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Zusammenarbeit zwischen Patient:in und Ärzt:in

Arzt-Patient-Kooperation
EP
6 Minuten Lesezeit

Die Arzt-Patienten-Zusammenarbeit beschreibt die gemeinsame Gestaltung von Diagnostik und Therapie und gilt als wesentlicher Faktor für den Behandlungserfolg. Im Gegensatz zu einem rein paternalistischen Modell basiert sie auf Partnerschaft, gegenseitigem Vertrauen und aktiver Beteiligung des Patienten.

  • Ein zentrales Konzept ist das Shared Decision Making, bei dem Arzt und Patient gemeinsam informierte Entscheidungen treffen
  • Dabei bringt der Arzt die medizinische Expertise ein, während der Patient seine Werte, Präferenzen und Lebensumstände berücksichtigt
  • Dieses Modell wird unter anderem durch Arbeiten von Charles C. Edwards geprägt

Wichtige Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit sind:

  • Transparente Information über Diagnosen und Therapieoptionen
  • Verständliche Aufklärung über Nutzen und Risiken
  • Aktive Einbindung des Patienten in Entscheidungen
  • Vertrauensvolle Beziehung
 Tipp

Studien zeigen, dass eine gute Zusammenarbeit zu besserer Adhärenz, höherer Zufriedenheit und teilweise auch zu besseren klinischen Outcomes führt.

 Merke

Die Arzt-Patienten-Zusammenarbeit ist ein evidenzbasierter Bestandteil moderner Medizin und erfordert sowohl kommunikative als auch strukturelle Kompetenzen.

Art der Kooperation:

Wie gut Patient:innen kooperieren, hängt nicht nur von der Erkrankung ab, sondern auch von Merkmalen der behandelnden Person, der Patientin bzw. des Patienten und der Interaktion zwischen beiden. Man kann verschiedene Formen unterscheiden:

  • Aktive Kooperation: Patienten beantworten Fragen, bringen Informationen ein und wirken bei Diagnostik und Therapie engagiert mit
  • Passive Kooperation: Betroffene verhalten sich eher abwartend, lassen „alles geschehen“ und beteiligen sich wenig
  • Autonome Kooperation: Patienten handeln selbstständig und freiwillig mit, übernehmen Verantwortung und tragen Entscheidungen mit
  • Heteronome Kooperation: Anweisungen werden eher unfreiwillig befolgt; die Behandlung wird als fremdbestimmt oder „aufgezwungen“ erlebt
  • Compliance-orientierte Kooperation: Ärztliche Vorgaben werden zuverlässig befolgt
  • Non-compliance-orientierte Kooperation: Vorgaben werden nicht oder nur teilweise umgesetzt

Das informative Modell (Dienstleistungs- / Konsumentenmodell):

  • In diesem Modell sind Ärzte die fachlichen Experten, aber der Patient entscheidet letztlich, ob und welche vorgeschlagene Therapie umgesetzt wird
  • Patienten verhalten sich dabei ähnlich wie Kunden: Sie können Empfehlungen annehmen oder ablehnen
 Merke
Besonderheiten: Shared decision-making vs. paternalistisches Modell

Beim Shared decision-making (partizipative Entscheidungsfindung) treffen Arzt und Patient Entscheidungen gemeinsam. Die behandelnde Person klärt, wie stark der Patient mitentscheiden möchte, erklärt Vor- und Nachteile der Optionen, und anschließend wird zusammen ein Behandlungsplan festgelegt.

Im paternalistischen Modell liegt die Entscheidungsautorität überwiegend beim Arzt: Entscheidungen werden „für“den Patienten getroffen, teils mit nur begrenzter Information. Das kann die Zusammenarbeit belasten, besonders wenn sich Betroffene nicht ernst genommen fühlen – dann kann auch die Compliance sinken.

 Definition

Neben Routinegesprächen gehört auch das Überbringen schwieriger Botschaften zum Alltag vieler Ärzt:innen. Gerade zu Beginn sind derartige Gespräche für Mediziner:innen schwierig und herausfordernd. Als Orientierungskonzept hat sich das sogenannte SPIKES-Modell bewährt.

