsicherung durch Unterbaumaterial zwingend erforderlich
Einsatz nur nach Freigabe durch die verantwortliche Einsatzleitung
Drehleiter und Rettungsplattformen:
Beschreibung:
Hub- und Steigsysteme der Feuerwehr zur Rettung aus Höhen oder Tiefen
Drehleitern verfügen über einen Korb, auf dem Tragen befestigt werden können
Einsatzbereiche:
Rettung aus oberen Stockwerken oder Gruben → Drehleiter
Rettung aus hochgelegenen Fahrzeugen (z.B. Lkw, Busse) → Rettungsplattform
Funktion:
Zugang zu hoch- oder tiefgelegenen Einsatzstellen
Patient:innentransport in liegender Position möglich
Besonderheiten:
Höhenbedingte Stressreaktionen von Patient:innen möglich
Moderate Sedierung kann in Einzelfällen erforderlich sein
Rettung wird, wann immer möglich, von medizinischem Fachpersonal begleitet
Mehrzweckzug/Flaschenzugsysteme:
Beschreibung:
Mechanische Systeme zur Kraftübersetzung nach dem Prinzip des Flaschenzugs
Ermöglichen das kontrollierte Heben oder Abseilen von Personen und Material
Einsatzbereiche:
Rettung aus Schächten, Baugruben oder unwegsamem Gelände
Vertikaler Transport von Patienten in Schleifkorbtragen
Funktion:
Ziehen, Spannen oder Bewegen von Lasten
Kraftreduktion durch Umlenkung
Besonderheiten:
Erfordert stabile Befestigungspunkte
Kombination mit Drehleiter oder Dreibein möglich
Fachgerechter Aufbau entscheidend für die Sicherheit
Schleifkorbtrage:
Beschreibung:
Starre, korbförmige Trage zur Rettung von Patienten aus Höhen, Tiefen oder unwegsamem Gelände
Kann mit einer Vakuummatratze kombiniert werden
Einsatzbereiche:
Rettung aus Baugruben, Schächten, Gerüsten oder steilem Gelände
Liegender Transport von Patient:innen unter schwierigen räumlichen Bedingungen
Funktion:
Stabiler, gesicherter Transport von Patient:innen
Kombination mit Seil- oder Hebesystemen möglich
Besonderheiten:
Hohe Stabilität und Sicherung der transportierten Person
In Einzelfällen → moderate Sedierung notwendig
Info
Unterschiedliche Ausstattungen der Feuerwehren
Die technischeAusstattungderFeuerwehren ist in Deutschland nichteinheitlichgeregelt und kann regional erheblich variieren. Welche Geräte verfügbar sind, hängt unter anderem von der Gefahrenabwehrplanung, der Gemeindegröße, der Infrastruktur sowie von landesrechtlichen Vorgaben ab.
Nicht jede Feuerwehr verfügt über alle im Text dargestellten Geräte und Rettungsmittel. Insbesondere spezialisierte Ausrüstung wie hydraulische Rettungsgeräte, Hebekissensysteme, Drehleitern oder spezielle Rettungsplattformen ist häufig nur bei entsprechend ausgestatteten Einheiten oder bei überörtlich eingesetzten Einheiten vorhanden.
Die im Artikel aufgeführten Geräte und Materialien dienen daher ausschließlich der Übersicht und der fachlichenEinordnung der Möglichkeiten der technischen Rettung. Sie stellen keineverbindlicheMindest- oder Vollausstattung dar und erlauben keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Ausrüstung einer konkreten Feuerwehr.
Für den Rettungsdienst bedeutet dies, dass Art und Umfang der technisch verfügbaren Unterstützung stets lageabhängig und organisationsspezifisch zu bewerten sind. Eine frühzeitigeKommunikation mit der EinsatzleitungderFeuerwehr ist daher essenziell, um die vorhandenen technischen Möglichkeiten realistisch in die Einsatzplanung einzubeziehen.
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Die präklinischeVersorgungeingeklemmter oder eingeschlossenerPatient:innen stellt besondere Anforderungen an alle beteiligten Einsatzkräfte. Aufgrund eingeschränkterZugänglichkeit, beengter Platzverhältnisse und sicherheitsrelevanterAspekte können standardisierte Behandlungsalgorithmen häufig nicht uneingeschränkt angewendet werden. Medizinische Maßnahmen müssen daher situationsangepasst erfolgen und kontinuierlich mit der technischen Rettung abgestimmt werden.
Das Grundprinzip ist dabei das xABCDE-Schema.
Beengte Platzverhältnisse:
DeformierteFahrgasträumebeeinträchtigen die Bewegungsfreiheit von Personal und Patient:innen. Dies erschwert:
Lagerung und Umlagerung
Anlage venöser Zugänge
Atemwegssicherung
Monitoring
Zwangshaltungen erhöhen das RisikosekundärerVerletzungen. Eine frühe Abstimmung mit der Feuerwehr über die technische Erweiterung des Arbeitsraums ist daher essenziell.
