Ein Thoraxtrauma entsteht durch stumpfe oder penetrierende Gewalteinwirkung auf den Brustkorb und betrifft häufig lebenswichtige Strukturen wie Lunge, Pleura, Herz, großer Gefäße sowie Trachea oder Ösophagus. Je nach Verletzungsmuster kann es zu akuten Störungen der Ventilation, Oxygenierung und Kreislaufregulation kommen, häufig mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen wie Spannungspneumothorax, massivem Pneu- oder Hämatothorax.
Entscheidend ist eine frühzeitige Sicherstellung einer suffizienten Oxygenierung und Ventilation zu gewährleisten sowie eine Kreislaufdekompensation zu verhindern. Eine kontinuierliche Reevaluation ist unerlässlich, da sich der klinische Zustand der Patient:innen jederzeit verschlechtern kann.
Die Wahl des Zielkrankenhauses sollte sich am Schweregrad des Traumas orientieren. Bei instabilen oder kritisch verletzten Patient:innen empfiehlt sich der Transport in ein überregionales Traumazentrum mit entsprechender chirurgischer und intensivmedizinischer Expertise in der Versorgung thorakaler Verletzungen.
Um den Einstieg in das Thema Thoraxtrauma etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
Stichwort: „Verkehrsunfall PKW“
Ort: Bundesstraße
Alarmzeit: 12:53 Uhr
Anrufer:in: Passanten
Anzahl der Betroffenen: 2
Zusatzinfo:
Männlich, 57 Jahre alter Patient
Feuerwehr, Polizei, 2x RTW und RTH ebenfalls alarmiert
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen zeigt sich ein Frontalzusammenstoßzweier stark beschädigter PKW. In dem silberfarbenen Fahrzeug wird die erkrankte Person derzeit durch die Feuerwehr befreit. Eine weitere verletztePersonbefindetsichbereitsimRTW und wird dort von der Besatzung erstversorgt. Ihrseid mit dem NEF unterwegs und werdet beim Eintreffen vom Einsatzleiter angewiesen, die RTW-Besatzung bei der Versorgung zu unterstützen.
Beim Betreten des RTWs ist die Lage wie folgt:
Der Patient ist wach und ansprechbar, aufgrund massiver Atemnot spricht er allerdings kaum
Er klagt über starke Schmerzen im Thorax und zunehmende Atemnot
Er hat ein Hämatom rechts lateral am Thorax in Höhe der 5. - 7. Rippe
Der Patient präsentiert sich insgesamtblass und in einem kritischinstabilenZustand
Ersteinschätzung nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit einem Thoraxtrauma aussehen könnte.
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Anlage eines 12-Kanal-EKG in diesem Fall hinten angestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.
x
Keine kritischen Blutungen
A
Atemwege frei
Schleimhäute blass
Patientin spricht selbständig
Kein A-Problem
B
Inspektorisch:
Thoraxexkursion rechtsseitig paradox
Hämatom Thorax rechts lateral, Höhe 5.-7. Rippe
Gestaute Halsvenen sichtbar
Regelmäßige Atmung
Auskultatorisch:
Links vesikuläres Atemgeräusch
Rechts deutlich abgeschwächt
Palpatorisch:
Krepitation rechts auf Höhe des Hämatoms
Thorax dort instabil
SpO2: 74 %
Atemfrequenz: 29/min
Akutes B-Problem
C
Hautkolorit blass
Rekap-Zeit: 4 Sekunden
Große Blutungsräume: Hämatom rechts thorakal
Palpation des Pulses am Handgelenk
Rhythmisch
Schwach tastbar
Tachykard, 137/min
Akutes C-Problem
D
Wach, ansprechbar
GCS 15
Öffnen der Augen: 4
Beste verbale Reaktion: 5
Beste motorische Reaktion: 6
Pupillenkontrolle:
Isokor
Mittelweit
Lichtreagibel
Kein D-Problem
E
Hämatom am Thorax rechts
Mehrere oberflächige Verletzungen im Gesicht und an den Extremitäten
Schmerzen am Thorax und an den Beinen
Temperatur: 37,1 °C
Symptome:
Atemnot
instabiler Thorax
Akute Schmerzen
Tachykardie
Allergien / Infektionen: Keine bekannt
Medikamente: Keine Dauer- oder Akutmedikation
Patientengeschichte: Keine Vorerkrankungen
Letzte Mahlzeit: Frühstück, um ca. 10:00 Uhr
Ereignis: Verkehrsunfall PKW
Risikofaktoren: Keine
Mittelbares E-Problem
Achtung
Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten mit einem Thoraxtrauma. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
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Definition
Ein Thoraxtrauma bezeichnet eine durch stumpfeoderspitzeGewalteinwirkung von außen verursachte VerletzungdesBrustkorbs und / oder der im ThoraxgelegenenlebenswichtigenOrgane. Dabei können prinzipiell alle Organe oder Strukturen des Thorax betroffen sein, insbesondere Lunge, Pleura, Herz und große intrathorakale Gefäße, aber auch mediastinale Strukturen wie Trachea und Ösophagus.
