Zusammenfassung
Ein Tracheostoma ist eine chirurgisch geschaffene Verbindung zwischen Luftröhre und Haut. Es kommt in der präklinischen Versorgung zwar selten vor, birgt aber ein hohes Risiko bei Komplikationen. Für Notfallsanitäter:innen bedeutet das, die besondere Anatomie, die vielfältigen Kanülentypen und die typischen Probleme wie Verlegung, Dislokation
Priorität haben immer die Oxygenierung und Ventilation
Eine gute Team- und Patient:innenkommunikation, eine klare Aufgabenverteilung und die Einbindung von Angehörigen oder Pflegepersonal erhöhen die Sicherheit. Dieser Artikel vermittelt die Versorgung und den Umgang mit Tracheostoma in der Präklinik - praxisnah und Schritt für Schritt. Ziel ist, dass du im Einsatz ruhig und strukturiert handeln kannst.
Fallbeispiel
Um den Einstieg in das Thema Tracheostomaversorgung etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.
Das Szenario
Einsatzmeldung:
- Stichwort: Atemnot bei Tracheostoma
- Ort: Privates Wohnhaus, Schlafzimmer im 1. Stock
- Alarmzeit: 14:30 Uhr
- Anrufer:in: Ehepartnerin des Betroffenen
- Anzahl der Betroffenen: 1
- Zusatzinfo: Patient hat ein Tracheostoma aufgrund einer Kehlkopfoperation vor einem Jahr. Der Patient ist 65 Jahre alt und hat eine bekannte COPD
Lageeinweisung vor Ort:
Beim Eintreffen am Einsatzort werden die Rettungskräfte von der Ehepartnerin des Patienten empfangen.
Die Lage ist wie folgt:
- Patient sitzt auf dem Bett im Schlafzimmer
- Atmung offenbar gequält und schwer
- Die Ehepartnerin berichtet, dass der Patient seit etwa 20 Minuten zunehmend schlechter Luft bekommt und das Tracheostoma möglicherweise verstopft ist

Dieses Bild wurde mit der KI-Software DALL·E (OpenAI) erstellt. Es wurde automatisch generiert und dient ausschließlich illustrativen Zwecken.
Ersteindruck nach xABCDE-Schema
Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema
Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers
x |
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A |
| Akutes A-Problem |
B |
| Abbildung verwendet gemäß Flaticon-Premium-Lizenz. Dieses Bild darf ggf. nur mit einer entsprechenden Flaticon-Premium-Lizenz außerhalb der Medi Know-Materialien verwendet werden. Mittelbares B-Problem |
C |
| Kein C-Problem |
D |
| Kein D-Problem |
E |
| Abbildung verwendet gemäß Flaticon-Premium-Lizenz. Dieses Bild darf ggf. nur mit einer entsprechenden Flaticon-Premium-Lizenz außerhalb der Medi Know-Materialien verwendet werden. Mittelbares E-Problem |
AchtungDas hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.
Grundlagen Tracheostoma
Grundlagen und Indikationen
Ein Tracheostoma bietet einen direkten Zugang zu den unteren Atemwegen. Dabei werden natürliche Barrieren, die Keime im Luftstrom abfangen und das Eindringen in die tieferen Atemwege
Für die außerklinische Beatmung sollte ein Tracheostoma stabil sein. Daher ist es ratsam, bei einer geplanten Tracheostomaanlage für die außerklinische Beatmung ein operativ angelegtes, epithelialisiertes Tracheostoma zu schaffen. Dilatationstracheotomien sind aufgrund ihrer Neigung zur Schrumpfung und dem Risiko einer fehlerhaften Kanülenlage nur dann akzeptabel, wenn sie nachweislich eine ausreichende Stabilität nach längerer Kanüleneinlage bieten. Bei einem dilatativ angelegten Tracheostoma sollte ein sicherer Kanülenwechsel durch medizinisches Assistenzpersonal allein möglich sein.
