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Tracheostomaversorgung (RD)

Tracheostoma, Trachealkanüle
25 Minuten Lesezeit

Ein Tracheostoma ist eine chirurgisch geschaffene Verbindung zwischen Luftröhre und Haut. Es kommt in der präklinischen Versorgung zwar selten vor, birgt aber ein hohes Risiko bei Komplikationen. Für Notfallsanitäter:innen bedeutet das, die besondere Anatomie, die vielfältigen Kanülentypen und die typischen Probleme wie Verlegung, Dislokation oder Blutung sicher zu erkennen und das Management zu beherrschen.

Priorität haben bei Patient:innen mit Tracheostoma immer die Sicherung von Oxygenierung und Ventilation. Dies erfolgt strukturiert nach dem xABCDE-Schema.

Dabei sind praktische Maßnahmen entscheidend: das Entfernen von Sprechventil und HME-Filter („feuchte Nase“), die Kontrolle der Innenkanüle sowie ein frühzeitiges und effektives Absaugen können unmittelbar lebensrettend sein.

Gleichzeitig muss rasch beurteilt werden, ob eine Beatmung über Mund/Nase oder ausschließlich über das Stoma möglich ist. Auch die Überprüfung des Cuffs sowie die Vorbereitung einer Ersatz- oder Notfallkanüle gehören zu den zentralen Maßnahmen im präklinischen Management.

Eine klare Teamkommunikation, strukturierte Aufgabenverteilung und die Einbindung von Angehörigen oder Pflegepersonal erhöhen zusätzlich die Patient:innensicherheit.

Dieser Artikel vermittelt den präklinischen Umgang mit Patient:innen mit Tracheostoma praxisnah und Schritt für Schritt. Ziel ist es, im Einsatz ruhig, strukturiert und sicher handeln zu können.

Um den Einstieg in das Thema Tracheostomaversorgung etwas zu erleichtern, wird im Folgenden ein Fall beschrieben, wie er sich präklinisch ereignen könnte.

Das Szenario

Einsatzmeldung:

  • Stichwort: Atemnot bei Tracheostoma
  • Ort: Privates Wohnhaus, Schlafzimmer im 1. Stock
  • Alarmzeit: 14:30 Uhr
  • Anrufer:in: Ehepartnerin des Betroffenen
  • Anzahl der Betroffenen: 1
  • Zusatzinfo: Patient hat ein Tracheostoma aufgrund einer Kehlkopfoperation vor einem Jahr. Der Patient ist 75 Jahre alt und hat eine bekannte COPD

Lageeinweisung vor Ort:

Beim Eintreffen am Einsatzort werden die Rettungskräfte von der Tochter des Patienten empfangen und zum Schlafzimmer geführt. 

Die Lage ist wie folgt:

  • Der Patient sitzt auf dem Bett und wird von seiner Ehefrau betreut.
  • Er atmet schwer und wirkt insgesamt blass
  • Die Ehepartnerin berichtet, dass der Patient seit etwa 10 Minuten zunehmend schlechter Luft bekommt und das Tracheostoma wahrscheinlich disloziert sei
Fallbeispiel: Tracheostomaversorgung (RD)

Ersteindruck nach xABCDE-Schema

Um sich einen ersten umfassenden Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten in einer Notfallsituation zu verschaffen, bietet sich das xABCDE-Schema an. Um die Arbeit mit dem Schema zu veranschaulichen, ist hier ein xABCDE-Schema abgebildet, wie es im Falle einer Ersteinschätzung bei einer Patientin oder einem Patienten mit XXX aussehen könnte. 