Klassifikation:
Die Klassifikation des Thoraxtraumas erfolgt primär nach der Art der Gewalteinwirkung:
Stumpfes Thoraxtrauma: verursacht durch indirekte Krafteinwirkung ohne Durchdringung der Haut
Penetrierendes Thoraxtrauma: Durchdringung der Brustwand mit Eröffnung des Thorax (oft mit Eintritt von Luft oder Blut in den Thoraxraum)
Thoraxtraumata können auch nach den betroffenenStrukturen klassifiziert werden. Dabei unterscheidet man:
Verletzungen des Brustkorbs: Rippenfraktur / Rippenserienfraktur, Sternumfraktur, Zwerchfellruptur, Phrenikusparese
Verletzungen des Mediastinums: Contusio cordis (Herzprellung), traumatische Aortenruptur, Ösophagusverletzungen, Perikardtamponade
Verletzungen der Lunge: Lungenkontusion, (Spannungs-) Pneumothorax, Hämatothorax
Epidemiologie:
In Deutschland und Europa entstehen über 90 % der Thoraxtraumata infolge stumpfer Gewalteinwirkung, meist durch Unfälle
PenetrierendeVerletzungen wie Stich- oder Schusswunden sind zwar selten, gelten jedoch als eigenständiger Risikofaktor für eine erhöhte Mortalität
Schwere Thoraxtraumata sind insgesamt mit einer erheblichen Morbidität und Letalität verbunden
DritthäufigstetraumabedingteTodesursache in Deutschland (nach Schädel-Hirn-Trauma und Verbluten)
Etwa 25 % aller polytraumatisierten Patient:innen versterben an den direkten Folgen einer thorakalenVerletzung
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Merke
Verletzungen des Thorax treten sowohl als isolierte Monoverletzungen als auch im Rahmen eines Polytraumas auf. Etwa 45 % der polytraumatisierten Patient:innen mit einem Injury Severity Score (ISS) über 16 (kann im Rettungsdienst nicht ermittelt werden, nur nach kompletter Diagnostik im Krankenhaus ermittlebar) weisen ein relevantesThoraxtrauma auf.
Die Ursachen solcher Traumata lassen sich in stumpfe und penetrierende Gewalteinwirkungen unterteilen, die jeweils unterschiedliche Verletzungsmuster nach sich ziehen.
Stumpfe Gewalteinwirkung:
Verkehrsunfälle (PKW, LKW, Motorrad, Fahrrad)
Hier vor allem thorakaler Anprall an Lenkrad oder Armaturenbrett
Erfassen durch ein Fahrzeug im Rahmen eines Fußgängerunfalls
Tritte oder Schläge gegen den Thorax
Stürze aus großer Höhe
Explosionstrauma (Druckwelle ohne direkte Penetration)
Penetrierende Gewalteinwirkung:
Stichverletzungen (z.B. Messerattacken, Unfälle mit scharfen Gegenständen)
Schussverletzungen
Pfählungsverletzungen (z.B. durch Stürze auf spitze Gegenstände oder im Rahmen von Verkehrsunfällen)
Verletzungen durch spitze Werkzeuge oder Maschinen
Suizidversuche mit scharfen Gegenständen
Explosionsverletzungen (z.B. durch Splitter)
Info
In Europa sind stumpfe Verletzungen mit etwa 90 % deutlich häufiger. Hauptursachen sind hierbei Verkehrsunfälle und Stürze.
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Merke
Reminder: Anatomische und physiologische Grundlagen
Der Thorax besteht aus:
Der Brustwand (Haut, oberflächliche Blutgefäße, knöcherner Thorax, Muskeln, Faszien)
Der Brust- oder Thoraxhöhle (Cavitas thoracis)
Den enthaltenen Thoraxorganen
Thoraxorgane:
Mediastinale Organe (zentral gelegen):
Herz
Große Gefäße: Aorta, Truncus pulmonalis, Vv. cava superior et inferior
Trachea
Ösophagus
Ductus thoracicus
Nerven: N. vagus, N. phrenicus, Truncus sympathicus, Nn. cardiaci
Pulmonale Anteile (jeweils seitlich des Mediastinums):
Lunge: rechter Lungenflügel mit 3, linker mit 2 Lappen
Bronchialsystem: Hauptbronchien, Lappen- und Segmentbronchien
Lungengefäße: A. pulmonalis, Vv. pulmonales
Pleura:
Lungenfell (Pleura visceralis): Umhüllt die Lunge und ist daher das innere Blatt der Pleura. Am Lungenhilus geht das Lungenfell in das Rippenfell über, dabei entsteht eine Umschlagfalte (= Ligamentum pulmonal)
Rippenfell (Pleura parietalis): Äußere Blatt der Pleura, bedeckt die Brusthöhle
Zwischen den beiden Pleurablättern befindet sich der Pleuraspalt (Cavitas pleuralis), darin befindet sich jeweils 5-10ml Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit dient als „Schmiermittel“, wodurch die Reibung der Pleurablätter während der Atmung minimiert wird
Im Pleuraspalt besteht ein Unterdruck, zusammen sorgen diese Adhäsionskräfte dafür, dass sich die Pleurablätter reibungsfrei verschieben können und sich gleichzeitig nicht trennen. Daher bleibt die Lunge offen und „hängt“ an der Thoraxwand
Zwerchfell:
Zentrale Trennstruktur zwischen Thorax- und Abdominalhöhle
Wichtigster Atemmuskel
Thoraxskelett:
12 Rippenpaare:
I. - VII. Rippenpaar („echte Rippen“): direkt mit Sternum verbunden
VIII. - X. Rippenpaar („falsche Rippen“): indirekte, flexible, knorpelige Verbindung über Rippenbogen mit dem Brustbein
XI. - XII. Rippenpaar („freie Rippen“): frei endend, überlappen den Oberbauch, keine Verbindung zum Sternum
Wirbelsäule als dorsale Begrenzung
Sternum & Sternoklavikulargelenk als vordere Begrenzung, Verbindung zum Schultergürtel
Pathophysiologie
Durch mechanische Gewalteinwirkung können gleichzeitigoder einzeln folgende Strukturen geschädigt werden:
Atemwege
Lunge und Pleuraspalt
Herz und Gefäße
Die Folge sind akuteStörungen der Ventilation und Oxygenierung, eine gestörteDruckverteilungimThoraxraum sowie potenziellmassiveBlutverluste oder hämodynamischeInstabilität → bis hin zum vollständigen Kreislaufversagen.
