Toloniumchlorid ist ein Antidot, das vorwiegend bei Vergiftungen mit methämoglobinbildenden Substanzen eingesetzt wird, beispielsweise bei Intoxikationen mit Nitriten, Nitraten, Anilin oder chemischen Oxidationsmitteln.
Methämoglobinbildende Substanzen oxidieren das im Hämoglobin enthaltene zweiwertige Eisen (Fe²⁺) zu dreiwertigem Eisen (Fe³⁺). Dadurch entsteht Methämoglobin, das keinen Sauerstoff mehr binden und transportieren kann. Die Folge ist eine funktionelle Anämie mit Gewebehypoxie, die sich klinisch durch Zyanose, Dyspnoe, Tachykardie, Schwindel, Bewusstseinsstörungen und bei schweren Verläufen durch Krampfanfälle oder Kreislaufversagen äußern kann.
Toloniumchlorid wirkt als Reduktionsmittel, indem es über das Enzymsystem der NADPH-Methämoglobin-Reduktase die Rückumwandlung von Methämoglobin zu funktionsfähigem Hämoglobin fördert. Dadurch wird die Sauerstofftransportkapazität des Blutes wiederhergestellt.
Die Anwendung erfolgt in der Regel langsam intravenös unter Monitoring, da es bei Überdosierung zu paradoxer Methämoglobinbildung, Hämolyse oder kardialen Nebenwirkungen kommen kann.
Nach intravenöser Gabe tritt die Wirkung meist rasch innerhalb weniger Minuten ein. Die Therapie sollte gezielt bei klinisch relevanter Methämoglobinämie und unter strenger Indikationsstellung erfolgen.
- Fachinformation: Toloniumchlorid Injektionslösung, Stand: 01/2017

