Ein Thoraxtrauma entsteht durch stumpfe oder penetrierendeGewalteinwirkung auf den Brustkorb. Betroffen sein können Thoraxwand, Pleura, Lunge, Herz, große Gefäße, Atemwege und Zwerchfell. Schwere Verletzungen führen mitunter schnell zu Atem- oder Kreislaufversagen.
Die Untersuchung erfolgt nach dem xABCDE-Schema. Beurteilt werden vor allem Atemfrequenz, Atemmechanik, Thoraxbewegungen, Atemgeräusche, Sauerstoffsättigung und Kreislauf.
Warnzeichen sind zunehmendeAtemnot, einseitig fehlendesAtemgeräusch, Hypoxämie, paradoxeThoraxbewegungen, Hautemphysem und Kreislaufinstabilität. Wiederholte Kontrollen sind wichtig, da sich der Zustand schnell verschlechtern kann.
Im Vordergrund stehen die Sicherung von Oxygenierung, Ventilation und Kreislauf. Zu den Maßnahmen gehören Sauerstoffgabe, Analgesie, Blutungskontrolle, Wärmeerhalt und eine angepasste Volumentherapie. Bei Bedarf wird der Atemweg gesichert. Ein vermuteter Spannungspneumothorax muss sofort entlastet werden. Offene Thoraxverletzungen werden mit einem geeigneten Ventilverband versorgt.
Schwere, penetrierende oder instabile Thoraxverletzungen benötigen einen schnellen Transport in ein geeignetes Traumazentrum. Monitoring und regelmäßige Reevaluation werden während der gesamten Versorgung fortgeführt.
Um den Einstieg in das Thema Thoraxtrauma etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: „Verkehrsunfall PKW“
Ort: Bundesstraße
Alarmzeit: 12:53 Uhr
Anrufer:in: Passanten
Anzahl der Betroffenen: 2
Zusatzinfo:
Männlich, 57 Jahre alter Patient
Feuerwehr, Polizei, 2x RTW und RTH ebenfalls alarmiert
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen zeigt sich ein Frontalzusammenstoßzweier stark beschädigter PKW. In dem silberfarbenen Fahrzeug wird die erkrankte Person derzeit durch die Feuerwehr befreit. Eine weitere verletztePersonbefindetsichbereitsimRTW und wird dort von der Besatzung erstversorgt. Ihrseid mit dem NEF unterwegs und werdet beim Eintreffen vom Einsatzleiter angewiesen, die RTW-Besatzung bei der Versorgung zu unterstützen.
Beim Betreten des RTWs ist die Lage wie folgt:
Der Patient ist wach und ansprechbar, aufgrund massiver Atemnot spricht er allerdings kaum
Er klagt über starke Schmerzen im Thorax und zunehmende Atemnot
Er hat ein Hämatom rechts lateral am Thorax in Höhe der 5. - 7. Rippe
Der Patient präsentiert sich insgesamtblass und in einem kritischinstabilenZustand
Ersteinschätzung nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einem Thoraxtrauma aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege frei
Schleimhäute blass
Patientin spricht kaum
Akutes A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion rechtsseitig paradox
Hämatom Thorax rechts lateral, Höhe 5.-7. Rippe
Gestaute Halsvenen sichtbar
Regelmäßige Atmung
Auskultatorisch:
Links vesikuläres Atemgeräusch
Rechts deutlich abgeschwächt
Palpatorisch:
Krepitation rechts auf Höhe des Hämatoms
Thorax dort instabil
SpO2: 74 %
Atemfrequenz: 29/min
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit blass
Rekap-Zeit: 4 Sekunden
Große Blutungsräume: Hämatom rechts thorakal
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Schwach tastbar
Tachykard, 137/min
Akutes C-Problem
D
Wach, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Hämatom am Thorax rechts
Mehrere oberflächige Verletzungen im Gesicht und an den Extremitäten
Schmerzen am Thorax und an den Beinen
Temperatur: 37,1 °C
Symptome:
Atemnot
instabiler Thorax
Akute Schmerzen
Tachykardie
Allergien / Infektionen: Keine bekannt
Medikamente: Keine Dauer- oder Akutmedikation
Patientengeschichte: Keine Vorerkrankungen
Letzte Mahlzeit: Frühstück, um ca. 10:00 Uhr
Ereignis: Verkehrsunfall PKW
Risikofaktoren: Keine
Mittelbares E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten mit einem Thoraxtrauma. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Thoraxtrauma
Ein Thoraxtrauma ist eine durch äußere Gewalteinwirkung entstandene Verletzung des Brustkorbs, des Mediastinums und/oder der Lunge. Ursache kann ein stumpfes oder penetrierendes Trauma sein.
Betroffen sein können alle Strukturen des Thorax, insbesondere Lunge, Pleura, Herz, große intrathorakale Gefäße sowie mediastinale Organe wie Trachea und Ösophagus.
Klassifikation
Nach Unfallmechanismus:
Form
Definition
Stumpfes Thoraxtrauma
Verletzung durch stumpfe Gewalteinwirkung ohne Eröffnung der Thoraxwand
Penetrierendes Thoraxtrauma
Verletzung durch einen eindringenden Gegenstand mit Eröffnung der Thoraxwand und möglicher Schädigung intrathorakaler Strukturen
Nach betroffener anatomischer Struktur:
Thoraxwand und knöcherner Thorax: Rippenfrakturen, Rippenserienfrakturen, instabile Brustwand und Sternumfrakturen
Pleura und Lunge: traumatischer Pneumothorax, Spannungspneumothorax, Hämatothorax, Hämatopneumothorax, Lungenkontusion und Lungenlazeration
Herz und Perikard: Contusio cordis, Herzruptur, traumatisches Hämoperikard und Perikardtamponade
Große intrathorakale Gefäße: traumatische Aortenruptur sowie Verletzungen der V. cava, A. subclavia, A. thoracica interna oder der Interkostalgefäße
Mediastinum und Atemwege: Verletzungen von Trachea, Bronchien, Ösophagus oder Ductus thoracicus sowie ein Mediastinalemphysem
Zwerchfell: traumatische Zwerchfellruptur mit möglicher Verlagerung abdomineller Organe in den Thorax
Epidemiologie
In Deutschland und Westeuropa entstehen über 90 % der schweren Thoraxtraumata durch stumpfe Gewalteinwirkung, meistens im Rahmen von Unfällen
Penetrierende Thoraxverletzungen, beispielsweise Stich- oder Schussverletzungen, sind deutlich seltener. Abhängig von den betroffenen Strukturen können sie jedoch unmittelbar lebensbedrohlich sein
Schwere Thoraxtraumata sind mit einer erheblichen Morbidität und Letalität verbunden. Thoraxverletzungen finden sich bei etwa der Hälfte der schwer verletzten Patient:innen und sind an bis zu 25 % der traumabedingten Todesfälle beteiligt
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Merke
Verletzungen des Thorax treten sowohl als isolierte Monoverletzungen als auch im Rahmen eines Polytraumas auf. Etwa 50 % der polytraumatisierten Patient:innen weisen ein relevantesThoraxtrauma auf.
Häufige Ursachen
Verkehrsunfälle: Häufige Ursache eines Thoraxtraumas, insbesondere bei Frontal- oder Seitenaufprällen. Möglich sind Verletzungen der Brustwand, der Lunge, des Herzens, der Aorta oder des Zwerchfells
Stürze: Besonders Stürze aus großer Höhe können zu schweren Thoraxverletzungen wie Lungenkontusionen, Lungenlazerationen oder einem Pneumothorax führen
Arbeits- und Freizeitunfälle: Thoraxtraumata können beispielsweise bei Arbeits-, Sport- oder sonstigen Freizeitunfällen entstehen
Einklemmungs- und Quetschtraumata: Eine starke Kompression des Brustkorbs kann eine Thoraxzerquetschung und multiple intrathorakale Verletzungen verursachen
Körperliche Gewalt: Stich- und Schussverletzungen können den Thorax eröffnen und Lunge, Herz oder große Gefäße schädigen
Explosionen und Waffenwirkung: Druckwellen, Geschosse und umherfliegende Fremdkörper können stumpfe oder penetrierende Thoraxverletzungen verursachen
Wichtige Unfallmechanismen
Direkte stumpfe Krafteinwirkung: Ein unmittelbarer Aufprall auf den Brustkorb kann Frakturen der Rippen oder des Sternums sowie Verletzungen von Lunge und Herz verursachen
Kompression und Quetschung: Eine starke Kompression des Thorax kann die Brustwand schädigen und zu multiplen Verletzungen intrathorakaler Organe führen
Beschleunigung und Abbremsung: Plötzliche Dezelerationskräfte können insbesondere die Aorta verletzen und im schlimmsten Fall eine traumatische Aortenruptur verursachen
Rotation und indirekte Krafteinwirkung: Rotationskräfte treten häufig bei komplexen Unfallmechanismen auf, sind jedoch keiner spezifischen Thoraxverletzung eindeutig zugeordnet
Penetrierende Gewalteinwirkung: Stich- und Schussverletzungen können die Thoraxwand eröffnen und Lunge, Herz oder große Gefäße schädigen
Explosions- und Barotrauma: Druckwellen und starke Druckveränderungen können einen Pneumothorax oder andere intrathorakale Verletzungen verursachen
Info
In Europa sind stumpfe Verletzungen mit etwa 90 % deutlich häufiger. Hauptursachen sind hierbei Verkehrsunfälle und Stürze.
