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Technische Rettung (RD)

Rettung aus PKW, Eingeklemmte Person, VU
30 Minuten Lesezeit

Die technische Rettung ist ein wesentlicher Bestandteil komplexer Einsatzlagen des Rettungsdienstes und erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und Feuerwehr. Das Ziel besteht darin, Patient:innen aus Zwangs- oder Einklemmungslagen zu befreien, in denen eine medizinische Versorgung oder Rettung mit den Mitteln des Rettungsdienstes allein nicht möglich ist.

Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick über die grundlegenden Prinzipien, Abläufe und technischen Möglichkeiten der technischen Rettung aus Sicht des Rettungsdienstes. Der Fokus liegt dabei auf dem Verständnis der eingesetzten Maßnahmen und Geräte sowie auf den Schnittstellen zwischen medizinischer und technischer Hilfeleistung.

Um den Einstieg in das Thema technische Rettung etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.

Das Szenario

Einsatzmeldung:

  • Stichwort: "Verkehrsunfall, mehrere Betroffene"
  • Ort: Landstraße
  • Alarmzeit: 14:55
  • Anrufer:in: Mehrere Personen
  • Anzahl der betroffenen Personen: 4
  • Zusatzinfo:
    • Mehrere Anrufer:innen melden auf einer Landstraße einen Verkehrsunfall
    • 2 PKW frontal zusammengestoßen, mindestens 4 betroffene Personen
    • Feuerwehr und Polizei mit alarmiert

Lageeinweisung vor Ort:

Beim Eintreffen des Rettungsdienstes stehen mehrere Passanten bereit und weisen euch den Weg. 

Die Lage ist wie folgt:

  • Auf einer Landstraße kam es zu einer Frontalkollision zwischen zwei Pkw
  • Aufgrund winterlicher Fahrbahnverhältnisse geriet eines der Fahrzeuge ins Schleudern und prallte mit hoher Geschwindigkeit in den Gegenverkehr
  • Beide Fahrzeuge waren jeweils mit zwei Personen besetzt
  • Die beiden Fahrer sind in ihren Fahrzeugen eingeklemmt
  • Die Feuerwehr ist bereits vor Ort, Polizei sowie weitere Rettungsmittel befinden sich auf Anfahrt
Fallbeispiel technische Rettung
 Definition
Technische Rettung

Der Begriff Technische Rettung bezeichnet die Befreiung von Patient:innen aus Zwangs- oder Einklemmungslagen unter Einsatz technischer Hilfsmittel. Dazu zählen beispielsweise Spreizer, Rettungsscheren, Hebe- und Schneidwerkzeuge sowie weitere spezialisierte Geräte.

Indikation einer technischen Rettung:

Der Einsatz technischer Rettungsmaßnahmen ist erforderlich, wenn die Standardausrüstung des Rettungsdienstes weder eine adäquate medizinische Versorgung noch eine sichere Befreiung der betroffenen Person ermöglicht. In solchen Situationen sind zusätzliche technische Eingriffe erforderlich, die das gezielte Entfernen, Öffnen oder Verändern von Fahrzeug-, Maschinen- oder Gebäudestrukturen umfassen können.

Entsprechende Einsatzsituationen ergeben sich beispielsweise bei:

  • Patient:innen, die sich infolge eines Unfalls in stark deformierten Fahrzeugen befinden
  • Verschüttungs- oder Einklemmungslagen, unter Bauwerksteilen oder Schüttgütern
  • Notfällen an Orten mit eingeschränkter Zugänglichkeit, etwa in Höhen, Tiefen oder auf komplexen technischen Anlagen

All diesen Einsatzlagen ist gemeinsam, dass die rettungsdienstlichen Maßnahmen ohne die Unterstützung spezialisierter technischer Einheiten nicht durchführbar sind.

In der praktischen Einsatzrealität ist der Verkehrsunfall der häufigste Anlass für eine technische Rettung. Verletzte Personen können hierbei aufgrund struktureller Schäden am Fahrzeug eingeschlossen oder durch Verformungen der Karosserie fixiert sein, sodass ein konventioneller Zugang zu ihnen nicht möglich ist.

Beteiligte Organisationen:

Technische Rettungen werden in der Regel als gemeinsame Einsätze von Rettungsdienst und Feuerwehr durchgeführt. Aufgrund der hohen Einsatzfrequenz dieser Konstellation bestehen in der Regel eingespielte Abläufe und eine routinierte Zusammenarbeit. In speziellen Lagen, etwa bei großflächigen Schadensereignissen oder besonderen technischen Anforderungen, kann zusätzlich das Technische Hilfswerk hinzugezogen werden.