Besonders bei Patienten mit mehreren Erkrankungen, die nach einem erfolglosen, verlängerten Weaning behandelt werden, muss der zusätzliche Sicherheitsgewinn durch eine operative Umwandlung eines zuvor dilatativ angelegten Tracheostomas sorgfältig gegen die Risiken und Belastungen des operativen Eingriffs abgewogen werden.
Es gibt zwei grundlegende Varianten des Tracheostomas: beim kommunizierenden Tracheostoma (tracheotomierte:r Patient:in mit erhaltenem Larynx) bleibt die Trachea
Die Anlage eines Tracheostomas wird vor allem bei langzeitbeatmeten Patient:innen erwogen, wenn die Beatmungsdauer voraussichtlich über 21 Tage hinausgeht. Idealerweise fällt die Entscheidung bis zum 7. Tag der endotrachealen Beatmung. Die Tracheotomie zählt zu den häufigsten Eingriffen bei beatmeten Patient:innen auf der Intensivstation (ICU), da sie das Weaning, das Sekretmanagement
Verfahren
DefinitionDie Tracheotomie bezeichnet einen medizinischen Eingriff, bei dem ein Tracheostoma geschaffen wird. Es werden zwei verschiedene Formen unterschieden, die je nach klinischer Notwendigkeit und Dauer der Atemunterstützung gewählt werden können:
- Dilatative Punktionstracheotomie
- Plastisch-chirurgische Tracheotomie
| Dilatative Punktionstracheotomie | Plastisch-chirurgische Tracheotomie | |
| Merkmale |
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| Nutzung |
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| Verschluss |
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Jmarchn, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons
InfoJede Methode hat ihre spezifischen Indikationen und Vorteile, und die Wahl der Technik hängt von den individuellen Bedürfnissen des Patienten und der geplanten Dauer der Atemunterstützung ab.
Kanülenarten
- Silberkanülen:
- Verwendung bei Langzeittracheotomierten, die keine Beatmung brauchen
- Eher selten
- Sehr starr
- Kanülen
aus Kunststoff: - Höherer Tragekomfort
- Flexibler
- Sekretablagerungen und Beschlagen der Kanülenwand während Exspiration
sichtbar
- Trachealkanülen mit Cuff:
- Mit aufblasbarer Manschette zur Abdichtung der Trachea
bei Beatmung oder Aspirationsgefahr - Atmung erfolgt nur über Kanüle
- Kontrolle des Cuffs mittels Cuffdruckmessgerät
- Mit aufblasbarer Manschette zur Abdichtung der Trachea
- Trachealkanülen ohne Cuff:
- Zum Offenhalten eines Stomas
- Zum Aufsetzen eines Heat and Moisture Exchanger, feuchte / künstliche Nase (HME)
- Zur Verwendung eines Sprechventils
- Trachealkanüle mit Innenkanüle („Seele“, Inlet):
- Zur Reinigung oder bei Verwendung eines Sprechventils kann Innenteil entfernt bzw. ausgetauscht werden
- Kanülenlänge:
- Standardlänge entsprechend der Kanülengröße
- Kürzere oder längere Kanülen
erhältlich
- Standardlänge entsprechend der Kanülengröße
AchtungTrachealkanülen mit Metallspirale in der Kanülenwand müssen vor einer MRT ausgewechselt werden!
Komplikationen
Bei der Anlage und Pflege eines Tracheostomas können verschiedene Komplikationen auftreten, die sowohl kurzfristige als auch langfristige Probleme verursachen können.