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Merke
Reminder: Anatomische und physiologische Grundlagen
Der Thorax besteht aus Thoraxwand, Thoraxhöhle, Thoraxorganen und dem Zwerchfell.
Thoraxhöhle (Cavitas thoracis)
Thoraxwand:
Schützt die inneren Organe und ermöglicht die Atembewegungen.
Sie besteht aus:
Haut, Unterhautgewebe, Muskeln und Faszien
Brustwirbelsäule, zwölf Rippenpaaren und Sternum
Interkostalräumen mit Muskeln, Gefäßen und Nerven
Anatomie Pleuraspalt
Thoraxhöhle und Thoraxorgane:
Die Thoraxhöhle gliedert sich in:
zwei getrennte Pleurahöhlen mit den Lungen
das zentrale Mediastinum mit Herz, großen Gefäßen, Trachea und Ösophagus
Die rechte Lunge besitzt drei, die linke zwei Lappen
Pleura und Pleuraspalt:
Pleura visceralis: liegt der Lunge unmittelbar an
Pleura parietalis: kleidet Thoraxwand, Zwerchfell und Mediastinum aus
Pleuraspalt: enthält etwa 0,26 mL Flüssigkeit/kg Körpergewicht
Pleuralflüssigkeit und subatmosphärischer Druck koppeln die Lunge an die Thoraxwand. Dadurch bleibt sie entfaltet und folgt den Atembewegungen
Zwerchfell und Rippen:
Das Zwerchfell trennt Thorax und Abdomen und ist der wichtigste Inspirationsmuskel
Rippen I–VII: echte Rippen
Rippen VIII–X: falsche Rippen
Rippen XI–XII: freie Rippen
Rippenpaare
Die Pathophysiologie des Thoraxtraumas wird durch mehrere, teilweise gleichzeitig auftretende Mechanismen bestimmt:
Primäre Gewebeschädigung: Verletzung von Thoraxwand, Pleura, Lunge, Atemwegen, Herz, Gefäßen oder Zwerchfell
Störung der Atemmechanik: Schmerzen, instabile Thoraxwand oder Verlagerung abdomineller Organe → eingeschränkte Thoraxbewegung und verminderte Ventilation
Störung der intrathorakalen Druckverhältnisse: Luft oder Blut im Pleuraspalt → Verlust des pleuralen Unterdrucks, Lungenkompression oder Lungenkollaps
Störung des Gasaustauschs: verminderte belüftete Lungenfläche oder Schädigung des Lungengewebes → Hypoxämie und respiratorische Insuffizienz
Störung des Kreislaufs: Blutverlust, verminderter venöser Rückstrom oder direkte Herzschädigung → Abfall des Herzzeitvolumens und Kreislaufinstabilität
Systemische Folgen: Anhaltende Hypoxie und Kreislaufinsuffizienz → unzureichende Organperfusion, Schock und möglicherweise Kreislaufstillstand
Primäre Gewebeschädigung
Die primäre Schädigung entsteht unmittelbar durch die äußere Gewalteinwirkung. Betroffen sein können Thoraxwand, Pleura, Lunge, Atemwege, Mediastinum, Herz, große Gefäße oder das Zwerchfell.
Stumpfe Gewalteinwirkung: Direkter Aufprall oder Kompression des Thorax → Rippen- und Sternumfrakturen, Instabilität der Thoraxwand und mögliche Verletzung benachbarter Organe
Penetrierende Gewalteinwirkung: Eindringen eines Gegenstands → Eröffnung von Thoraxwand und Pleura sowie mögliche Schädigung von Lunge, Herz oder großen Gefäßen
Dezelerationstrauma: Plötzliche Abbremsung → hohe Zug- und Scherkräfte, insbesondere an der Aorta → mögliche traumatische Aortenverletzung
Zwerchfellruptur: Einriss des Zwerchfells → mögliche Verlagerung abdomineller Organe in den Thorax → Verdrängung von Lunge und Mediastinum
Ösophagusverletzung: Ruptur oder Perforation des thorakalen Ösophagus → Austritt von Luft und kontaminiertem Inhalt in das Mediastinum → mögliches Mediastinalemphysem und schwere Mediastinitis
Trachea, Aortenbogen und große Gefäße
Störung der Atemmechanik
Schmerzen und Verletzungen der Thoraxwand können die normale Atembewegung einschränken und eine unzureichende Belüftung der Lunge verursachen.
Rippenserienfraktur: Verlust der Stabilität der Thoraxwand → mögliches frei bewegliches Thoraxwandsegment
Instabiler Thorax: paradoxe Bewegung des instabilen Segments → während der Inspiration nach innen und während der Exspiration nach außen
Mögliche Folge: Eingeschränkte Atemmechanik und verminderte Ventilation → respiratorische Insuffizienz
Instabiler Thorax (Flail Chest) mit paradoxen Atembewegungen
Störung der intrathorakalen Druckverhältnisse
Normalerweise hält der Unterdruckim PleuraspaltdieLunge entfaltet. Luft im Pleuraspalt hebt diesen Unterdruck auf. Blut im Pleuraspalt kann die Lunge komprimieren und gleichzeitig einen relevanten Blutverlust verursachen.
Verletzung
Pathophysiologischer Mechanismus
Pulmonale und kardiovaskuläre Folgen
Pneumothorax
Luft gelangt in den Pleuraspalt → Verlust des pleuralen Unterdrucks
Elastische Retraktion und Kollaps der betroffenen Lunge → verminderte Ventilation, gestörter Gasaustausch und mögliche respiratorische Insuffizienz
Offener Pneumothorax
Offene Verbindung zwischen Pleuraspalt und Umgebung → ausgeprägte atemabhängige Druckschwankungen
Mögliche Pendelbewegung des Mediastinums und Pendelluft → zusätzliche Beeinträchtigung von Ventilation und Gasaustausch
Spannungspneumothorax
Ventilmechanismus → Luft gelangt bei der Inspiration in den Pleuraspalt, kann bei der Exspiration jedoch nicht ausreichend entweichen
Zunehmender Lungenkollaps, Mediastinalverlagerung und Kompression der Gegenseite → verminderter venöser Rückstrom und Abfall des Herzzeitvolumens → obstruktiver Schock
Hämatothorax
Blutansammlung im Pleuraspalt → Lungenkompression und relevanter innerer Blutverlust
Verminderte Ventilation sowie Hypovolämie, Blutdruckabfall und möglicher hämorrhagischer Schock
Hämatopneumothorax
Gleichzeitige Ansammlung von Luft und Blut im Pleuraspalt
Kombination aus Lungenkollaps, Lungenkompression, eingeschränktem Gasaustausch und Blutverlust
Pneumothorax vs. Hämatopneumothorax
Info
Pneumothorax, Spannungspneumothorax und Hämatopneumothorax werden in diesem Artikel nur durch das Thoraxtrauma dargestellt. Eine ausführliche Beschreibung von Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie erfolgt in den jeweiligen eigenen Artikeln.
Störung von Ventilation und Gasaustausch
Der Gasaustausch kann durch eine vermindertebelüfteteLungenfläche, einen Lungenkollaps oder eine direkte Verletzung des Lungengewebes beeinträchtigt werden.