Raumordnung an der Einsatzstelle:

Eine frühzeitige und konsequente Ordnung des Einsatzortes ist eine wesentliche Voraussetzung für eine reibungslose technische Rettung. Sie erleichtert sowohl die medizinische Versorgung als auch die Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen.

Wenn es die Situation zulässt, positioniert der Rettungsdienst den Rettungswagen hinter oder vor der eigentlichen Einsatzstelle. Dabei sind stets die Verkehrsabsicherung und der Eigenschutz zu berücksichtigen.

Die Einsatzstelle wird funktional in 3 Bereiche gegliedert:

  • Äußerer Bereich: Umfasst einen Radius von etwa 100 Metern und dient als Bereitstellungsraum für Einsatzfahrzeuge → grüne Zone
  • Mittlerer Bereich: Erstreckt sich etwa 10 Meter um das Unfallobjekt und dient zur Vorhaltung von Einsatzmitteln, deren Einsatz wahrscheinlich ist → gelbe Zone
  • Innerer Bereich: Ein etwa 5 m umfassender Kernbereich, hier halten sich ausschließlich die unmittelbar eingesetzten Kräfte sowie die aktuell benötigten Geräte auf → rote Zone

Der innerste Bereich ist auf das notwendige Minimum zu beschränken und wird primär von dem eingesetzten Feuerwehrtrupp und dem direkt beteiligten Rettungsdienstpersonal genutzt.

Raumordnung an der Einsatzstelle

Führung und Koordination:

Bei gemeinsamen Einsätzen mit der Feuerwehr liegt die Gesamtverantwortung für die Einsatzführung in der Regel bei der Einsatzleitung der Feuerwehr. Diese plant und koordiniert die technische Rettung in enger Abstimmung mit dem Rettungsdienst, sodass medizinische und technische Maßnahmen optimal ineinandergreifen.

Ablauf einer technischen Rettung:

  • Alarmierung:
    • Parallele Alarmierung von Rettungsdienst, Feuerwehr und Notarzt, wenn bereits bei der Notrufabfrage Hinweise auf eine notwendige technische Rettung bestehen
    • Nachalarmierung weiterer Kräfte, wenn der Bedarf erst durch das zuerst eintreffende Rettungsmittel erkannt wird
    • Rückmeldung an die Leitstelle durch das ersteintreffende Rettungsmittel zur Veranlassung der Nachalarmierung
  • Lagererkundung:
    • Gemeinsame Lageübersicht durch die Führungskräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst nach Eintreffen an der Einsatzstelle
    • Bewertung bestehender und potenzieller Gefahren
    • Festlegung von Prioritäten für das weitere Vorgehen
    • Abstimmung der Maßnahmen zwischen den beteiligten Organisationen
    • Beachtung des Eigenschutzes als oberste Priorität
    • Besondere Berücksichtigung von Gefahren durch instabile Fahrzeuge oder alternative Antriebssysteme
  • Festlegung der Rettungsstrategie:
    • Medizinische Priorisierung bei mehreren Betroffenen erforderlich
    • Abstimmung der Priorisierung zwischen Rettungsdienst, Notarzt und Einsatzleitung
    • Berücksichtigung des Verletzungsmusters der Patienten
    • Einbeziehung des Zeitfaktors in die Entscheidungsfindung
    • Grundsätzlich werden 3 Rettungsformen unterschieden:
      • Sofort-Rettung (Crash-Rettung): unmittelbare, maximal beschleunigte Befreiung ohne Rücksicht auf zusätzliche Verletzungen
        • Beispielhafte Kriterien: Fahrzeug brennt, Gasaustritt, lebensbedrohliche und unkontrollierbare Blutung, Bewusstlosigkeit oder Reanimationssituation
        • Maßnahmen:
          • Befreiung mit Tolerierung von Folgeverletzungen
          • Bei Einklemmung minimale technische Rettung → schnellstmöglich
          • Notfallmedizinische Maßnahmen außerhalb des Fahrzeuges → ggf. durch Feuerwehr schon eingeleitet
      • Schnelle Rettung: zeitnahe, aber achsengerechte Rettung unter Berücksichtigung der vorliegenden Verletzungen, sie stellt den Regelfall dar
        • Beispielhafte Kriterien: vorhandene Vitalfunktionen, keine lebensbedrohlichen Verletzungen, Patient:in ansprechbar, keine weiteren Gefahren vom Fahrzeug oder Umwelt ausgehend
        • Maßnahmen:
          • Beginn mit der notfallmedizinischen Versorgung im Fahrzeug
          • Durch die Feuerwehr: Fahrzeugstabilisierung, Glasmanagement, raumschaffende Maßnahmen, technische Rettung zur Entklemmung
          • Gute Kommunikation und enge Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst, Feuerwehr und ggf. Notarzt
      • Schonende Rettung: Im Rahmen der schonenden Rettung steht aufgrund des vorliegenden Verletzungsmusters nicht der Zeitfaktor, sondern die patientenschonende Vorgehensweise im Vordergrund
 Achtung

