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Verhaltens- und Verhältnisprävention

individuelle Prävention
EP
5 Minuten Lesezeit

Die Prävention im Gesundheitswesen wird in Verhaltens- und Verhältnisprävention sowie in die Stufen der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention unterteilt. Die Verhaltensprävention zielt auf die Veränderung individuellen Gesundheitsverhaltens ab, etwa durch Aufklärung zu Ernährung, Bewegung oder Risikoverhalten. Die Verhältnisprävention setzt hingegen an den strukturellen Rahmenbedingungen an, beispielsweise durch gesetzliche Regelungen, Umweltgestaltung oder Arbeitsbedingungen. 

 Achtung

In der Praxis werden beide Ansätze häufig kombiniert, da Gesundheit sowohl vom Verhalten als auch von den Lebensbedingungen beeinflusst wird.

Die Theorien der Verhaltensänderung erklären, wie Gesundheitsverhalten entsteht und verändert werden kann. Zentrale Modelle sind das Health Belief Model, die Theory of Planned Behavior, die Sozial-kognitive Theorie nach Bandurasowie das Transtheoretische Modell nach Prochaska und DiClemente. Gemeinsam ist ihnen die Annahme, dass Verhalten durch kognitive Bewertungen, Motivation, soziale Einflüsse und Selbstwirksamkeit geprägt wird. Besonders bedeutsam ist, dass eine reine Absicht nicht ausreicht, sondern in konkretes Handeln überführt werden muss.

Die Präventionsebenen unterscheiden sich nach dem Zeitpunkt des Einsatzes: Die Primärprävention dient der Vermeidung von Krankheiten vor ihrem Auftreten, die Sekundärprävention der Früherkennung, und die Tertiärprävention der Vermeidung von Folgeschäden sowie der Rehabilitation bei bestehender Erkrankung. Diese Einteilung bildet eine zentrale Grundlage der modernen Public-Health- und Versorgungsforschung.

 Tipp

Besonders prüfungsrelevante Themen:

  • Unterschied Verhaltens- vs. Verhältnisprävention
  • Kombination beider Ansätze (kritischer Punkt!)
  • Primär-, Sekundär-, Tertiärprävention
  • Health Belief Model
  • Theory of Planned Behavior
  • Selbstwirksamkeit (Bandura)
  • Transtheoretisches Modell
  • Prävention als Maßnahme entlang des Krankheitskontinuums
 Definition

Theorien der Verhaltensänderung beschreiben Modelle, die erklären, wie und warum Menschen ihr Gesundheitsverhalten verändern. Sie gehen davon aus, dass Verhalten durch Überzeugungen, Einstellungen, soziale Einflüsse und wahrgenommene Kontrolle bestimmt wird.

Health-Belief-Model:

 Merke

Das Health-Belief-Model beschreibt, wovon gesundheitsbewusstes Verhalten abhängt. Im Mittelpunkt stehen die subjektiven Überzeugungen eines Menschen.

Gesundheitsverhalten wird wahrscheinlicher, wenn:

  • Man glaubt, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können
  • Die Krankheit als gefährlich eingeschätzt wird
  • Man sich selbst als anfällig wahrnimmt
  • Der Nutzen präventiver Maßnahmen hoch eingeschätzt wird (Handlungsergebniserwartung)
  • Barrieren als gering wahrgenommen werden
 Info

Zusätzlich können Hinweisreize (z. B. Medien, Symptome) das Verhalten beeinflussen.

 Merke

→ Nicht berücksichtigt wird die Selbstwirksamkeit (Fähigkeit, Verhalten trotz Hindernissen umzusetzen).

Modell des geplanten Verhaltens:

Dieses Modell beschreibt den Weg von der Einstellung zur Handlung. Zunächst entsteht eine Verhaltensintention, die beeinflusst wird durch:

  • Eigene Einstellung
  • Erwartungen wichtiger Bezugspersonen

Ob das Verhalten tatsächlich umgesetzt wird, hängt von der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle ab, also der Einschätzung, ob Hindernisse überwunden werden können.

→ Besonders bei Jugendlichen spielen soziale Normen (Peer-Group) eine große Rolle.