Pneumothorax: Verlust des pleuralen Unterdrucks → Lungenkollaps und verminderte Ventilation
Hämatothorax: Kompression der Lunge durch Blut → Abnahme der belüfteten Lungenfläche
Lungenkontusion: Verletzung des Lungenparenchyms → eingeschränkte Ventilation und gestörter Gasaustausch
Lungenlazeration: Riss des Lungengewebes → mögliches Auftreten von intraparenchymaler Luft, Pneumothorax oder Hämatothorax
Mögliche Folgen: Hypoventilation und gestörter Gasaustausch → Hypoxämie und respiratorische Insuffizienz
Pneumothorax mit Kompressionsatelektase
Störung des Kreislaufs
Thoraxverletzungen können den Kreislauf durch Blutverlust, eine Behinderung des venösen Rückstroms oder eine direkte Schädigung des Herzens beeinträchtigen.
Spannungspneumothorax: Steigender intrathorakaler Druck → Kompression der großen Gefäße → verminderter venöser Rückstrom → Abfall des Herzzeitvolumens → obstruktiver Schock
Hämatothorax: Relevanter Blutverlust in den Pleuraspalt → Hypovolämie → hämorrhagischer Schock
Penetrierende Herzverletzung: Blutung in den Perikardraum → Hämoperikard und Perikardtamponade → eingeschränkte Herzfüllung und vermindertes Herzzeitvolumen → obstruktiver Schock
Die respiratorischen und kardiovaskulären Störungen können gleichzeitig auftreten und einander verstärken.
Hypoventilation und gestörter Gasaustausch → Hypoxämie und respiratorische Insuffizienz
Hypoxämie oder vermindertes Herzzeitvolumen → unzureichende Sauerstoffversorgung des Gewebes und mögliche Hypoxie
Blutverlust oder verminderter venöser Rückstrom → Abfall des Herzzeitvolumens und unzureichende Organperfusion
Anhaltende respiratorische oder kardiovaskuläre Insuffizienz → Schock und möglicherweise Kreislaufstillstand
Pathophysiologische Folgen eines Thoraxtraumas
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei einem Thoraxtrauma
Respiratorische Insuffizienz durch:
Eingeschränkte Atemtätigkeit
Verletzung der Atemwege
Verletzung der Lunge
Kreislaufversagen / Schock durch:
Blutverlust
Spannungspneumothorax
Perikardtamponade
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Typische Zeichen
Merke
Leitsymptom: Dyspnoe und ggf. Zyanose als Ausdruck der respiratorischen Beeinträchtigung
Hämatome, Prellmarken als Hinweis auf mögliche Frakturen oder Organverletzungen
Sichtbare Stich‑, Schuss‑ oder Pfählungsverletzungen im Thoraxbereich
Tachypnoe als kompensatorisches Zeichen bei Hypoxie
Hypoxie, häufig trotz Sauerstoffgabe
Thorakale Schmerzen, oft atemabhängig
Abgeschwächtes Atemgeräusch als Hinweis auf (Spannungs‑)Pneumothorax
Obere Einflussstauung, z.B. bei Spannungspneumothorax oder Herzbeuteltamponade
Hautemphysem, tastbares Krepitieren bei Verletzung luftleitender Strukturen
Stridor oder Heiserkeit bei Verletzungen des Kehlkopfs oder der oberen Atemwege
Tachykardie und Hypotonie als Zeichen beginnender Schocksymptomatik
Paradoxe Atmung bei instabiler Thoraxwand
Querschnittssymptomatik bei begleitender Wirbelsäulenverletzung
Instabiler Thorax (Flail Chest) mit paradoxen Atembewegungen
Tipp
An abdominale Beteiligung denken!
Bauchschmerzen und Abwehrspannung können auf eine Beteiligung des Abdomens hinweisen, insbesondere bei Frakturen der 5. bis 12. Rippe, da hier das RisikofürVerletzungenintraabdominellerOrgane wie Leber, Milz oder Zwerchfell besteht.
Generalisierte Zeichen
Typische Begleitverletzungen nach Trauma, z.B. Schürfwunden oder Prellungen
Vegetative Symptome:
Übelkeit
Erbrechen
Angst und Panik
Zittern
Schwitzen
Achtung
„Red Flags“
Abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch
Zyanose
Hämodynamische Instabilität
Vigilanzminderung
Paradoxe Atmung
Penetrierende Verletzungen
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Anamnese
S (Symptome): Dyspnoe, atemabhängige Thoraxschmerzen, Husten oder Hämoptysen erfragen. Auf Tachypnoe, asymmetrische Thoraxbewegungen, paradoxe Atmung und abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch achten
Stumpfes Thoraxtrauma: Prellmarken, Hämatome, Gurtzeichen, Schürfwunden, Druckschmerzen oder Thoraxdeformitäten erfassen
Penetrierendes Thoraxtrauma: Stich-, Schuss- oder Pfählungsverletzungen, Ein- und Austrittswunden sowie Blutungen erfassen
A (Allergien): Medikamentenallergien und bekannte schwere allergische Reaktionen erfragen
M (Medikation): Dauermedikation sowie Zeitpunkt und Dosis der letzten Einnahme erfassen. Besonders relevant sind Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer
P (Patientengeschichte): Pulmonale und kardiale Vorerkrankungen, Gerinnungsstörungen, frühere Thoraxverletzungen oder Operationen erfragen
L (Letzte …): Zeitpunkt, Art und Menge der letzten Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme erfragen → relevant für eine mögliche Narkoseeinleitung
E (Ereignis): Zeitpunkt und Mechanismus des Traumas erfassen. Relevant sind stumpfe oder penetrierende Gewalteinwirkung, Aufprallgeschwindigkeit, Seitenaufprall, Einklemmung, Sturzhöhe sowie Explosionen
R (Risiko): Antikoagulation, Gerinnungsstörung, höheres Lebensalter, kardiopulmonale Vorerkrankungen und Hochenergietrauma berücksichtigen
S (Schwangerschaft): Bestehende oder mögliche Schwangerschaft und Schwangerschaftswoche erfragen. Schwangerschaft bei Lagerung, Medikamentengabe und Wahl der Zielklinik berücksichtigen;
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf ein Thoraxtrauma abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Info
Die körperliche Untersuchung entspricht grundsätzlich dem Vorgehen bei polytraumatisierten Patient:innen. In diesem Abschnitt wird ausschließlich auf die orientierende Untersuchung des Thorax und häufige Verletzungsmuster eingegangen. Weitere Informationen findest du im Artikel: Polytrauma (RD).
Inspektion:
Bereich
Inspektionsschwerpunkte
Mögliche Hinweise auf
Allgemeiner Eindruck
Atemnot, Unruhe, Zyanose, Blässe, Kaltschweißigkeit, Schonhaltung und erhöhte Atemarbeit
Respiratorische Insuffizienz, Hypoxämie oder Schock
Hals und Thoraxeingang
Schwellungen, Hämatome, offene Verletzungen, Tracheallage und gestaute Halsvenen
Halsweichteil-, Gefäß- oder Mediastinalverletzung; bei schwerer respiratorischer oder zirkulatorischer Störung möglicher Spannungspneumothorax oder Perikardtamponade
Thoraxwand
Hämatome, Prell- und Gurtmarken, Abschürfungen, Stich- oder Schusswunden, Fremdkörper und Blutungen
Stumpfes oder penetrierendes Thoraxtrauma sowie mögliche Fraktur oder offene Thoraxverletzung
Thoraxform und Symmetrie
Einziehungen, Vorwölbungen, Deformitäten, asymmetrische Thoraxhälften und sichtbare Instabilität
Thoraxwandverletzung, Rippenserienfraktur oder instabiler Thorax
Atemexkursionen
Atemfrequenz, Atemtiefe und Atemrhythmus sowie Seitengleichheit der Thoraxbewegungen
Einseitige Ventilationsstörung, beispielsweise bei Pneumothorax, Hämatothorax oder Lungenkontusion
Paradoxe Thoraxbewegung
Instabiles Segment bewegt sich bei der Inspiration nach innen und bei der Exspiration nach außen
Instabiler Thorax beziehungsweise Flail Chest
Offene Thoraxverletzung
Thoraxwanddefekt, sichtbare Wunde, Ein- und Austrittsstellen, Luftbewegung sowie schaumig-blutiges Wundsekret
Offener Pneumothorax oder penetrierende intrathorakale Verletzung
Haut und Unterhaut
Sichtbare oder zunehmende Schwellung und Hautveränderungen
Mögliches Hautemphysem bei Verletzung von Lunge, Trachea oder Bronchien sowie bei Pneumothorax oder Pneumomediastinum
Präkordiale und sternale Region
Prellmarken, Hämatome oder penetrierende Wunden über Sternum und Herzregion
Mögliche Verletzung von Sternum, Herz, Perikard oder mediastinalen Strukturen
Rücken und dorsaler Thorax
Hämatome, Prellmarken, offene Wunden, Deformitäten und asymmetrische Atembewegungen
Dorsale Rippen-, Wirbelsäulen-, Pleura- oder Lungenverletzung
Abdomen und Flanken
Gurt- und Prellmarken, Distension, offene Verletzungen oder Blutungen
Begleitendes thorakoabdominelles Trauma mit möglicher Zwerchfell- oder Organverletzung
Achtung
Unauffällige Inspektionsbefunde schließen eine schwere intrathorakale Verletzung nicht aus. Hautemphysem und knöcherne Instabilität werden durch die anschließende Palpation beurteilt.