Hier sind einige der häufigsten Risiken und Komplikationen:
| Komplikation | Bedeutung |
| Gefahr der Dekanülierung | Unbeabsichtigtes Entfernen der Trachealkanüle, was zu einer akuten Atemnot führen kann, insbesondere wenn das Stoma noch nicht stabil ist |
| Verlegung der Trachealkanüle | Blockierung der Kanüle durch Schleim, Blut oder andere Sekrete, was die Atmung behindern kann |
| Infektionen am Stomaeingang | Bakterielle Infektionen können sich an der Eintrittsstelle des Tracheostomas entwickeln, was zu Rötung, Schwellung und Eiteraustritt führen kann |
| Hautemphysem | Ansammlung von Luft im subkutanen Gewebe um das Tracheostoma, oft durch Leckagen oder falsche Platzierung der Kanüle verursacht |
| Hypergranulationen | Übermäßiges Wachstum von Granulationsgewebe um das Stoma, das zu Reizungen und Schwierigkeiten bei der Kanülenpflege führen kann |
| Trachealstenose | Verengung der Luftröhre, die sich nach längerer Kanülenlage entwickeln kann und die Atmung beeinträchtigt |
| Tracheomalazie | Erweichung und Kollaps |
| Ulzera an der Trachealschleimhaut | Geschwüre |
Diese Komplikationen erfordern eine sorgfältige Überwachung und Pflege des Tracheostomas und der Trachealkanüle sowie regelmäßige ärztliche Kontrollen, um frühzeitig eingreifen zu können und die Lebensqualität des Patienten zu erhalten.
AchtungAufgrund der Gefahr einer Dekanülierung besteht bei tracheotomierten Patient:innen die Notwendigkeit, ein Notfallset aus sterilen Ersatzkanülen unterschiedlicher Größe, einem Kilian-Nasen-Spekulum / Trachealspreizer zum Offenhalten, Gleitgel und einer Spritze zum Nachblocken der Kanüle sowie eine Absaugvorrichtung in Bettnähe bereitzuhalten!
Präklinischen Maßnahmen
Präklinische Maßnahmen bei Patient:innen mit Tracheostoma folgen konsequent dem xABCDE-Schema
Sauerstoffgabe und Beatmung
- Kommunizierendem Tracheostoma: Sauerstoff
je nach Situation über O2-Maske über Stoma bzw. Adapter, alternativ über Gesichtsmaske möglich - Definitiver Laryngektomie: Sauerstoff
ausschließlich über das Stoma geben, Gesichtsmaske über Mund / Nase ist wirkungslos - Für Beutel-Maske-Beatmung: dichten Beutel mit Kindermaske direkt auf dem Stoma oder 15-mm-Adapter anschließen, PEEP
nach Bedarf nutzen - HME-Filter und Sprechventil vor Oxygenierung und Beatmung konsequent abnehmen
- Frühzeitig an Präoxygenierung
denken, insbesondere vor Absaugen oder Kanülenwechsel - Hypoxie trotz Maßnahmen als mögliche Verlegung werten und unmittelbar Absaugen bzw. Kanülenprobleme ausschließen
Intubation über Mund / Nase oder Stoma
- Kommunizierendem Tracheostoma: eine endotracheale Intubation
über Mund / Nase ist grundsätzlich möglich, jedoch immer Risiko-Nutzen abwägen und Expertise berücksichtigen - Bei definitiver Laryngektomie ist eine Intubation
nur über das Stoma sinnvoll - Falls notwendig, Intubation
über das Stoma mit cuffbarem, eher kleinem Tubus in Betracht ziehen, Lage mit Kapnometrie sichern und Tubus sorgfältig fixieren - Wenn Intubation
nicht sicher möglich ist, Priorität auf effektive Beutel-Masken-Beatmung über das Stoma und rasche Klinikanmeldung legen
Absaugen bei Verdacht auf verlegtes Tracheostoma
- Indikation: Abfall der SpO₂ oder zunehmende Dyspnoe
