Die mündliche Prüfung bildet für Notfallsanitäter:innen oft den Abschluss der Ausbildungs- und gleichzeitig der Prüfungszeit. Während Praxistrainings und schriftliche Prüfungen am Ende der Ausbildung bereits zur Gewohnheit geworden sind, werden mündliche Prüfungen seltener trainiert. Dadurch entstehen oft Unsicherheiten, die in der Prüfungssituation zu Nervosität führen können.
Um diese Unsicherheiten abzubauen, wird in diesem Artikel zunächst der strukturelle Aufbau der Prüfung erläutert und anschließend werden wertvolle Tipps gegeben. Abschließend findet sich eine Art Ablaufplan, der zeigt, wie die Fragestrategie in einer solchen mündlichen Staatsexamensprüfung aussehen kann. So kannst du die Prüfung besser simulieren und hast einen leichteren Start.
Die mündliche Prüfung bildet den Abschluss der Prüfungszeit. Der Fokus im Fachgespräch zwischen dem Prüfenden und dem Prüfling stehen folgende drei Punkte:
- Notfall- und Gefahrensituationen bei Menschen aller Altersgruppen zu erkennen, zu erfassen und zu bewerten
- Kommunikation und Interaktion mit Hilfe suchenden Personen unter soziologischen und psychologischen Aspekten, sowie die Zusammenarbeit in Gruppen und im Team
- Mitwirken bei medizinischer Diagnostik und Therapie zur Abwendung schweren gesundheitlichen Schadens bis zum Beginn weiterer ärztlicher Versorgung
Hinter diesen umständlichen Begrifflichkeiten stehen die Prüfungsthemen rund um Pathophysiologie, Kommunikation und geltende Algorithmen.
Die Gesamtdauer der Prüfung beträgt mindestens 30 Minuten, nicht mehr als 45 Minuten. Somit werden jedem Thema etwa 10 bis 15 Minuten gewidmet.
Die Prüfungskommission besteht aus zwei Fachprüfer:innen, einer ärztlichen Person und dem Prüfungsvorsitz. Zusätzlich dürfen ggf. Beisitzer:innen der Prüfung beiwohnen.
Die Prüfungskommission sitzt den Prüflingen oft gegenüber. Das kann im ersten Moment bedrohlich aussehen und so wirken, als ob man einer geschlossenen Front gegenüber säße.
MerkeDas Ziel der Prüfung ist es nicht, den Prüfling durchfallen zu lassen, sondern sicherzustellen, dass fähige Notfallsanitäter:innen eigenständig in die Berufswelt starten. Das erworbene Wissen der Ausbildungszeit wird in dieser Prüfung unter Beweis gestellt.
Detailwissen und vertiefende Informationen sollten das Bestehen nicht gefährden, sondern lediglich die Note beeinflussen.
TippDie Stimmung im Prüfungsraum wird durch die Anwesenden gestaltet. Ist der Prüfling ruhig und entspannt, wird die Prüfung entspannt und ruhig ablaufen.
Vor Antritt der Prüfung sollte ausreichend Zeit sein, um an der Prüfstelle anzukommen, einen Toilettengang zu erledigen und ggf. Atemübungen zu machen oder sich mit Getränken zu versorgen. Hier hat jeder Mensch eigene Strategien und Bedürfnisse: Manchen Menschen hilft es, sich noch vor der Prüfung auszutauschen, andere sind eher in sich gekehrt und still. Keine Strategie ist hier der anderen überlegen, und sie ist sehr personenabhängig.
Formalitäten
Wichtige Dinge, die hier erneut, wie bei jedem Prüfungsabschnitt, kontrolliert werden müssen, sind
- Identität, ggf. anhand von Ausweispapieren
- Prüfungszulassung (liegt der Prüfungskommission meist vor)
- Prüfungsbereitschaft
- Dazu wird gefragt, ob eine gesundheitliche psychische Prüfungsbereitschaft gegeben ist
Auswahl der Prüfungsthemen
An den meisten Schulen werden die Prüfungsthemen zufällig gewählt und von den Prüfenden aus einer Auflistung oder einem Stapel der Gesamtheit der Prüfungsthemen gezogen oder anderweitig zufällig ausgewählt.
Jedes in der Ausbildung behandelte Thema kann theoretisch geprüft werden, jedoch handelt es sich überwiegend um große Themenfelder, die definitiv beherrscht werden sollten.
TippImmer gut und richtig
Manche Themen können immer unabhängig vom eigentlichen Thema abgefragt werden. Diese Themen müssen also immer und sicher bekannt sein. Wenn du als Prüfling diese Themen erklärst, kannst du auch etwas „Zeit schinden” und dich auf sicherem Terrain bewegen. Ganz getreu dem Motto: In der Zeit in der der Prüfling redet, wird er nichts Anderes gefragt.
- SSSS-Schema
- Eigenschutz
- xABCDE-Schema
- SAMPLERS-Schema
- OPQRST-Schema je nach Thema
- Einordnung von Normwerten und bedrohlichen Veränderungen
Die genaue Formulierung der Prüfungsthemen obliegt den Schulen selbst. Unten findest du eine Auflistung, wie sie in der Ausbildungsstätte genutzt werden könnte. In der Liste finden sich 40 potenzielle Prüfungen, die anhand von jeweils einem Krankheitsbild aufgebaut sind. Die Inhalte sind exemplarisch zu sehen und dienen vorwiegend der Prüfungssimulation. Der Inhalt der Prüfung kann jedoch auch gänzlich anders aussehen.
Zur besseren Kontrolle sind besonders relevante Artikel zu den Prüfungsthemen in der Liste als Link hinterlegt.