Es handelt sich dabei um die Befunde, die innerhalb der ersten paar Minuten erhoben werden können. Erweiterte Diagnostik und Abfragen sind natürlich von Bedeutung, jedoch würde zum Beispiel die Messung des Blutzuckers in diesem Fall hintangestellt und taucht zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf.

x

  • Keine kritischen Blutungen 

 

A

  • Obere Atemwege frei
  • Tracheostoma vorhanden, scheint verstopft
  • Pat. flüstert gequält

Akutes A-Problem

B

  • Inspektorisch:
    • Thoraxexkursion normal
    • Inspektorisch unauffällig
    • Keine gestauten Halsvenen
  • Auskultatorisch:
    • Insgesamt abgeschwächtes vesikuläres Atemgeräusch beidseits
    • Geringer inspiratorischer Stridor
  • Palpatorisch:
    • Thorax insg. instabil
    • Keine Krepitation spürbar
  • Atemfrequenz: 18/min
  • SpO2: 93 %
Achtung

Mittelbares 

B-Problem

C

  • Hautkolorit peripher zyanotisch
  • Insgesamt kaltschweißig
  • Recap-Zeit: 2 Sekunden
  • Große Blutungsräume ohne Zeichen auf akute Blutungen
  • Palpation des Pulses am Handgelenk
    • Rhythmisch
    • Gut tastbar
    • Tachykard

Kein C-Problem

D

  • Wach, orientiert, ansprechbar, insg. ängstlich
  • GCS 15
    • Öffnen der Augen: 4
    • Beste verbale Reaktion: 5
    • Beste motorische Reaktion: 6
  • Pupillenkontrolle:
    • Isokor
    • Mittelweit
    • Lichtreagibel

Kein D-Problem

E

  • Keine weiteren Verletzungen ersichtlich
  • Symptome:
    • Atemnot
    • Zyanose
  • Allergien / Infektionen: Keine bekannt
  • Medikamente: Inhalative Kortikosteroide + Bronchodilatatoren
  • Patientengeschichte: COPD, Kehlkopfoperation vor 1 Jahr bei bek. Larynx-CA
  • Letzte Mahlzeit: Frühstück um 8:00 Uhr
  • Ereignis:
    • Plötzliche Atemnot seit 20 Minuten
    • Möglicherweise Verstopfung des Tracheostomas
  • Risikofaktoren: Raucheranamnese, COPD 
Achtung

Mittelbares E-Problem

 Achtung

Das hier gezeigte Assessment vermittelt nur einen exemplarischen ersten Eindruck von einer Patientin oder einem Patienten. Im Verlauf der Behandlung müssen weitere Maßnahmen ergriffen und Informationen gesammelt werden. Das Schema erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen praktischen Einstieg in das Thema ermöglichen.

Grundlagen des Tracheostomas

 Info

Ein Tracheostoma schafft einen direkten Zugang zu den unteren Atemwegen. 

  • Dabei werden natürliche Schutzmechanismen der oberen Atemwege umgangen, darunter:
    • der lymphatische Rachenring (Tonsillen),
    • das Flimmerepithel,
    • sowie der Kehlkopf (Larynx)
  • Diese Strukturen dienen normalerweise dazu, Keime und Fremdpartikel aus der Atemluft abzufangen und das Eindringen in die tieferen Atemwege zu verhindern
  • Da das Tracheostoma unterhalb des Kehlkopfes liegt, ist die physiologische Hustenfunktion eingeschränkt → dadurch steigt das Risiko für Sekretverhalt und Infektionen

Formen des Tracheostomas

Kommunizierendes Tracheostoma:

 Merke

Beim kommunizierenden Tracheostoma bleibt die Verbindung zwischen Trachea und Mund-Rachen-Raum erhalten.

Merkmale:

  • Larynx und Glottis sind intakt
  • Bei entblocktem Cuff kann Luft über Mund und Nase strömen
  • Maskenbeatmung sowie orale oder nasale Intubation sind grundsätzlich möglich
  • Alternativ kann auch über das Stoma beatmet werden

Definitives Tracheostoma nach Laryngektomie:

 Merke

Nach totaler Laryngektomie besteht keine Verbindung mehr zwischen Trachea und oberen Atemwegen.