, hörbare Sekretgeräusche oder fehlender Luftstrom am Stoma, hoher Beatmungswiderstand bzw. steigende Beatmungsdrücke, sichtbare Sekretbildung, ineffektiver Husten - Benötigtes Material:
- Steriler Absaugkatheter in passender Größe (bei Erwachsenen häufig 10–14 Ch)
- Absauggerät mit einstellbarem Unterdruck
- Handschuhe
- Sauerstoff
für Prä- und Zwischenoxygenierung - Weiche Kompressen oder Tupfer
- Ersatz-Innenkanüle, falls vorhanden
- Durchführung:
- Hygienisch arbeiten und Monitoring anlegen
- Sprechventil / HME-Filter entfernen und präoxygenieren
- Innenkanüle, falls vorhanden herausnehmen und reinigen bzw. ersetzen
- Katheter ohne Sog vorsichtig bis zum leichten Widerstand vorschieben, dann beim Zurückziehen mit sanfter Rotationsbewegung absaugen
- Einzeldurchgang maximal etwa zehn Sekunden
- Zwischen den Durchgängen oxygenieren
- Insgesamt nur wenige zielgerichtete Versuche → bei persistenter Obstruktion an Kanülenwechsel denken und eine Hand stets an der Kanüle belassen
- Komplikationen wie Blutung, Bradykardie
oder ausgeprägten Husten beachten und Maßnahme ggf. abbrechen
Trachealkanülenwechsel
InfoErster Kanülenwechsel bei operativer Tracheotomie
Immer ärztlich durchzuführen, um ggf. Komplikationen der Tracheostomaanlage zu erfassen.
- Zeitpunkt: ca. 7–10 Tage nach Anlage
- Nüchternheit: bei starkem Hustenreiz, Übelkeit und Erbrechen Patienten bevorzugt nüchtern belassen
Indikationen:
- Beschädigte Kanüle
- Undichter Cuff
- Verlegung der Kanüle → Absaugen hat zu keiner Besserung geführt, bzw. Ursache nicht behebbar
- Versehentliche Dekanülierung, bspw. bei zu kleinem Kanülendurchmesser
MerkeEs ist ratsam einen Kanülenwechsel durch erfahrenes ärztliches Personal zu zweit durchzuführen. In manchen rettungsdienstlichen Bereichen gehört dieser Teil der Versorgung allerdings zu den Maßnahmen, die ein NFS durchführen darf. Die Inanspruchnahme von Hilfe im klinischen Rahmen ist dennoch immer eine Option.
InfoDie Trachealkanülen sollten aufgrund der hohen Infektionsgefahr unter möglichst sterilen Bedingungen gewechselt werden.
Material:
- Sterile Trachealkanüle in der angeordneten Größe
- Lichtquelle, Laryngoskop und Stethoskop
- Absaugpumpe
- Wasserlösliches Gleitmittel oder NaCl 0,9 %
- Bei Kanüle mit Cuff: 20-mL-Spritze zum (Ent‑)Blocken des Cuffs, Cuffdruckmessgerät
- Notfallausrüstung: kleinere Trachealkanüle als Notfallkanüle, Trachealspreizer, Handbeatmungsbeutel mit Mund-Nasen-Maske, ggf. Notfallmedikamente wie bspw. Bronchospasmolytikum
- Sterile Handschuhe
, Händedesinfektionsmittel - Kompressen oder Schlitzkompressen
Vorbereitung Patienten:
- Patient:in informieren, Einverständnis prüfen
- Positionierung: 20–40° Oberkörperhochlage, Hals leicht überstreckt (ca. 30 Grad)
- Sorgfältige Mundreinigung und Absaugen des Mund-Rachen-Raumes
- Ggf. vor dem Kanülenwechsel präoxygenieren
- Monitoring, insb. Pulsoximeter
- Vorbereitung der neuen Kanüle: Kanüle auf Funktionalität und Cuff auf Dichtigkeit prüfen, Einführhilfe einstecken, ggf. Kanülenschild in richtige Position bringen, Gleitmittel auftragen
Durchführung:
MerkeDas routinemäßige Absaugen ohne klare Indikation soll vermieden werden. Dennoch ist dauerhaft eine Absaugbereitschaft herzustellen.
