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Verhaltensstile

Verhalten, Verhaltenspsychologie
EP
5 Minuten Lesezeit

Verhaltensstile beschreiben wiederkehrende Muster, mit denen Menschen denken, fühlen und in sozialen Situationen handeln. Sie entstehen aus dem Zusammenspiel von Persönlichkeit, bisherigen Erfahrungen und situativen Einflüssen. Verhaltensstile zeigen sich insbesondere darin, wie jemand kommuniziert, Entscheidungen trifft, mit Konflikten umgeht und Beziehungen gestaltet. Sie sind grundsätzlich veränderbar, auch wenn sie über längere Zeit relativ stabil erscheinen.

 Merke

Verhaltensstile sind relativ stabile, typische Arten, wie Menschen in vielen Situationen wahrnehmen, denken und handeln (z. B. eher vermeidend vs. konfrontativ), ohne dass es sich automatisch um eine psychische Störung handelt.

 Tipp
Besonders prüfungsrelevante Themen
  • Feldabhängig = Orientierung an äusseren Bezugssystemen
  • Feldunabhängig = Orientierung an internen Bezugssystemen
  • Proaktive Interferenz = Altes stört Neues
  • Retroaktive Interferenz = Neues stört Altes
  • Sensation Seeking = Bedürfnis nach Neuheit, Stimulation und Risiko
  • Interne Kontrollüberzeugung = „Ich beeinflusse das Ergebnis“
  • Externe Kontrollüberzeugung = „Zufall oder andere beeinflussen das Ergebnis“
  • Selbstkonzept = Selbstbild, Idealselbst und Selbstwert
  • Zusammenhang zwischen Selbstkonzept, Motivation und Verhalten.
 Definition
Interferenzneigung beschreibt als kognitiver Stil, wie leicht sich jemand durch irrelevante Reize ablenken lässt. Sie gilt als Maß der kognitiven Steuerung: In entsprechenden Tests muss man sich auf einen unwichtigen Reizaspekt konzentrieren und andere Merkmale ausblenden.
 Tipp
Beispiel einer Alltagssituation

Eine klassische Alltagssituation ist das Arbeiten in einem Großraumbüro

  • Während eine Person trotz Gesprächen im Hintergrund konzentriert an einer Aufgabe bleibt (geringe Interferenzneigung), lässt sich eine andere schneller durch Geräusche oder visuelle Eindrücke ablenken und verliert den Fokus (hohe Interferenzneigung)

Auch in Testsituationen zeigt sich dies beispielsweise, wenn ein Wort wie „Rot“ in blauer Farbe geschrieben ist: 

  • Die Aufgabe besteht darin, die Farbe zu benennen und nicht das Wort zu lesen
  • Menschen mit niedriger Interferenzneigung können die störende Information leichter ausblenden

Dieses Konzept beschreibt, wie stark Verhalten / Urteile von der Außenwelt („Feld“) beeinflusst werden.

  • Feldabhängig
    • Orientiert sich stärker an Umweltinformationen, „lässt sich vom Kontext leiten“
    • Menschen mit einem feldabhängigen Stil orientieren sich stärker an äußeren Strukturen und Kontexten
    • Sie nehmen Situationen eher ganzheitlich wahr und lassen sich bei Einschätzungen stärker von ihrer Umgebung leiten
    • Häufig zeigen sie ausgeprägte soziale Sensibilität und sind gut darin, Stimmungen und zwischenmenschliche Signale zu erkennen
  • Feldunabhängig:
    • Handelt eher unabhängig von Umwelteinflüssen und orientiert sich stärker an einem internen Maßstab
    • Feldunabhängige Personen können Informationen leichter aus ihrem Kontext herauslösen und unabhängig von äußeren Einflüssen analysieren
    • Sie gehen oft strukturierter und analytischer vor und verlassen sich stärker auf interne Maßstäbe als auf äußere Orientierungspunkte
 Merke

Feldabhängigkeit und Feldunabhängigkeit beschreiben einen kognitiven Stil, der angibt, wie stark sich Menschen bei der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung vom Umfeld („Feld“) beeinflussen lassen. Im Zentrum steht die Frage, ob es einer Person eher gelingt, relevante Informationen aus einem komplexen Zusammenhang herauszulösen oder ob sie stärker an den Gesamteindruck gebunden bleibt.

 Achtung

Dieser kognitive Stil ist nicht als „besser“ oder „schlechter“ zu verstehen. Beide Ausprägungen haben Vorteile: Während Feldunabhängigkeit analytisches Denken und Problemlösen unterstützt, fördert Feldabhängigkeit soziale Orientierung und ganzheitliches Erfassen von Situationen. In der Praxis zeigen die meisten Menschen Mischformen, abhängig von Situation und Erfahrung.

  • Sensation Seeker erleben oft eine geringere Grundstimulation durch Alltagsreize und versuchen, diese durch aufregende Erlebnisse auszugleichen
  • Sie meiden Monotonie, suchen neue (auch körperliche) Erfahrungen und zeigen häufiger Enthemmung sowie risikoreiches Verhalten
 Achtung
Wichtig: Sensation Seeking gehört nicht zu den Big Five.

Beschreibt, ob jemand glaubt, die Konsequenzen seines Handelns selbst beeinflussen zu können.

  • Interner Locus of Control: „Mein Verhalten beeinflusst, was passiert.“
    → eher aktive, eigenverantwortliche Bewältigung
  • Externer Locus of Control: „Andere, Zufall oder Schicksal bestimmen mein Leben.“
    → kann mit passiverer, ungünstiger Krankheitsbewältigung einhergehen (z. B. Resignation)
  • Das Selbstkonzept umfasst relativ stabile Annahmen über die eigene Person, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die aus Erfahrungen abgeleitet werden
  • Menschen streben danach, im Einklang mit ihrem Selbstkonzept zu handeln
  • Abweichungen können innerpsychische Spannung erzeugen
  • Witkin HA. The nature and importance of individual differences in perception. Journal of Personality 1949;18(2):145–170. DOI: 10.1111/j.1467-6494.1949.tb01285.x
  • Witkin HA, Goodenough DR. Cognitive styles: Essence and origins. Field Dependence and Field Independence. International Universities Press, 1981. ISBN 9780823606481
  • Zuckerman M. Sensation seeking: A comparative approach to a human trait. Behavioral and Brain Sciences1984;7(3):413–434. DOI: 10.1017/S0140525X00018938
  • Zuckerman M. Behavioral Expressions and Biosocial Bases of Sensation Seeking. Cambridge University Press, 1994. ISBN 9780521432009
  • Rotter JB. Generalized expectancies for internal versus external control of reinforcement. Psychological Monographs: General and Applied 1966;80(1):1–28. DOI: 10.1037/h0092976
  • Rogers CR. Client-Centered Therapy: Its Current Practice, Implications and Theory. Houghton Mifflin, 1951. ISBN 9781841198408
  • Rogers CR. A theory of therapy, personality, and interpersonal relationships as developed in the client-centered framework. In: Koch S, Hrsg. Psychology: A Study of a Science. McGraw-Hill, 1959.
  • Atkinson RL, Atkinson RC, Smith EE, Bem DJ, Nolen-Hoeksema S. Hilgard's Introduction to Psychology. Harcourt Brace, verschiedene Auflagen. ISBN 9780155088375
Zuletzt aktualisiert am 14.07.2026
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