Merkmale:

  • Die Trachea endet ausschließlich an der Halsvorderseite
  • Mund und Nase sind nicht mehr mit der Lunge verbunden
  • Oxygenierung und Beatmung sind ausschließlich über das Stoma möglich.
  • Eine Beatmung über Mund oder Nase bleibt wirkungslos
 Tipp

Ein fehlender Atemstrom an Mund und Nase kann auf ein definitives Tracheostoma hinweisen.

Verfahren

 Definition

Die Tracheotomie bezeichnet einen medizinischen Eingriff, bei dem ein Tracheostoma geschaffen wird. Es werden zwei verschiedene Formen unterschieden, die je nach klinischer Notwendigkeit und Dauer der Atemunterstützung gewählt werden können:

  • Dilatative Punktionstracheotomie
  • Plastisch-chirurgische Tracheotomie
 Dilatative PunktionstracheotomiePlastisch-chirurgische Tracheotomie
Merkmale
  • Minimal-invasiv mit geringem Komplikationsrisiko
  • Punktion der Trachea von außen (oft gestützt durch Bronchoskopie)
  • Erweiterung dann mit Plastikdilatator
  • Kostengünstig
  • Chirurgische Durchführung
  • Stabile Lage (durch Naht mit der Haut)
  • Reduzierter Atemwegswiderstand
  • Leichtere Entwöhnung 
Nutzung
  • Meist für kurz- oder mittelfristige Beatmungsdauer
  • Ohne Kanüle instabil 
  • Dauerhaft oder vorübergehend nutzbar
  • Ohne Kanüle eher stabil 
Verschluss
  • Spontaner Verschluss durch Zukleben oder normale Wundheilung 
  • Kein spontaner Verschluss, sondern nur chirurgisch
Tracheostoma
Abb. 1 Tracheostoma / Trachealkanüle mit Halteband
Trachealkanüle in einem Röntgenbild des Thorax
Abb. 2 Röntgenbild Thorax mit liegender Trachealkanüle
 Info

Jede Methode hat ihre spezifischen Indikationen und Vorteile, und die Wahl der Technik hängt von den individuellen Bedürfnissen des Patienten und der geplanten Dauer der Atemunterstützung ab.

  • Silberkanülen:
    • Verwendung bei Langzeittracheotomierten, die keine Beatmung brauchen
    • Eher selten
    • Sehr starr
  • Kanülen aus Kunststoff:
    • Höherer Tragekomfort
    • Flexibler
    • Sekretablagerungen und Beschlagen der Kanülenwand während Exspiration sichtbar
  • Trachealkanülen mit Cuff:
    • Mit aufblasbarer Manschette zur Abdichtung der Trachea bei Beatmung oder Aspirationsgefahr
    • Atmung erfolgt nur über Kanüle
    • Kontrolle des Cuffs mittels Cuffdruckmessgerät
  • Trachealkanülen ohne Cuff:
    • Zum Offenhalten eines Stomas
    • Zum Aufsetzen eines Heat and Moisture Exchanger, feuchte / künstliche Nase (HME)
    • Zur Verwendung eines Sprechventils
  • Trachealkanüle mit Innenkanüle („Seele“, Inlet):
    • Zur Reinigung oder bei Verwendung eines Sprechventils kann Innenteil entfernt bzw. ausgetauscht werden
  • Kanülenlänge:
    • Standardlänge entsprechend der Kanülengröße
    • Kürzere oder längere Kanülen erhältlich
 Achtung

Trachealkanülen mit Metallspirale in der Kanülenwand müssen vor einer MRT ausgewechselt werden!

Bei der Anlage und Pflege eines Tracheostomas können verschiedene Komplikationen auftreten, die sowohl kurzfristige als auch langfristige Probleme verursachen können. 