Thoraxtraumata führen daher häufig zu einer Kombination aus respiratorischerInsuffizienzundSchockgeschehen und stellen eine akut lebensbedrohliche Situation dar.
In der folgenden Abbildung werden die wichtigstenpathophysiologischenVeränderungen und deren potenziell lebensbedrohliche FolgenbeiThoraxtraumata übersichtlich dargestellt. Sie orientiert sich am ABC-Schema und verdeutlicht, wie Verletzungen im Bereich der Atemwege, der Lunge und der Kreislauforgane zu akuterrespiratorischerInsuffizienz und Kreislaufversagen führen können.
Merke
Zusammenfassung: Die kritischen Probleme bei einem Thoraxtrauma
Respiratorische Insuffizienz durch:
Eingeschränkte Atemtätigkeit
Verletzung der Atemwege
Verletzung der Lunge
Kreislaufversagen / Schock durch:
Blutverlust
Spannungspneumothorax
Perikardtamponade
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Typische Zeichen
Merke
Leitsymptom: Dyspnoe und ggf. Zyanose als Ausdruck der respiratorischen Beeinträchtigung
Hämatome, Prellmarken als Hinweis auf mögliche Frakturen oder Organverletzungen
Sichtbare Stich‑, Schuss‑ oder Pfählungsverletzungen im Thoraxbereich
Tachypnoe als kompensatorisches Zeichen bei Hypoxie
Hypoxie, häufig trotz Sauerstoffgabe
Thorakale Schmerzen, oft atemabhängig
Abgeschwächtes Atemgeräusch als Hinweis auf (Spannungs-) Pneumothorax
Obere Einflussstauung, z.B. bei Spannungspneumothorax oder Herzbeuteltamponade
Hautemphysem, tastbares Krepitieren bei Verletzung luftleitender Strukturen
Stridor oder Heiserkeit bei Verletzungen des Kehlkopfs oder der oberen Atemwege
Tachykardie und Hypotonie als Zeichen beginnender Schocksymptomatik
Paradoxe Atmung bei instabiler Thoraxwand
Querschnittssymptomatik bei begleitender Wirbelsäulenverletzung
Pathophysiologie der paradoxen Atmung bei Rippenserienfraktur (Frakturen von ≥ 3 benachbarten Rippen) )
Tipp
An abdominale Beteiligung denken!
Bauchschmerzen und Abwehrspannung können auf eine Beteiligung des Abdomens hinweisen, insbesondere bei Frakturen der 5. bis 12. Rippe, da hier das RisikofürVerletzungenintraabdominellerOrgane wie Leber, Milz oder Zwerchfell besteht.
Generalisierte Zeichen
Typische Begleitverletzungen nach Trauma, z.B. Schürfwunden, Prellungen, …
Vegetative Symptome:
Übelkeit
Erbrechen
Angst / Panik
Zittern
Schwitzen
Achtung
„Red Flags“
Abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch
Zyanose
Hämodynamische Instabilität
Vigilanzminderung
Paradoxe Atmung
Penetrierende Verletzungen
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M (Medikation): Dauermedikation, vor allem relevant:
Antikoagulantien
Thrombozytenaggregationshemmer
P (Patientengeschichte):
Bekannte Gerinnungsstörung?
L (Letzte…): Letzte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme? → Relevant für Narkoseeinleitung
E (Ereignis): Genauen Traumahergang beachten, z.B. stumpfe oder spitze Gewalteinwirkung?
R (Risiko): Antikoagulation, hohes Alter
S (Schwangerschaft): Mögliche Schwangerschaft bei Patient:innen beachten → Schwangerschaftsspezifische Komplikationen eines Traumas beachten, z.B. vorzeitige Plazentaablösung
Tipp
Nutze Schemata
Um die Anamnese strukturiert durchzuführen, bietet es sich an, Schemata wie das SAMPLERS oder OPQRST-Schema zu nutzen. Am obigen Beispiel haben wir Fragen und Befunde dargestellt, die bei dem Verdacht auf ein Thoraxtrauma abgefragt werden sollten und vorliegen könnten.
Körperliche Untersuchung
Info
Die körperliche Untersuchung entspricht grundsätzlich dem Vorgehen bei polytraumatisierten Patient:innen. In diesem Abschnitt wird ausschließlich auf die orientierende Untersuchung des Thorax und häufige Verletzungsmuster eingegangen. Weitere Informationen findest du im Artikel: Polytrauma (RD).