- Halteband im Nacken lösen, Trachealkanüle weiterhin manuell fixieren
- Einliegenden Cuff mit leerer Spritze entblocken
- Kanüle nach vorne unten herausziehen
- Tipp: Kanüle beim Ausatmen entfernen für ein angenehmeres Gefühl
- Bei ggf. Wiedereinzusetzen ist die Kanüle zu reinigen und auf Veränderungen zu prüfen, ansonsten zu verwerfen
InfoDas Entfernen der Kanüle löst meist einen Hustenreiz aus. Fangt beim Husten
ausgeworfenes Sekret mit einer Kompresse ab, saugt aber auch hier nicht routinemäßig die Person ab. Beim Absaugen der Trachea können leicht Verletzungen entstehen.
- Haut auf Verletzungen oder Infektionszeichen inspizieren, etwaige Verschmutzung oder Hautschuppen
möglichst mit einer weichen Kompresse entfernen - Neue Kanüle vorsichtig einführen
- Dafür initial die Trachealkanüle 90° zur finalen Lage einführen
- Ist der Cuff nur noch zu einem Drittel sichtbar, Kanüle so drehen, dass die Spitze kaudal liegt (also Richtung Lunge
führt)
- Kompresse bis zur Hälfte einschneiden oder Schlitzkompresse verwenden
- Kompresse zwischen Trachealkanüle und Haut anbringen
- Kanüle mit Halteband fixieren, eine Hand immer an der Kanüle belassen
- Cuff blocken (Cuffdruck soll 20-30 mmHg H₂O betragen)
- Ggf. Innenkanüle einsetzen
Nachbereitung und Überwachung:
- Cuffdruck kontrollieren
- Atmung beobachten und Vitalparameter kontrollieren, Lunge
auskultieren und Belüftung beider Lungen prüfen, Befinden erfragen - In den nächsten Stunden: auf vermehrte Sekretbildung und (Nach‑)Blutungen achten
AchtungAuch nach einem erfolgreichen Wechsel der Trachealkanüle sollte die betroffene Person ärztlich vorgestellt werden. Die Ursachenklärung der Blockade sowie eine adäquate Erfolgskontrolle des Wechsels sind durch den Rettungsdienst nicht durchführbar.
Besonderheiten
Die genannten Punkte beziehen sich auf wichtige Pflege- und Sicherheitsmaßnahmen für Personen mit einem Tracheostoma. Hier sind die einzelnen Maßnahmen kurz erläutert:
- Atemluft ausreichend erwärmen und anfeuchten:
- Da die Atemluft bei einem Tracheostoma nicht durch die Nase strömt, wo sie normalerweise erwärmt und befeuchtet wird, ist es wichtig, die Atemluft künstlich zu befeuchten und zu erwärmen
- Dies kann durch spezielle Filter oder Befeuchtungssysteme (HME-Filter / „Feuchte Nase“) erreicht werden, um die Atemwege
zu schützen und das Wohlbefinden zu verbessern
- Kein Baden aufgrund der Erstickungsgefahr, wenn das Tracheostoma unter Wasser gerät:
- Beim Baden besteht die Gefahr, dass Wasser in das Tracheostoma eindringt, was zu Erstickungsgefahr führen kann
- Auch in der Dusche und bei der täglichen Pflege sollte das Tracheostoma gut vor Wasser geschützt werden
- Nur Nassrasuren, immer weg vom Stoma rasieren:
- Bei der Rasur sollte darauf geachtet werden, dass keine Haare oder Rasierschaum in das Tracheostoma gelangen. Nassrasuren sind oft sicherer, und es sollte immer in einer Richtung weg vom Stoma rasiert werden, um das Risiko einer Kontamination zu minimieren
InfoDiese Maßnahmen sind entscheidend, um die Sicherheit und das Wohlbefinden von Personen mit einem Tracheostoma und einer Trachealkanüle zu gewährleisten und Komplikationen zu vermeiden. Sie sollten den Patient:innen bekannt sein.