Tipp
Hämatome im Thoraxbereich sind wichtige äußerlich sichtbare Hinweiseaufmögliche schwerwiegende, tieferliegendeVerletzungen.
Palpation:
Thoraxstabilität: vorsichtig auf abnorme Beweglichkeit prüfen → möglicher Hinweis auf Rippenserienfraktur oder instabilen Thorax
Druckschmerz: lokaler Schmerz über Rippen oder Sternum → möglicher Hinweis auf Fraktur oder Thoraxwandverletzung
Krepitationen: tastbares Knochenreiben spricht für eine Fraktur; oberflächliches Knistern für ein Hautemphysem
Hautemphysem: weiche, knisternde Schwellung → Luft in der Subkutis, beispielsweise bei Pneumothorax oder Atemwegsverletzung
Atemexkursionen: asymmetrische Thoraxbewegung → mögliche einseitige Ventilationsstörung, beispielsweise bei Pneumothorax, Hämatothorax oder Lungenkontusion
Perkussion:
Hypersonorer Klopfschall: Kann auf einen Pneumothorax hinweisen → häufig mit abgeschwächtem Atemgeräusch und Dyspnoe
Gedämpfter Klopfschall: Kann für einen Hämatothorax oder Flüssigkeit im Pleuraspalt sprechen → häufig mit abgeschwächtem Atemgeräusch und gegebenenfalls Schockzeichen
Auskultation:
Einseitig abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch: Möglicher Hinweis auf Pneumothorax oder Hämatothorax
Abgeschwächtes Atemgeräusch und hypersonorer Klopfschall: Spricht für einen Pneumothorax → bei zusätzlicher schwerer Atem- oder Kreislaufstörung an einen Spannungspneumothorax denken
Abgeschwächtes Atemgeräusch und gedämpfter Klopfschall: Spricht für einen Hämatothorax oder Hämatopneumothorax
Tipp
Bei intubierten Patient:innen muss bei einem einseitig abgeschwächten oder fehlenden Atemgeräusch zunächst die korrekte Tubuslage kontrolliert werden.
Hidden Six
Als „Hidden Six“ werden sechs Thoraxverletzungen bezeichnet, die präklinisch leicht übersehen werden können. Besonders bei einem passenden Unfallmechanismus sowie einer anhaltenden oder zunehmenden respiratorischen und/oder hämodynamischen Verschlechterung sollten sie differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.
Verletzung
Präklinische Relevanz
Zwerchfellruptur
Bei passendem Unfallmechanismus und Dyspnoe mitbedenken
Atmung und Kreislauf wiederholt beurteilen, Oxygenierung und Ventilation nach Bedarf sichern und zügig in ein Traumazentrum transportieren
Tracheobronchiale Verletzung
Haut- oder Mediastinalemphysem, blutiges Trachealsekret, einseitige Minderbelüftung und persistierende Ventilationsprobleme sind Warnzeichen
Atemweg und Oxygenierung sichern, eine Tubusfehllage ausschließen und einen Spannungspneumothorax sofort entlasten
Herzkontusion
Nach relevantem stumpfem Thoraxtrauma mitbedenken
Mögliche Folgen sind Rhythmusstörungen, Myokardischämie, Herzinsuffizienz und kardiogener Schock
EKG und Kreislauf kontinuierlich überwachen
Lungenkontusion/-lazeration
Respiratorische Insuffizienz, Blutung und Hämatothorax sind mögliche Folgen
Atemfrequenz, Thoraxexkursionen, Atemgeräusch und SpO₂ wiederholt kontrollieren
Sauerstoffgabe und Beatmung erfolgen nach Bedarf
Ösophagusverletzung
Selten und präklinisch schwer zu erkennen
Bei passendem Trauma mit retrosternalen Schmerzen, Dyspnoe oder Haut- beziehungsweise Mediastinalemphysem mitbedenken
Vitalfunktionen stabilisieren, frühzeitig anmelden und zügig in eine geeignete Klinik transportieren
Hochletal durch Mediastinitis
Aortenruptur
Nach Hochrasanz- oder Dezelerationstrauma bei starken thorakalen Schmerzen oder hämorrhagischem Schock mitbedenken
Versorgung nach xABCDE, kontinuierliche Kreislaufüberwachung und unverzüglicher Transport in ein geeignetes Traumazentrum
Info
Da sich die Hidden Six präklinisch häufig nicht eindeutig erkennen lassen, stehen der Unfallmechanismus, wiederholte Kontrollen von Atmung und Kreislauf sowie die sofortige Behandlung lebensbedrohlicher Begleitverletzungen im Vordergrund. Anschließend ist ein zügiger Transport in eine geeignete Traumaklinik entscheidend.