Hier sind einige der häufigsten Risiken und Komplikationen:

KomplikationBedeutung
Gefahr der DekanülierungUnbeabsichtigtes Entfernen der Trachealkanüle, was zu einer akuten Atemnot führen kann, insbesondere wenn das Stoma noch nicht stabil ist
Verlegung der TrachealkanüleBlockierung der Kanüle durch Schleim, Blut oder andere Sekrete, was die Atmung behindern kann
Infektion am StomaausgangBakterielle Infektionen können sich an der Eintrittsstelle des Tracheostomas entwickeln, was zu Rötung, Schwellung und Eiteraustritt führen kann
HautemphysemAnsammlung von Luft im subkutanen Gewebe um das Tracheostoma, oft durch Leckagen oder falsche Platzierung der Kanüle verursacht
HypergranulationÜbermäßiges Wachstum von Granulationsgewebe um das Stoma, das zu Reizungen und Schwierigkeiten bei der Kanülenpflege führen kann
TrachealstenoseVerengung der Luftröhre, die sich nach längerer Kanülenlage entwickeln kann und die Atmung beeinträchtigt
Ulzera an der SchleimhautGeschwüre oder Läsionen an der Schleimhaut der Trachea, die durch mechanische Reizung oder Druck der Kanüle entstehen können

Diese Komplikationen erfordern eine sorgfältige Überwachung und Pflege des Tracheostomas und der Trachealkanüle sowie regelmäßige ärztliche Kontrollen, um frühzeitig eingreifen zu können und die Lebensqualität des Patienten zu erhalten.

 Achtung

Aufgrund der Gefahr einer Dekanülierung besteht bei tracheotomierten Patient:innen die Notwendigkeit, ein Notfallset aus sterilen Ersatzkanülen unterschiedlicher Größe, einem Kilian-Nasen-Spekulum / Trachealspreizer zum Offenhalten, Gleitgel und einer Spritze zum Nachblocken der Kanüle sowie eine Absaugvorrichtung in Bettnähe bereitzuhalten!

 Merke

Präklinische Maßnahmen bei Patient:innen mit Tracheostoma orientieren sich konsequent am xABCDE-Schema und müssen den jeweiligen Stomatyp berücksichtigen:

  • Tracheostoma bei erhaltener Verbindung der oberen Atemwege:
    • Die Verbindung zwischen oberen Atemwegen und Trachea besteht weiterhin
    • Oxygenierung und Beatmung können daher sowohl über Mund/Nase als auch über das Tracheostoma erfolgen
  • Definitives Tracheostoma nach Laryngektomie:
    • Die oberen Atemwege sind vollständig von der Trachea getrennt
    • Oxygenierung und Beatmung sind ausschließlich über das Tracheostoma möglich
    • Maßnahmen über Mund oder Nase bleiben wirkungslos

Atemwegsmanagement bei Tracheotomie und Laryngektomie

MaßnahmeTracheostoma bei erhaltener Verbindung der oberen AtemwegeDefinitives Tracheostoma nach Laryngektomie
O2-Gabe
  • Gesichtsmaske
  • Stoma
  • Nur über Stoma möglich → über Gesichtsmaske wirkungslos
Beutel-Masken-Beatmung
  • Beatmung über Mund/Nase → dicht sitzende Beatmungsmaske über Mund und Nase platzieren
  • Beatmung direkt über das Stoma → Kindermaske direkt auf das Stoma setzen oder 15-mm-Adapter verwenden
  • Beatmung ausschließlich über das Stoma möglich → Kindermaske direkt auf das Stoma setzen oder 15-mm-Adapter verwenden
Intubation
  • Endotracheale Intubation grundsätzlich möglich
  • Nutzen-Risiko abwägen
  • Intubation nur über das Stoma möglich → cuffbaren, eher kleinen Tubus verwenden
  • Lage mit Kapnometrie sichern
  • Tubus sorgfältig fixieren

Grundsätzliches 

  • Hygienemaßnahmen konsequent beachten
  • Patient:innen beruhigen
  • Monitoring 
  • HME-Filter und Sprechventil vor Oxygenierung und Beatmung konsequent abnehmen
  • Frühzeitig an Präoxygenierung denken, insbesondere vor Absaugen oder Kanülenwechsel