Prüfungswissen
Grundlagen Tracheostoma:
- Direkter Zugang zu den unteren Atemwegen, Umgehung der natürlichen Filter (Tonsillen, Flimmerepithel, Larynx)
- Unterhalb des Larynx angelegt → Hustenfähigkeit eingeschränkt, erhöhtes Infektions- und Aspirationsrisiko
- Strenge Hygiene erforderlich, sterile Materialien bei Verbandswechsel, Absaugen und Kanülenwechsel in Klinik und Häuslichkeit
- Zwei Stomatypen: Kommunizierend mit offenem Weg zum Mund-Rachen-Raum vs definitiv nach Laryngektomie mit komplettem Verschluss nach oben
- Konsequenz: Beim kommunizierenden Stoma Beatmung über Stoma oder Mund/Nase möglich, beim definitiven Stoma ausschließlich über das Stoma
- Klinischer Hinweis auf Laryngektomie: Fehlender Atemstrom an Mund und Nase
DefinitionDie Tracheotomie bezeichnet einen medizinischen Eingriff, bei dem ein Tracheostoma geschaffen wird. Es werden zwei verschiedene Formen unterschieden, die je nach klinischer Notwendigkeit und Dauer der Atemunterstützung gewählt werden können:
- Dilatative Punktionstracheotomie
- Plastisch-chirurgische Tracheotomie
Kanülenarten:
- Silberkanülen oder aus Kunststoff
- Kanülen mit und ohne Cuff
- Trachealkanüle mit Innenkanüle
- Unterschiedliche Kanülenlängen
Komplikationen:
- Gefahr der Dekanülierung
- Verlegung der Trachealkanüle
- Infektionen am Stomaeingang
- Hautemphysem
- Hypergranulationen
- Trachealstenose
- Trachealmalazie
- Ulzera an der Trachealschleimhaut
Präklinischen Maßnahmen:
- Grundprinzipien:
- Maßnahmen konsequent nach xABCDE, Stomatyp immer zuerst klären
- Kommunizierendes Tracheostoma: Oxygenierung/Beatmung über Stoma oder Mund/Nase möglich
- Definitive Laryngektomie: Oxygenierung/Beatmung ausschließlich über das Stoma
- Vor jeder Maßnahme Sprechventil und HME-Filter entfernen
- Monitoring obligat: SpO₂, wenn verfügbar Kapnometrie, frühzeitig Absaugen erwägen
- Sauerstoffgabe und Beatmung:
- O₂-Gabe beim kommunizierenden Stoma über Stoma-Maske/Adapter oder alternativ Gesichtsmaske
- O₂-Gabe bei Laryngektomie ausschließlich über das Stoma, Gesichtsmaske über Mund/Nase wirkungslos
- Beutel-Masken-Beatmung dicht direkt am Stoma, mit Kindermaske oder 15-mm-Adapter, PEEP nach Bedarf
- Vor Absaugen oder Kanülenwechsel an Präoxygenierung denken
- Hypoxie trotz Maßnahmen als mögliche Verlegung werten und sofortige Ursachenklärung einleiten
- Intubation:
- Kommunizierendes Stoma: endotracheale Intubation über Mund/Nase grundsätzlich möglich, Risiko-Nutzen und Expertise beachten
- Laryngektomie: Intubation nur über das Stoma sinnvoll
- Intubation über Stoma mit cuffbarem, eher kleinem Tubus erwägen, Lage mit Kapnometrie sichern und sorgfältig fixieren
- Wenn Intubation nicht sicher möglich ist Priorität auf effektive Beutel-Masken-Beatmung über das Stoma und rasche Klinikanmeldung legen
- Absaugen bei Verdacht auf Verlegung:
- Indikationen:
- Abfall der SpO₂ oder zunehmende Dyspnoe
- Hörbare Sekretgeräusche oder fehlender Luftstrom am Stoma
- Hoher Beatmungswiderstand bzw. steigende Beatmungsdrücke