TippFür die Prüfungssimulation sollte ein Wecker gestellt werden, um die vorgeschriebenen 45 Minuten pro Prüfung nicht zu überschreiten. Alternativ kann die Zeit gestoppt werden, um nachträglich zu bewerten, wie lang sich die Prüfung angefühlt hat im Vergleich zu der faktisch gemessenen Dauer.
| Thema | Anatomie / Physiologie / Pathophysiologie | Algorithmen / Medikamente / Skills | |
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| Schwangerschaftsnotfälle (z.B. |
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AchtungDie Prüfungsthemen sind exemplarisch zu sehen und können auch in anderer Zusammensetzung oder einem anderen Umfang abgefragt werden. Die Liste dient hauptsächlich zur Übung und um die mündliche Prüfung realitätsnah simulieren zu können.
Klares und strukturiertes Sprechen:
- Erst die Grundlagen kurz erklären, bevor man in die Tiefe geht
- Starte mit einer kurzen, auswendig gelernten Definition, um dir selbst den Start zu erleichtern und strukturiert in die Prüfung zu starten
- Darauf aufbauend können Diagnostik und Therapie erläutert werden
- Bei einem Fallbeispiel sollte man strukturiert zuerst die Anamnese und körperliche Untersuchung und anschließend die weitere Diagnostik abfragen
- Auch wenn man früh eine Verdachtsdiagnose hat, sollte man sich nicht sofort auf diese festlegen. Ggf. kann man erste Verdachtsdiagnosen äußern und laut überlegen
- Bei Ausnahmen kann abgewichen werden: z.B. sollten bei einem STEMI frühzeitig die therapeutischen Erstmaßnahmen und die Notwendigkeit einer schnellen Herzkatheteruntersuchung erwähnt werden
- In der Prüfung sollte klar und präzise formuliert werden
- Man sollte Fachbegriffe verwenden und korrekt einsetzen
- Weiterhin sollte man Umgangssprache vermeiden
- Es bringt aber auch keinen Mehrwert, wenn man die Informationen überkompliziert darstellt
- Das Niveau sollte so gewählt sein, dass man versucht, einer anderen medizinischen Fachperson das Thema möglichst verständlich zu erklären
TippGrundlagen erklären
Die Prüfer:innen sind meistens gar nicht so sehr an den Spezialinformationen interessiert, viel wichtiger ist ihnen in der Regel, dass man die Grundlagen kann. Im Beruf kommt es auch weniger darauf an, ob man eine extrem seltene Krankheit kennt. Viel wichtiger ist es, dass man einen Herzinfarkt erkennt.
Manchmal ist weniger mehr!
Geduld und Ruhe bewahren:
- In einer mündlichen Prüfung kann es vorkommen, dass Fragen unklar erscheinen oder man ins Stocken gerät
- In solchen Momenten ist es wichtig, ruhig zu bleiben und ggf. Rückfragen zu stellen, um die Frage besser zu verstehen
- Ein tiefes Durchatmen hilft, die Nervosität zu reduzieren und den Faden wiederzufinden
- Wenn man eine Frage mal nicht weiß, ist dies völlig normal
- Dies sollte offen kommuniziert werden, z.B. „Diese Frage kann ich leider nicht beantworten.“
- Zuzugeben, dass man eine Frage nicht weiß, ist häufig besser, als eine falsche Antwort zu geben
- Hat man ein paar Hintergrundinformationen parat, kann man diese ggf. erklären, z.B. Frage: „Welche Region ist bei ST-Streckenhebungen in den Ableitungen II, III und aVF betroffen?“ Antwort: „Diese Frage kann ich leider nicht sicher beantworten. Ich weiß jedoch, dass signifikante ST-Streckenhebungen in mindestens zwei benachbarten Ableitungen für einen STEMI sprechen …“
Übung macht den/die Meister:in:
- Das Simulieren von Prüfungssituationen im Freundeskreis hilft, die mündliche Prüfungssituation zu üben und Sicherheit zu gewinnen
- Regelmäßiges mündliches Wiederholen von Themen und das Erklären von Inhalten in der Gruppe stärken das Vertrauen in das eigene Wissen und die Fähigkeit, Inhalte einfach und verständlich zu erklären
TippMan kann sich zu jedem Thema die wichtigsten Informationen auf einer Seite zusammenfassen und anschließend üben, diese strukturiert vorzustellen.
Auf Körpersprache achten und gepflegt auftreten:
- Die Körpersprache spielt bei mündlichen Prüfungen eine große Rolle
- Eine aufrechte Haltung, Blickkontakt und gezielte Gesten erhöhen das eigene Selbstbewusstsein, unterstreichen die eigene Sicherheit und Kompetenz und können die Prüfung positiv beeinflussen
- Unruhegesten wie das Spielen mit einem Stift oder das Wippen mit dem Fuß sollten vermieden werden
- Die Prüfung erfolgt in der Regel in Dienstkleidung
- Sofern keine Dienstkleidung getragen wird, ist auf gepflegte Kleidung zu achten:
- Für Männer wird eine Hose mit neutralem Hemd empfohlen
- Frauen sollten bei einer mündlichen Prüfung z.B. einen Blazer mit einer neutralen Bluse, mit normalem Ausschnitt und einen Rock, der nicht zu kurz ist, oder eine Anzughose oder eine Stoffhose tragen
- Sofern keine Dienstkleidung getragen wird, ist auf gepflegte Kleidung zu achten:
- Es ist auf ein gepflegtes äußeres Erscheinungsbild zu achten:
- Geschlossene und saubere Schuhe
- Gepflegte Haare