Aufgrund der Unfallkinematik bei eingeklemmten Patient:innen ist grundsätzlich von schweren Verletzungen auszugehen. Daher hat die rein theoretische Unterscheidung zwischen schonender und schneller Rettung im Kontext von Verkehrsunfällen nur noch begrenzte praktische Bedeutung

Zugang zu Patient:innen:

Die gezielte Schaffung von Öffnungen am Unfallfahrzeug ist Voraussetzung für medizinische Maßnahmen und die spätere Befreiung der verletzten Person. Hinsichtlich des Zugangs zur betroffenen Person unterscheidet man drei Arten von Öffnungen: 

  1. Erst- bzw. Zugangsöffnung:
    1. Dient dem ersten Zugang zur verletzten Person und der medizinischen Ersteinschätzung
    2. Im Idealfall ermöglicht sie bereits die Durchführung lebensrettender Sofortmaßnahmen
    3. Möglichkeiten zum Herstellen einer Erstöffnung:
      1. Manuelles Öffnen der Tür
      2. Zugang über die Frontscheibe/Seitenscheibe oder Schiebedach
      3. Bei Transportern/Lkw: Kabinenrückwand
  2. Versorgungsöffnung:
    1. Ermöglicht die weitere Versorgung der verletzten Person
    2. In der Regel wird ein größerer Zugang zum Fahrzeuginnenraum geschaffen, z.B. durch das Öffnen oder Entfernen von Türen
    3. Lageabhängige Vorgehensweise in Abstimmung mit der Einsatzleitung der Feuerwehr
  3. Befreiungsöffnung:
    1. Dient der Rettung der verletzten Person aus dem Unfallfahrzeug
    2. Abhängig von Fahrzeugtyp, Deformierung, Unfallsituation und Fahrzeuglage
Befreiungsöffnung
Versorgungs- bzw. Befreiungsöffnung
 Info
Mögliche Befreiungsöffnungen:
  1. PKW:
    1. Öffnen oder Entfernen von Türen
    2. Große Seitenöffnung (Entfernen beider Türen und der B-Säule)
    3. Entfernen des Daches oder von Dachsegmenten
    4. Öffnen oder Entfernen der Heckklappe
  2. (Klein) Transporter:
    1. Öffnen oder Entfernen von Türen
    2. Zugang über die Frontscheibe
    3. Zugang über den Laderaum
  3. LKW:
    1. Öffnen der Türen
    2. Zugang über die Dachluke
    3. Öffnung über die Kabinenrückwand

Während der medizinischen Erstversorgung übernimmt die Feuerwehr die technischen Maßnahmen zur Befreiung. Die Rettung aus dem Fahrzeug sowie die Umlagerung auf geeignete Rettungsmittel erfolgen gemeinschaftlich, häufig unter Nutzung von Hilfsmitteln, wie der Schaufeltrage oder einem Spineboard.

 Merke
Grundsätze der Kommunikation mit Patient:innen

Wenn Patient:innen bei Bewusstsein sind, soll vor Beginn der technischen Maßnahmen über das Vorgehen informiert werden. Sofern es die Lage erlaubt, bleibt ein Mitglied des Rettungsdienstes während der Rettung in unmittelbarer Nähe der betroffenen Person, um sie medizinisch und kommunikativ zu betreuen.

 Achtung
Gefahren an der Einsatzstelle

Bei der Personenrettung aus Fahrzeugen bestehen vielfältige Gefahrenquellen, darunter:

  • Auslaufende Betriebsstoffe mit Brand- oder Explosionsrisiko
  • Nicht ausgelöste Rückhaltesysteme
  • Scharfkantige Fahrzeugteile und Glassplitter
  • Instabile Fahrzeuglagen
  • Mitgeführte Gefahrstoffe
  • Spezifische Risiken moderner Antriebstechnologien

Diese Gefahren sind fortlaufend zu beurteilen und in die Einsatzplanung einzubeziehen.

Weitere Informationen zum Thema Gefahren an der Einsatzstelle findest du hier: Gefahren und Verhalten an der Einsatzstelle.