Vitalparameter
Parameter
Typischer Befund
Pathophysiologischer Hintergrund
Herzfrequenz
Initial häufig Tachykardie
Bei Contusio cordis mögliche Herzrhythmusstörungen
Bradykardie im präterminalen Stadium möglich
Schmerzen, Stress, Blutverlust oder vermindertes Herzzeitvolumen → Sympathikusaktivierung
Myokardschädigung → Reizbildungs- oder Reizleitungsstörung
Blutdruck
Initial möglicherweise normwertig
Bei schwerem Trauma Hypotonie bis zum Schock
Hämatothorax oder Gefäßverletzung → Blutverlust → hämorrhagischer Schock
Bei schwerer respiratorischer Insuffizienz Hypoventilation oder Apnoe
Schmerzen und Thoraxinstabilität → eingeschränkte Atemmechanik
Pneumothorax, Hämatothorax oder Lungenkontusion → Ventilation und Gasaustausch ↓
Körpertemperatur
Keine thoraxtraumaspezifische Veränderung
Bei schwerem Trauma oder Polytrauma Hypothermie möglich
Wärmeverlust und Schock → Körpertemperatur ↓
Hypothermie begünstigt die traumainduzierte Koagulopathie
Sauerstoffsättigung
Initial möglicherweise normwertig
Bei relevanter Verletzung Abfall der SpO₂ und Hypoxämie möglich
Hypoventilation, Lungenkollaps, Blut im Pleuraspalt oder Lungenkontusion → gestörter Gasaustausch
Blutzucker
Keine thoraxtraumaspezifische Veränderung
Bei Bewusstseinsstörung Messung erforderlich
Abweichungen sind unspezifisch → insbesondere eine Hypoglykämie kann selbst eine Bewusstseinsstörung verursachen
Achtung
An kontinuierliche Reevaluation denken
Wenn die erkrankte Person nach der Ersteinschätzung als „stabil“ eingestuft wird, muss dieser Zustand aktiv aufrechterhalten und regelmäßigneubewertetwerden. Eine klinischeVerschlechterungkannjederzeiteintreten. Dabei sollte insbesondere an folgende potenzielllebensbedrohlicheEntwicklungen gedacht werden:
Zunehmender Pneumothorax, der sich zu einem Spannungspneumothorax entwickelt
Initial unauffällige Perikardtamponade, die symptomatisch wird
Schleichende Blutungen mit Übergang in einen hämorrhagischen Schock
Respiratorische Erschöpfung bei kombinierter Belastung durch gesteigerte Atemarbeit und Kreislaufinstabilität
Orientierende neurologische Untersuchung
Vigilanz: Beurteilung der Bewusstseinslage, beispielsweise mittels GCS, sowie Erfassung von Unruhe, Verwirrtheit, Somnolenz, Sopor oder Koma → Bewusstseinsstörungen sind bei einem Thoraxtrauma ein Warnzeichen und können auf Hypoxämie, Schock oder Begleitverletzungen hinweisen
Mögliche neurologische Auffälligkeiten beim Thoraxtrauma:
Hypoxämie: Unzureichende Oxygenierung → Unruhe, Verwirrtheit und zunehmende Vigilanzminderung
Schock: Verminderte zerebrale Perfusion bei hämorrhagischem oder obstruktivem Schock → Bewusstseinsstörung bis zur Bewusstlosigkeit
Begleitendes SHT: Auf Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Amnesie, Krampfanfälle, Pupillenauffälligkeiten und fokal-neurologische Defizite achten
Wirbelsäulen- oder Rückenmarkverletzung: Motorik und Sensibilität beidseits prüfen sowie auf Paresen, Parästhesien, Reflexveränderungen und Hinweise auf ein Querschnittsyndrom achten
Weiterführende apparative Diagnostik
12-Kanal-EKG: Beurteilung von Herzfrequenz, Herzrhythmus, Erregungsleitung und Repolarisation → insbesondere bei stumpfem Thoraxtrauma, Verdacht auf Contusio cordis, Herzrhythmusstörungen oder Kreislaufinstabilität
Sinustachykardie: unspezifischer Befund, beispielsweise bei Schmerzen, Stress, Hypoxämie, Blutverlust oder Schock
Herzrhythmus- und Reizleitungsstörungen: Extrasystolen, Tachyarrhythmien, Bradykardien oder Leitungsstörungen können bei einer traumatischen Myokardschädigung auftreten, sind jedoch nicht beweisend
Repolarisationsstörungen: ST-Strecken- oder T-Wellen-Veränderungen können bei einer Contusio cordis auftreten, sind jedoch nicht spezifisch
Thorakale Komplikationen: Untersuchung auf Pneumothorax, Hämatothorax, Perikarderguss oder Perikardtamponade
Abdominelle Begleitverletzungen: Untersuchung auf freie intraabdominelle oder pelvine Flüssigkeit als möglichen Hinweis auf eine Blutung
Barcode-Sign bei Pneumothorax
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Region
Verletzung
Symptome
Verletzungen des Brustkorbs
Rippenfraktur / Rippenserienfraktur
Atemabhängiger Schmerz
Druckschmerz, Krepitation
Schonatmung
Paradoxe Atmung (bei Rippenserienfraktur)
Lokales Hämatom / Prellung über der frakturierten Region
Sternumfraktur
Retrosternaler Schmerz
Druckschmerz
Atemabhängige Beschwerden
Hämatom im Sternumbereich möglich
Verletzungen des Mediastinums
Contusio cordis (Herzprellung)
Retrosternaler Schmerz
Tachykardie, Arrhythmien
Hypotonie
Evtl. Hämatom über dem Sternum oder präkordial
Aortenruptur
Zeichen eines hämorrhagischen Schocks
Blutdruck- und/oder Pulsdifferenz
Perikardtamponade
Tachykardie
Hypotonie
Gestaute Halsvenen
Blässe
Dyspnoe
Verletzungen der Lunge
Pneumothorax
Dyspnoe
Hypersonorer Klopfschall auf der betroffenen Seite
Akuter Thoraxschmerz → plötzlicher Beginn, atemabhängig, stechend und auf der betroffenen Seite zu lokalisieren
Ggf. Tachykardie
Ggf. Hypotonie
Spannungspneumothorax
Dyspnoe, Zyanose
Gestaute Halsvenen
Abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch auf der betroffenen Seite
Akuter Thoraxschmerz → plötzlicher Beginn, atemabhängig, stechend und auf der betroffenen Seite zu lokalisieren
Tachykardie
Hypotonie
Hautemphysem
Hypersonorer Klopfschall auf der betroffenen Seite
Hämatothorax
Dyspnoe
Gedämpftes/fehlendes Atemgeräusch
Hyposnorer Klopfschall
Hypotonie
Tachykardie
Ggf. Hämatom bei Gefäß- oder Rippenverletzung
Achtung
Viele dieser Symptome sind unspezifisch und überschneidensich. Eine strukturierte präklinische Untersuchung mit Fokus auf Atemmechanik, Thoraxexkursion, Auskultation und Kreislaufstatus ist essenziell für die frühzeitige Erkennung lebensbedrohlicher Thoraxverletzungen.
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Info
Die dargestellten Maßnahmen orientieren sich an den Empfehlungen des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst (DBRD) und werden durch weitere spezifische, leitliniengerechte Maßnahmen ergänzt, um eine strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Merke
Das übergeordnete Ziel der Versorgung eines Thoraxtraumas ist die Sicherstellung einer suffizienten Oxygenierung und Ventilation sowie die Verhinderung einer Kreislaufdekompensation. Eine kontinuierlicheReevaluation ist essenziell, da sich der Zustand jederzeit verschlechtern kann (z.B. durch Spannungspneumothorax, Perikardtamponade, Blutverlust)
Basismaßnahmen
Lagerung: Bei stabilem Kreislauf atemerleichternde Oberkörperhochlagerung erwägen. Bei Schock oder erforderlicher Wirbelsäulenimmobilisation achsengerecht lagern
Sauerstoffgabe: Hypoxämie vermeiden und Sauerstoff bedarfsgerecht mit dem Ziel einer Normoxämie verabreichen
Angepasstes Atemwegsmanagement: Sicherung und regelmäßige Kontrolle der Atemwege bei Vigilanzminderung oder Bewusstseinsstörung
Wundversorgung: Äußere Blutungen kontrollieren und einen offenen Pneumothorax mit einem geeigneten Ventilverband versorgen. Eingedrungene Fremdkörper belassen und stabilisieren
Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von EKG, Herzfrequenz, Blutdruck, SpO₂ und Atemfrequenz. Bei Beatmung zusätzlich Kapnografie und Beatmungsdruck kontrollieren
Venöser Zugang: Großlumigen intravenösen oder bei Bedarf intraossären Zugang anlegen
HWS und Immobilisation: Bei entsprechendem Unfallmechanismus oder klinischem Verdacht Wirbelsäule achsengerecht stabilisieren und unnötige Bewegungen vermeiden
Verlaufskontrolle: Auf zunehmende Dyspnoe, SpO₂-Abfall, einseitig fehlendes Atemgeräusch, steigenden Beatmungsdruck, Hautemphysem, Hypotonie oder andere Schockzeichen achten
Wärmeerhalt und Transport: Auskühlung vermeiden und den zeitnahen Transport in eine geeignete Zielklinik organisieren
Tipp
Thoraxpflaster mit Ventilfunktion
Im präklinischen Bereich werden normalerweise spezielle kommerzielle ThoraxpflastermitVentilfunktion zur Versorgung offener Thoraxverletzungen, vorgehalten und eingesetzt.
Eigenschaften:
Einwegpflaster mit integrierter Ventilfunktion (z.B. 1-, 3-Kammer-Ventile oder Hydrogel-Ventile)
Selbstklebend, luftdicht, teils transparent
Hohe Klebkraft ermöglicht sicheres Anbringen
Schnelle Anwendung auch unter schwierigen Bedingungen
Merke
Ziel bei der Versorgung offener Thoraxverletzungen ist es, die weitere Luftaspiration in den Pleuraspalt zu verhindern.