Transtheoretisches Modell (TTM):

Der Prozess der gelungenen Verhaltensänderung wurde 1994 von Prochaska, Norcross und DiClemente in mehreren Stufen beschrieben:

 Merke
Transtheoretisches Modell der Verhaltensänderung:
  1. Absichtslosigkeit : kein Problembewusstsein → Arzt: über Risiken aufklären sowie Vor- und Nachteile (Pro & Contra) einer Veränderung aufzeigen
  2. Bewusstwerdung, Absichtsbildung (contemplation): Problem wird erkannt, aber noch keine Handlung
  3. Vorbereitung, Abwägen (preparation): Entscheidung zur Veränderung, Planung → Arzt: Selbstwirksamkeit stärken und konkreten Plan erarbeiten
  4. Handeln (action): neues Verhalten wird umgesetzt
  5. Rückschläge bewältigen: Rückfälle möglich → Ziel: erneuter Einstieg in den Prozess
  6. Stabilisierung, Aufrechterhaltung (maintenance): Verhalten langfristig sichern

Ziel: je nach Stadium passende Unterstützung (z. B. Motivation, Planung, Stärkung der Selbstwirksamkeit).

 Definition
Verhaltens- und Verhältnisprävention sind Ansätze zur Krankheitsvorbeugung:
  • Die Verhaltensprävention zielt auf die Änderung individuellen Verhaltens, während die Verhältnisprävention die äußeren Lebensbedingungen so gestaltet, dass gesundes Verhalten erleichtert wird
  • Prävention kann zudem als universell (alle), selektiv (Risikogruppen) oder indiziert (Betroffene) erfolgen

Verhaltensprävention:

 Merke

Sie zielt auf die Veränderung individuellen Verhaltens ab (Reduktion risikobehaftetes Verhalten), um Krankheitsrisiken zu senken. 

Allerdings ändern Menschen ihr Verhalten oft nicht allein durch Wissen (→ kognitive Dissonanz).

Das HAPA-Modell beschreibt Verhaltensänderung in drei Phasen:

  1. Motivationale Phase: Absichtsbildung
  2. Volitionale Phase: Handlungsplanung
  3. Aktionale Phase: Umsetzung

5-A-Strategie (Beratung): Zur Unterstützung von Verhaltensänderungen:

  • Ask: Situation erfassen
  • Advise: informieren und beraten
  • Agree: Ziele festlegen
  • Assist: Unterstützung anbieten
  • Arrange: Nachsorge planen

Verhältnisprävention:

Hier werden äußere Lebensbedingungen verändert, um gesundes Verhalten zu erleichtern.

 Merke
Beispiele:
  • Rauchverbot
  • Gurtpflicht
  • Alkoholverkaufsbeschränkungen
  • Fluoridierung von Trinkwasser
  • Umgestaltung von Lebensräumen

Ziel: möglichst viele Menschen gleichzeitig erreichen.

Präventionsmaßnahmen lassen sich nach Zielgruppen unterscheiden:

  • Universelle Prävention: richtet sich an die gesamte Bevölkerung (z. B. Impfprogramme)
  • Selektive Prävention: für Risikogruppen (z. B. Grippeimpfung > 60 Jahre)
  • Indizierte Prävention: für Personen mit bereits bestehendem Risikoverhalten

Zusätzlich unterscheidet man:

  • Strukturelle Maßnahmen: wirken auf viele gleichzeitig
  • Individuelle Maßnahmen: z. B. Kurse zur Verhaltensänderung
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  • Prochaska JO, DiClemente CC. Stages and processes of self-change of smoking. Journal of Consulting and Clinical Psychology 1983;51(3):390–395. DOI: 10.1037/0022-006X.51.3.390.
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  • Leavell HR, Clark EG. Preventive Medicine for the Doctor in his Community. McGraw-Hill, 1965.
  • Habermann-Horstmeier L, Lippke S. Grundlagen, Strategien und Ansätze der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. In: Gesundheit und Nachhaltigkeit. Springer, 2021. DOI: 10.1007/978-3-662-62426-5_6.
Zuletzt aktualisiert am 14.07.2026
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