Inspektion:
Asymmetrisches Atemmuster → betroffene Seite „hinkt nach“
Hinweise auf äußere Verletzungen
Rippenserienfraktur links
Obere Einflussstauung
Aufgrund der verminderten Rückflussmöglichkeiten zum Herzen sind die Halsvenen oft gestaut
Bei Rippenserienfraktur:paradoxe Atmung
Bei der Inspiration weitet sich der Thorax
Bei der Exspiration bewegt sich der Thorax normalerweise nach innen
Bei einer Rippenserienfraktur wird ein paradoxes Atemmuster provoziert, bei dem die frakturierten Rippenfragmente sich entgegengesetzt zur normalen Atembewegung verhalten
An der Stelle bewegen sich die frakturierten Rippen bei der Inspiration nach innen und bei der Exspiration nach außen
Tipp
Hämatome im Thoraxbereich sind wichtige äußerlich sichtbare Hinweiseaufmögliche schwerwiegende, tieferliegendeVerletzungen und sollten präklinischstetssystematischinspiziertunddokumentiert werden.
Palpation:
Eventuell Instabilität des Thorax
Hautemphysem mit Knistern („Schneeballknirschen“)
Krepitation bei Rippenfraktur
Perkussion:
HypersonorerKlopfschall auf der betroffenen Seite bei (Spannungs-) Pneumothorax
Hyposonorer Klopfschall auf der betroffenen Seite bei Hämatothorax
Auskultation:
Abgeschwächtes oder fehlendesAtemgeräusch auf der betroffenen Seite bei (Spannungs-) Pneumothorax
Eventuell pulssynchrones Klicken (hörbares Ausdehnen und Zusammenziehen der Luft im Pleuraspalt bei jedem Herzschlag) bei (Spannungs-) Pneumothorax
Vitalparameter:
Info
Die Vitalparameter von Patient.innen mit einem Thoraxtrauma sind sowohl von der Art und Schwere der Verletzung als auch von der jeweiligen Schockphase abhängig. Diese können in der initialen Kompensationsphase noch unauffällig erscheinen, während sie im fortgeschrittenen Stadium zunehmend entgleisen und deutliche Hinweise auf eine drohende Kreislaufdekompensation geben.
Kompensationsphase:
Tachykardie
Normotension oder leicht erniedrigter Blutdruck
Tachypnoe
Peripher kühle Haut, verlängerte Rekap-Zeit
Kaltschweißigkeit
Dekompensationsphase:
Hypotonie
Bradykardie oder ausgeprägte Tachykardie
Ateminsuffizienz
Marmorierte, zyanotische Haut
Bewusstseinsstörung bis Bewusstlosigkeit
Hypothermie, v.a. bei längerer Bewegungseinschränkung oder kalter Umgebungstemperatur möglich
Achtung
An kontinuierliche Reevaluation denken
Wenn die erkrankte Person nach der Ersteinschätzung als „stabil“ eingestuft wird, muss dieser Zustand aktiv aufrechterhalten und regelmäßigneubewertetwerden. Eine klinischeVerschlechterungkannjederzeiteintreten. Dabei sollte insbesondere an folgende potenzielllebensbedrohlicheEntwicklungen gedacht werden:
Zunehmender Pneumothorax, der sich zu einem Spannungspneumothorax entwickelt
Initial unauffällige Perikardtamponade, die symptomatisch wird
Schleichende Blutungen mit Übergang in einen hämorrhagischen Schock
Respiratorische Erschöpfung bei kombinierter Belastung durch gesteigerte Atemarbeit und Kreislaufinstabilität
Häufige Verletzungsmuster
Häufig auftretende Verletzungen im Rahmen eines Thoraxtraumas werden nachfolgend übersichtlich dargestellt. Sie können einzeln oder kombiniert vorliegen.
Region
Verletzung
Symptome
Verletzungen des Brustkorbs
Rippenfraktur / Rippenserienfraktur
Atemabhängiger Schmerz
Druckschmerz, Krepitation
Schonatmung
Paradoxe Atmung (bei Rippenserienfraktur)
Lokales Hämatom / Prellung über der frakturierten Region
Sternumfraktur
Retrosternaler Schmerz
Druckschmerz
Atemabhängige Beschwerden
Hämatom im Sternumbereich möglich
Verletzungen des Mediastinums
Contusio cordis (Herzprellung)
Retrosternaler Schmerz
Tachykardie, Arrhythmien
Hypotonie
Evtl. Hämatom über dem Sternum oder präkordial
Aortenruptur
Zeichen eines hämorrhagischen Schocks
Blutdruck- und/oder Pulsdifferenz
Perikardtamponade
Tachykardie
Hypotonie
Gestaute Halsvenen
Blässe
Dyspnoe
Verletzungen der Lunge
Pneumothorax
Dyspnoe
Hypersonorer Klopfschall auf der betroffenen Seite
Akuter Thoraxschmerz → plötzlicher Beginn, atemabhängig, stechend und auf der betroffenen Seite zu lokalisieren
Ggf. Tachykardie
Ggf. Hypotonie
Spannungspneumothorax
Dyspnoe, Zyanose
Gestaute Halsvenen
Abgeschwächtes oder fehlendes Atemgeräusch auf der betroffenen Seite
Akuter Thoraxschmerz → plötzlicher Beginn, atemabhängig, stechend und auf der betroffenen Seite zu lokalisieren
Tachykardie
Hypotonie
Hautemphysem
Hypersonorer Klopfschall auf der betroffenen Seite
Hämatothorax
Dyspnoe
Gedämpftes/fehlendes Atemgeräusch
Hyposnorer Klopfschall
Hypotonie
Tachykardie
Ggf. Hämatom bei Gefäß- oder Rippenverletzung
Achtung
Viele dieser Symptome sind unspezifisch und überschneiden sich. Eine strukturierte präklinische Untersuchung mit Fokus auf Atemmechanik, Thoraxexkursion, Auskultation und Kreislaufstatus ist essenziell für die frühzeitige Erkennung lebensbedrohlicher Thoraxverletzungen.