Absaugen bei Verdacht auf verlegtes Tracheostoma

 Info
Indikationen zur Absaugung:

Ein Absaugen sollte erwogen werden bei:

  • Abfall der SpO₂ oder zunehmender Dyspnoe
  • Hörbaren Sekretgeräuschen
  • Fehlendem oder vermindertem Luftstrom am Stoma
  • Erhöhtem Beatmungswiderstand bzw. steigenden Beatmungsdrücken
  • Sichtbarer Sekretbildung
  • Ineffektivem Husten
  • Benötigtes Material:
    • Steriler Absaugkatheter in passender Größe (bei Erwachsenen häufig 10–14 Ch)
    • Absauggerät mit einstellbarem Unterdruck
    • Handschuhe
    • Sauerstoff für Prä- und Zwischenoxygenierung
    • Weiche Kompressen oder Tupfer
    • Ersatz-Innenkanüle, falls vorhanden
  • Durchführung:
    1. Hygienisch arbeiten und Monitoring anlegen
    2. Sprechventil bzw. HME-Filter entfernen
    3. Patient:in präoxygenieren
    4. Innenkanüle, falls vorhanden → entfernen, reinigen oder ersetzen
    5. Absaugkatheter ohne Sog vorsichtig bis zum leichten Widerstand vorschieben
    6. Anschließend beim Zurückziehen mit sanfter Rotationsbewegung absaugen
    7. Ein Absaugvorgang sollte maximal etwa 10 Sekunden dauern
    8. Zwischen den Durchgängen erneut oxygenieren
    9. Nur wenige gezielte Absaugversuche durchführen
    10. Bei persistierender Obstruktion frühzeitig an einen Kanülenwechsel denken
    11. Während der Maßnahmen möglichst stets eine Hand an der Kanüle belassen und Komplikationen wie Blutung, Bradykardie oder ausgeprägten Husten beachten und Maßnahme ggf. abbrechen
DBRD Algorithmus: Atemwegsnotfälle bei Trachealkanülenträgern – Dislokation
 Info
Erster Kanülenwechsel bei operativer Tracheotomie

Immer ärztlich durchzuführen, um ggf. Komplikationen der Tracheostomaanlage zu erfassen.

  • Zeitpunkt: ca. 7–10 Tage nach Anlage
  • Nüchternheit: bei starkem Hustenreiz, Übelkeit und Erbrechen Patienten bevorzugt nüchtern belassen

Indikationen:

  • Beschädigte Kanüle
  • Undichter Cuff
  • Verlegung der Kanüle → Absaugen hat zu keiner Besserung geführt, bzw. Ursache nicht behebbar
  • Versehentliche Dekanülierung, bspw. bei zu kleinem Kanülendurchmesser
 Merke

Es ist ratsam einen Kanülenwechsel durch erfahrenes ärztliches Personal zu zweit durchzuführen. In manchen rettungsdienstlichen Bereichen gehört dieser Teil der Versorgung allerdings zu den Maßnahmen, die ein NFS durchführen darf. Die Inanspruchnahme von Hilfe im klinischen Rahmen ist dennoch immer eine Option

 Info

Die Trachealkanülen sollten aufgrund der hohen Infektionsgefahr unter möglichst sterilen Bedingungen gewechselt werden.