Wichtig bei der Versorgung offener Thoraxverletzungen ist, dass weiterhin Luft aus dem Pleuraspalt entweichen kann. Wird die Wunde luftdicht verschlossen, ohne eine Ventilfunktion zu ermöglichen, besteht die Gefahr, dass sich ein Spannungspneumothorax entwickelt
Spezifische Maßnahmen
Punktionshöhen beim (Spannungs-)Pneumothorax
Thoraxentlastung: Einen klinisch vermuteten Spannungspneumothorax unverzüglich dekomprimieren. Hierzu sind 2 Verfahren geeignet:
Nadeldekompression
Minithorakotomie
Analgesie: Eine frühzeitige, suffiziente Analgesie entsprechend der Schmerzintensität durchführen, z.B. mit Fentanyl 0,05 mg i.v. titriert bis gewünschte Wirkung, max. Dosis: 0,2 mg oder Analgosedierung mit Esketamin 0,125-025 mg/kgKG i.v + Midazolam 1-2 mg i.v. → Schonatmung und schmerzbedingte Hypoventilation vermeiden
Volumenmanagement: Angepasste Volumensubstitution mittels VEL mit dem Ziel der Normotonie. Bei nicht beherrschbaren Blutungen → permissive Hypotension (Ziel RRsyst. ~80 mmHg oder MAD ~65 mmHg)
Narkose und Atemwegssicherung: Bei entsprechender Indikation, insbesondere zunehmender respiratorischer Insuffizienz, fehlenden Schutzreflexen oder Aspirationsgefahr, Einleitung einer Rapid Sequence Induction (RSI) mit anschließender endotrachealer Intubation
Katecholamingabe: Bei anhaltender Hypotonie trotz ausreichender Volumentherapie und Blutungskontrolle gegebenenfalls Katecholamine, z.B. Noradrenalin0,1–1 μg/kgKG/min i.vzur Kreislaufstabilisierung einsetzen
Tranexamsäure (TXA): Bei einer unkontrollierbaren Blutung oder polytraumatisierten Patient:innen frühzeitige Verabreichung von Tranexamsäure1 g i.v. über 10 Minuten als Kurzinfusion
Info
Abgeklemmte Thoraxdrainage links
Indikationen für die Anlage einer Thoraxdrainage
Spannungspneumothorax: Nach der sofortigen Notfallentlastung sollte der Pleuraspalt chirurgisch eröffnet und ggf. eine Thoraxdrainage angelegt werden
Pneumothorax unter Überdruckbeatmung: Aufgrund des erhöhten Risikos einer Spannungssituation sollte eine Entlastung erfolgen
Klinisch relevanter oder progredienter Pneumothorax: Insbesondere bei zunehmender Dyspnoe, Hypoxämie oder Vergrößerung
Klinisch relevanter oder progredienter Hämatothorax: Zur Entlastung der Lunge und Ableitung des Blutes
Hämatopneumothorax: Bei relevanter Luft- und Blutansammlung im Pleuraspalt
Offener Pneumothorax: Zunächst Versorgung mit einem Ventilverband → anschließend definitive Versorgung mit Thoraxdrainage erwägen
Achtung
Die Lunge entfaltet sich nach einer Nadeldekompression häufig nicht vollständig, da lediglich Luft aus dem Pleuraspalt entweichen kann. Der physiologische Unterdruck wird hierdurch nicht wiederhergestellt. Daher können das Atemgeräusch und die Ventilation der betroffenen Seite trotz klinischer Besserung weiterhin abgeschwächt sein.
Merke
Die Nadeldekompression ist eine vorläufige Entlastungsmaßnahme. Anschließend sollte der Pleuraspalt chirurgisch eröffnet und je nach Situation eine Thoraxdrainage angelegt werden.
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Kinder und geriatrische Patient:innen
Thoraxtraumata zeigen je nach Alter der betroffenen Person teils erhebliche Unterschiede in Anatomie, Physiologie und klinischem Verlauf. Kinder und geriatrische Patient:innen weisen charakteristischeBesonderheiten auf, die bei der Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden müssen.
Die folgende Tabelle bietet einen strukturierten Überblick über diese Unterschiede und hebt deren diagnostisch-therapeutische Relevanz hervor. Sie soll eine gezielte, altersangepasste Versorgung im präklinischen wie klinischen Kontext unterstützen.
Besonderheiten bei Kindern:
Besonderheit
Diagnostische/therapeutische Relevanz
Anatomie
Kleiner Brustkorb
Bei Anlage einer Thoraxdrainage:
Kleinere Tubus- und Drainagengrößen erforderlich (etwa „kleinfingerdick“)
Weniger Eindringtiefe
Gleiche Insertionsstellen (Monaldi oder Bülau)
Elastische Rippen
Seltener Frakturen
Frakturen als Hinweis auf starke Gewalteinwirkung
Häufig Lungenkontusion auch ohne Frakturen
Unreifes Lungengerüst und Lungenparenchym
Höheres Risiko für Lungenverletzung durch stumpfe Gewalt
Gefahr eines Barotraumas bei Beatmung (Lungenprotektive Beatmung obligat)
Geringe Weichteilabdeckung
Weniger Schutz der Organe und knöchernden Strukturen bei Anpralltrauma
Rascher Wärmeverlust
Physiologie
Höhere Atemfrequenz, geringes Atemzugvolumen
Rasche Hypoxie bei Atemstörung
Geringe respiratorische Reserve
Frühzeitge Sicherstellung von Oxygenierung und Ventilation
Gute Kreislaufkompensation
Gefahr des “stabilen” Eindrucks mit plötzlicher Dekompensation
Altersabhängige Normwerte
Immer altersangepasste Vitalwerte beachten
Hilfsmittel verwenden
Besonderheiten bei geriatrischen Patient:innen:
Besonderheit
Diagnostische/therapeutische Relevanz
Anatomie
Starre, ggf. osteoporotische Rippen
Häufig Frakturen auch bei Bagatelltraumata
Gealtertes Lungengerüst und Lungenparenchym
Höheres Risiko für Lungenverletzung durch stumpfe Gewalt
Gefahr eines Barotraumas bei Beatmung (Lungenprotektive Beatmung obligat)
Abnehmende Muskelmasse
Weniger Schutz der Organe und knöchernden Strukturen bei Anpralltrauma
Rascher Wärmeverlust
Physiologie
Eingeschränkte Organfunktion
Rasche Hypoxie bei Atemstörung
Bei Blutverlust rasche Kreislaufdekompensation möglich
Häufiger Sturzmechanismus als Traumaursache (auch Bagatelltraumata)
Multimorbidität
Gezielte geriatrische Anamnese erheben
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Zielkrankenhaus
Die Wahl des Zielkrankenhauses richtet sich nach Verletzungsschwere und Verlauf, respiratorischer und hämodynamischer Stabilität, Unfallmechanismus sowie möglichen Begleitverletzungen.
Leichte isolierte Thoraxverletzung: Bei stabilen Vitalfunktionen und ohne Hinweise auf eine relevante intrathorakale Verletzung Transport in eine Notaufnahme mit Möglichkeit zur Bildgebung und klinischen Überwachung
Relevantes, aber stabilisiertes Thoraxtrauma: Transport in eine Klinik mit sofort verfügbarer Diagnostik, Schockraum sowie intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit
Schweres oder instabiles Thoraxtrauma: Bei respiratorischer oder hämodynamischer Instabilität Transport in ein geeignetes Traumazentrum mit Möglichkeit zur sofortigen operativen oder interventionellen Versorgung
Herz-, Gefäß- oder komplexe Thoraxverletzung: Möglichst Transport in ein entsprechend ausgestattetes überregionales Traumazentrum
Penetrierendes Thoraxtrauma: Schnellstmöglicher Transport in das nächstgelegene geeignete Traumazentrum
Lange Transportstrecke oder instabile Patient:innen: Ist ein spezialisiertes Traumazentrum nicht rechtzeitig erreichbar, zunächst Transport in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus zur Stabilisierung und lebensrettenden Sofortversorgung; anschließend gegebenenfalls Sekundärverlegung
Merke
Bei einem schweren Thoraxtrauma sollte unter Berücksichtigung der einsatztaktischen Bedingungen insbesondere der Einsatz der Luftrettung erwogen werden.