Relevante Informationen zum Fahrzeugaufbau

Ein grundlegendes Verständnis des modernen Fahrzeugaufbaus ist für alle an der technischen Rettung beteiligten Einsatzkräfte essenziell. Die Konstruktion heutiger Fahrzeuge folgt dem Prinzip einer stabilen Sicherheitsfahrgastzelle, die durch gezielte Verformungszonen ergänzt wird. Während bestimmte Karosseriebereiche Energie aufnehmen und sich kontrolliert verformen sollen, dienen andere Strukturen dem Schutz der Insassen und der Erhaltung eines möglichst stabilen Überlebensraums

Fahrzeugaufbau:

Die Fahrgastzelle wird durch gezielt verstärkte Bauteile stabilisiert und sorgt damit für die Sicherheit der Insassen. Zu diesen gehören insbesondere:

  • A-Säule → zwischen Windschutzscheibe und Vordertür
  • B-Säule → zwischen Vorder- und Hintertür
  • C-Säule → hintere Dachabstützung
  • Manche Fahrzeuge haben noch eine D-Säule
  • Seitenschweller
  • Vordere und hintere Längsträger
Fahrgastzelle

Diese Bereiche bestehen in der Regel aus hochfesten oder ultrahochfesten Stählen und sind deutlich schnitt- und spreizresistenter als herkömmliche Karosseriebleche. Das Durchtrennen dieser Strukturen ist mit einem erhöhten Zeit- und Kraftaufwand verbunden. Das hat unmittelbare taktische Konsequenzen für die technische Rettung.

 Info
Bedeutung für den Rettungsdienst
  • Verlängerte Rettungsdauer bei Schnittmaßnahmen
  • Erhöhter Materialverschleiß
  • Potenziell höhere mechanische Belastung für die verletzte Person, z.B. über Vibrationsübertragung

Kenntnisse über diese Strukturen erlauben eine gezielte Wahl der Schnittpunkte und ermöglichen so eine Zeitoptimierung der Rettungsmaßnahmen.

Verglasung:

Moderne Fahrzeuge verfügen über zwei verschiedene Glasarten:

  • Einscheibensicherheitsglas:
    • Seiten- und Heckscheiben
    • Zerspringen bei Krafteinwirkung in kleine, stumpfe Krümel
    • Relativ einfach zu entfernen
  • Verbundsicherheitsglas:
    • Meist Frontscheibe
    • Besteht aus 2 Glasschichten mit Kunststofffolie
    • Zersplittert nicht vollständig
    • Muss gesägt oder geschnitten werden
 Merke

Beim Glasmanagement sind folgende Schutzmaßnahmen erforderlich:

  • Abkleben der Scheibe
  • Abdecken der verletzten Person → Schutz vor möglichen Splittern
  • Augenschutz und Maske für die beteiligten Personen

Rückhaltesysteme:

Zu den passiven Sicherheitssystemen zählen:

  • Sicherheitsgurte
  • Gurtstraffer
  • Gurtkraftbegrenzer

Gurtstraffer werden explosionsartig ausgelöst und können bei verspäteter Aktivierung Verletzungen verursachen. Daher gilt:

  • Gurte grundsätzlich durchtrennen, nicht lösen
  • Minimierung der Gefahr einer Spätzündung

Airbags:

Moderne Fahrzeuge verfügen teilweise über mehr als zehn Airbags, darunter Front-, Seiten-, Curtain- und Knie- sowie Center-Airbags. Diese werden mikroprozessorgesteuert innerhalb von Millisekunden ausgelöst.

 Merke
Wesentliche Gefahren
  • Nicht ausgelöste Airbags können bis zu 30 Minuten nach Unfall zünden
  • Puffersysteme ermöglichen Auslösung auch nach Batterietrennung
  • Thermische oder mechanische Reize können Gasgenerator aktivieren
 Tipp
AIRBAG-Regel:
  • A - Abstand halten
  • I - Innenraum erkunden
  • R - Rettungskräfte warnen
  • B - Batteriemanagement
  • A - Abnehmen von Verkleidungen
  • G - Gefahr an Komponenten
 Achtung

Für medizinisches Personal ist die Mitte der Rückbank der sicherste Aufenthaltsort im Fahrzeug, da hier der größte Abstand zu den Airbags besteht.

Fahrzeugelektronik:

Von der Fahrzeugelektronik gehen mehrere Gefahren aus:

  • Kurzschluss
  • Brandentwicklung
  • Aktivierung pyrotechnischer Systeme

Die Batterie sollte durch die Feuerwehr abgeklemmt werden. Dennoch:

  • Restspannung möglich
  • Zweitbatterien bei modernen Fahrzeugen
  • Aktive Warnblinkanlage → Hinweis auf Bordspannung

Besonderes Augenmerk gilt den Elektro- und Hybridfahrzeugen mit Hochvoltsystem. Von diesen gehen besondere Gefahren aus.

