Thiamin (Vitamin B1) ist ein wasserlösliches Vitamin, das zur Therapie klinischer Vitamin-B1-Mangelzustände eingesetzt wird. Es findet Anwendung bei Mangelernährung, chronischem Alkoholabusus, Resorptionsstörungen sowie zur Prophylaxe einer Wernicke-Enzephalopathie, insbesondere bei unklarer Bewusstseinsstörung mit Hypoglykämie vor Glukosegabe.
Thiamin ist ein essenzieller Cofaktor im Kohlenhydratstoffwechsel und spielt eine zentrale Rolle bei der Energiegewinnung in Nervenzellen. Ein Mangel führt zu einer Störung des zerebralen Energiestoffwechsels, was neurologische Symptome wie Verwirrtheit, Ataxie, Augenbewegungsstörungen (Ophthalmoplegie) oder periphere Neuropathien verursachen kann. Unbehandelt kann sich eine Wernicke-Enzephalopathie mit potenziell bleibenden Schäden entwickeln.
Durch die Substitution von Thiamin wird der zelluläre Energiestoffwechsel stabilisiert und das Risiko neurologischer Komplikationen reduziert. Besonders bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit oder Verdacht auf Mangelzustände sollte Thiamin vor der Gabe von Glukose verabreicht werden, da Glukose den Thiaminbedarf erhöht und eine bestehende Mangelsituation verschlechtern kann.
Die Anwendung erfolgt in der Regel intravenös oder intramuskulär, in akuten Situationen bevorzugt intravenös.
Nach parenteraler Gabe steht Thiamin dem Stoffwechsel rasch zur Verfügung.
- Fachinformation: Thiamin, 50 mg/ml Injektionslösung, Stand: 06/2015

