Zwangsstörungen sind psychische Erkrankungen, die durch wiederkehrende Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen gekennzeichnet sind. Betroffene erleben die Gedanken meist als aufdringlich und belastend, erkennen jedoch in der Regel deren Unsinnigkeit. Typische Inhalte sind Kontroll-, Wasch-, Ordnungs- oder Grübelzwänge. Die Zwänge führen häufig zu erheblichem Leidensdruck und Einschränkungen im Alltag.
Bei der somatischen Belastungsstörung stehen körperliche Beschwerden im Vordergrund, die mit einer ausgeprägten gedanklichen, emotionalen oder verhaltensbezogenen Beschäftigung einhergehen. Entscheidend ist dabei nicht das Fehlen einer organischen Ursache, sondern die übermässige Sorge um die Beschwerden und deren Folgen. Häufig bestehen Symptome wie Schmerzen, Müdigkeit, Schwindel oder Magen-Darm-Beschwerden.
Sowohl bei Zwangsstörungen als auch bei somatischen Belastungsstörungen spielen biologische, psychologische und soziale Faktoren eine Rolle. Die Behandlung erfolgt meist durch Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, und kann je nach Schweregrad durch eine medikamentöse Therapie ergänzt werden.
TippBesonders prüfungsrelevante Themen
- Zwangsgedanken = aufdringliche, wiederkehrende Gedanken, Impulse oder Vorstellungen
- Zwangshandlungen = ritualisierte Verhaltensweisen zur Angstreduktion
- Häufige Formen: Waschzwang, Kontrollzwang, Ordnungszwang
- Gute Wirksamkeit von Exposition mit Reaktionsverhinderung
- Bei Zwangsstörungen häufig Einsatz von SSRI
- Somatische Belastungsstörung: Fokus auf übermässige Beschäftigung mit körperlichen Symptomen
- Beschwerden sind real vorhanden, nicht simuliert
- Bio-psycho-soziales Krankheitsmodell als zentrales Erklärungsmodell
- Hohe Komorbidität mit Angststörungen und depressiven Störungen
DefinitionZwangsstörungen sind psychische Störungen, die durch wiederkehrende, aufdringliche Gedanken (Zwangsgedanken) und / oder sich wiederholende Handlungen (Zwangshandlungen) gekennzeichnet sind. Diese gelten als belastend und schwer kontrollierbar.
Bei Zwangsstörungen entsteht ein Teufelskreis aus Zwangsgedanken und Zwangshandlungen: Ein belastender Gedanke (z. B. „Habe ich den Herd wirklich ausgemacht?“) löst Angst / Anspannung aus. Durch eine Kontrollhandlung (nochmal nachsehen) sinkt die Angst kurzfristig. Genau diese Angstreduktion führt dazu, dass das Kontrollverhalten häufiger gezeigt wird. Es wird also negativ verstärkt (unangenehmes Gefühl wird entfernt).
Teufelskreis der Zwangsstörung:

Therapeutische Ansätze, wie Exposition mit Reaktionsverhinderung, nutzen diese Lernmechanismen gezielt, um neue Erfahrungen zu schaffen, in denen Angst abnimmt, ohne dass Zwangshandlungen ausgeführt werden. Auf diese Weise wird das erlernte Vermeidungsverhalten modifiziert und die Symptomatik langfristig reduziert.
DefinitionSomatoforme Störungen sind durch körperliche Beschwerden gekennzeichnet, für die keine ausreichende organische Ursache gefunden werden kann. Betroffene erleben anhaltende körperliche Symptome, die eng mit psychischen Prozessen verknüpft sind. Lernen spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung dieser Beschwerden.
- Ein zentraler Mechanismus ist klassisches Lernen: Neutrale körperliche Empfindungen werden durch Angst oder negative Erfahrungen mit Schmerz oder Krankheit verknüpft. Dadurch entwickeln Betroffene eine verstärkte Wahrnehmung körperlicher Signale und interpretieren sie als bedrohlich
- Zusätzlich wirkt operantes Lernen: Auf Symptome wird häufig Aufmerksamkeit oder Fürsorge reagiert, was die Beschwerden positiv verstärkt und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie erneut auftreten. Auch Vermeidungsverhalten, wie das Meiden bestimmter Aktivitäten, wird auf diese Weise selbstverstärkend
- Kognitive Lernprozesse tragen ebenfalls bei: Betroffene neigen dazu, normale körperliche Signale als übermäßig bedrohlich zu bewerten, was zu anhaltender Symptomfokussierung und Angst führt.
Therapeutische Ansätze wie Verhaltenstherapie nutzen diese Lernmechanismen, indem sie neue Erfahrungen ermöglichen, in denen körperliche Signale realistisch bewertet werden und ängstliche Reaktionen reduziert werden.
MerkeTypische Merkmale:
- Beschwerden können verschiedene Organe / Körperbereiche betreffen und wechseln
- Symptome ähneln oft organischen Erkrankungen
- Es entsteht eine psychosoziale Beeinträchtigung (Alltag, Arbeit, Beziehungen)
- Häufige Überzeugung: „Das ist körperlich / organisch“
- Oft häufige Arztwechsel und viele diagnostische/therapeutische Maßnahmen ohne anhaltenden Erfolg
- S3-Leitlinie: Zwangsstörungen, Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)
- Goodman WK, Price LH, Rasmussen SA, Mazure C, Delgado P, Heninger GR, Charney DS. The Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale. II. Validity. Archives of General Psychiatry 1989;46(11):1012–1016. DOI: 10.1001/archpsyc.1989.01810110054008
- Goodman WK, Price LH, Rasmussen SA, Mazure C, Fleischmann RL, Hill CL, Heninger GR, Charney DS. The Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale. I. Development, use, and reliability. Archives of General Psychiatry1989;46(11):1006–1011. DOI: 10.1001/archpsyc.1989.01810110048007
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- S3-Leitlinie: Funktionelle Körperbeschwerden, Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM), Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM)