Bildgebung
Ultraschall:
Tipp
Die Durchführung der eFAST-Untersuchung bereits in der präklinischen Phase ermöglicht die frühzeitigeIdentifikationlebensbedrohlicherinnererBlutungenoderLuftansammlungen und unterstützt somit entscheidend die Priorisierung, Behandlung und Auswahl der Zielklinikwahl von Traumapatient:innen.
Die E-FAST Sonographie (Extended Focused Assessment with Sonography for Trauma) ist eine fokussierte Untersuchung von Traumapatient:innen. Hierbei werden 4 Regionen untersucht, in denen sich freie Flüssigkeit ansammeln kann. Bis zum Beweis des Gegenteils ist jede Flüssigkeitsansammlung als Blutung zu werten.
Suprapubischer Längs-/Querschnitt: ♀Excavatio rectouterina (Douglas-Raum) bzw. ♂Excavatio rectovesicalis (Proust-Raum)
Subxiphoidal: perikardiale Flüssigkeit
Pleura: zur Detektion eines Pneumothorax (physiologisch: „Ameisenlaufen“ = Pleurabewegungen; Barcode-Zeichen im M-Mode → Hinweis für einen Pneumothorax)
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Merke
Das übergeordnete Ziel der Versorgung eines Thoraxtraumas ist die Sicherstellung einer suffizienten Oxygenierung und Ventilation sowie die Verhinderung einer Kreislaufdekompensation. Eine kontinuierlicheReevaluation ist essenziell, da sich der Zustand jederzeit verschlechtern kann (z.B. durch Spannungspneumothorax, Perikardtamponade, Blutverlust)
Symptomatische Therapie
Die folgenden Maßnahmen werden häufig angewandt:
Sauerstoffgabe / Atemwegssicherung: bei Patient:innen mit einer vermindertenSauerstoffsättigung (Hypoxie) wird Sauerstoffverabreicht, um die Sauerstoffversorgung des Gewebeszuverbessern und die FunktionlebenswichtigerOrgane sicherzustellen → Beim Thoraxtrauma ist eine Normoxie anzustreben
Temperaturmanagement: eine Hypothermie führt zu einer reduzierten Enzymaktivität der Gerinnungskaskade, was eine verstärkte Blutungsneigung begünstigen kann → Daher wird prähospital eine Normothermie angestrebt, wobei bei Bedarf ein aktiver Wärmeerhalt durchgeführt wird
Intravenöser Zugang: beim Thoraxtrauma ist die Anlage von 1 bis 2 großlumigen i.v.-Zugängen essenziell. → Voraussetzung für Volumensubstitution, ggf. Gabe von Blutprodukten, Verabreichung von Medikamenten
Kristalloide Infusionslösungen: die Flüssigkeitstherapie ist essenziell zur Optimierung der Perfusion und zur Vermeidung einer Hypotonie → Beim Thoraxtrauma ist eine Normotonie anzustreben → Bei einer nicht beherrschbaren Blutung → permissive Hypotension (Ziel RRsyst. ~80 mmHg oder MAD ~65 mmHg)
Analgesie: beim Thoraxtrauma ist eine frühzeitige und wirksameSchmerztherapie entscheidend, um eine effektiveSpontanatmung zu ermöglichen. → Durch die Schmerzreduktion wird eine Schonatmung verhindert, was die Oxygenierungunterstützt
Offene Thoraxverletzung
Merke
Ziel bei der Versorgung offener Thoraxverletzungen ist es, die weitere Luftaspiration in den Pleuraspalt zu verhindern.
Wichtig bei der Versorgung offener Thoraxverletzungen ist, dass weiterhin Luft aus dem Pleuraspalt entweichen kann. Wird die Wunde luftdicht verschlossen, ohne eine Ventilfunktion zu ermöglichen, besteht die Gefahr, dass sich ein Spannungspneumothorax entwickelt
Wundversorgung:
Wundabdeckung mit einem okklusiven Verband, z.B. Folienverband oder spezieller Thoraxverband
Nur drei Seiten verklebt → sogenannter Ventilverband
Luft kann entweichen, aber nicht mehr eindringen (Einwegventil)
Tipp
Thoraxpflaster mit Ventilfunktion
Im präklinischen Bereich werden normalerweise spezielle kommerzielle ThoraxpflastermitVentilfunktion zur Versorgung offener Thoraxverletzungen, vorgehalten und eingesetzt.
Eigenschaften:
Einwegpflaster mit integrierter Ventilfunktion (z.B. 1-, 3-Kammer-Ventile oder Hydrogel-Ventile)
Selbstklebend, luftdicht, teils transparent
Hohe Klebkraft ermöglicht sicheres Anbringen
Schnelle Anwendung auch unter schwierigen Bedingungen
Pneumo- und Hämatothorax
Die Therapie eines Pneumo- oder Hämatothorax richtet sich wesentlich nach dem klinischenZustand der Patientin bzw. des Patienten und insbesondere danach, ob eine Spontanatmung vorliegt oder ob die Personbeatmet wird:
Spontanatmende Patient:innen mit stabilem Allgemeinzustand und ohne Zeichen einer respiratorischen oder hämodynamischen Dekompensation können häufig zunächst beobachtend behandelt werden. Voraussetzung ist eine engmaschige Überwachung und die Möglichkeit eines raschen Eingreifens bei Verschlechterung
Beatmete Patient:innen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, dass sich ein zunächst unkomplizierter Pneumothorax in einen Spannungspneumothorax entwickelt. Daher ist hier eine sofortige Entlastung mittels Thoraxdrainage indiziert, unabhängig von der Größe des Pneumo- oder Hämatothorax bzw. den Symptomen im Moment der Feststellung
Info
Pneumothorax und RTH-Transport:
Beim Transport von Patient:innen mit Pneumothorax im Rettungshubschrauber (RTH) besteht ein erheblichesRisiko für die Entwicklung eines Spannungspneumothorax.