 Tipp
Rettungskarte

Die Rettungskarte ist eine standardisierte, fahrzeugspezifische Übersicht mit wichtigen sicherheitsrelevanten Informationen für Einsatzkräfte. Sie wird von verschiedenen Stellen (z.B. dem ADAC®) bereitgestellt und zeigt den Aufbau eines Fahrzeugs schematisch.

Inhalte der Rettungskarte:

  • Lage von Airbags und Gasgeneratoren
  • Position von Gurtstraffern
  • Verlauf von Hochvoltleitungen
  • Verstärkte Karosseriestrukturen
  • Position der Fahrzeugbatterie
  • Alternative Antriebe und Tanksysteme

Zweck:

  • Unterstützung der Feuerwehr bei der taktischen Planung
  • Sichere Wahl von Schnitt- und Ansatzpunkten
  • Reduzierung von Gefahren für Patient:innen und Einsatzkräften
  • Zielgewinn bei der technischen Rettung

Anwendung:

Idealerweise druckt der Fahrzeughalter die Rettungskarte aus und bewahrt sie hinter der Sonnenblende auf der Fahrerseite auf. Alternativ kann sie von der Feuerwehr über entsprechende Datenbanken digital abgerufen werden.

Beispielhafte Rettungskarte

Kurze Übersicht über Gerätschaften

Zur Durchführung der technischen Rettung stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, darunter:

  • Mechanische Hebelwerkzeuge zur Schaffung von Ansatzpunkten
  • Sicherungs- und Transportleinen
  • Hydraulische oder elektrische Schneid-, Spreiz- und Zylindergeräte zur Veränderung von Karosseriestrukturen
  • Pneumatische Hebekissen zum Anheben schwerer Lasten
  • Drehleitern und Rettungsplattformen für Einsätze in Höhen oder bei hoch gelegenen Fahrzeugen
  • Flaschenzugsysteme zum Heben oder Abseilen von Personen und Material
  • Schleifkorbtragen, gegebenenfalls in Kombination mit Vakuummatratzen, zur liegenden Rettung aus Höhen oder Tiefen

Der Einsatz dieser Geräte erfordert konsequenten Eigenschutz, insbesondere aufgrund von beweglichen Teilen, Druckkräften und scharfen Kanten.

Sie lassen sich in unterschiedliche Tätigkeitsfelder weiter aufteilen:

  • Bewegen, Heben, Ziehen
  • Trennen, Spreizen
  • Abstützen
  • Sichern und Retten
  • Transportieren von Verletzten
 Achtung
Abgrenzung von Information und praktischer Anwendung

Dieser Artikel dient der fachlichen Information und dem grundlegenden Verständnis der technischen Rettung aus rettungsdienstlicher Perspektive. Er beschreibt Möglichkeiten, Prinzipien und eingesetzte Gerätschaften im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Die praktische Durchführung technischer Rettungsmaßnahmen, die Auswahl und Bedienung der Geräte sowie die taktische Umsetzung liegen in der alleinigen Verantwortung der zuständigen und ausgebildeten Einsatzkräfte, insbesondere der Feuerwehr.

Die dargestellten Inhalte ersetzen keine Ausbildung, Einweisung oder Einsatzpraxis und stellen keine Handlungsanweisung für nicht entsprechend qualifiziertes Personal dar. Entscheidungen über Art, Umfang und Durchführung technischer Maßnahmen sind stets lageabhängig und durch die verantwortliche Einsatzleitung zu treffen.

Ziel des Rettungsdienstes ist es, ein Verständnis für die technischen Möglichkeiten und Abläufe zu entwickeln, um medizinische Maßnahmen sinnvoll zu planen und die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr effektiv zu unterstützen.