 Merke
Spikes-Modell
  • Setting: Vorbereitung und Umgebung
  • Perception: Wissensstand und Wahrnehmung erfragen
  • Invitation: Informationsbedürfnis klären
  • Knowledge: Informationsvermittlung
  • Empathy: Emotionen zulassen, benennen, anerkennen
  • Strategy and Summary: Planung und Zusammenfassung

Setting:

  • Vorbereitung:
    → Überlegung, welche Informationen vermittelt werden sollen
    → Planung der Schritte 
    → Sicherstellung eines geeigneten Umfelds: Unterbrechungen und Störungen vermeiden
    → Ausreichend Zeit einplanen
  • Eventuell Miteinbeziehung von Bezugspersonen (je nach Wunsch und Situation)

Perception:

  • Vorwissen und Vorahnungen einschätzen / erfragen
  • Offene Fragen wie z.B.: „Wie schätzen Sie Ihre Krankheitssituation denn aktuell selber ein?“

Invitation:

  • Erkundung des Informationsbedürfnisses 
    → Mögliche Frage: „Möchten Sie, dass ich Sie über alle Einzelheiten Ihrer Erkrankung aufkläre oder möchten Sie lieber, dass ich erstmal sage, was ich für wichtig erachte?“

Knowledge:

  • Auf die Botschaft vorbereiten: „Leider habe ich keine guten Nachrichten für Sie…“
  • Vermittlung der Informationen entsprechend des Vorwissens und des Informationsbedürfnisses
  • Klare und verständliche Sprache
  • Vermeidung drastischer Formulierungen
  • Keine reine Aufzählung von Informationen → Aufteilung in kleinere Einheiten 
  • Zwischendurch Verständnis überprüfen

Empathy:

  • Behandler nimmt diese Reaktionen auf und ermutigt dazu, Emotionen auszusprechen
  • Dadurch lässt sich besser einschätzen, welche Wirkung die Nachricht hat, und das weitere Vorgehen im Gespräch kann passend daran anknüpfen

Strategy and Summary:

  • Weiteres Vorgehen planen – „Fahrplan“ erarbeiten:
    → Was geschieht als nächstes? (Behandlung, Termine, Prognose…) 
  • Zusammenfassung des Gesprächs 
  • Offene Fragen und Missverständnisse klären 
 Achtung
Aufenthalt von Kindern in der Klinik:

Kinder reagieren oft besonders belastet auf einen stationären Aufenthalt, vor allem wegen der Trennung von Bezugspersonen. Um Krankenhausängste zu reduzieren, hilft eine altersgerechte, klare Aufklärung über Behandlung und Abläufe. Wenn möglich, sollte ein Elternteil mit aufgenommen werden. Zudem ist es günstig, wenn das Kind während des gesamten Aufenthalts durchgehend von einer Bezugsperson begleitet wird. Unterstützend können auch Filme oder Spiele eingesetzt werden, um den Klinikalltag verständlich und weniger bedrohlich zu machen.

 Definition

Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Ärztin/Arzt und Patient:in können sowohl durch äußere Rahmenbedingungen als auch durch innere Einstellungen der Beteiligten gestört werden.

Organisatorisch-rechtliche Bedingungen:

  • Auch wenn beide Seiten kooperativ sind, kann die Zusammenarbeit scheitern, wenn z. B. Zeitmangel (hohe Patientenzahlen) besteht oder die Gesprächsatmosphäre ungünstig ist (z. B. Mehrbettzimmer)

Reaktanz:

  • Reaktanz beschreibt einen unangenehmen motivationalen Zustand, der entsteht, wenn Menschen das Gefühl haben, ihre Entscheidungsfreiheit werde eingeschränkt
  • Ziel ist dann, diese subjektiv verlorene Freiheit wiederherzustellen
  • Je stärker die Bedrohung erlebt wird, desto stärker fällt die Reaktanz aus – Betroffene tun dann nicht selten genau das Gegenteil dessen, was empfohlen oder verlangt wird (wirkt wie „Trotz“, ist aber psychologisch eine Freiheitsreaktion)

Erwartungsenttäuschung bei Kranken:

  • Gerade Patient:innen, die anfangs sehr kooperativ sind und Vorgaben gut umsetzen, können an Motivation verlieren, wenn keine schnelle Besserung eintritt
  • Dann sinkt häufig die Bereitschaft zur weiteren Mitarbeit
  • Stewart MA. Effective physician-patient communication and health outcomes: A review. Canadian Medical Association Journal 1995;152(9):1423–1433.
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  • Stiggelbout AM, Van der Weijden T, De Wit MPT, Frosch D, Légaré F, Montori VM, et al. Shared decision making: Really putting patients at the centre of healthcare. BMJ 2012;344:e256. DOI: 10.1136/bmj.e256.
  • Baile WF, Buckman R, Lenzi R, Glober G, Beale EA, Kudelka AP. SPIKES—A six-step protocol for delivering bad news: Application to the patient with cancer. The Oncologist 2000;5(4):302–311. DOI: 10.1634/theoncologist.5-4-302.
  • Buckman, Robert: How to Break Bad News: A Guide for Health Care Professionals. Johns Hopkins University Press, 1992. ISBN: 978-0-8018-4582-6.
  • Wensing M, Elwyn G, Edwards A, Vingerhoets E, Grol R. Deconstructing patient centred communication and uncovering shared decision making: An observational study. BMC Medical Informatics and Decision Making 2002;2:2. DOI: 10.1186/1472-6947-2-2.
Zuletzt aktualisiert am 01.06.2026
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