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Thiamin

Vitamin B1, Coenzym-Vorstufe (Thiaminpyrophosphat, TPP)
12 Minuten Lesezeit

Thiamin (Vitamin B1) ist ein wasserlösliches Vitamin, das zur Therapie klinischer Vitamin-B1-Mangelzustände eingesetzt wird. Es findet Anwendung bei Mangelernährung, chronischem Alkoholabusus, Resorptionsstörungen sowie zur Prophylaxe einer Wernicke-Enzephalopathie, insbesondere bei unklarer Bewusstseinsstörung mit Hypoglykämie vor Glukosegabe.

Thiamin ist ein essenzieller Cofaktor im Kohlenhydratstoffwechsel und spielt eine zentrale Rolle bei der Energiegewinnung in Nervenzellen. Ein Mangel führt zu einer Störung des zerebralen Energiestoffwechsels, was neurologische Symptome wie Verwirrtheit, Ataxie, Augenbewegungsstörungen (Ophthalmoplegie) oder periphere Neuropathien verursachen kann. Unbehandelt kann sich eine Wernicke-Enzephalopathie mit potenziell bleibenden Schäden entwickeln.

Durch die Substitution von Thiamin wird der zelluläre Energiestoffwechsel stabilisiert und das Risiko neurologischer Komplikationen reduziert. Besonders bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit oder Verdacht auf Mangelzustände sollte Thiamin vor der Gabe von Glukose verabreicht werden, da Glukose den Thiaminbedarf erhöht und eine bestehende Mangelsituation verschlechtern kann.

Die Anwendung erfolgt in der Regel intravenös oder intramuskulär, in akuten Situationen bevorzugt intravenös.

Nach parenteraler Gabe steht Thiamin dem Stoffwechsel rasch zur Verfügung.

Lernkarte Thiamin
  • Wirkstoffklasse: Wasserlösliches Vitamin B1
  • Handelsnamen: z.B. Vitamin B1-ratiopharm®, Vitamin B1 HEXAL®
Etikett: Thiamin
  • Therapie klinischer Vitamin-B1-Mangelzustände
  • Prophylaxe einer Wernicke-Enzephalopathie bei unklarer Bewusstseinsstörung mit Hypoglykämie (vor Glukosegabe)
  • Im Notfall: keine absoluten Kontraindikationen
  • Überempfindlichkeit
  • Erwachsene und Kinder:
    • 100 mg i.v. oder i.m. langsam verabreichen
  • Bei unklarer Bewusstseinsstörung mit Hypoglykämie sollte vor intravenöser Glukosegabe Thiamin gegeben werden, da eine isolierte Glukosegabe bei Thiaminmangel eine Wernicke-Enzephalopathie auslösen kann
  • Besonders gefährdet sind Alkoholkranke, Mangelernährte und geriatrische Patient:innen
  • Wirkeintritt: innerhalb von 3-5 min
  • Wirkdauer: 1-2 Std
  • Vitamin B₁ (Thiamin) ist ein wasserlösliches Vitamin und wird im Körper in seine aktive Form Thiaminpyrophosphat (TPP) umgewandelt
  • TPP ist ein wichtiges Coenzym im Kohlenhydratstoffwechsel
  • Es ist unter anderem erforderlich für die Umwandlung von Pyruvat zu Acetyl-CoA (Pyruvat-Dehydrogenase), einen Schlüsselschritt für den Eintritt in den Citratzyklus
  • Dadurch werden Reduktionsäquivalente für die mitochondriale ATP-Synthese bereitgestellt
  • Überempfindlichkeitsreaktionen (selten):
    • Tachykardie
    • Schweißausbrüche
    • Hautreizung
    • Juckreiz
    • Urtikaria
    • Schwindel
  • Temperatur: Nicht über 25 °C lagern
  • Lichtschutz: Ampullen vor Licht schützen, im Umkarton aufbewahren
  • Vitamine
  • Fachinformation: Thiamin, 50 mg/ml Injektionslösung, Stand: 06/2015
Zuletzt aktualisiert am 13.03.2026
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