Klinische Relevanz:
Der Luftdruck sinkt mit zunehmender Flughöhe → intrathorakale Luft dehnt sich aus (Boyle-Mariotte-Gesetz)
Ein nicht entlasteter Pneumothorax kann sich durch diese Volumenzunahme in einen lebensbedrohlichen Spannungspneumothorax umwandeln
Vorgehen vor dem Flug:
Bereits entlasteter Pneuneumothorax: Thoraxdrainage sichern (Lagekontrolle, Funktion prüfen)
Klinischer Verdacht auf Pneumothorax oder Trauma mit hohem Risiko: Anlage einer Thoraxdrainage
Spontanatmende, stabile Patienten + Thoraxtrauma: Bodengebundener Transport in Erwägung ziehen
Relevanz für erstversorgende Team bei Nachbestellung RTH zum Transport:
Beider Anforderung eines RTH-Transports sollte frühzeitig an notwendige Vorbereitungen gedacht werden. Erfolgt die Anlage der Thoraxdrainage erst nach Eintreffen des Hubschraubers, geht wertvolle Zeit verloren, und der potenzielle Zeitvorteil des Lufttransports entfällt.
→ Daher sollte die Drainage, wenn indiziert, möglichst vor Eintreffen des RTH gelegt werden.
Spannungspneumothorax
Merke
Das Ziel der Behandlung ist die schnelle Druckentlastung des Pleuraspalts und die hämodynamische Stabilisierung.
Zusammengefasst erfordert die Therapie eines Spannungspneumothorax:
Eine sofortige Druckentlastung durch Nadelthorakostomie
Gefolgt von einer Thoraxdrainage zur definitiven Therapie
Achtung
Die Dekompression sollte bei dringendem Verdacht auf einen Spannungspneumothorax auch vor weiterem Monitoring oder der Sicherstellung eines großlumigen venösen Zugangs angestrebt werden. Dennoch müssen diese Basismaßnahmen im weiteren Verlauf durchgeführt werden, um eine optimale Versorgung der Patient:innen zu gewährleisten.
Nadeldekompression (Nadelthorakostomie):
Indikation:
Notfallmaßnahme der 1. Wahl bei klinischem Verdacht auf einen Spannungspneumothorax
Sie sollte möglichst nicht durch andere Maßnahmen aufgeschoben werden, da jede Verzögerung lebensgefährlich sein kann
Durchführung:
Desinfektion der Punktionsstelle:
Dies sollte, sofern möglich, auch im Rahmen dieser dringlichen Indikation nicht vernachlässigt werden
Wahl der Punktionsstelle:
Die Kanüle wird in den 4. oder 5. Interkostalraum in der mittleren oder vorderen Axillarlinie (Bülau-Position) auf der betroffenen Seite eingeführt
Alternativ kann auch der 2. Interkostalraum an der Medioklavikularlinie (der sogenannten Monaldi-Position)genutzt werden
Tipp
Eselsbrücke
Um Nerven und Gefäße möglichst nicht zu verletzen, sollte die Nadel kranial der Rippe in den Thorax eingeführt werden. Der Merkspruch dazu lautet: „Unter der Rippe parkt ein VAN“, wobei VAN für Vene, Arterie und Nerv steht, da diese Strukturen unmittelbar kaudal der Rippen verlaufen.
Thoraxdrainage (Thorakostomie):
Achtung
Nach der initialen Nadeldekompression muss der Spannungspneumothorax dauerhaft durch eine Thoraxdrainage behandelt werden, um die Luft kontinuierlich aus dem Pleuraspalt abzuleiten und eine erneute Druckerhöhung zu verhindern.
Indikation:
Dies ist die definitive Therapie bei einem Spannungspneumothorax
Auch nach einer initialen Nadeldekompression ist die Behandlung durch eine Thoraxdrainage unerlässlich
Durchführung:
Eine Thoraxdrainage wird im 4. oder 5. Interkostalraum in der vorderen oder mittleren Axillarlinie (auf Höhe der Mamille) platziert. Dieser Punkt wurde nach dem Erstbeschreiber als Bülau-Position benannt
Die Drainage wird nach der Platzierung mit einem Heimlich-Ventil verbunden, das den Einweg-Ablauf der Luft aus dem Pleuraspalt ermöglicht
Info
Heimlich-Ventil
Im Inneren des Heimlich-Ventils befindet sich ein Gummischlauch, welcher zwar die Leitung von Luft aus dem Körper heraus zulässt, allerdings keine Luft durch das Ventil in das Thoraxinnere einfließen lässt. Dies verhindert, dass Luft in den Pleuraspalt zurückströmt, und fördert die Reexpansion der kollabierten Lunge.