- Sichtbare Sekret-/Krustenbildung, ineffektiver Husten
- Durchführung:
- Hygienisch arbeiten, Monitoring anlegen, Sprechventil / HME-Filter entfernen und präoxygenieren
- Innenkanüle, falls vorhanden, herausnehmen und reinigen bzw. ersetzen
- Katheter ohne Sog bis zum leichten Widerstand vorschieben, dann beim Zurückziehen mit sanfter Rotation absaugen
- Einzeldurchgang maximal ca. 10 Sekunden, dazwischen oxygenieren
- Nur wenige zielgerichtete Versuche, bei Persistenz an Kanülenwechsel denken, eine Hand stets an der Kanüle belassen
- Komplikationen wie Blutung, Bradykardie oder starker Husten beachten und Maßnahme ggf. abbrechen
- Indikationen:
Trachealkanülenwechsel:
Aufgrund der Gefahr einer Dekanülierung besteht bei tracheotomierten Patient:innen die Notwendigkeit, ein Notfallset aus sterilen Ersatzkanülen unterschiedlicher Größe, einem Kilian-Nasen-Spekulum/Trachealspreizer zum Offenhalten, Gleitgel und einer Spritze zum Nachblocken der Kanüle sowie eine Absaugvorrichtung in Bettnähe bereitzuhalten!
- Vorbereitung:
- Patient:in informieren, Einverständnis prüfen
- Positionierung: 20–40° Oberkörperhochlage, Hals leicht überstreckt (ca. 30 Grad)
- Sorgfältige Mundreinigung und Absaugen des Mund-Rachen-Raumes
- Ggf. vor dem Kanülenwechsel präoxygenieren
- Monitoring, insb. Pulsoximeter
- Vorbereitung der neuen Kanüle: Kanüle auf Funktionalität und Cuff auf Dichtigkeit prüfen, Einführhilfe einstecken, ggf. Kanülenschild in richtige Position bringen, Gleitmittel auftragen
- Durchführung:
- Halteband im Nacken lösen, Trachealkanüle weiterhin manuell fixieren
- Einliegenden Cuff mit leerer Spritze entblocken
- Kanüle nach vorne unten herausziehen
- Tipp: Kanüle beim Ausatmen entfernen für ein angenehmeres Gefühl
- Bei ggf. Wiedereinzusetzen ist die Kanüle zu reinigen und auf Veränderungen zu prüfen, ansonsten zu verwerfen
- Haut auf Verletzungen oder Infektionszeichen inspizieren, etwaige Verschmutzung oder Hautschuppen möglichst mit einer weichen Kompresse entfernen
- Neue Kanüle vorsichtig einführen
- Dafür initial die Trachealkanüle 90° zur finalen Lage einführen
- Ist der Cuff nur noch zu einem Drittel sichtbar, Kanüle so drehen, dass die Spitze kaudal liegt (also Richtung Lunge führt)
- Kompresse bis zur Hälfte einschneiden oder Schlitzkompresse verwenden
- Kompresse zwischen Trachealkanüle und Haut anbringen
- Kanüle mit Halteband fixieren, eine Hand immer an der Kanüle belassen
- Cuff blocken (Cuffdruck soll 20-30 mmHg H₂O betragen)
- Ggf. Innenkanüle einsetzen
MerkeDas routinemäßige Absaugen ohne klare Indikation soll vermieden werden. Dennoch ist dauerhaft eine Absaugbereitschaft herzustellen.
Quellen
- S2k – Leitlinie Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz Revision (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V)
- S2k - Leitlinie Atmung, Atemunterstützung und Beatmung bei akuter und chronischer Querschnittlähmung (Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie e.V. (DMGP))