Transportbegleitende Maßnahmen
Monitoring: EKG, Blutdruck, Herzfrequenz, SpO₂ und Atemfrequenz kontinuierlich überwachen. Atemmechanik und Atemgeräusche regelmäßig kontrollieren
Lagerung: Bei stabilem Kreislauf atemerleichternde Oberkörperhochlagerung. Bei Schock oder notwendiger Wirbelsäulenimmobilisation achsengerechte Rückenlage
Sauerstofftherapie: Hypoxämie vermeiden und Sauerstoff bedarfsgerecht mit dem Ziel einer Normoxämie verabreichen
Beatmung: Normoventilation anstreben sowie etCO₂ und Beatmungsdruck kontinuierlich überwachen. Bei zunehmendem Beatmungsdruck, SpO₂-Abfall oder einseitig fehlendem Atemgeräusch an einen Spannungspneumothorax denken
Narkose und Analgesie: Ausreichende Narkosetiefe und Analgesie sicherstellen
Kreislauftherapie: Blutungen kontrollieren und Volumentherapie an Kreislaufzustand, Blutverlust und Begleitverletzungen anpassen. Bei aktiver Blutung ohne SHT gegebenenfalls permissive Hypotonie
Verlaufskontrolle: Auf zunehmende Dyspnoe, asymmetrische Atembewegungen, SpO₂-Abfall, Hautemphysem, Hypotonie oder andere Schockzeichen achten
Wärmeerhalt: Auskühlung vermeiden und möglichst normale Körpertemperatur erhalten
Übergabe in der Klinik
Strukturierte Übergabe nach einem standardisierten Schema, etwa SINNHAFT oder ISOBAR
Relevante Informationen:
Zeitpunkt und Mechanismus des Traumas: stumpfe oder penetrierende Gewalteinwirkung, Aufprallgeschwindigkeit, Seitenaufprall, Einklemmung, Sturzhöhe oder Explosion
Initiale und aktuelle Vitalparameter: Atemfrequenz, SpO₂, Herzfrequenz, Blutdruck und gegebenenfalls etCO₂ einschließlich Verlauf
Thoraxbefunde: Atemmechanik, Seitendifferenz der Atemgeräusche, Druckschmerz, Instabilität, Hautemphysem, offene Wunden oder paradoxe Thoraxbewegung
Verdachtsdiagnosen: Pneumothorax, Spannungspneumothorax, Hämatothorax, Lungenkontusion, instabiler Thorax sowie mögliche Herz-, Gefäß- oder Atemwegsverletzung
Begleitverletzungen: neurologischer Befund, GCS, HWS-, Wirbelsäulen-, Abdominal- oder Beckenverletzungen
Vorerkrankungen und Medikation: insbesondere kardiale oder pulmonale Erkrankungen, Gerinnungsstörungen, Antikoagulation und Thrombozytenaggregationshemmung
Hochrisikopatient:innen: Bei respiratorischer oder hämodynamischer Instabilität, Spannungspneumothorax, massivem Hämatothorax, penetrierendem Trauma oder Verdacht auf Herz- oder Gefäßverletzung frühzeitig Schockraum vorinformieren
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Definition
Definition
Thoraxtrauma
Ein Thoraxtrauma ist eine durch äußere Gewalteinwirkung entstandene Verletzung des Brustkorbs, des Mediastinums und/oder der Lunge. Ursache kann ein stumpfes oder penetrierendes Trauma sein.
Betroffen sein können alle Strukturen des Thorax, insbesondere Lunge, Pleura, Herz, große intrathorakale Gefäße sowie mediastinale Organe wie Trachea und Ösophagus.
Form
Definition
Stumpfes Thoraxtrauma
Verletzung durch stumpfe Gewalteinwirkung ohne Eröffnung der Thoraxwand
Penetrierendes Thoraxtrauma
Verletzung durch einen eindringenden Gegenstand mit Eröffnung der Thoraxwand und möglicher Schädigung intrathorakaler Strukturen
Ursachen
Verkehrsunfälle: Häufige Ursache eines Thoraxtraumas, insbesondere bei Frontal- oder Seitenaufprällen. Möglich sind Verletzungen der Brustwand, der Lunge, des Herzens, der Aorta oder des Zwerchfells
Stürze: Besonders Stürze aus großer Höhe können zu schweren Thoraxverletzungen wie Lungenkontusionen, Lungenlazerationen oder einem Pneumothorax führen
Arbeits- und Freizeitunfälle: Thoraxtraumata können beispielsweise bei Arbeits-, Sport- oder sonstigen Freizeitunfällen entstehen
Einklemmungs- und Quetschtraumata: Eine starke Kompression des Brustkorbs kann eine Thoraxzerquetschung und multiple intrathorakale Verletzungen verursachen
Körperliche Gewalt: Stich- und Schussverletzungen können den Thorax eröffnen und Lunge, Herz oder große Gefäße schädigen
Explosionen und Waffenwirkung: Druckwellen, Geschosse und umherfliegende Fremdkörper können stumpfe oder penetrierende Thoraxverletzungen verursachen
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie des Thoraxtraumas wird durch mehrere, teilweise gleichzeitig auftretende Mechanismen bestimmt:
Primäre Gewebeschädigung: Verletzung von Thoraxwand, Pleura, Lunge, Atemwegen, Herz, Gefäßen oder Zwerchfell
Störung der Atemmechanik: Schmerzen, instabile Thoraxwand oder Verlagerung abdomineller Organe → eingeschränkte Thoraxbewegung und verminderte Ventilation
Störung der intrathorakalen Druckverhältnisse: Luft oder Blut im Pleuraspalt → Verlust des pleuralen Unterdrucks, Lungenkompression oder Lungenkollaps
Störung des Gasaustauschs: verminderte belüftete Lungenfläche oder Schädigung des Lungengewebes → Hypoxämie und respiratorische Insuffizienz
Störung des Kreislaufs: Blutverlust, verminderter venöser Rückstrom oder direkte Herzschädigung → Abfall des Herzzeitvolumens und Kreislaufinstabilität
Systemische Folgen: Anhaltende Hypoxie und Kreislaufinsuffizienz → unzureichende Organperfusion, Schock und möglicherweise Kreislaufstillstand
Pathophysiologische Folgen eines Thoraxtraumas
Klinischer Eindruck
Merke
Leitsymptom: Dyspnoe und ggf. Zyanose als Ausdruck der respiratorischen Beeinträchtigung
Hämatome, Prellmarken als Hinweis auf mögliche Frakturen oder Organverletzungen
Sichtbare Stich‑, Schuss‑ oder Pfählungsverletzungen im Thoraxbereich
Tachypnoe als kompensatorisches Zeichen bei Hypoxie
Hypoxie, häufig trotz Sauerstoffgabe
Thorakale Schmerzen, oft atemabhängig
Abgeschwächtes Atemgeräusch als Hinweis auf (Spannungs‑)Pneumothorax
Obere Einflussstauung, z.B. bei Spannungspneumothorax oder Herzbeuteltamponade
Hautemphysem, tastbares Krepitieren bei Verletzung luftleitender Strukturen
Stridor oder Heiserkeit bei Verletzungen des Kehlkopfs oder der oberen Atemwege
Tachykardie und Hypotonie als Zeichen beginnender Schocksymptomatik
Paradoxe Atmung bei instabiler Thoraxwand
Querschnittssymptomatik bei begleitender Wirbelsäulenverletzung
Diagnostik
Inspektion:
Bereich
Inspektionsschwerpunkte
Mögliche Hinweise auf
Allgemeiner Eindruck
Atemnot, Unruhe, Zyanose, Blässe, Kaltschweißigkeit, Schonhaltung und erhöhte Atemarbeit
Respiratorische Insuffizienz, Hypoxämie oder Schock
Hals und Thoraxeingang
Schwellungen, Hämatome, offene Verletzungen, Tracheallage und gestaute Halsvenen
Halsweichteil-, Gefäß- oder Mediastinalverletzung; bei schwerer respiratorischer oder zirkulatorischer Störung möglicher Spannungspneumothorax oder Perikardtamponade
Thoraxwand
Hämatome, Prell- und Gurtmarken, Abschürfungen, Stich- oder Schusswunden, Fremdkörper und Blutungen
Stumpfes oder penetrierendes Thoraxtrauma sowie mögliche Fraktur oder offene Thoraxverletzung
Thoraxform und Symmetrie
Einziehungen, Vorwölbungen, Deformitäten, asymmetrische Thoraxhälften und sichtbare Instabilität
Thoraxwandverletzung, Rippenserienfraktur oder instabiler Thorax
Atemexkursionen
Atemfrequenz, Atemtiefe und Atemrhythmus sowie Seitengleichheit der Thoraxbewegungen
Einseitige Ventilationsstörung, beispielsweise bei Pneumothorax, Hämatothorax oder Lungenkontusion