Mechanische Hebel- und Brechwerkzeuge:

Beschreibung:

  • Mechanische Hebelwerkzeuge (z.B. Brechstangen) dienen der manuellen Kraftübertragung zur Bewegung, Anhebung oder Verformung von Bauteilen
  • Sie ermöglichen das Schaffen erster Ansatzpunkte für weiterführende technische Rettungsgeräte

Einsatzbereiche:

  • Öffnen von Spalten und Zwischenräumen an Fahrzeugen oder Bauwerken
  • Vorbereitung des Einsatzes hydraulischer Rettungsgeräte

Funktion:

  • Kraftübertragung durch Hebelwirkung
  • Schaffen von Öffnungen, Spalten oder Ansatzpunkten für weitere Geräte

Besonderheiten:

  • Einfache Technik, sofort einsetzbar
  • Hohe mechanische Belastung bei vergleichsweise geringem technischen Aufwand
  • Erhöhtes Risiko durch plötzliches Nachgeben von Material
Mechanische Hebel- und Brechwerkzeuge

Sicherungs- und Transportleinen, Bandschlingen:

Beschreibung:

  • Leinen, Seile oder Bandschlingen dienen der Sicherung von Personen, Material oder Geräten gegen Absturz oder unkontrollierte Bewegung
  • Sie können sowohl statisch (Sicherung) als auch dynamisch (Transport) eingesetzt werden

Einsatzbereiche:

  • Sicherung von Einsatzkräften und Patient:innen bei Arbeiten in Höhen oder Tiefen
  • Transport von Ausrüstung an schwer zugängliche Einsatzorte

Funktion:

  • Sicherung von Personen, Geräten und Lasten
  • Kraftübertragung und Lastverteilung

Besonderheiten:

  • Einsatz nur in Verbindung mit geeigneten Anschlagpunkten
  • Erfordert fachgerechte Knotentechnik und Lastabschätzung
Sicherungs- und Transportleinen, Bandschlingen

Schneid-, Spreiz- und Zylindergeräte:

Beschreibung:

  • Hydraulische oder elektrische Rettungsgeräte zur gezielten Durchtrennung, Spreizung oder Verdrängung von Bauteilen
  • Ermöglichen die kontrollierte Veränderung von Karosseriestrukturen

Einsatzbereiche:

  • Öffnen von Fahrzeugen bei Verkehrsunfällen
  • Schaffen von Versorgungs- und Rettungsöffnungen
  • Entlastung eingeklemmter Körperregionen

Funktion:

  • Schneiden von Metallstrukturen
  • Verdrängen, Spreizen oder Drücken von Bauteilen
  • Schaffen von Zugangs- und Rettungsöffnungen

Besonderheiten:

  • Hohe Kräfte mit entsprechender Gefährdung durch bewegliche Teile und scharfe Kanten
  • Tragen persönlicher Schutzausrüstung auch für Rettungsdienstpersonal erforderlich
  • Enge Abstimmung zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst notwendig
Schneid-, Spreiz- und Zylindergeräte

Pneumatische Hebekissen:

Beschreibung:

  • Luftgefüllte Kissen aus verstärktem Kunststoffmaterial, die mittels Druckluft aufgeblasen werden
  • Dienen dem Anheben schwerer Lasten auf engem Raum

Einsatzbereiche:

  • Befreiung von Patienten unter Fahrzeugen oder schweren Objekten
  • Anheben eingestürzter Bauteile

Funktion:

  • Anheben schwerer Lasten mittels Druckluft
  • Fein dosierbares, flächiges Heben

Besonderheiten:

  • Gefahr des Abrutschens oder Absackens der Last
  • Lastsicherung durch Unterbaumaterial zwingend erforderlich
  • Einsatz nur nach Freigabe durch die verantwortliche Einsatzleitung
Pneumatische Hebekissen

Drehleiter und Rettungsplattformen:

Beschreibung:

  • Hub- und Steigsysteme der Feuerwehr zur Rettung aus Höhen oder Tiefen
  • Drehleitern verfügen über einen Korb, auf dem Tragen befestigt werden können

Einsatzbereiche:

  • Rettung aus oberen Stockwerken oder Gruben → Drehleiter
  • Rettung aus hochgelegenen Fahrzeugen (z.B. Lkw, Busse) → Rettungsplattform

Funktion:

  • Zugang zu hoch- oder tiefgelegenen Einsatzstellen
  • Patient:innentransport in liegender Position möglich

Besonderheiten:

  • Höhenbedingte Stressreaktionen von Patient:innen möglich
  • Moderate Sedierung kann in Einzelfällen erforderlich sein
  • Rettung wird, wann immer möglich, von medizinischem Fachpersonal begleitet
Drehleiterrettung

Mehrzweckzug/Flaschenzugsysteme:

Beschreibung:

  • Mechanische Systeme zur Kraftübersetzung nach dem Prinzip des Flaschenzugs
  • Ermöglichen das kontrollierte Heben oder Abseilen von Personen und Material

Einsatzbereiche:

  • Rettung aus Schächten, Baugruben oder unwegsamem Gelände
  • Vertikaler Transport von Patienten in Schleifkorbtragen

Funktion:

  • Ziehen, Spannen oder Bewegen von Lasten
  • Kraftreduktion durch Umlenkung

Besonderheiten:

  • Erfordert stabile Befestigungspunkte
  • Kombination mit Drehleiter oder Dreibein möglich
  • Fachgerechter Aufbau entscheidend für die Sicherheit
Mehrzweckzug/ Flaschenzugsysteme

Schleifkorbtrage:

Beschreibung:

  • Starre, korbförmige Trage zur Rettung von Patienten aus Höhen, Tiefen oder unwegsamem Gelände
  • Kann mit einer Vakuummatratze kombiniert werden

Einsatzbereiche:

  • Rettung aus Baugruben, Schächten, Gerüsten oder steilem Gelände
  • Liegender Transport von Patient:innen unter schwierigen räumlichen Bedingungen

Funktion:

  • Stabiler, gesicherter Transport von Patient:innen
  • Kombination mit Seil- oder Hebesystemen möglich

Besonderheiten:

  • Hohe Stabilität und Sicherung der transportierten Person
  • In Einzelfällen → moderate Sedierung notwendig
Schleifkorbtrage
 Info
Unterschiedliche Ausstattungen der Feuerwehren

Die technische Ausstattung der Feuerwehren ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt und kann regional erheblich variieren. Welche Geräte verfügbar sind, hängt unter anderem von der Gefahrenabwehrplanung, der Gemeindegröße, der Infrastruktur sowie von landesrechtlichen Vorgaben ab.

Nicht jede Feuerwehr verfügt über alle im Text dargestellten Geräte und Rettungsmittel. Insbesondere spezialisierte Ausrüstung wie hydraulische Rettungsgeräte, Hebekissensysteme, Drehleitern oder spezielle Rettungsplattformen ist häufig nur bei entsprechend ausgestatteten Einheiten oder bei überörtlich eingesetzten Einheiten vorhanden.

Die im Artikel aufgeführten Geräte und Materialien dienen daher ausschließlich der Übersicht und der fachlichen Einordnung der Möglichkeiten der technischen Rettung. Sie stellen keine verbindliche Mindest- oder Vollausstattung dar und erlauben keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Ausrüstung einer konkreten Feuerwehr.

Für den Rettungsdienst bedeutet dies, dass Art und Umfang der technisch verfügbaren Unterstützung stets lageabhängig und organisationsspezifisch zu bewerten sind. Eine frühzeitige Kommunikation mit der Einsatzleitung der Feuerwehr ist daher essenziell, um die vorhandenen technischen Möglichkeiten realistisch in die Einsatzplanung einzubeziehen.

Die präklinische Versorgung eingeklemmter oder eingeschlossener Patient:innen stellt besondere Anforderungen an alle beteiligten Einsatzkräfte. Aufgrund eingeschränkter Zugänglichkeit, beengter Platzverhältnisse und sicherheitsrelevanter Aspekte können standardisierte Behandlungsalgorithmen häufig nicht uneingeschränkt angewendet werden. Medizinische Maßnahmen müssen daher situationsangepasst erfolgen und kontinuierlich mit der technischen Rettung abgestimmt werden.

Das Grundprinzip ist dabei das xABCDE-Schema

Beengte Platzverhältnisse:

Deformierte Fahrgasträume beeinträchtigen die Bewegungsfreiheit von Personal und Patient:innen. Dies erschwert:

  • Lagerung und Umlagerung
  • Anlage venöser Zugänge
  • Atemwegssicherung
  • Monitoring

Zwangshaltungen erhöhen das Risiko sekundärer Verletzungen. Eine frühe Abstimmung mit der Feuerwehr über die technische Erweiterung des Arbeitsraums ist daher essenziell.

Eingeschränkter Patient:innenzugang:

Unterschieden wird zwischen:

  • Eingeschlossener Person → keine Selbstbefreiung möglich
  • Eingeklemmter Person → Körperteile durch Fahrzeugstrukturen fixiert

Der Zugang wird immer gemeinsam mit der Feuerwehr geplant und erst nach Sicherung des Fahrzeuges durchgeführt.

Lärmbelästigung:

Hydraulische Rettungsgeräte und allgemeiner Einsatzstellenlärm verursachen hohe Geräuschpegel. Dies hat zur Folge:

  • Die Kommunikation wird erschwert
  • Zunehmender Stress oder Angst der verletzten Person 
 Achtung

Eine kontinuierliche verbale Betreuung und Erklärung der Maßnahmen durch das Rettungsteam sind daher besonders wichtig.

