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Vegetative Innervation von Kopf und Hals

EP
6 Minuten Lesezeit
  • Übersicht
    • Die Perikaryen der präganglionären sympathischen Neurone für Kopf und Hals liegen im Seitenhorn (Columna intermedia) der Rückenmarksegmente C8 bis Th4 (überwiegend C8 bis Th1)
    • Die sympathischen Fasern steigen im Grenzstrang nach oben auf und bilden drei Ganglien, in denen die Umschaltung auf postganglionäre Fasern erfolgt
    • Jedes zervikale Ganglion entsendet einen N. cardiacus cervicalis (superius/medius/inferius) zum Plexus cardiacus des Herzens
  • Ganglion cervicale superius
    • Liegt etwa auf Höhe von C2-C4
    • Äste sind beteiligt an der Bildung folgender Plexus:
      • Plexus jugularis: Umschließt die V. jugularis interna, einige Fasern ziehen weiter in den Schädel zur Epiphyse
      • Plexus caroticus internus: Verläuft entlang der A. carotis interna, seine Fasern ziehen ohne Umschaltung durch das Ganglion ciliare und erreichen den M. dilatator pupillae sowie den M. tarsalis superior, andere Fasern (über den N. petrosus profundus) gelangen zu den Glandulae nasales, der Glandula lacrimalis und den Glandulae palatinae
      • Plexus caroticus externus: Begleitet die A. carotis externa, die Fasern ziehen ohne Umschaltung durch das Ganglion submandibulare zu den Glandulae submandibularisGlandula sublingualis und Glandulae linguales, weitere Fasern ziehen durch das Ganglion oticum zur Glandula parotidea → Sympathikus-Aktivierung führt zur Bildung von muzinreichem Speichel (zäh, klebrig)
      • Plexus pharyngeus: über Rr. laryngopharyngei
      • Plexus cardiacus: über N. cardiacus cervicalis superior 
  • Ganglion cervicale medium
    • Befindet sich in Höhe von C6
    • Seine Fasern ziehen hauptsächlich zur Schilddrüse und zum Plexus cardiacus (N. cardiacus cervicalis medius)
  • Ganglion cervicale inferius (Ganglion stellatum)
    • Liegt auf Höhe von C7 bis Th1, etwa am ersten Rippenköpfchen (Caput costae I)
    • Ist häufig mit dem ersten thorakalen Ganglion verbunden und wird dann als Ganglion cervicothoracicum oder Ganglion stellatum bezeichnet
    • Äste sind beteiligt an der Bildung folgender Plexus:
      • Plexus vertebralis (um die A. vertebralis): über N. vertebralis, der sympathische Fasern zur Lunge führt
      • Plexus subclavius: über die Ansa subclavia
      • Plexus cardiacus: über N. cardiacus cervicalis inferior 
    • Durch das Ganglion stellatum ziehen sympathische Axone, die an der sympathischen Innervation des Auges beteiligt sind und im Ganglion cervicale superius umgeschaltet werden → Schädigung in diesem Bereich kann zu Störungen am Auge führen

Sympathische Innervation:

Sympathische Innervation
 Info
Klinischer Ausblick: Horner-Syndrom
  • Entsteht bei Schädigungen zentraler oder peripherer Anteile des Sympathikus im Halsbereich, insbesondere der Rückenmarksegmente C8 bis Th3 oder bei Ausfall des Ganglion stellatum oder seiner Nerven
  • Das Horner-Syndrom tritt meist einseitig auf
  • Es zeigt sich durch eine charakteristische Symptomtrias, bestehend aus:
    • Ptosis: Herabhängen des Oberlids
    • Miosis: Verengung der Pupille
    • (Pseudo-) Enophthalmus: Eingefallene Erscheinung des Augapfels
    • Anhidrose: Verminderte oder fehlende Schweißsekretion auf der betroffenen Gesichtshälfte
Horner-Syndrom (typische Symptome)

 

Im Kopfbereich befinden sich vier parasympathische Ganglien, in denen eine Umschaltung von präganglionären auf postganglionäre Fasern erfolgt. Zusätzlich verlaufen auch sympathische und sensible Fasern durch diese Ganglien, wobei diese Fasern nicht umgeschaltet werden.

  • Ganglion ciliare
    • Liegt innerhalb der Orbita
    • Besitzt drei Wurzeln:
      • Radix parasympathica: Ncl. accessorius n. oculomotorii (Edinger-Westphal) → N. oculomotorius (III) → Ganglion ciliare → Nn. ciliares breves → Innervation des M. sphincter pupillae und des M. ciliaris
      • Radix sympathica: Ganglion cervicale superius → Ganglion ciliare → ohne Umschaltung zu: M. orbitalis, M. dilatator pupillae, Mm. tarsales und Gefäßen der Aderhaut im Auge
      • Radix sensoria: Führt sensible Fasern des N. nasociliaris
  • Ganglion pterygopalatinum
    • Liegt in der Fossa pterygopalatina
    • Besitzt drei Wurzeln:
      • Radix parasympathica: Ncl. salivatorius superior → N. petrosus major (aus VII) → durch Canalis pterygoideus → Umschaltung im Ganglion pterygopalatinum → sekretorische Innervation der Gl. lacrimalis über Anastomose (Tränenanastomose) der postganglionären Fasern mit dem N. zygomaticus (V2)
      • Radix sympathica: Der N. petrosus profundus aus dem Ganglion cervicale superius durchquert das Ganglion ohne Umschaltung
      • Radix sensoria: Sensible Fasern der Rr. ganglionares aus dem N. maxillaris (V2) passieren das Ganglion
  • Ganglion submandibulare
    • Befindet sich im Trigonum submandibulare
    • Besitzt drei Wurzeln:
      • Radix parasympathicaNcl. salivatorius superior → Chorda tympani (aus VII) → Ganglion submandibulare → sekretorische Innervation der Glandula submandibularis, Glandula sublingualis und Glandulae linguales
      • Radix sympathica: Ganglion cervicale superius → Ganglion submandibulare (ohne Umschaltung)
      • Radix sensoria: Sensible Fasern aus N. lingualis → Ganglion submandibulare → sensible und sensorische Innervation der vorderen 2/3 der Zunge
  • Ganglion oticum
    • Lage: Fossa infratemporalis, medial des N. mandibularis
    • Besitzt drei Wurzeln:
      • Radix parasympathica: N. petrosus minor (aus IX) → Ganglion oticum → N. auriculotemporalis → Gl. parotidea
      • Radix sympathica: Ganglion cervicale superius → Ganglion oticum (ohne Umschaltung) → Gl. parotidea
      • Radix sensoria: Sensible Fasern des N. mandibularis (V3) → Ganglion oticum
Zuletzt aktualisiert am 23.06.2026
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