Paradoxe Thoraxbewegung
Instabiles Segment bewegt sich bei der Inspiration nach innen und bei der Exspiration nach außen
Instabiler Thorax beziehungsweise Flail Chest
Offene Thoraxverletzung
Thoraxwanddefekt, sichtbare Wunde, Ein- und Austrittsstellen, Luftbewegung sowie schaumig-blutiges Wundsekret
Offener Pneumothorax oder penetrierende intrathorakale Verletzung
Haut und Unterhaut
Sichtbare oder zunehmende Schwellung und Hautveränderungen
Mögliches Hautemphysem bei Verletzung von Lunge, Trachea oder Bronchien sowie bei Pneumothorax oder Pneumomediastinum
Präkordiale und sternale Region
Prellmarken, Hämatome oder penetrierende Wunden über Sternum und Herzregion
Mögliche Verletzung von Sternum, Herz, Perikard oder mediastinalen Strukturen
Rücken und dorsaler Thorax
Hämatome, Prellmarken, offene Wunden, Deformitäten und asymmetrische Atembewegungen
Dorsale Rippen-, Wirbelsäulen-, Pleura- oder Lungenverletzung
Abdomen und Flanken
Gurt- und Prellmarken, Distension, offene Verletzungen oder Blutungen
Begleitendes thorakoabdominelles Trauma mit möglicher Zwerchfell- oder Organverletzung
Palpation:
Thoraxstabilität: vorsichtig auf abnorme Beweglichkeit prüfen → möglicher Hinweis auf Rippenserienfraktur oder instabilen Thorax
Druckschmerz: lokaler Schmerz über Rippen oder Sternum → möglicher Hinweis auf Fraktur oder Thoraxwandverletzung
Krepitationen: tastbares Knochenreiben spricht für eine Fraktur; oberflächliches Knistern für ein Hautemphysem
Hautemphysem: weiche, knisternde Schwellung → Luft in der Subkutis, beispielsweise bei Pneumothorax oder Atemwegsverletzung
Atemexkursionen: asymmetrische Thoraxbewegung → mögliche einseitige Ventilationsstörung, beispielsweise bei Pneumothorax, Hämatothorax oder Lungenkontusion
Perkussion:
Hypersonorer Klopfschall: Kann auf einen Pneumothorax hinweisen → häufig mit abgeschwächtem Atemgeräusch und Dyspnoe
Gedämpfter Klopfschall: Kann für einen Hämatothorax oder Flüssigkeit im Pleuraspalt sprechen → häufig mit abgeschwächtem Atemgeräusch und gegebenenfalls Schockzeichen
Auskultation:
Einseitig abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch: Möglicher Hinweis auf Pneumothorax oder Hämatothorax
Abgeschwächtes Atemgeräusch und hypersonorer Klopfschall: Spricht für einen Pneumothorax → bei zusätzlicher schwerer Atem- oder Kreislaufstörung an einen Spannungspneumothorax denken
Abgeschwächtes Atemgeräusch und gedämpfter Klopfschall: Spricht für einen Hämatothorax oder Hämatopneumothorax
Therapie
Basismaßnahmen:
Lagerung: Bei stabilem Kreislauf atemerleichternde Oberkörperhochlagerung erwägen. Bei Schock oder erforderlicher Wirbelsäulenimmobilisation achsengerecht lagern
Sauerstoffgabe: Hypoxämie vermeiden und Sauerstoff bedarfsgerecht mit dem Ziel einer Normoxämie verabreichen
Angepasstes Atemwegsmanagement: Sicherung und regelmäßige Kontrolle der Atemwege bei Vigilanzminderung oder Bewusstseinsstörung
Wundversorgung: Äußere Blutungen kontrollieren und einen offenen Pneumothorax mit einem geeigneten Ventilverband versorgen. Eingedrungene Fremdkörper belassen und stabilisieren
Monitoring: Kontinuierliche Überwachung von EKG, Herzfrequenz, Blutdruck, SpO₂ und Atemfrequenz. Bei Beatmung zusätzlich Kapnografie und Beatmungsdruck kontrollieren
Venöser Zugang: Großlumigen intravenösen oder bei Bedarf intraossären Zugang anlegen
HWS und Immobilisation: Bei entsprechendem Unfallmechanismus oder klinischem Verdacht Wirbelsäule achsengerecht stabilisieren und unnötige Bewegungen vermeiden
Verlaufskontrolle: Auf zunehmende Dyspnoe, SpO₂-Abfall, einseitig fehlendes Atemgeräusch, steigenden Beatmungsdruck, Hautemphysem, Hypotonie oder andere Schockzeichen achten
Wärmeerhalt und Transport: Auskühlung vermeiden und den zeitnahen Transport in eine geeignete Zielklinik organisieren
Spezifische Maßnahmen:
Punktionshöhen beim (Spannungs-)Pneumothorax
Thoraxentlastung: Einen klinisch vermuteten Spannungspneumothorax unverzüglich dekomprimieren. Hierzu sind 2 Verfahren geeignet:
Nadeldekompression
Minithorakotomie
Analgesie: Eine frühzeitige, suffiziente Analgesie entsprechend der Schmerzintensität durchführen, z.B. mit Fentanyl 0,05 mg i.v. titriert bis gewünschte Wirkung, max. Dosis: 0,2 mg oder Analgosedierung mit Esketamin 0,125-025 mg/kgKG i.v + Midazolam 1-2 mg i.v. → Schonatmung und schmerzbedingte Hypoventilation vermeiden
Volumenmanagement: Angepasste Volumensubstitution mittels VEL mit dem Ziel der Normotonie. Bei nicht beherrschbaren Blutungen → permissive Hypotension (Ziel RRsyst. ~80 mmHg oder MAD ~65 mmHg)
Narkose und Atemwegssicherung: Bei entsprechender Indikation, insbesondere zunehmender respiratorischer Insuffizienz, fehlenden Schutzreflexen oder Aspirationsgefahr, Einleitung einer Rapid Sequence Induction (RSI) mit anschließender endotrachealer Intubation
Katecholamingabe: Bei anhaltender Hypotonie trotz ausreichender Volumentherapie und Blutungskontrolle gegebenenfalls Katecholamine, z.B. Noradrenalin0,1–1 μg/kgKG/min i.vzur Kreislaufstabilisierung einsetzen
Tranexamsäure (TXA): Bei einer unkontrollierbaren Blutung oder polytraumatisierten Patient:innen frühzeitige Verabreichung von Tranexamsäure1 g i.v. über 10 Minuten als Kurzinfusion
Besondere Situationen
Thoraxtraumata zeigen je nach Alter der betroffenen Person teils erhebliche Unterschiede in Anatomie, Physiologie und klinischem Verlauf. Kinder und geriatrische Patient:innen weisen charakteristischeBesonderheiten auf, die bei der Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden müssen.
Transport
Die Wahl des Zielkrankenhauses richtet sich nach Verletzungsschwere und Verlauf, respiratorischer und hämodynamischer Stabilität, Unfallmechanismus sowie möglichen Begleitverletzungen.
Leichte isolierte Thoraxverletzung: Bei stabilen Vitalfunktionen und ohne Hinweise auf eine relevante intrathorakale Verletzung Transport in eine Notaufnahme mit Möglichkeit zur Bildgebung und klinischen Überwachung
Relevantes, aber stabilisiertes Thoraxtrauma: Transport in eine Klinik mit sofort verfügbarer Diagnostik, Schockraum sowie intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeit
Schweres oder instabiles Thoraxtrauma: Bei respiratorischer oder hämodynamischer Instabilität Transport in ein geeignetes Traumazentrum mit Möglichkeit zur sofortigen operativen oder interventionellen Versorgung
Herz-, Gefäß- oder komplexe Thoraxverletzung: Möglichst Transport in ein entsprechend ausgestattetes überregionales Traumazentrum
Penetrierendes Thoraxtrauma: Schnellstmöglicher Transport in das nächstgelegene geeignete Traumazentrum
Lange Transportstrecke oder instabile Patient:innen: Ist ein spezialisiertes Traumazentrum nicht rechtzeitig erreichbar, zunächst Transport in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus zur Stabilisierung und lebensrettenden Sofortversorgung; anschließend gegebenenfalls Sekundärverlegung
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Schockraum
Leitsymptom Husten
Leitsymptom Thoraxschmerz
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