Die Drainage verbleibt normalerweise für mehrere Tage, bis keine Luftleckage mehr auftritt und die Lunge vollständig reexpandiert ist
Nach dem Einführen sollte man ein Zischen hören, wenn die Luft aus dem Pleuraspalt entweicht
Die Nadel wird mit Pflasterband gesichert und sollte nur als temporäre Lösung dienen, bis eine Thoraxdrainage gelegt werden kann
Weitere Maßnahmen
Kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter
Allgemeine Versorgung von Begleitverletzungen
Tipp
Lagerung von Patient:innen mit einem Thoraxtrauma
Die Lagerung von Patient:innen mit Thoraxtrauma richtet sich nach der Art und dem Ausmaß der Verletzung.
Bei Verdacht auf BegleitverletzungenderWirbelsäule: Achsengerechte Lagerung + Immobilisation
Rippenserienfraktur: Lagerung auf der betroffenen Seite erwägen
Nach Ausschluss von Wirbelsäulenverletzungen: atemerleichternde Oberkörperhochlagerung möglich
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Kinder und geriatrische Patient:innen
Thoraxtraumata zeigen je nach Alter der betroffenen Person teils erhebliche Unterschiede in Anatomie, Physiologie und klinischem Verlauf. Kinder und geriatrische Patient:innen weisen charakteristischeBesonderheiten auf, die bei der Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden müssen.
Die folgende Tabelle bietet einen strukturierten Überblick über diese Unterschiede und hebt deren diagnostisch-therapeutische Relevanz hervor. Sie soll eine gezielte, altersangepasste Versorgung im präklinischen wie klinischen Kontext unterstützen.
Besonderheiten bei Kindern:
Besonderheit
Diagnostische/therapeutische Relevanz
Anatomie
Kleiner Brustkorb
Bei Anlage einer Thoraxdrainage:
Kleinere Tubus- und Drainagengrößen erforderlich (etwa „kleinfingerdick“)
Weniger Eindringtiefe
Gleiche Insertionsstellen (Monaldi oder Bülau)
Elastische Rippen
Seltener Frakturen
Frakturen als Hinweis auf starke Gewalteinwirkung
Häufig Lungenkontusion auch ohne Frakturen
Unreifes Lungengerüst und Lungenparenchym
Höheres Risiko für Lungenverletzung durch stumpfe Gewalt
Gefahr eines Barotraumas bei Beatmung (Lungenprotektive Beatmung obligat)
Geringe Weichteilabdeckung
Weniger Schutz der Organe und knöchernden Strukturen bei Anpralltrauma
Rascher Wärmeverlust
Physiologie
Höhere Atemfrequenz, geringes Atemzugvolumen
Rasche Hypoxie bei Atemstörung
Geringe respiratorische Reserve
Frühzeitge Sicherstellung von Oxygenierung und Ventilation
Gute Kreislaufkompensation
Gefahr des “stabilen” Eindrucks mit plötzlicher Dekompensation
Altersabhängige Normwerte
Immer altersangepasste Vitalwerte beachten
Hilfsmittel verwenden
Besonderheiten bei geriatrischen Patient:innen:
Besonderheit
Diagnostische/therapeutische Relevanz
Anatomie
Starre, ggf. osteoporotische Rippen
Häufig Frakturen auch bei Bagatelltraumata
Gealtertes Lungengerüst und Lungenparenchym
Höheres Risiko für Lungenverletzung durch stumpfe Gewalt
Gefahr eines Barotraumas bei Beatmung (Lungenprotektive Beatmung obligat)
Abnehmende Muskelmasse
Weniger Schutz der Organe und knöchernden Strukturen bei Anpralltrauma
Rascher Wärmeverlust
Physiologie
Eingeschränkte Organfunktion
Rasche Hypoxie bei Atemstörung
Bei Blutverlust rasche Kreislaufdekompensation möglich
Häufiger Sturzmechanismus als Traumaursache (auch Bagatelltraumata)
Multimorbidität
Gezielte geriatrische Anamnese erheben
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Die Wahl des Zielkrankenhauses ist abhängig vom individuellen Fall und richtet sich nach der Schwere des Thoraxtraumas, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Idealerweise sollte der Transport in ein geeignetes Traumazentrum mit spezieller Expertise in der Versorgung von Thoraxtraumata erfolgen.
Es sollte auf freie Atemwege geachtet werden und eine ständige Überwachung der Vitalparameter erfolgen. Bei instabiler Kreislaufsituation sollte der Transport unter kontinuierlicher Kreislaufüberwachung und gegebenenfalls medikamentöser Unterstützung erfolgen.
Besonders bei einem nicht dekomprimierten Pneumothorax ist auf mögliche Zustandsverschlechterungen zu achten.
Erfolgt der TransportunterBeatmung, müssen die Beatmungseinstellungen gründlich überwacht und auf den jeweiligen Patient:innenzustand angepasst werden.
Merke
Zusammenfassung Transport
Zielkrankenhaus abhängig von der Schwere des Thoraxtraumas
Idealerweise in ein geeignetes Traumazentrum mit spezieller Expertise
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Definition:
Definition
Ein Thoraxtrauma bezeichnet eine durch stumpfeoderspitzeGewalteinwirkung von außen oder innen verursachte VerletzungdesBrustkorbs und/oder der im ThoraxgelegenenlebenswichtigenOrgane. Dabei können prinzipiell alle Organe oder Strukturen des Thorax betroffen sein, insbesondere Lunge, Pleura, Herz und große intrathorakale Gefäße, aber auch mediastinale Strukturen wie Trachea und Ösophagus.
Ursachen:
Die Ursachen solcher Traumata lassen sich in stumpfe und penetrierende Gewalteinwirkungen unterteilen, die jeweils unterschiedliche Verletzungsmuster nach sich ziehen.