Material:

  • Sterile Trachealkanüle in der angeordneten Größe
  • Lichtquelle, Laryngoskop und Stethoskop
  • Absaugpumpe
  • Wasserlösliches Gleitmittel oder NaCl 0,9 %
  • Bei Kanüle mit Cuff: 20-mL-Spritze zum (Ent‑)Blocken des Cuffs, Cuffdruckmessgerät
  • Notfallausrüstung: kleinere Trachealkanüle als Notfallkanüle, Trachealspreizer, Handbeatmungsbeutel mit Mund-Nasen-Maske, ggf. Notfallmedikamente wie bspw. Bronchospasmolytikum
  • Sterile Handschuhe, Händedesinfektionsmittel
  • Kompressen oder Schlitzkompressen 

Vorbereitung Patienten:

  • Patient:in informieren, Einverständnis prüfen
  • Positionierung: 20–40° Oberkörperhochlage, Hals leicht überstreckt (ca. 30 Grad)
  • Sorgfältige Mundreinigung und Absaugen des Mund-Rachen-Raumes
  • Ggf. vor dem Kanülenwechsel präoxygenieren
  • Monitoring, insb. Pulsoximeter
  • Vorbereitung der neuen Kanüle: Kanüle auf Funktionalität und Cuff auf Dichtigkeit prüfen, Einführhilfe einstecken, ggf. Kanülenschild in richtige Position bringen, Gleitmittel auftragen

Durchführung:

 Merke

Das routinemäßige Absaugen ohne klare Indikation soll vermieden werden. Dennoch ist dauerhaft eine Absaugbereitschaft herzustellen.

  1. Halteband im Nacken lösen, Trachealkanüle weiterhin manuell fixieren
  2. Einliegenden Cuff mit leerer Spritze entblocken
  3. Kanüle nach vorne unten herausziehen
    1. Tipp: Kanüle beim Ausatmen entfernen für ein angenehmeres Gefühl
  4. Bei ggf. Wiedereinzusetzen ist die Kanüle zu reinigen und auf Veränderungen zu prüfen, ansonsten zu verwerfen
  5. Haut auf Verletzungen oder Infektionszeichen inspizieren, etwaige Verschmutzung oder Hautschuppen möglichst mit einer weichen Kompresse entfernen
  6. Neue Kanüle vorsichtig einführen
    1. Dafür initial die Trachealkanüle 90° zur finalen Lage einführen
    2. Ist der Cuff nur noch zu einem Drittel sichtbar, Kanüle so drehen, dass die Spitze kaudal liegt (also Richtung Lunge führt)
  7. Kompresse bis zur Hälfte einschneiden oder Schlitzkompresse verwenden
    1. Kompresse zwischen Trachealkanüle und Haut anbringen
  8. Kanüle mit Halteband fixieren, eine Hand immer an der Kanüle belassen
  9. Cuff blocken (Cuffdruck soll 20-30 mmHg H₂O betragen)
  10. Ggf. Innenkanüle einsetzen
 Info

Das Entfernen der Kanüle löst meist einen Hustenreiz aus. Fangt beim Husten ausgeworfenes Sekret mit einer Kompresse ab, saugt aber auch hier nicht routinemäßig die Person ab. Beim Absaugen der Trachea können leicht Verletzungen entstehen. 

Nachbereitung und Überwachung:

  • Cuffdruck kontrollieren
  • Atmung beobachten und Vitalparameter kontrollieren, Lunge auskultieren und Belüftung beider Lungen prüfen, Befinden erfragen
  • In den nächsten Stunden: auf vermehrte Sekretbildung und (Nach‑)Blutungen achten
 Achtung

Auch nach einem erfolgreichen Wechsel der Trachealkanüle sollte die betroffene Person ärztlich vorgestellt werden. Die Ursachenklärung der Blockade sowie eine adäquate Erfolgskontrolle des Wechsels sind durch den Rettungsdienst nicht durchführbar. 