Zeitdruck:

Der Zeitfaktor hat einen erheblichen Einfluss auf das Behandlungsergebnis. Von entscheidender Bedeutung ist dabei das Prähospitalintervall, also die Zeit vom Notruf bis zur Übergabe an die Klinik. Längere technische Rettungen können sich negativ auf die Prognose auswirken.

Daraus ergibt sich folgende Notwendigkeit:

  • Regelmäßige Reevaluation des Patient:innenzustands
  • Interdisziplinäre Entscheidung über den Rettungsmodus → Sofort-Rettung oder schonende Rettung, ggf. Selbstbefreiung in Betracht ziehen 

Dies erfolgt gemeinsam durch Feuerwehr, Rettungsdienst und ggf. Notarzt oder Notärztin. 

 Tipp
Selbstbefreiung nach Verkehrsunfällen

Die Selbstbefreiung aus einem Unfallfahrzeug stellt nach der Leitlinie „Extrication following a Motor Vehicle Collision“ der Faculty of Pre-Hospital Care (FPHC) eine bevorzugte Option der Rettung dar, sofern sie medizinisch möglich ist. Studien zeigen, dass sie häufig schneller durchgeführt werden kann und mit geringeren Bewegungen der Wirbelsäule verbunden ist als viele klassische technische Rettungsverfahren.

Aufwendige Rettungstechniken mit dem Ziel einer maximalen Bewegungsminimierung der Wirbelsäule können die Befreiung verzögern und dadurch das Zeitintervall bis zur medizinischen Versorgung verlängern.

Eine Selbstbefreiung ist daher besonders geeignet, wenn Patient:innen ansprechbar sind, Anweisungen folgen und kurzzeitig auf mindestens einem Bein stehen können → USTEP-OUT-Schema nutzen!

Kontraindikationen:

  • Unfähigkeit, medizinische Anweisungen zu befolgen
  • Nicht möglich, kurzfristig auf einem Bein zu stehen 
USTEP-OUT-Schema
 Merke
Golden Hour of Trauma

Als „Golden Hour of Trauma“ wird das Zeitfenster der ersten etwa 60 Minuten nach einem schweren Trauma bezeichnet. In dieser Phase ist eine rasche medizinische Versorgung für das Überleben und die Prognose der Patient:innen von entscheidender Bedeutung. In dieser Phase besteht die größte Chance, lebensbedrohliche Verletzungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Zentrale Bedeutung:

  • Frühe Blutungskontrolle
  • Sicherung der Atemwege
  • Stabilisierung von Atmung und Kreislauf
  • Schneller Transport in ein geeignetes Traumazentrum

Relevanz für die technische Rettung:

Lange Rettungszeiten können dieses kritische Zeitfenster erheblich verkürzen. Eine enge Abstimmung zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst ist daher erforderlich, um medizinische Maßnahmen und technische Rettung optimal zu synchronisieren.

Rolle des inneren Retters:

 Definition

Als innerer Retter wird das Mitglied des Rettungsdienstes bezeichnet, das sich, sofern die Einsatzlage es zulässt, im Fahrzeuginnenraum direkt bei der verletzten Person aufhält. Diese Funktion ist von zentraler Bedeutung für die sichere medizinische Betreuung während der technischen Rettung und bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst.

Neben der medizinischen Versorgung, die sich am Verletzungsmuster orientiert, ist die kontinuierliche Kommunikation mit der betroffenen Person eine weitere zentrale Aufgabe. Die Situation im Unfallfahrzeug ist für Betroffene häufig mit Angst, Schmerzen und Orientierungslosigkeit verbunden. 

Der innere Retter übernimmt daher eine wichtige psychosoziale Funktion:

  • Erklärung der laufenden Maßnahmen
  • Vorbereitung auf Geräusche und Erschütterungen
  • Beruhigung und Orientierung
  • Aufbau von Vertrauen
 Tipp

Diese Kommunikation trägt wesentlich zur Stressreduktion bei und kann sich positiv auf die Kreislaufstabilität und die Kooperation auswirken.

Der innere Retter übernimmt außerdem eine Schutzfunktion gegenüber äußeren Gefahren, die während der technischen Rettung entstehen. Dazu gehören insbesondere:

  • Glassplitter bei der Scheibenentfernung
  • Mechanische Gefahren durch bewegliche Werkzeuge und Bauteile

Er sorgt für eine möglichst sichere Lagerung der verletzten Person, schützt sie bei Bedarf vor Kälte und kündigt geplante Maßnahmen an. Gleichzeitig achtet er konsequent auf den Eigenschutz und hält ständig Sichtkontakt zur Feuerwehr.

Zuletzt aktualisiert am 27.05.2026
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