Stumpfe Gewalteinwirkung:
Verkehrsunfälle (PKW, LKW, Motorrad, Fahrrad)
hier vor allem thorakaler Anprall an Lenkrad oder Armaturenbrett
Erfassen durch ein Fahrzeug im Rahmen eines Fußgängerunfalls
Tritte oder Schläge gegen den Thorax
Stürze aus großer Höhe
Explosionstrauma (Druckwelle ohne direkte Penetration)
Penetrierende Gewalteinwirkung:
Stichverletzungen (z.B. Messerattacken, Unfälle mit scharfen Gegenständen)
Schussverletzungen
Pfählungsverletzungen (z.B. durch Stürze auf spitze Gegenstände oder im Rahmen von Verkehrsunfällen)
Verletzungen durch spitze Werkzeuge oder Maschinen
Suizidversuche mit scharfen Gegenständen
Explosionsverletzungen (z.B. durch Splitter)
Pathophysiologie:
Durch mechanische Gewalteinwirkung können gleichzeitigoder einzeln folgende Strukturen geschädigt werden:
Atemwege
Lunge und Pleuraspalt
Herz und Gefäße
Die Folge sind akuteStörungen der Ventilation und Oxygenierung, eine gestörteDruckverteilungimThoraxraum sowie potenziellmassiveBlutverluste oder hämodynamischeInstabilität → bis hin zum vollständigen Kreislaufversagen.
Klinischer Eindruck:
Merke
Leitsymptom: Dyspnoe und ggf. Zyanose als Ausdruck der respiratorischen Beeinträchtigung
Hämatome, Prellmarken als Hinweis auf mögliche Frakturen oder Organverletzungen
Sichtbare Stich‑, Schuss‑ oder Pfählungsverletzungen im Thoraxbereich
Tachypnoe als kompensatorisches Zeichen bei Hypoxie
Hypoxie, häufig trotz Sauerstoffgabe
Thorakale Schmerzen, oft atemabhängig
Abgeschwächtes Atemgeräusch als Hinweis auf (Spannungs-) Pneumothorax
Obere Einflussstauung, z.B. bei Spannungspneumothorax oder Herzbeuteltamponade
Hautemphysem, tastbares Krepitieren bei Verletzung luftleitender Strukturen
Stridor oder Heiserkeit bei Verletzungen des Kehlkopfs oder der oberen Atemwege
Tachykardie und Hypotonie als Zeichen beginnender Schocksymptomatik
Paradoxe Atmung bei instabiler Thoraxwand
Querschnittssymptomatik bei begleitender Wirbelsäulenverletzung
Tipp
An abdominale Beteiligung denken!
Bauchschmerzen und Abwehrspannung können auf eine Beteiligung des Abdomens hinweisen, insbesondere bei Frakturen der 5. bis 12. Rippe, da hier das RisikofürVerletzungenintraabdominellerOrgane wie Leber, Milz oder Zwerchfell besteht.
Diagnostik:
Info
Die körperliche Untersuchung entspricht grundsätzlich dem Vorgehen bei polytraumatisierten Patient:innen
Inspektion:
Asymmetrisches Atemmuster → betroffene Seite „hinkt nach“
Hinweise auf äußere Verletzungen
Obere Einflussstauung
Aufgrund der verminderten Rückflussmöglichkeiten zum Herzen sind die Halsvenen oft gestaut
Bei Rippenserienfraktur:paradoxe Atmung
Bei der Inspiration weitet sich der Thorax
Bei der Exspiration bewegt sich der Thorax normalerweise nach innen
Bei einer Rippenserienfraktur wird ein paradoxes Atemmuster provoziert, bei dem die frakturierten Rippenfragmente sich entgegengesetzt zur normalen Atembewegung verhalten
An der Stelle bewegen sich die frakturierten Rippen bei der Inspiration nach innen und bei der Exspiration nach außen
Tipp
Hämatome im Thoraxbereich sind wichtige äußerlich sichtbare Hinweiseaufmögliche schwerwiegende, tieferliegendeVerletzungen und sollten präklinischstetssystematischinspiziertunddokumentiert werden.
Palpation:
Eventuell Instabilität des Thorax
Hautemphysem mit Knistern („Schneeballknirschen“)
Krepitation bei Rippenfraktur
Perkussion:
HypersonorerKlopfschall auf der betroffenen Seite bei (Spannungs-) Pneumothorax
Hyposonorer Klopfschall auf der betroffenen Seite bei Hämatothorax
Auskultation:
Abgeschwächtes oder fehlendesAtemgeräusch auf der betroffenen Seite bei (Spannungs-) Pneumothorax
Eventuell pulssynchrones Klicken (hörbares Ausdehnen und Zusammenziehen der Luft im Pleuraspalt bei jedem Herzschlag) bei (Spannungs-) Pneumothorax
Therapie:
Merke
Das übergeordnete Ziel der Versorgung eines Thoraxtraumas ist die Sicherstellung einer suffizienten Oxygenierung und Ventilation sowie die Verhinderung einer Kreislaufdekompensation. Eine kontinuierlicheReevaluation ist essenziell, da sich der Zustand jederzeit verschlechtern kann (z.B. durch Spannungspneumothorax, Perikardtamponade, Blutverlust)
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Tipp
Wenn ihr mehrInformationen und weiteretherapeutischeMaßnahmen erfahren möchtet, empfehlen wir euch die verlinktenArtikel aus dem klinischenBereich.
Schockraum
Leitsymptom Husten
Leitsymptom Thoraxschmerz
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