Die genannten Punkte beziehen sich auf wichtige Pflege- und Sicherheitsmaßnahmen für Personen mit einem Tracheostoma. Hier sind die einzelnen Maßnahmen kurz erläutert:

  • Atemluft ausreichend erwärmen und anfeuchten:
    • Da die Atemluft bei einem Tracheostoma nicht durch die Nase strömt, wo sie normalerweise erwärmt und befeuchtet wird, ist es wichtig, die Atemluft künstlich zu befeuchten und zu erwärmen
    • Dies kann durch spezielle Filter oder Befeuchtungssysteme (HME-Filter / „Feuchte Nase“) erreicht werden, um die Atemwege zu schützen und das Wohlbefinden zu verbessern
  • Kein Baden aufgrund der Erstickungsgefahr, wenn das Tracheostoma unter Wasser gerät:
    • Beim Baden besteht die Gefahr, dass Wasser in das Tracheostoma eindringt, was zu Erstickungsgefahr führen kann
    • Auch in der Dusche und bei der täglichen Pflege sollte das Tracheostoma gut vor Wasser geschützt werden
  • Nur Nassrasuren, immer weg vom Stoma rasieren:
    • Bei der Rasur sollte darauf geachtet werden, dass keine Haare oder Rasierschaum in das Tracheostoma gelangen. Nassrasuren sind oft sicherer, und es sollte immer in einer Richtung weg vom Stoma rasiert werden, um das Risiko einer Kontamination zu minimieren
 Info

Diese Maßnahmen sind entscheidend, um die Sicherheit und das Wohlbefinden von Personen mit einem Tracheostoma und einer Trachealkanüle zu gewährleisten und Komplikationen zu vermeiden. Sie sollten den Patient:innen bekannt sein. 

Grundlagen Tracheostoma:

  • Direkter Zugang zu den unteren Atemwegen, Umgehung der natürlichen Filter (Tonsillen, Flimmerepithel, Larynx)
  • Unterhalb des Larynx angelegt → Hustenfähigkeit eingeschränkt, erhöhtes Infektions- und Aspirationsrisiko
  • Zwei Stomatypen: 
    • Tracheostoma bei erhaltener Verbindung der oberen Atemwege: Die Verbindung zwischen oberen Atemwegen und Trachea besteht weiterhin
    • Definitives Tracheostoma nach Laryngektomie: Die oberen Atemwege sind vollständig von der Trachea getrennt
 Definition
Tracheotomie

Die Tracheotomie bezeichnet einen medizinischen Eingriff, bei dem ein Tracheostoma geschaffen wird. Es werden zwei verschiedene Formen unterschieden, die je nach klinischer Notwendigkeit und Dauer der Atemunterstützung gewählt werden können:

  • Dilatative Punktionstracheotomie
  • Plastisch-chirurgische Tracheotomie

Kanülenarten:

  • Silberkanülen oder aus Kunststoff
  • Kanülen mit und ohne Cuff
  • Trachealkanüle mit Innenkanüle
  • Unterschiedliche Kanülenlängen

Komplikationen:

  • Gefahr der Dekanülierung
  • Verlegung der Trachealkanüle
  • Infektionen am Stomaeingang
  • Hautemphysem
  • Hypergranulationen
  • Trachealstenose
  • Trachealmalazie
  • Ulzera an der Trachealschleimhaut

Präklinische Maßnahmen:

 Merke

Präklinische Maßnahmen bei Patient:innen mit Tracheostoma orientieren sich konsequent am xABCDE-Schema und müssen den jeweiligen Stomatyp berücksichtigen:

  • Tracheostoma bei erhaltener Verbindung der oberen Atemwege
    • Die Verbindung zwischen oberen Atemwegen und Trachea besteht weiterhin
    • Oxygenierung und Beatmung können daher sowohl über Mund/Nase als auch über das Tracheostoma erfolgen
  • Definitives Tracheostoma nach Laryngektomie
    • Die oberen Atemwege sind vollständig von der Trachea getrennt
    • Oxygenierung und Beatmung sind ausschließlich über das Tracheostoma möglich
    • Maßnahmen über Mund oder Nase bleiben wirkungslos
MaßnahmeTracheostoma bei erhaltener Verbindung der oberen AtemwegeDefinitives Tracheostoma nach Laryngektomie
O2-Gabe
  • Gesichtsmaske
  • Stoma
  • Nur über Stoma möglich → über Gesichtsmaske wirkungslos
Beutel-Masken-Beatmung
  • Beatmung über Mund/Nase → dicht sitzende Beatmungsmaske über Mund und Nase platzieren
  • Beatmung direkt über das Stoma → Kindermaske direkt auf das Stoma setzen oder 15-mm-Adapter verwenden
  • Beatmung ausschließlich über das Stoma möglich → Kindermaske direkt auf das Stoma setzen oder 15-mm-Adapter verwenden
Intubation
  • Endotracheale Intubation grundsätzlich möglich
  • Nutzen-Risiko abwägen
  • Intubation nur über das Stoma möglich → cuffbaren, eher kleinen Tubus verwenden
  • Lage mit Kapnometrie sichern
  • Tubus sorgfältig fixieren
  • Grundprinzipien:
    • Hygienemaßnahmen konsequent beachten
    • Patient:innen beruhigen
    • Monitoring 
    • HME-Filter und Sprechventil vor Oxygenierung und Beatmung konsequent abnehmen
    • Frühzeitig an Präoxygenierung denken, insbesondere vor Absaugen oder Kanülenwechsel

Trachealkanülenwechsel:

Aufgrund der Gefahr einer Dekanülierung besteht bei tracheotomierten Patient:innen die Notwendigkeit, ein Notfallset aus sterilen Ersatzkanülen unterschiedlicher Größe, einem Kilian-Nasen-Spekulum/Trachealspreizer zum Offenhalten, Gleitgel und einer Spritze zum Nachblocken der Kanüle sowie eine Absaugvorrichtung in Bettnähe bereitzuhalten!

  • Vorbereitung:
    • Patient:in informieren, Einverständnis prüfen
    • Positionierung: 20–40° Oberkörperhochlage, Hals leicht überstreckt (ca. 30 Grad)
    • Sorgfältige Mundreinigung und Absaugen des Mund-Rachen-Raumes
    • Ggf. vor dem Kanülenwechsel präoxygenieren
    • Monitoring, insb. Pulsoximeter
    • Vorbereitung der neuen Kanüle: Kanüle auf Funktionalität und Cuff auf Dichtigkeit prüfen, Einführhilfe einstecken, ggf. Kanülenschild in richtige Position bringen, Gleitmittel auftragen
  • Durchführung:
    1. Halteband im Nacken lösen, Trachealkanüle weiterhin manuell fixieren
    2. Einliegenden Cuff mit leerer Spritze entblocken
    3. Kanüle nach vorne unten herausziehen
      1. Tipp: Kanüle beim Ausatmen entfernen für ein angenehmeres Gefühl
    4. Bei ggf. Wiedereinzusetzen ist die Kanüle zu reinigen und auf Veränderungen zu prüfen, ansonsten zu verwerfen
    5. Haut auf Verletzungen oder Infektionszeichen inspizieren, etwaige Verschmutzung oder Hautschuppen möglichst mit einer weichen Kompresse entfernen
    6. Neue Kanüle vorsichtig einführen
      1. Dafür initial die Trachealkanüle 90° zur finalen Lage einführen
      2. Ist der Cuff nur noch zu einem Drittel sichtbar, Kanüle so drehen, dass die Spitze kaudal liegt (also Richtung Lunge führt)
    7. Kompresse bis zur Hälfte einschneiden oder Schlitzkompresse verwenden
      1. Kompresse zwischen Trachealkanüle und Haut anbringen
    8. Kanüle mit Halteband fixieren, eine Hand immer an der Kanüle belassen
    9. Cuff blocken (Cuffdruck soll 20-30 mmHg H₂O betragen)
    10. Ggf. Innenkanüle einsetzen
 Merke

Das routinemäßige Absaugen ohne klare Indikation soll vermieden werden. Dennoch ist dauerhaft eine Absaugbereitschaft herzustellen.

Zuletzt aktualisiert am 22.07.2026
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