Eingeschränkter Patient:innenzugang:
Unterschieden wird zwischen:
Eingeschlossener Person → keine Selbstbefreiung möglich
Eingeklemmter Person → Körperteile durch Fahrzeugstrukturen fixiert
Der Zugang wird immer gemeinsammitderFeuerwehrgeplant und erst nachSicherung des Fahrzeuges durchgeführt.
Lärmbelästigung:
HydraulischeRettungsgeräte und allgemeiner Einsatzstellenlärm verursachen hohe Geräuschpegel. Dies hat zur Folge:
Die Kommunikation wird erschwert
Zunehmender Stress oder Angst der verletzten Person
Achtung
Eine kontinuierlicheverbaleBetreuung und Erklärung der Maßnahmen durch das Rettungsteam sind daher besonders wichtig.
Zeitdruck:
Der Zeitfaktor hat einen erheblichenEinfluss auf das Behandlungsergebnis. Von entscheidender Bedeutung ist dabei das Prähospitalintervall, also die Zeit vom Notruf bis zur Übergabe an die Klinik. Längere technische Rettungen können sich negativ auf die Prognose auswirken.
Daraus ergibt sich folgende Notwendigkeit:
RegelmäßigeReevaluation des Patient:innenzustands
InterdisziplinäreEntscheidung über den Rettungsmodus → Sofort-Rettung oder schonende Rettung, ggf. Selbstbefreiung in Betracht ziehen
Dies erfolgt gemeinsam durch Feuerwehr, Rettungsdienst und ggf. Notarzt oder Notärztin.
Tipp
Selbstbefreiung nach Verkehrsunfällen
Die Selbstbefreiung aus einem Unfallfahrzeug stellt nach der Leitlinie „Extrication following a Motor Vehicle Collision“ der Faculty of Pre-Hospital Care (FPHC) eine bevorzugte Option der Rettung dar, sofern sie medizinisch möglich ist. Studien zeigen, dass sie häufig schneller durchgeführt werden kann und mit geringeren Bewegungen der Wirbelsäule verbunden ist als viele klassische technische Rettungsverfahren.
Aufwendige Rettungstechniken mit dem Ziel einer maximalen Bewegungsminimierung der Wirbelsäule können die Befreiung verzögern und dadurch das Zeitintervall bis zur medizinischen Versorgung verlängern.
Eine Selbstbefreiung ist daher besonders geeignet, wenn Patient:innen ansprechbar sind, Anweisungen folgen und kurzzeitig auf mindestens einem Bein stehen können → USTEP-OUT-Schema nutzen!
Kontraindikationen:
Unfähigkeit, medizinische Anweisungen zu befolgen
Nicht möglich, kurzfristig auf einem Bein zu stehen
Merke
Golden Hour of Trauma
Als „Golden Hour of Trauma“ wird das Zeitfenster der ersten etwa 60 MinutennacheinemschwerenTrauma bezeichnet. In dieser Phase ist eine raschemedizinischeVersorgung für das Überleben und die Prognose der Patient:innen von entscheidenderBedeutung. In dieser Phase besteht die größte Chance, lebensbedrohliche Verletzungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Zentrale Bedeutung:
Frühe Blutungskontrolle
Sicherung der Atemwege
Stabilisierung von Atmung und Kreislauf
Schneller Transport in ein geeignetes Traumazentrum
Relevanz für die technische Rettung:
LangeRettungszeiten können dieses kritischeZeitfenster erheblich verkürzen. Eine engeAbstimmung zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst ist daher erforderlich, um medizinische Maßnahmen und technische Rettung optimalzusynchronisieren.
Rolle des inneren Retters:
Definition
Alsinnerer Retterwird das Mitglied des Rettungsdienstes bezeichnet, das sich, sofern die Einsatzlage es zulässt, im Fahrzeuginnenraum direkt bei der verletzten Person aufhält. Diese Funktion ist von zentraler Bedeutung für die sicheremedizinischeBetreuung während der technischen Rettung und bildet eine wichtigeSchnittstelle zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst.
Neben der medizinischenVersorgung, die sich am Verletzungsmuster orientiert, ist die kontinuierlicheKommunikation mit der betroffenen Person eine weitere zentrale Aufgabe. Die Situation im Unfallfahrzeug ist für Betroffene häufig mit Angst, Schmerzen und Orientierungslosigkeit verbunden.
Der innere Retter übernimmt daher eine wichtige psychosozialeFunktion:
Erklärung der laufenden Maßnahmen
Vorbereitung auf Geräusche und Erschütterungen
Beruhigung und Orientierung
Aufbau von Vertrauen
Tipp
Diese Kommunikation trägt wesentlich zur Stressreduktion bei und kann sich positiv auf die Kreislaufstabilität und die Kooperation auswirken.
Der innere Retter übernimmt außerdem eine SchutzfunktiongegenüberäußerenGefahren, die während der technischen Rettung entstehen. Dazu gehören insbesondere:
Glassplitter bei der Scheibenentfernung
MechanischeGefahren durch bewegliche Werkzeuge und Bauteile
Er sorgt für eine möglichst sichere Lagerung der verletzten Person, schützt sie bei Bedarf vor Kälte und kündigt geplante Maßnahmen an. Gleichzeitig achtet er konsequent auf den Eigenschutz und hält ständig Sichtkontakt zur Feuerwehr.
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